22:20 Uhr
Viele, viele bunte Bilder: Werbung zur Kinderstunde
Die Kunden von morgen? Stündlich 30 Werbespots, zugeschnitten auf Kinder sollen die Markenbeziehung von Grund auf prägen. Der NDR Beitrag von ZAPP beschäftigt sich mit diesem Thema.
Zu Wort meldet sich übrigens auch unser letzter Podcastgast, der Sprecher des deutschen Werberates Volker Nickel, der sich natürlich vehement gegen ein Werbeverbot für Kinderprogramme ausspricht. Man würde dadurch das Kinderprogramm letztendlich kaputtmachen, denn schließlich finanziere sich dies durch Werbung. Natürlich ein Argument, was nicht wirklich auf Anhieb greift. Ich persönlich finde Werbeblöcke in der (früher nannte man das noch) “Kinderstunde” ebenfalls unpassend, dennoch ist natürlich ein Verbot ebenso völlig fehl am Platze. Hier sollte eigentlich als erstes die Verantwortung der Eltern greifen. Unbeaufsichtiges Glotzen ist eben wesentlich stressfreier als ausgewählte Sendungen per DVD oder Video (dann auch werbefrei) zu zeigen.
Völlig übertrieben wirkt das Engagement der Reportage sicherlich beim großen Anprangern der Brauerei von “Cab”, die wöchentlich die Samstagabendshow “Deutschland sucht den Superstar” sponsert. Dabei von “verführerischer Werbung für Kinder” zu sprechen ist ein wenig zu weit hergeholt. Ab 16 darf hierzulande dieses Mixgetränk getrunken werden und wenn sich im Herbst rotzbesoffene Politiker und Fernsehpromis in den Münchener Festzelten lallend begrabschen, so wird das im Fernsehen dann als wertvolles Kulturgut verkauft – zur Vorabendzeit versteht sich.
Es ist diese Doppelmoral, die mich fuchsig macht, dieses einfach “die sind an allem Schuld”. Sicherlich, die Werbebranche ist nicht gutmenschelnd, sie hat auch oft ordentlich Dreck am Stecken, doch die gesamte Verantwortung für den Nachwuchs auf die Werbeblöcke zu schieben ist wirklich ein bißchen kurz gedacht – gerade für das öffentlich-rechtliche Fernsehen, dass doch gerade aufgrund der GEZ-Gebühren als erster auf die böse Werbung ganz und gar verzichten könnte.
Danke an Daniel für den Tipp per Mail!
19 Kommentare
Einen Kommentar schreiben
- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...

Deutsche Werbe-/Medienblogs
- Agenturblog
- Aisberg
- Automobil Blog
- basd-art.de
- Beers and Ideas
- Bernd Röthlingshöfer
- Blindtext Blog
- Blog von Gwinner
- Cem Basman
- Clap-Club
- Clickpunkt 7
- Connected Marketing
- Creating Tomorrow
- Customer of Hell
- Datenschmutz
- Datenvandalen
- Digital Conversation
- Ferryblog
- Filmjournalisten.de
- Fischmarkt
- Flussaufwärts
- Fontblog
- Fridaynite
- Geistesblitz
- Guerilla Marketing Blog
- i-fekt Blog
- Ingo Kaestner
- Jenriks24phoetry
- JvM/Neckar
- Kreisrot Rundschreiben
- LPMDESIGN Weblog
- MADVERTISING
- Markentechnik Blog
- Marketing Oase
- Massenpublikum
- Medienvirus
- Mobile Zeitgeist
- Neukunden-Magnet
- Nico Zorn
- Nino Worldwide
- Off the record
- OnetoBlog
- Out of office
- Pimp my brain
- Pixelsebi
- praegnanz
- reine Formsache
- Reklame
- seoFM
- Sichelputzer
- Sloganmaker
- SOS SEO
- The missing Link Agenturblog
- Tischthema TV
- VisualBlog
- Werbewahn
- Werbewunderland
- Zielpublikum
- Zorno
- Zweieintel
Englische Werbe-/Medienblogs
Evergreens (teilweise Off-Topic)
Web 2.0 Blogs
Werbeblogger Autorenlinks




Am 24. April 2007 um 10:04 Uhr
Die Idee, Kindern nur noch ausgewählte DVDs und Videos werbefrei vorzusetzten hat sich spätestens mit der Einschulung erledigt; wenn auf dem Pausenhof über Yu-Gi-Oh und Spongebob diskutiert wird will man mitreden können und nicht sich das ganze 3 Monate später auf Video reinziehen. Ich finde übrigens nicht, dass die Anprangerung von Biermixwerbung vor DSDS überzogen war. Klar, die Zielgruppe sind keine Kleinkinder mehr, aber die Zuschauer dieser Sendung dürften sich doch sehr stark aus der Altersgruppe 14-18 rekrutieren und weiblich sein. Perfekt für Biermix-Werbung, passendes Alter und passende Zielgruppe. Rauchen ist ja auch ab 16 erlaubt, trotzdem gibt es ein Werbeverbot dafür. Und dass die Jugendlichen stark auf diese Mixgetränke ansprechen habe ich schon häufig nach Schulschluss gesehen, wenn der erste Griff zur Mixery- (oder was sonst gerade angesagt ist) Flasche geht.
