13:00 Uhr
Google besteigt mit TV den Werbeolymp
Die Spekulationen und Gerüchte haben sich heute manifestiert. Google wird in die TV-Werbevermarktung einsteigen – vorläufig in den USA – und das milliardenschwere Adsense-Modell auf das Medium Fernsehen übertragen. Auch hier geizt Google nicht mit den Vorzügen ähnlich wie im Onlinebereich: Messbarkeit. Genaue Abrechnung. Effizenz.
Werbetreibende könnten den Erfolg ihrer Kampagnen quasi in Echtzeit verfolgen und blitzschnell auf den Erfolg oder Misserfolg der TV- Spots reagieren. Für das Google-Angebot wird über die Settop-Boxen der Fernsehzuschauer registriert, wie viele Menschen die TV-Spots anschauen oder bei Werbeeinblendungen auf einen anderen Kanal umschalten. Die Protokollierung des Nutzerverhaltens geschieht nach Angabend der Betreiber anonymisiert.
Vielleicht etwas unglücklich formuliert, da es hier nicht um den Erfolg oder Misserfolg von TV-Spots sondern ganz allein zunächst einmal um die subjektive Wahrnehmung geht. Oder ganz einfach gesprochen: Läuft die Glotze bei Werbeblöcken oder wird gezappt. Das ist natürlich schonmal etwas, aber am Ende impliziert das völlig falsche Vorstellungen für die Werbekunden. Ihnen wird ein Kontrollfreak-Placebo verabreicht.
Der zweite Haken an der Geschichte ist sicherlich wieder einmal das Thema Datenschutz. Schließlich müssen die Set-Top-Boxen des Kooperationspartners DISH Network mit der Firmenzentrale und damit auch den Google-Servern in Echtzeit kommunizieren. Hier wiegelt man zwar schon schnell mit dem Argument der Anonymität ab, nichtsdestotrotz stellt man die DISH-Kunden vor vollendete Tatsachen. Ich hätte jedenfalls keine Lust, wenn man mein Fernsehverhalten aufzeichnet oder nur bemisst.
Google möchte diesen Schritt auch ein Stück weit gehen um sich nicht mehr vom Internet-Anzeigenmarkt abhängig zu machen. Ist das ein Zeichen, dass man selbst nicht mehr so recht an das Modell glauben mag oder möchte man nur einfach zusätzliche 50 Mrd. US-Dollar in die eigenen Kassen spülen? (Das entspräche einer Verfünfachung ihrer Umsätze) Interessant dürfte auch die Frage sein, ob man auch hier mit kontextbezogenen Spots arbeiten möchte, diese Antwort bleibt uns Google bisher noch schuldig.
Fakt ist aber auch, das neue Werbemodell löst die verkrusteten Strukturen der bisherigen TV-Vermarktung völlig auf. Die Transparenz birgt nicht nur Nachteile mit sich. Somit könnte Google in Zukunft zum A&O Instrument für die Mediaplanung werden, ganz einfach weil sie die Zahlen und den Automatismus für die effektive Planung von Werbung mitbringen. Dem Kunden bleibt es allerdings selbst überlassen, ob er in Zukunft seine Spots selbst “hochlädt” und schaltet oder ob er die hochkomplexe Arbeit den Mediagenturen überlässt.
Das TV Werbemodell ist auf eine Testlaufzeit von 6 Monaten angelegt. Richtig spannend dürfte es werden, wenn Google mal wieder nach der WeltMarktherrschaft in diesem Segment greift und sich das System international etabliert. Google wächst dadurch wieder ein Stück weit zu einem gigantischem Unternehmens-Leviathan. Das was Werbe- und Mediagenturen all die Jahre versäumt haben, dient nun als seine reichhaltige Nahrungsquelle. Zugleich füttern Unternehmen durch ihren Kontrollfanatismus den Einfluss von Google und gleichzeitig weden wir alle dadurch als Verbraucher auch immer glasiger. Wir verblassen. Google avanciert zu unserem kollektiven Wissenswächter (Wissen über alles und jeden) und damit zum eigentlichen Herrscher über unseren Planeten. Dunkle Vorahnungen könnten unser Augenmerk schon jetzt in Richtung Matrixsche Endzeitvisionen richten. Die Maschinen übernehmen nicht nur jede Menge Arbeit für uns, sie nehmen uns auch Stück für Stück unsere Individualität, unsere Privatsphäre, unsere Verantwortung und unser Denken ab. Je weniger wir denken müssen, desto weniger sind wir am Ende? Ist es nur noch eine Frage der Zeit bis Google-Algorithmen auch Einzug in die Politik erhalten (Upps, ist ja schon geschehen) und somit elementare Weichen für unser gesellschaftliches Leben stellen? Please, don’t be evil! Das sind Fragen, über die wir in Zukunft sicherlich noch häufiger stolpern werden. Es wird Zeit für einen ganz großen Google-Roman – Crichton übernehmen Sie.
