13:58 Uhr
Sat1 serviert hausgemachten AAL
hausgemacht.tv ist ein Web-Video-Portal des Fernsehsenders Sat 1, das vor kurzem online gegangen ist. Anders als bei myvideo.de und clipfish.de sieht man hier keine witzig bis tumben Videos aus TV und Deutschlands lustigsten Homevideos, sondern das Portal konzentriert sich auf ein konkretes Interessensgebiet, nämlich das Ratgeben: Was tun bei Schlaflosigkeit? Wie stärke ich meine Wirbelsäule? Wie werde ich meinen Fußpilz los?
Hier hat der Sender Deutschlands liebstes Hobby ins Visier genommen: Rat geben und Rat holen. Ich bin sehr gespannt ob und wie sich diese Community entwickeln wird; Potenzial steckt bei der Thematik allemal dahinter und wenn ich an all die früheren Talkshowstatisten und -darsteller denke, dürften die Inhalte sehr schnell anwachsen, denn klassisches TV zieht – wie blaues Licht die Motten – auch geltungsbedürftige Menschen an. Ein kurzer Blick auf die AGBs lässt natürlich wieder sämtliche Alarmglocken des Vernunftmenschen klingeln.
Zu den Werbemöglichkeiten gehören Display-Anzeigen auf der Website, Werbespots innerhalb der Video-Clips oder die Buchung des “Videos des Tages”. Werbungtreibende haben zudem die Möglichkeit, Gewinnspiele durchzuführen oder gesamte Kategorien zu sponsern. Auch Cross-Promotion-Pakete mit der Sat1.de-Rubrik “Ratgeber” sind geplant.
Werbevermaktung ist ja nicht wirklich anrüchig oder schlimm, ganz im Gegenteil, es ist derzeit das einzig passable Geschäftsmodell in diesem Umfeld. Ich bin jedoch sehr gespannt inwieweit eine Trennung von Inhalten und Werbung bei diesen Formaten eingehalten wird.
Doch was mich persönlich viel mehr ärgert ist, dass die potenzielle Contentlieferanten keinen müden Euro von diesen sicherlich gut betuchten Werbekunden sehen wird. Es gibt noch nicht einmal ein Alibi-Punktesystem bei dem ich irgendwann mir einen gebrandeten Schlüsselanhänger eintauschen kann. Also da wäre doch sicherlich mehr dringewesen. Aber warum kompliziert, wenn es auch wesentlich einfacher funktionieren könnte. Ein Belohnungssystem für User Generated Content ist zunächst also nicht vorgesehen – höchstens in Form von gesponserten Gewinnspielen, bei denen man wenigstens die Chance auf einen Preis hat. Doch damit nicht genug. Sämtliche Urheberrechte gehen natürlich auf den Sender über (§4). Der darf damit also machen was er will, egal ob Zweit-, Dritt- oder Viertverwertung im laufenden, klassischen Sendergeschäft, zu sagen oder bekommen hat der private Contentlieferant gar nichts, er darf sich später höchstens ergötzen am “Ich bin Experte im Fernsehen”-Gefühl. Da haben meines Wissens Talkshowgäste noch mehr für ihren “Content” erhalten. Auch die jüngste Qype-Diskussion um die Haftbarkeit von User Generated Content dürfte mal wieder kräftig auflodern, denn auch bei hausgemacht.tv distanziert man sich eindeutig von der Haftung für sämtliche Inhalte (§5). Das heißt also für mich als potenzieller User zusammengefasst:
1. Ich, der User, schenke Sat1 bzw. hausgemacht.tv meine produzierten Inhalte, mein Know-How, meine Ideen.
2. Ich, der User, sehe von den daraus generierten Werbeeinnahmen keinen Cent.
3. Ich, der User, bekomme höchstens die Chance auf eine Belohnung in Form eines Gewinnspiels, welches wiederum von Unternehmen bezahlt wird.
4. Sollte ich, der User, versehentlich rechtsverletzende Inhalte (Markenrecht, Wettbewerbsrecht etc. pp) hochladen, so hafte ich als Privatperson dafür, von dem Portal ist keine Rechtshilfe zu erwarten.
5. Laut Datenschutzbestimmungen kann es – natürlich nach der Zustimmung (das ist der Klick auf “Die AGBs habe ich gelesen”) von mir, dem User – vorkommen, dass zusätzlich meine Daten wieder an Werbekunden verkauft werden können.
Sollte ich mich mit diesen Punkten täuschen, so bitte ich um Korrektur meiner Interpretation.
3 Kommentare
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- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...
- Ralf Hillmann: Da kann ich nur sagen, die Bezeichnung Video-Perle passt einfach perfekt. Da soll noch einmal jemand behaupten Werbung habe nichts...
- ralf schwartz: @Gerry K. Ich selbst rege mich immer am meisten über irgendwelche Tricks der Agenturen und Werbungtreibenden auf, aber die Angabe...

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Am 10. April 2007 um 15:54 Uhr
Das ist wahres WebZwoNull! Hier wird richtig aus dem Vollen geschöpft!
Hat jemand Lust auf Web3.0? So mit “was geben und was dafür bekommen”? Fänd ich gut.
Ach, was soll’s! Ich lasse mich von sowas nicht reinlegen. Ich geh’ jetzt los und kauf’ mir lieber ein paar Weingummis – ohne Fett.
Am 10. April 2007 um 16:43 Uhr
Naja, aus Sicht des Unternehmens alles richtig gemahct. keien Kosten ( für den Content), kein Risiko ( für Abmahnungen) und ne gute Chance Geld zu verdienen.
Trotzdem werden die Leute das Portal stürmen, wie die Motten ins Licht fliegen.
Chapeau, Sat1
Am 6. Januar 2008 um 13:59 Uhr
[...] die Plattform nur mit Bannerwerbung geziert, weitere Finazierungsmöglichkeiten sollen folgen. Der Werbeblogger weist auf die AGBs der Seite hin und kritisiert, dass die Leute die eigentlich Inhalte liefern [...]