Am 24. April 2007 um 10:13 Uhr
Auch Spongebob kann man mit VCR zeitversetzt ohne Werbung anschauen. Mein Gott, dann sehen die das 10 Minuten später als andere Kinder.
Ich halte ebenso wenig etwas vom Tabakverbot. Denn es hat sich gezeigt, dass die Erwachsenen und die Coolen von der Schule der häufigste Anlass zum rauchen ist. Steht im “Tipping Point” von Malcom Gladwell. Wer keine Affinität zum rauchen hat, lässt sich auch nicht durch Werbung dazu verführen. Selbiges gilt für Bier, Schokolade etc. pp.
Aber sicherlich richtig ist die richtige Platzierung der Biermix-Werbung, für die richtige Zielgruppe. Und mal Hand aufs Herz, als es damals noch keine Bier- und Tabakwerbung an jeder Ecke gab, da hat die Jugend erst ab 18 damit angefangen?
Am 24. April 2007 um 10:28 Uhr
Öhm. Patrick, Deine Argumentation FÜR Werbung für Alkohol in einer Jugendsendung finde ich bedenklich. Aber so richtig. MIT Hand auf dem Herzen. Besonders dann.
Selbstverständlich ist der Einstieg schneller gemacht, wenn einem nur oft genug gesagt und gezeigt wird, wie cool und hip und locker und lustig und ungefährlich das trinken ist.
Und besonders die Nummer mit der Affinität, die zum Konsum führt, ist völlig daneben, wie ich Dir aus meiner Zeit (immerhin 4 Jahre) in der aktiven Jugendarbeit beim Jugendamt versichern kann.
Und wir Werber stehen absolut mit in der Verantwortung dafür, wer was komsumiert. Das ist unser Job! Die Leute dazu bringen, das beworbene Produkt zu kaufen und zu konsumieren. Wenn wir die Verkaufszahlen von Brauereien nach oben bringen, klopfen wir uns auf die Schultern und feiern eine weitere erfolgreiche Kampagne, recken stolz die Brust raus, wenn unsere Spots/Plakate/Webseiten prämiert werden. Wenn es dann aber heißt, Werbung könnte dazu führen, dass immer mehr Jugendliche Alkohol trinken, wollen wir’s nicht gewesen sein.
Am 24. April 2007 um 10:35 Uhr
Ich bin nicht FÜR Alkoholwerbung bei Kindern, was ich lediglich zum Ausdruck bringen möchte ist die bereits im Artikel erwähnte Doppelmoral. Kinder sehen Eltern trinken und feiern – das wirkt 1000 mal stärker als jedes Plakat, jeder Spot usw. Wer aus einer Familie stammt, dessen Alkoholkultur besonders ausgeprägt ist, wird auch das an sich selbst beobachten können. Man geht einfach anders damit um. Und wie gesagt der enge Freundeskreis hat einen wesentlich höheren Einfluss als jedweder “Star trinkt Alk” Spot. Also die alleinige Schuld auf die Industrie zu schieben ist mir da zu wenig. Das sind Ausreden um sich aus der Verantwortung zu ziehen. Wir können nicht gleichzeitig ein Land der Alkoholkultur sein und uns dann beschweren, dass der Nachwuchs da auch mitmachen will. Immerhin lernen wir noch am stärksten durch Nachahmung – der Realität.
Am 24. April 2007 um 10:49 Uhr
Da hast Du allerdings recht. Kommt in Deinem Artikel nur nicht ganz so rüber.
Selbstverständlich liegen die Ursachen für zu frühen, regelmäßigen und starken Alkoholkonsum nicht in der Werbung (zumindest nicht mehrheitlich), aber sich da aus der Verantwortung ziehen, geht auch nicht.
