03.04.07
15:57 Uhr

DRM wird abgeschafft?

Von wegen! Nennen wir es eher den zarten Versuch eines Foxtrott-Tanzschülers in den ersten Fortgeschrittenen-Kurs für lateinamerikanische Tänze (2.0) aufzusteigen. Eigentlich wissen es alle Beteiligten: Der Missbrauch der bösen Raubkopierer ist eine Bedrohung für die Musikindustrie, allerdings sollte man ergänzen, dass Vermarktungsmechanismen von Tante Käthe im Web schon lange nicht mehr funktionieren, auch ganz ohne die Raubkopierer. Der honorige Käufer will keine Nutzungseinschränkungen, wenn er die Musik bezahlt. Er versteht (zumindest im privaten Nutzungsumfeld) nicht, warum er nur eine “Hörlizenz” erhält. Warum auch? Über Jahrzehnte hat uns eben diese Musikindustrie erzogen, wie wir mit Musik umgehen dürfen, die Privatkopie für unseren alten Kassetten-Walkman eingeschlossen.
Jetzt stellt uns EMI vor die Wahl mit verschiedenen Preismodellen – günstiger mit DRM, teurer und qualitativ besser ohne die Nutzungsbremse. Besser wäre eine eindeutige Position gewesen.
Neben den Raubkopierern gibt es übrigens noch eine viel größere Bedrohung für die klassische Musikindustrie: Es ist der “legale” Kopierer und Verbreiter von Songs, deren Künstler sich erfolgreich alleine im Internet vermarkten. Nicht selten sind diese Multiplikatoren vom Urheber ausdrücklich erwünscht und sie ersetzen damit durch ihre Tausenden von Mikrokanälen den Bedarf an großem Marketing-Pre-Release Tamtam eines großen Labels. Es können eben nicht mehr so viele vom Erfolg eines einzigen Künstlers leben. Long live the longtail, möchte man da sagen, aber den kannte Tante Käthe so noch nicht.

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5 Kommentare

  1. Rene Kriest

    “Über Jahrzehnte hat uns eben diese Musikindustrie erzogen, wie wir mit Musik umgehen dürfen, die Privatkopie für unseren alten Kassetten-Walkman eingeschlossen”

    Dazu habe ich eine andere Meinung.

    Gerade die Walkman-Zeiten waren die denkbar schlechteste Zeit für Raubkopien. Die Qualität war gänzlich unter aller Sau, ebenso wie bei den LPs.

    Erst das Internet und MP3 haben da für eine Flut neuer Anwendungsmöglichkeiten gesorgt. Gerade mittels DRM wollte die Musikinustrie die hehren alten Zeiten wieder einläuten, so daß man eine CD nur mittels CD-Player abspielen könne, wie zu jenen seligen Zeiten, als die Compact-Disc gerade erst erfunden war.

    Ich kaufe seit Jahren keine Musik. Nachdem ich die Selbstverständlichkeit gewohnt war, mir meine Mucke zu brennen oder sonst etwas damit anzustellen, hatte ich keine Lust, mir Gängelung als Kundennutzen verkaufen zu lassen.

    Ferner: wenn ich eine DVD einlege, erhalte ich erst einmal eine Belehrung darüber, wie ich mich strafbar machen könn ganz so, als würde ich mit Heroin dealen. Das ist eine Sauerei.

    Schönen Abend,

    René
    ProBloggerWorld

  2. realbeatz musik blog

    Das Ende von DRM?…

    Es ist also soweit: EMI verzichtet als erstes Major-Label beim Online-Absatz auf Digital Rights Management. Das gab EMI auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Apple bekannt. Bereits ab Mai verkaufe Apple im iTunes Music Store DRM-freien Tracks. F&#2…

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