3 Kommentare
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- Daniela über die Arbeitszeit: Mit dem Alter werde ich immer tagaktiver… Während ich in meiner Schulzeit zwischen 8 und 16.00 (Schule) in...
- ralf schwartz: @Selket Interessant, danke.
- Selket: Es hat noch einen weiteren Grund, weshalb Katzen 9 Leben haben sollen: im Alten Ägypten – für Katzen wohl die beste Zeit ;-), war die...
- ralf schwartz: @AndreasK Ich kann die Härte, die Du in den Post hineininterpretierst, nur schwer nachvollziehen. Nichtmal die w&v selbst sieht...
- AndreasK: Weil jetzt das Internet nun mal da und total hip ist, muss die eigene w&v-Idee natürlich brachial digital gedacht, erstellt und...
- ralf schwartz: Ah, “LEAD digital”, dieses “14-tägliche Magazin für Digital-Professionals und Online-Marketer”. So reisst...
- Annette Mattgey: Dafür hat W&V doch LEAD digital. Da kann man all diese komischen Sachen mit dem Netz nachlesen, sogar auf ner eigenen Website....
- daniel: also erst mal, coole Grafik im oberen bereich :-) und der verdienst, hängt sicherlich von jedem selbst ab, viele faktoren spielen da eine...

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Am 3. April 2007 um 14:59 Uhr
Spannende Sache. Aber wie Sie mit Ihrem Stichwort vom “Kontrollfreak-Placebo” ja zu Recht anmerken: So viel schlauer ist der Kunde damit gar nicht. Zumindest hierzulande läuft es doch so, dass nach durchschnittlicher Werbeblockreichweite abgerechnet wird. Das heißt, der Zuschauerschwund (oder wenn Sie so wollen die Zapping-Quote) gegenüber der Programmreichweite ist schon längst tarifrelevant. Richtig ist natürlich, dass die Aussteiger-Quote innerhalb des Werbeblocks alle Kunden im Block gleichermaßen trifft.
Aber mit diesem Nivellierungsniveau leben alle bisher ganz gut (wenn sie zumindest ab und zu auch mal eine der begehrten Eckplatzierungen kriegen). Deswegen hat auch noch keiner wirklich ernsthafte Anläufe unternommen, die heilige Kuh namens Festpreissystem zu schlachten und dem Echtzeit-Broking Tür und Tor zu öffnen. Was freilich nicht heißt, dass es nie passieren wird. Ich würde mir an Stelle der Werbekunden aber gut überlegen, ob ich bei den Messlatten und Konventionen mit Umweg über die AGMA selber mitgestalten kann und zumindest innerhalb gewisser Spielräume sicher sein kann, dass mein Konkurrent ähnliche Preise für ähnliche Leistungen zahlt oder ob ich mich in die algoritmische Willkür eines gigantischen Datensaugers begebe, dem ich nicht wirklich auf die Finger gucken kann.
Am 3. April 2007 um 15:14 Uhr
Ich warte noch darauf das AdWords das System umstellt und man anhand von Keywords (o. Keywordkombinationen) Werbung fuer bestimmte Zielgruppen schalten kann … durch das fleissige Datensammeln von Google kann so jeder Mensch zu einer grossen Tagcloud von verschiedenen Keywords werden
Am 8. Mai 2007 um 13:49 Uhr
Bin vor kurzem durch Zufall auf die Seite http://www.adsix.de gestoßen. hier kann man Werbeplätze im Online- und Printbereich zu relativ günstigen Preisen ersteigern. Hab jetz mal bisschen gegoogelt und bin dabei auf folgenden Artikel gestoßen: contentmanager.de/ma...
Hört sich eigentlich ziemlich vielversprechend an. Das coole daran ist, dass man werbeplätze echt kurzfristig anbieten kann. Habe jetzt auch schon einen ersteigert für mein onlineportal und bin momentan selbst am anbieten. Bis jetzt kostet es sogar noch nicht mal was. Keine ahnung, das wird sicher nicht so bleiben, aber ist zumindest ma ne gute chance, das ganze auszuprobieren ob das was taugt.