Gerade in Bezug auf die Effizienz von Werbung gibt es ja konkrete Zahlen. Es ist nachweisbar, dass Werbung für neue, junge, hippe Mixgetränke diese eben näher an den Konsumenten rückt. In unserer Zeit finde ich schon die definierte Zielgruppe schrecklich. Jugendliche ab 16…
Natürlich spielen Gruppenzwang, Erziehung, Freundskreis und alle möglichen anderen Faktoren eine ebenfalls entscheidende Rolle. Ich wäre aber tatsächlich FÜR ein Verbot von Werbung für Alkohol, die sich dermaßen gezielt an eine gefährdete Gruppe richtet.
Auf der einen Seite versuchen Pädagogen und Eltern (hoffentlich), ihre Schützlinge vom Alkohol fernzuhalten, oder ihnen zumindest einen gemäßigten Umgang damit anzuerziehen, und auf der anderen Seite versuchen die Brauereien eben dieser Zielgruppe in jeder Werbepause lust auf einen weitere Flasche zu machen.
Zwar mag es andere Einstiegswege geben, aber dieser (also der über Fernsehwerbung) lässt sich nunmal abstellen. Theoretisch.
Am 24. April 2007 um 12:47 Uhr
Ist diese Phänomen der “populistischen Reflexreaktionen” derzeit nicht ständig zu beobachten? Wer macht sich denn noch die Mühe differenziert zu denken und eine Angelegenheit aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten?
Dumme Kinder: Fernsehen schuld.
Dicke Kinder? Fast Food schuld.
Aggressive Kinder? Computerspiele schuld.
Besoffene Kinder? Werbung schuld.
Leider funktioniert das Leben nicht so einfach.
Am 24. April 2007 um 15:06 Uhr
ah, wegen solchen beiträgen lohnt es sich immer wieder beim werbeblogger reinzuschauen. ist der kerl von krombacher eigentlich ausm marketing? “es gibt keinen zusammenhang zwischen werbung und konsum”, vielleicht zwischen schlechter werbung und konsum.
Am 24. April 2007 um 16:25 Uhr
Ich hab ‘ne Zeitlang in den 90ern Bierwerbung gemacht. Bin also eine Bierfrau (Bei den Bewerbungen bei neuen Agenturen: “Können Sie Bier?” :-).
Mein Wissen aus der Zeit: Die Brauereien hatten historisch in den 90ern und haben Absatzprobleme – außer vielleicht kleine berühmte Kult-Lokalbiere. Es war den Großplörre-Produzierern wirklich alles recht, was ihren Absatz ankurbelte.
Man hat z. B. die vielen Line-Extensions eingestampft (die einzeln zu bewerben ihnen zu viel gekostet hat und zu wenig rüberkam und und ), aber nur eine neue entwickelt: Bier-Mixgetränke. Eine Zeitlang hat man auch an einem Bier getüftelt mit künstlichm Aromahopfen (die Idee stammte aus Japan), der null bitteren Geschmack auf der Zunge hinterlässt. Alles nur um… Frauen (da roch man noch Potenzial, die Männer tranken ja schon was sie konnten :-), da konnte man nicht noch mehr rausholen…) mehr zum Biertrinken zu bewegen, die das Bittere nicht mögen. Damals waren Frauen die Rettung in den Augen der Marketer. Hat bloß nicht recht geklappt :)
Jetzt sind es die Jugendlichen. Komme mir keiner mit armer Bierbranche. Es gibt in D definitiv zu viele Großbrauerei-Derivate von Billigkotzbier. Das sind die, die diese Mix-Werbung überhaupt machen und platzieren können, eine kleine qualitätsvolle mittelständische Brauerei kann finanziell keine solchen Spots schalten und kann nicht mithalten mit den Schalt-Frequenzen(Ist meist auch Blödsinn, denn deren Verbreitungsgebiet ist lokal und sie hätten dazu noch deutlich höhere Distributions- und Logistikkosten, würden sie sich auf nationale ode europaweite TV-Werbung einlassen.)
Ich bin daher bereits aus diesem Grund gegen Alkoholwerbung zu jugendlichen Sendezeiten, eigentlich überhaupt. Zudem kann das Bier oder der Wodka-Anteil in den Mixgetränken eigentlich nur Schauder-Plörre sein, die kein Mensch freiwillig pur trinken würde. Aber wenn Limo oder sonstiger Papp drin ist, schmeckt man es halt nicht, Kunststück. Die Marketer diskutieren das, wissen auch genau dass Kindern herkömmlichen alkohol nicht mögen. aber sind zynisch genug, das dennoch druchzuziehen, es gibt da keine Moral. Nicht einmal eine des guten Produkts.
