30.03.07
14:55 Uhr

Michael Stich Stiftung setzt mit JvM auf Angst

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Man hätte sich für die Aufgabenstellung Angst und Polarisierung sicherlich keine bessere Agentur aussuchen können. Wie so oft gelingt des den Trojanern die Meinungen zu spalten. So wie bei der aktuellen Kampagne der Michael Stich Stiftung, die sich zum Kampf gegen Aids verpflichtet hat. Da werden einem ziemlich aufwühlende Motive entgegengeschleudert, die wieder die uralte Diskussion zum Vorschein bringt: Wie pädagogisch wertvoll ist eigentlich der Faktor Angst? Doch schauen wir uns zunächst einmal an, wovon wir sprechen. Hier der Spot:

Medium: www.youtube.com
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und die beiden umstrittensten Motive der Plakatkampagne:

MSS
MSS

Mir gefällt es persönlich nicht, mit Angst aufzuklären. So einfach sehe ich das. Das Ziel der Awareness wird sicherlich dank des Presseechos vollständig erreicht werden, aber eine Social Campaign muss für ein Stück weiter denken. Sie muss Lösungen anbieten, nicht nur anprangern. Es geht nicht ums verkaufen oder nur um den Hingucker, es geht um nachhaltige Bewusstseinserweiterung und Sensibilisierung. Bitte nicht falsch verstehen, die Kampagne hat ihre kreativen Finessen, nur eben nicht unbedingt den pädagogischen Gehalt und das Feingefühl sowohl für Kranke als auch potenziell gefährdete Menschen, den ich mir wünschen würde. Was ist mit den Menschen für die es zu spät ist? Müssen Sie zusätzlich noch einmal verteufelt werden? Als Todesbringer in Muttergestalt? Da hat meiner Meinung nach diese Kampagne damals

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wesentlich mehr Nachhaltigkeit und Nutzen in Deutschland erzeugt.

Siehe dazu auch Diskussion im Fontblog.

Update: Noch ein Spot, der kreativ zeigt, dass es auch ohne Angst geht.

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26 Kommentare

  1. till

    meine ganz subjektive meinung: die ästhetische umsetzung der kampagne finde ich unpassend und ineffektiv. mein eindruck, dass es sich bei jvm um einen selbstverliebten werber-zirkus (oder ums ausnahmsweise mal in gossensprache zu sagen: kotzbrocken) handelt, wird in letzter zeit leider regelmäßig bestätigt. insbesondere das oralverkehr-motiv ist weder sachlich besonders treffend noch trägt die überästhetisierung (makellose frau, luxusappartment, polierter revolver) dazu bei, dass das tragische einer hiv-infektion deutlich wird. wie patrick schon schreibt, Schockwirkung ist bei entsprechenden themen durchaus akzeptabel, pädagoisch gesehen ist diese kampagne und „angst schüren“ allgemein jedoch ziemlich mau.

    siehe auch diskussion im fontblog.

  2. Claus Thaler

    Einspruch, euer Ehren. Der Spot mit Ingolf Lück enstand in einer Zeit, in der ein Wort wie Kondome noch einen mittelschweren Skandal auslösen konnte, während heute, gerade bei jüngeren Menschen, Aids schon wieder viel zu sehr verharmlost und verdrängt wird. Ich würde also sagen: Beides hatte seine Berechtigung, der aus heutiger Sicht harmlose Kondom-Spot damals ebenso wie die Schock-Motive von JvM heute.

  3. Patrick Breitenbach

    @Clasu Thaler: Es geht auch nicht darum keine Awareness oder Skandal vom Zaun zu brechen. Wichtig ist was am Ende rauskommt. Bei Lück & Co. war es der Beitrag zur Enttabuisierung von Kondomen. Was ist es jetzt bei MSS?

  4. Claus Thaler

    Für mich ist die Botschaft, egal ob man das Blowjob-Motiv nun gut oder schlecht findet, einfach: Bitte denk daran, dass Sex tödlich enden kann, wenn du dich nicht entsprechend schützt.
    Und warum sollte Werbung nicht mit Angst arbeiten, wenn sie eben nicht dem Skandal dient, sondern sagt: „Leute, es gibt guten Grund Angst zu haben, nur vergessen das leider inzwischen viel zu viele Menschen!“
    Und genau da setzt für mich eben auch die von dir geforderte Sensibilisierung ein: Wenn man einen sterbenden Aidskranken zeigt, dann ist das für viele Menschen sehr weit weg und man wird sich sagen „Ach, komm, ist zwar traurig, aber nicht meine Lebensrealität“.
    Aber wenn du sagst: Wir zeigen dir geilen Sex in einem tollen Ambiente, aber genau der kann tödlich enden, dann ist das für mich keine Skandalwerbung um des Skandals willen, sondern ziemlich genau auf den Punkt.

  5. Jürgen Siebert

    [… Alles Gesagte gilt übrigen nur für die Print-Motive … der eben vom Werbeblogger entdeckte Spot auf YouTube ist ein platter Rohrkrepierer, der jeden Betrachter zu macht….]
    fontblog.de/gute-wer...

