13:59 Uhr
Hornbach: Helden der Arbeit, Helden der Gesellschaft?
Vor kurzem hat der Heimwerkerriese Hornbach eine richtig dicke Imagekampagne gestartet. Alfred Hornbach persönlich führt die stark sozial angereicherte Kampagne “Helden IV” mit warmen Worte in die deutschen Medien ein.
Unsere Kampagne umfasst sechs Motive, die wir Ihnen hier vorstellen wollen. Alte Menschen, Homosexuelle, Menschen anderer Nationalität, Behinderte, Religion und das Aussehen jenseits gängiger Schönheitsnormen stehen im Mittelpunkt. Die Anzeigenmotive sollen verdeutlichen, dass Menschen, die manche als „Randgruppen“ bezeichnen, kein Schattendasein führen, sondern dass jeder einzelne unsere Gesellschaft in seiner Einzigartigkeit bereichert. Wir wollen Menschen, die mit Begeisterung an ihrem Projekt arbeiten, als die wahren „Helden des Alltags“ porträtieren.
An sich ist die Kampagne wirklich gut, sie ist auf den gemeinsamen, sozialen Nenner in einfachster Verbalakrobatik im Stile der Bild gehalten. Sozusagen der “Volksbaumarkt”. Die Integration der 6 beliebtesten “Randgruppen” in eine Plakatkampagne und schon ist Deutschland ein Stückchen wärmer und heimeliger. Nicht falsch verstehen, ich habe sicherlich nichts gegen soziales Engagement, was ich jedoch bei dieser Kampagne verspüre ist ein starkes Knirschen im Getriebe. Kann man aber den Sand wirklich genau aufspüren? Vielleicht liegt es zum Beispiel daran, dass Hornbach bisher so im ganz anderen Stil nach außen kommunizierte. Alles war irgendwie laut.
Link: www.youtube.com
provokativ und gefälscht
Link: www.youtube.com
leicht irre
Link: www.youtube.com
und eben auch – ja, randgruppenbeleidigend
Link: www.youtube.com
Im letzteren Spot werden dicke Kinder also als fette Quallen tituliert, während man hier den fetten Heimwerkern Honig ums Maul schmiert
und für “Toleranz in der Gesellschaft” wirbt. Es ist der gesamte Kontext der bisherigen Unternehmenskommunikation, der diese Kampagne ein wenig verdächtig macht. Die fehlende Glaubwürdigkeit für echtes soziales Engagement, der Verdacht auf eine neue kreative Masche um einen weiteren Werber-Preis oder viele neue Kunden an Land zu ziehen. Denn wenn man richtig tief zwischen den Zeilen von Herrn Hornbachs Statement gräbt, kann man erahnen, für welche Dinge seine Leidenschaft wirklich lodert, denn er beginnt sein Statement mit diesen Worten:
Liebe Kunden und Geschäftspartner der HORNBACH-Gruppe,
unser Unternehmen geht mit seiner Werbung seit Jahren außergewöhnliche Wege – eine Vielzahl von nationalen und internationalen Auszeichnungen belegt, dass wir viele Menschen erreichen und unsere Botschaften nachhaltig kommunizieren.
Überlasst doch die sozialen Kampagnen denen, die sich damit auskennen und die es dauerhaft interessiert Hornbach macht in diesem Fall eben auch keine “Werbekampagne für eine liberale und offene Gesellschaft” (wie sie selbst behaupten), da sollte man schon eng bei der Wahrheit bleiben, denn “Helden IV” ist immer noch eine Werbekampagne für den Baumarkt selbst.
9 Kommentare
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- Daniela über die Arbeitszeit: Mit dem Alter werde ich immer tagaktiver… Während ich in meiner Schulzeit zwischen 8 und 16.00 (Schule) in...
- ralf schwartz: @Selket Interessant, danke.
- Selket: Es hat noch einen weiteren Grund, weshalb Katzen 9 Leben haben sollen: im Alten Ägypten – für Katzen wohl die beste Zeit ;-), war die...
- ralf schwartz: @AndreasK Ich kann die Härte, die Du in den Post hineininterpretierst, nur schwer nachvollziehen. Nichtmal die w&v selbst sieht...
- AndreasK: Weil jetzt das Internet nun mal da und total hip ist, muss die eigene w&v-Idee natürlich brachial digital gedacht, erstellt und...
- ralf schwartz: Ah, “LEAD digital”, dieses “14-tägliche Magazin für Digital-Professionals und Online-Marketer”. So reisst...