Ein Werbeverbot im TV würde mir also auch aus diesem Grund gefallen:
- Die lokalen Brauereien haben wieder eine Chance
- Die Bierbraukultur für gutes Bier geht nicht den Bach runter
(Oder würde jemand freiwillig Binding-Bier oder Dr. Oetker-Bier trinken…, wenn er Tannzenzäpfle oder Köstritzer kriegen kann?)
Den Alkoholismus wird ein Werbeverbot nicht verändern oder aufhalten, da haben meine Vorredner recht, denn der wird in den Familien und den Peergroups vorgelebt.
Aber EINMAL ein Vorbild sein, das könnte der TV-Werbung ECHT NICHT SCHADEN.
Und: es lebe die lokale Brauerei. Wohl bekomms. Ein Alkoholiker kann nicht genießen, ihm ist der Geschmack später richtig wurscht, er will nur die Wirkung. Jedes Kind findet am Anfang Alkohol bitter oder sagt, dass er im Hals brenne und im Magen heiß ist. Das ist normal, wir wissen das bloß nicht mehr. Kinder mögen von Natur aus Alkohol nicht. Aber mit dem Süßkram darin werden sie stückweise dahin geführt und “gewöhnt”. Das ist das Problem: unser Geschmacksnerven wurden umerzogen. Engagierte Eltern sollten das bedenken und ihre Kinder zu Gourmets und zu “Futterzicken” machen, indem sie das selber vorleben: gut und natürlich essen, ausgewählte Lebensmittel, und nicht jeden Industrie-Quatsch in sich hineinschütten.
Am 24. April 2007 um 20:22 Uhr
Ach Mensch, hier stehen doch sonst so viele kluge Sachen. Was ist denn jetzt plötzlich los?
Mich nervt die Doppelmoral auch. Aber andersrum. Die Werbung ist natürlich kein Verführer, Schuld sind die bösen Bierstadl-Politiker und die Dosenbier saufenden Eltern armer Vorstandkinder. Oder die allabendliche Weißweine-Schorle von Mami. Das ist kein Argument, sondern reflexhafte Spiegelfechterei frei nach dem Motto: Schuld sind die anderen, und zwar noch viel doller.
Daraus einen moralischen Freiraum für zielgruppengenaue Alkohol-Lockangebote im Fernsehen abzuleiten, läuft bei mir unter Zynismus.
Irgendwie hätte ich mir ein deutlicheres Statement, eine klare Stellungnahme gewünscht. Meine habe ich: Es sieht grad nicht so aus, als hätten Kinder und Jugendliche besonders viel Auswahl an Idolen, an “Leitbildern”, an Orientierung. Dass sie sich deshalb an Aufziehpüppchen in Talentsimulationen hängen, ist schon traurig genug. Dass dieses bisschen Idol dann auch noch zielgenau missbraucht wird, um markenabhängigen Jugendlichen Alkoholgewöhnungsbrause anzudrehen, das ist: widerlich.
Jeder, der das mit einer Gesellschaft rechtfertigen möchte, die ja eh recht alkoholfreundlich eingestellt ist, sei eingeladen zu einer Rundfahrt mit der örtlichen U-Bahn am Freitag- oder Samstagabend. Da torkelt jede Menge Zielgruppe mit Ein-Literflaschen voller Markenbrause rum. Da können wir gleich mal mit dem kritischen Dialog anfangen, oder? Die Gesellschaft ist schließlich etwas mehr als Politiker auf Bierfesten.
Danke an Vroni für ein paar klare Worte und vor allem den letzten Absatz :)
Ich hab mich jetzt auch zu ende aufgeregt. Danke fürs ertragen leicht polemischer Seitenhiebe.
