18.04.07
15:11 Uhr

Authentizität gefährdet die heile Familien-Welt?

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Die deutschen Mütter sind unzufrieden mit Teilen der deutschen Werbung. 60% der befragten deutschen Mütter sehen Fast-Food-Werbung als Beweis dafür, dass die Werbebranche das wahre Familienleben nicht kennt bzw. – meine Interpretation – auch nicht wirklich respektiert. Als frischgebackener Vater kann ich das zum Teil bestätigen. Alles Idealisierte wirkt doppelt frustrierend, wenn es im eigenen Heim eben nicht so ist. (Beispielsweise wenn man überall hört, dass andere Kinder im gleichen Alter schon durchschlafen und man selbst als Herr der Augenringe umherwandeln muss). Was ich damit meine ist, dass all das überzeichnete Familienheil eher einen gegenteiligen Effekt auslösen kann, als es ursprünglich sollte.

Genau da springt die Authentizität ein. Familienszenen, bei denen eben nicht immer alles glatt läuft, sind einfach authentischer und damit auch symphatischer. Wir leben in einer aufgeklärteren Welt, wir reden heute mehr über Probleme, suchen professionelle Hilfe in Form von Therapeuten, Beratern etc. Das Totschweigen, Verdrängen und Flüchten in eine heile Welt verschwindet mehr und mehr von der sozialen Bildfläche. Das war die Generation vor uns, sie saß das aus, sie futterte lieber statt über Probleme zu sprechen. Genau das sollte die Werbebranche in Zukunft begreifen. Sie kann nämlich auch den Drahtseilakt des Geschichtenerzählens ohne eine künstliche Überladung von Charakteren hinbekommen und ohne Probleme völlig wegzuwischen. Ganz im Gegenteil, Probleme kann man auch mit Humor lösen, wie beispielsweise dieser geniale Spot von Geico, der das beschriebene Problem der fehlenden Authentizität in der Werbung augenzwinkernd behandelt:

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Das Ergebnis einer überzüchteten heilen Welt schlägt sich nämlich direkt im Vertrauen der Verbraucher nieder. 40% der Mütter sind genervt von diesen Familienszenarien. Nur 13 von 36 Marken wurden von den Frauen als solche eingestuft, die die Situation der Familien wirklich begreifen können. Also bitte in Zukunft weniger von diesen Geschichten:

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Ein Kommentar

  1. Mathias

    Ah ja. Der Hohes C Spot, in dem ein Kind seinem lebendigen Plüschteddy erklärt, dass der O-Saft jetzt mit weniger Säure kommt spiegelt also die Lebenswirklichkeit in deutschen Haushalten wieder. Dr. Oetker Werbung ist mir auch nicht als besonders wirklichkeitsgetreu in Erinnerung. Wenn der Pudding-Spot (auch auf droetker.de zu finden) nicht „Heile Welt“ zeigt, was dann? Die anderen dort Spots ebenfalls. Schon seltsam, dass sich beide Firmen trotzdem unter den Top 4 befinden, nicht?

Eure Kommentare

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