- Annette Mattgey: Dafür hat W&V doch LEAD digital. Da kann man all diese komischen Sachen mit dem Netz nachlesen, sogar auf ner eigenen Website....
- daniel: also erst mal, coole Grafik im oberen bereich :-) und der verdienst, hängt sicherlich von jedem selbst ab, viele faktoren spielen da eine...

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Am 17. April 2007 um 15:39 Uhr
Jippi jaja jippijippi jeah…
Genau! *g
Allerdings: ist die neue kuschelige Volksbaumarkt-WirSindFürAlleDa-Imagekampagne von Hornbach mehr Schein als Sein? Der Werbeblogger hat’s hinterfragt…
……
Am 17. April 2007 um 16:01 Uhr
hornbach und heimat schmieren sich ein bisschen mit
dove ein und man freut sich auf schöne nägel.
Am 18. April 2007 um 07:07 Uhr
was mich ja nur Ärgert ist das es der Kunde, gar nicht so mitbekommt, das man es nur macht um einen Preis oder aber neue Kundenschichten anzusprechen möchte. Aber doch nichts mit der Sache selber zu tun haben will. Schade eigendlich, weil dann würde es sicher schwer werden sich aus der Sache raus zu ziehen.
MfG
Michael Finger
Holztechniker
Am 18. April 2007 um 11:13 Uhr
@Michael Finger: Das ist natürlich alles nur ein Verdacht oder eine Vermutung. Hornbach wird das sicherlich nicht wegen neuen Kunden machen, sondern rein aus sozialen Beweggründen!
Am 20. April 2007 um 18:24 Uhr
Liebe Blogger,
es ist schön, wenn diese Kampagne als “wirklich gut” bewertet wird. Zur Frage, ob die Kampagne eine “rein kreative Masche” ist, möchte ich als Hornbach-Mitarbeiter Stellung beziehen.
Natürlich macht Hornbach Werbung, um langfristig Umsatz zu generieren. Warum aber soll man Werbung nicht auch für zusätzliche Botschaften verwenden? Entscheidend ist, daß Hornbach die in dieser Werbung gezeigte Einstellung tatsächlich vertritt. Das tut Hornbach. Und darauf kommt es an.
Zudem ist die in diesen Anzeigen gezeigte Haltung kein Fremdkörper, sondern ein Element von weiteren in einem klaren Wertesystem des Unternehmens Hornbach. Das soll allerdings keineswegs so verstanden werden, als würde sich Hornbach als “sozialer Wohltäter” darstellen wollen. Das ist nicht der Fall. Vielmehr geht es darum, für bestimmte Werte einzutreten.
Viele Grüße und weiterhin Spaß beim Bewerten von Werbung. Jürgen Schröcker
Am 20. April 2007 um 18:57 Uhr
Lieber Herr Schröcker,
erst einmal Hut ab für den Mut und die Bereitschaft auf Augenhöhe mit “den Bloggern” zu kommunizieren. Dass Sie als für die Kampagne verantwortlicher Marketingvorstand das so bewerten, kann ich auch gut nachvollziehen. Danke für ihr Statement.
Es wäre natürlich sehr schön, wenn Sie noch einmal genauer auf die Diskrepanz zwischen den vorherigen Kampagnen und der jetzigen sagen könnten, denn darauf beruht schließlich die Kritik. Konkret vielleicht am Beispiel des übergewichtigen Kindes im Spot und dem aktuellen Motiv mit dem untersetzen Handwerker. Das würde mich interessieren.
Vielen Dank und beste Grüße nach Bornheim.
Patrick Breitenbach
Am 22. April 2007 um 15:09 Uhr
Hallo,
die Fragen, welche Unterschiede es zwischen den Hornbach-Kampagnen gibt, will ich gerne beantworten:
1. Alle Kampagnen haben eine für Hornbach-Projektkunden relevante Botschaft.
2. Alle Kampagnen zeigen die Leidenschaft unserer Kunden fürs Heimwerken, für ihre Projekte. Wenn auch in jeweils unterschiedlicher Verpackung. Der Held ist der/die Heimwerker/-in.
Ausnahmen sind nur die Spots “Ron Hammer” (Für manche zu groß, für Heimwerker genau richtig.) sowie die Dauertiefpreis-Spots, die für Heimwerker relevante Vorteile der Hornbach-Märkte darstellen.
(Wenn, wie bei “Kein normaler Baumarkt. Keine normalen Kunden.” ein Jugendlicher den sorgsam gehegten Blumen seiner Mutter mit einer Schere einen Schaden antun will, dann fliegt er eben deshalb von der Schaukel und nicht, weil er übergewichtig ist.)