Am 24. April 2007 um 21:45 Uhr
@Aude: Ich gebe dazu kein klares Statement, gerade weil man den Alleinschuldigen eben nicht so einfach ausmachen kann. Wenn das nicht rüberkommt, tut es mir leid. Es ist eben einfacher sich auf die Seite derjenigen zu stellen, die Werbung für alleinschuldig halten, daher habe ich diesmal diese Perspektive eingenommen. Ich persönlich bin jedenfalls davon überzeugt, dass ein Werbeverbot nicht wirklich etwas am Alkoholkonsum von Jugendlichen ändert. Es ändert tatsächlich höchstens das Markenverhalten und so säuft man eben das Dorfbier statt der Weltmarke. Dass man mit der Bierwerbung bei DSDS auf Minderjährige abzielt ist auch nur reine Vermutung. Wie alt ist denn die Zielgruppe? Dass man Jugendliche, die bereits Alkohol trinken dürfen bewirbt halte ich genauso für verwerflich oder legitim wie all die anderen Vorbilder. Ich möchte mich weder ganz auf die eine noch auf die andere Seite stellen, ich möchte beide Seiten beleuchten.
Was die Gesellschaft wirklich ist? Massenphänomen wie Oktoberfest, Ballermann oder alle Volks- und Weinfeste zusammengenommen ergibt für mich eindeutig eine Gesellschaft deren kulturellen Wurzeln mit viel Alkohol genährt wurden. Das ist ja auch okay, jede Kultur hat ihre Drogen. Die Amerikaner haben mittlerweile Prozac, in arabischen Ländern ist es vielleicht Cannabis, in Südamerika die Kokablätter. Wenn wir alles verteufeln was irgendwie schlecht sein könnte dann müssten wir nahezu alles verbieten. Zucker, Fernsehen, Computerspiele, Filme usw. Die Dosis bestimmt das Gift. Ein Kind, dass in einem Umfeld aufwächst, indem vernünftig mit dem Thema Alkohol umgegangen wird, ist sicherlich weniger anfällig für Bierwerbung. Ein Kind für dass es selbstverständlich ist, wird auch ohne Werbung sich dem Alkohol zuwenden.
zu Vroni: Stimme dir teilweise zu. Allerdings war Alkohol sicherlich nicht immer für Erwachsene so bitter. genau wie bei Schokolade soll es Erwachsene geben die auf die “Plörre” stehen. Das fängt bei Kölsch an und endet beim Eckes Edelkirsch und den sogenannten “Hütchen” die auch schon zu Vatters Jugend gekippt worden. Dieses Alkopop-Geschwätz (also nicht deins Vroni) nervt mich extrem. HEUTZUTAGE ist alles so viel schlimmer, HEUTZUTAGE trinken alle Kinder Alkopops. So ein Blödsinn, das wurde früher auch gekippt in Form von Asbach-Cola oder Blue Curacao, eben nur nicht Flaschenfertig, dann halt selbst gemixt in zum Teil komatösen Mischungsverhältnissen.
Im Übrigen glaube ich nicht, dass man allein mit Geld eine Biermarke groß machen kann. Siehe dazu eben auch dein Beispiel mit Rothaus. Der Geschmack bestimmt immer noch den Absatz. Die Werbung allein dient dazu den ersten Schluck zu nehmen. Dann entscheidet der Konsument immer noch selbst ob ihm das Getränk schmeckt oder nicht. Und süß punktet da eben öfters.
Dann noch zum Mythos “brennt im Hals” etc. Mich hat das damals nicht davon abgehalten, im Übrigen schmeckt die erste Zigarette auch nicht wirklich nach Zuckerwatte.
ZUM SCHLUSS:
Wenn jemand Verantwortung tragen sollte, dann die Vermarkter und der Sender. Sie gestalten das Programm, sie legen fest, wer Werbeblöcke buchen kann. Das könnten wir auch nochmal gerne diskutieren.
Am 24. April 2007 um 22:31 Uhr
“Dann noch zum Mythos “brennt im Halsâ€? etc. Mich hat das damals nicht davon abgehalten, im Übrigen schmeckt die erste Zigarette auch nicht wirklich nach Zuckerwatte.”
@ Patrick
Das ist kein Mythos, sondern stimmt wirklich.
Du sagst es gerade selber: Gleich danach gibst du indirekt mit diesem Satz zu, dass der Anfangskontakt sich nicht so dolle angefühlt hat, indem du sagst, dich hat das jedenfalls nicht abgehalten.
Ha.
Genau. Das ist der Punkt: Man lässt sich nicht abhalten, denn man will mit_halten, will erwachsen sein/wirken und glaubt, man muss da durch, es schmecke halt scheusslich, basta. Wie ein Naturgesetz wird das hingenommen, dass man sich einfach nur überwinden müsse. Irgendwann schmecke das schon. Wie mit dem Bamberger Schlenkerla-Bier, das schmeckt angeblich erst nach der dritten Flasche. Hey, nach der dritten Flasche ist man schwer angeschickert, da könnt ma auch Putzwasser saufen :-) Schmeckt dann auch klasse.
Wir haben eine Kultur des sich Peinigens, nur um dabei sein zu dürfen. Es ist ein männliche Yang-Kultur der Initiationsriten. A Guader hoids aus, nur a Schlechter kimmt um.
Und um uns das uns zu erleichtern, kommt die Industrie daher, setzt auf diese Yang-Kultur auf, denen auch allmählich die Mädchen unterliegen und füttert unsere Kinder an wie die Fische beim Angeln. Damit uns das Zeug besser schmeckt. Das kann nicht OK sein.
Und wenn man hundertmal sagt, da müsse sich die drogenorientierte Gesellschaft sich selber an die Nase fassen. Die Werbung ist auch Teil dieser Gesellschaft. Nur, keiner fängt an, weder die Werbung noch andere, und gerade mit dem Finger auf die Werber zeigen und gut is, ist natürlich Schwachsinn. Mein Erlebnis mit Werbern aus Frankfurt war dazu noch sehr einschlägig. Nach dem Ende der uferlosen Meetings, in denen ich auch gefangengehalten wurde (es ging um eine Pitch-Kamapgne für einen großen Katalogversender), fragte mich eine dieser hochbezahlten Gestalten, wo es in unserer kleine Kantine was zum Trinken gäbe. Ich wies auf den Kühlschrank, der war gefüllt mit Mineralwasser und einigen Flaschen Prosecco. Schaute der mich an, wie wenn ich blöde wäre: Ne, was Richtiges mann!! Er meinte Schnaps, kein Mädchenwasser, das hatten wir natürlich nicht, und sie zogen unverzüglich in die Altstadt um die Häuser. Zack warnse wech.
Man sollte halt von drogenabhängigen Werbern nicht allzuviel Einsicht in Suchtverhalten erwarten :-)
Am 24. April 2007 um 22:46 Uhr
@Vroni: Mädchenwasser! :-D
Süchtlinge gibt es überall, ich schließ mich da nicht aus. Ich kann von mir behaupten, dass ich erhebliches Suchtpotenzial in mir beherberge, egal ob das nun genetisch, soziokulturell oder einfach natürlich im Menschen vorhanden ist. Wichtig für mich ist, dass ich das weiß und gott sei dank mittlerweile mehr oder weniger damit umgehen kann. Um gleich Missverständnisse zu vermeiden, ich spreche auch von Süchten in Form von Zucker, Fett, Zigaretten, Kaffee, Sex, Arbeit, Adrenalin etc. (nicht das jier wieder das alte Werbeklischee mit dem Koks aufkommt) also alles mögliche, das dem Menschen irgendwie ein Gefühl von Wohltat vorgaukelt. Selbst Abstinenz kann eine Sucht sein, daher die Frage, wer von uns ist eigentlich frei von Sucht? Was müssten wir alles verbieten um das zu verhindern? Die Frage ist, lassen wir uns davon unser Leben versauen oder wie können wir das für uns und unsere Lieben verhindern? Ich bin der Meinung, eben nicht alleine durch ein Werbeverbot im Abendprogramm. Solche Webung in der klassischen Kinderstunde, bei der gesetzlich geschäftsunfähige Menschen zuschauen, finde ich natürlich absolut tabu, aber da finde ich auch jedwede Art von Werbung unpassend.
Am 24. April 2007 um 23:07 Uhr
Ganz nebenbei – Worüber ich mich freue: Einen Meinungsaustausch ohne Hiebe unter die Gürtellinie. Dafür meinen Respekt und Dank an unseren Gastgeber. Ist ja nicht selbstverständlich, sowas. :)
Am 25. April 2007 um 02:48 Uhr
@ Patrick,
natürlich gibbet es viele Süchte außer Alkohol.
Aber der Akoholismus (nebenbei: er ist als Krankheit anerkannt und beschrieben) ist dermaßen brutal in seinen Auswirkungen, das kann nur jemand ermessen, der in der Umgebung solche Menschen und ihre Angehörigen jahrlang begleitet hat oder selber drin steckt. Der Alkohol zerstört sogar in Gehirn emphatische Antriebe eines Menschen, er zerstört menschliche Beziehungen, er verändert komplett die Persönlichkeit zum Zombie. Er ist ein soziales Gift. Er wird in der Jugend bei den Menschen, die dafür genetisch anfällig sind, sofort greifen. Wir sollten uns das bewusst machen, wenn wir dem Alkohol so locker gegenüber stehen nach dem Motto, ach, wir haben früher doch auch über die Stränge geschlagen. Damals haben uns die Preise, das Bittere und das Scharfe zu harter Alkoholika etwas abgehalten – zumindest die Mädchen. Und jetzt machen die Mädchen mit. (Ich hatte auch nicht soviel Taschengeld wie heutige Kinder – für solche Gelage, gottseidank aber auch nachträglich.)