3. Die Helden-/Randgruppen-Kampagne unterscheidet sich insofern überhaupt nicht von den vorangegangenen. Sie beinhaltet lediglich eine zusätzliche Botschaft, nämlich die, Unterschiede zu schätzen statt zu diskriminieren. Wir brauchen ein Miteinander in Deutschland, kein Gegeneinander.
Diese Haltung kann man durchaus als egoistisch aus Sicht Hornbachs bezeichnen, denn Hornbach ist Teil der Gesellschaft und braucht eine dauerhaft “gesundes” Umfeld.
Wenn ich diese Zeilen schreibe, sehe ich mich weniger als Vorstand, der sein Unternehmen verkaufen muß, sondern eher als Mitarbeiter, der erlebt, wie sich das Unternehmen verhält. Wenn es um Werte geht, kann man feststellen, daß Hornbach Werte hat. Auch in anderen Bereichen als den in dieser Kampagne angesprochenen: Werte sind für mich beispielsweise auch die ehrliche Dauertiefpreisphilosophie ohne marktschreierische Scheinrabatte und Lockvögel oder das klare Commitment, FSC-zertifizierte Hölzer aus nachhaltiger Forstwirtschaft statt Tropenhölzer aus Raubbau zu verkaufen. Darauf bin ich stolz.
Vorsorglich bitte ich um Verständnis, daß ich aus zeitlichen Gründen diesen Blog nicht kontinuierlich verfolgen und auch nicht jede Frage direkt beantworten kann.
Viele Grüße
Jürgen Schröcker
Am 28. April 2007 um 16:15 Uhr
Als Blogger, der für seine scharfe Werbekritik bekannt, teils sogar berüchtigt ist, mache ich hierzu fünf Anmerkungen:
1. Wenn Herr Schröckler sagt, dass diese Werbung – neben ihren auf Hornbach gerichteten Zielen – zusätzliche Botschaften transportiert, dann ist ihm zuzustimmen. Grundsätzlich: Ich halte es für sehr positiv, wenn (zumal auf eine wirkungsvolle Weise) eine Toleranzbotschaft verbreitet wird.
2. Die “fette Qualle” wäre nicht nötig gewesen – und ich bezweifele stark, dass dieser Werbespot einen nachhaltig positiven Imageeffekt erzielt hat. Umso mehr aber dürfte der Imageeffekt der neuen Werbung wiegen. Meiner Meinung nach wird die “fette Qualle” sogar mehr als aufgewogen. Ich gebe zu bedenken, dass keine Organisation widerspruchsfrei ist – insofern plädiere ich dafür, hier das Positive anzuerkennen.
3. Die werbebegleitende Aussage ist wuchtig, beeindruckend, gut umgesetzt, und trotz aller Funktionalisierungsbefürchtungen kann man m.E. davon ausgehen, dass hier tatsächlich vorhandene Werte demonstriert werden. Hinter der Kampagne steckt fühlbar ein “Spirit” – und mit diesem wird zugleich intern die Corporate Identity positiv beeinflusst, der Umgang mit Kunden erleichtert und überdies eine gewisse und m.E. sehr positive Selbstbindung der Unternehmenskultur an bestimmte Werte bewirkt.
4. Ich glaube, dass die neue Werbekampagne auch ein Stück weit mutig ist, weil sie sich teils quer zum höhnischen und mitunter gegen die Menschenwürde gerichteten Zeitgeist stellt. Mein Eindruck ist, dass viele Zuschauer bei der neuen Hornbach-Werbekampangne im Stillen und sehr erleichtert gedacht haben: “Endlich!”
5. Zugleich finde ich die neue Kampagne werbetechnisch sehr geschickt. Die alten Kampagnen waren zwar hübsch laut und haben den Werbern gewiss Spaß gemacht, aber bei den Kunden könnte hier und da der Eindruck erzeugt worden sein, dass Hornbach eine Freakbude ist. Der neue Stil ist in seiner Werbewirkung nachhaltiger.
Herrn Jürgen Schröcker beglückwünsche ich zu dieser Werbekampagne.
Am 20. Dezember 2007 um 13:21 Uhr
[...] ja schließlich mal wieder was für mein Religions-Archiv tun, wenn schon Hornbach & Co. Religion als “Randgruppe” bezichtigt und sich selbst als “Gesellschafter” propagiert. Selbst bei den Stöckchen finde [...]