Nikotinsucht ist auch nicht doll, ja doch, er lässt aber die Persönlichkeit ganz und ihr Umfeld, aber Alkoholismus zerstört ganze Familien und soziale Netze. Es entsteht ein psychiatrisches Gespinst aus Lügen und Co-Abhängigkeit (auch der der Profi-Helfer), er fördert durch negative Veränderungen im Serotonin-Stoffwechsel Depressionen, Angstattacken und Suizidalität, wodurch noch mehr gesoffen wird und andere reingezogen werden. Ich denke, wir dürfen Alkoholismus nicht so relativieren wie unseren üblichen Scheiß wie Rauchen, Zucker, Kaffee etc. Diese letzten 3 Sachen schädigen nur den Süchtling, leider und gottseidank.
Am 25. April 2007 um 03:38 Uhr
@vroni:
Du hast Recht. Alkoholmissbrauch ist (neben den Gesundheitsaspekten) ein weitreichendes Sozialdisaster. Übrigens schon lange, bevor Werbung eine verbrauchertreibende Rolle spielte. Der Umgang mit egal welcher (potentiellen) Droge kann nur im Wertegefüge einer einflussfähigen Elternbetreuung, Erziehung und Fürsorge stecken…die Verführung ist immer. (Damals EAV:”das Böse ist immer und überrrrrrall”)
Am 25. April 2007 um 08:07 Uhr
@Vroni: Stimme zum Teil zu, natürlich ist Alkohol einer der schlimmsten Drogen unserer Zeit (mal von den harten, verbotenen abgesehen und den ganzen Pharmakram, den wir noch nicht durchschauen)
Bei Nikotin widerspreche ich ein wenig, natürlich wird Nikotinabhängigkeit nicht unbedingt Beschaffungskriminalität auslösen (noch nicht wirklich, wobei die Kriminalität in Bezug auf Nikotin sicherlich durch steigende Preise zugenommen hat – Schmuggel etc.) trotzdem ist Nikotin eine relativ zerstörerische Droge (auch für andere beim Passivrauchen) mit starkem Abhängigkeitspotenzial. Es mag vielleicht weniger Gehirnzellen zerstören, dafür verkürzt es die Lebenszeit unter Umständen trotzdem erheblich. Man schätzt jährlich mit 100.000 Toten in Deutschland, im Vergleich dazu Alkohol mit 73.000 Todesopfern jährlich. Aber diese Rechnung aufzumachen ist natürlich eigentlich quatsch, aber trotzdem wichtig. An Herzinfarkt sterben übrigens ca. 280.000 Menschen, meist eine Kombi aus Alkohol, Stress, Zucker, fett und Nikotin.
Klar schätzt man Alkohol, wenn man Berührung zu tragischen Fällen hat (mir brauchst du da wirklich nichts zu erzählen, ich habe hautnahe Erfahrung) als wesentlich gefährlicher ein. Mein neigt auch dazu andere Drogen zu verharmlosen, aber am Ende bleibt sicherlich eines übrig: Egal von was du zu viel machst, es wird dir und andere immer wehtun!
Am 25. April 2007 um 13:54 Uhr
Sachen, die nur mir wehtun, sind meine Sache.
Sachen, die auch andere mitschädigen, sind da ganz anders.
Daher mein entschiedenes Nein zu Relativierungsversuchen.
Das Antirauchergesetz ist deswegen, um unfreiwillige Mitraucher zu schützen. Wie harmlos eigentlich gegenüber den massiven Leiden von Angehörigen Alkohlkranker. Wie krank ist das denn, könnt mich aufregen. Das nur, weil der Staat an dem Zeug mitverdient – und auch noch die falschen Prioritäten setzt: Gegen Rauch sein ist eben momentan Mode und durchsetzbar. Gegen Alkohol sein, da langt man derzeit noch in die Sektiererkiste, komisch. (Joschka Fischer said, eigentlich auch ein Rotweinliebhaber, memoriert: Der ganze Bundestag stinkt nach Alkohol…)
Ich bin für generelles Werbeverbot von Alkoholika und zwar übergreifend.
ich will keine verlogene “ach-die-kleinen-Kinderchen-müssen-doch-bei-der-Teletubbie-Sendung-geschützt werden-Diskussion”. Ich will auch keine Diskussion: “Die Werbung ist schuld am Alkoholismus”.
Die Diskussion muss ganz klar dahin, wo man am ehesten drüber nachdenkt: in die öffentliche Diskussion über unser aller Alkoholverhalten: im Büro, zuhause und unsere Relativierungen müssen gecheckt werden. Klassische Kennzeichen von Co-Abhängigen sind: Relativierung, Schönreden.
In den Mittelmerrländern hat man übrigens weniger Probleme mit Alkoholismus, obwohl beim Essen immer Karaffen mit Rotwein da stehen. Da wird eben zum Essen getrunken, mit Wasser verdünnt, basta. Danach nimmer. Es ist sozial- und gourmet-kulturell kontrolliertes Trinken. Die Gruppe passt auf. Wenn hier in den mittleren bis nordischen Ländern einer zu viel außerhalb der Essenszeiten über die Binde kippt und rumlallt, schweigen wir betreten (er kriegt es auch nüchtern georden nicht mit, dass wir ihn so gar nicht mögen, weil wir schweigen…), bringen ihn ohne Aufsehen flugs nach Hause (das ist Verheimlichen) und haben… Verständnis (= beides typisches Co-Alkoholiker-Verhalten). Wozu?
Und von dieser Farbe ist auch die Diskussion hier.
Als Werber sage ich: Weg mit Alkohol-Werbung, egal wo und egal welche. Denn sie signalisiert damit öffentliche Akzeptanz: Ist doch irgendwie OK, da doch erlaubt, und cool durch die geschickte memetische Aufmachung.
Da bin ich voll dagegen, Alkoholwerbung ist mindfuck, der eben die gefährlichen Relativierungen auslöst und am Leben erhält.
Am 4. Mai 2007 um 21:48 Uhr
Meine Güte, diese ganze Alkohol- und Nikotindiskussion ist doch einfach nur ballaballa. Solange es die Menschheit gibt, wird es Säufer und Raucher geben, was solls? Dieser ganze Blödsinn wie Chipkarten an Zigarettenautomaten und Alterskontrolle bei Alkoholverkauf bewirkt doch lediglich, daß die Nachfrage steigt, ein uralter Mechanismus: Was schwer zu bekommen ist, muß ja gut sein. Ein unverkrampfter Umgang mit Alltagsdrogen die sich nunmal nicht verbieten lassen, wäre hier angesagt!
In den 70ern wurde kein Kind, daß von den Eltern zum Einkaufen geschickt wurde, gefragt, für wen Zigaretten und Schnaps sein sollen. Ich denke nicht, daß in den 70ern deshalb vollgesoffene Jugendliche mit Kippe im Maul dem Allmächtigen gegenübergetreten sind. Wenn heute Jugendliche zum Exzess neigen, sollte man sich mal fragen, welche Ursachen das hat!
Am 4. Mai 2007 um 21:58 Uhr
Um auf meinen Vorredner zu reagieren: Midfuck ist ganz ezwas anderes. Mindfuck ist es nämlich, Menschen zu bevormunden, ihnen vorzuschreiben, was in den Augen derer, die es zu entscheiden haben, gut oder schlecht ist. Diese “Verbieten wir es doch” Einstellung ist zutiefst faschistoid! Eine Gesellschaft muß damit leben können, daß es immer wieder Menschen geben wird, die sich nicht konform verhalten, das nennt man Freiheit!
Eine Gesellschaft, in der alle schädlichen Einflüsse “von Oben” abgestellt sind, wir aber dadurch alle ein Lebensalter von 100 Jahren erreichen, finde ich zum kotzen! Wir Menschen sind einfach so, wir haben unsere fehler, der Eine mehr, der Andere weniger. Und, ja, zur Freiheit gehört es auch, auch wenn das nicht mein Lebensentwurf ist, sich totsaufen zu können.
Unfreiheit verschafft den vermeintlichen Segen der “Glückseligkeit”. Freiheit verschafft den “Segen” der freiheitlichen Entscheidung, wie sie auch aussehen mag. Wir Menschen brauchen Freiheit, sonst gehen wir zugrunde!