  6. autofab

    „sie warten auf ihren koffer? 40.mio menschen warten auf den tod.“? das nenne ich mal einen zwingenden vergleich. sie warten auf die bahn? sie warten auf das christkind? die printmotive sind – klar – geklaut. wer erinnert sich noch an das motiv mit einer kollage aus pornobildern, die eine waffe darstellen und der line: das wirklich schockierende ist, dass sie keine kondome sehen. tbwa paris hat letztes jahr ungleich bessere motive (skorpion/vogelspinne) produziert, man sollte meßlatten auch überspringen, wenn sie schon da sind. alter hut. jvm konnte auch schon besser klauen.

  7. Alex Flockau

    Ich denke man kann auch die „Angst“ anderes kommunizieren. Hier hat man doch das Gefühl, diese todkranken Menschen werden als Vampire der Gesellschaft dargestellt. Ich find das soo in der Form nicht in ordnung. Man kann auch durch Schockmomente die Leute wachrütteln, aber nicht auf diese art und weise.

    Und das Bild mit der Mutter geht *garnicht*! Da wurde die Grenze überschritten. denn die die am wenigsten was dafür können sind die Kinder selbst.
    Im übrigen, das erste Motiv, wo die Frau dem Mann einem…ihr wisst schon. Auf diese Art und weise ist eine Ansteckung eher unwarscheinlich. Schlecht recherchiert.

    Aber für sowas war JvM ja schon immer gut. Eben *Gratwanderungen*

  8. Claus Thaler

    @autofab: Stimmt, bei dem Spot war ich auch etwas überrascht, denn ich hatte zumindest eine Auflösung erwartet, die sagt „Aids kann man sich auch im Urlaub holen“ oder etwas ähnliches.

  9. rolf

    völlig austauschbare kampagnenmechanik und bildästehtik. die ewige wiederkehr des immergleichen bei jvm. provozierend langweilig. jvm hat schon lange nichts wegweisendes mehr produziert!

  10. lokalreporter

    wie schon bei der niedersachsen-bebilderung[die mit den niedlichen pferdeäppeln]hab ich den eindruck, die agentur JvM hat dem kontakter der stich-stiftung gehörig ans bein gepinkelt.
    der spot und die printmotive wirken wie pure selbstbefriedigung, gemacht für die nicht-kondom-nutzer in den herzilein-applizierten doppelbetten zum wochenende eingeflogener freunde des auftraggebers, und des ganglwirtes.

  11. Markus Roder

    @Claus Thaler:
    Schöne Begründung, die in sich geschlossen auch logisch ist. Leider baut sie, psychologisch gesehen, auf falschen Grundannahmen auf. Denn ein Betrachter denkt eben nicht kortikal-rational über ein solches Motiv nach, sondern es beinflusst seine „limbische“ Gefühlswelt. Und da gilt der Grundsatz „Angst –> Reaktanz –> Abwendung von der Botschaft“. Genau deswegen haben auch angstmachende Markenbotschaften wie die von Rexona in den 70ern („Du willst doch nicht stinken?“) noch nie funktioniert – und deswegen ist es tortz des blöden Visuals weiterhin eine gute Idee, bei der Bewerbung von Damenbinden blaue Flüssigkeit zu benutzen…

    @Patrick:
    Dein Instinkt lag mal wieder richtig :).

  12. Tim Keil

    @Alex Flockau:
    Auch beim Oralverkehr kannst du dich infizieren. machsmit.de/allesueb...

    Und genau das ist doch auch eigentlich der Punkt an dem wir heutzutage mal (wieder) ansetzen sollten. Nicht nur Angst machen, sondern mit den Vorurteilen und Mythen aufräumen. Und genau das macht der Spot von 1989 nämlich wunderbar. Über Kreativität und Exekution kann man durchaus streiten. Geschmackssache!
    Über Strategie nicht! Das wichtigste ist, dass wir aufklären, denn letztendlich kann man sich auch vom Hörensagen infizieren!

  13. petra klüfer

    hilf himmel !

    welche berater hatte herr stich ? offensichtlich keine oder die falschen; jeder präventionist würde ihm erklären können dass ein claim der mit angst arbeitet, völlig kontraproduktiv um das ziel zu erreichen;

  14. netzwerksilvia

    Sehr geehrter Herr Stich,
    bitte unterhalten Sie sich doch mal mit einer HIV-positiven Frau!
    HIV-positive Frauen haben in unserer Gesellschaft eh die A…-Karte gezogen und die Kinder dieser Frauen leiden doppelt unter dem Nichtwissen der Anderen, den daraus entstehenden Vorurteilen und der Ausgrenzung.
    Mit diesem „Machwerk“ wird dieses Bild mit Sicherheit um keinen Deut besser!
    Als Entschuldigung lasse ich: „Besser negative Presse als gar keine!“ nicht gelten.
    Seit 15 Jahren versucht das Netzwerk Frauen und AIDS genau diese Klischees aus den Köpfen der Menschen zu bekommen.
    Schade dass sich das noch nicht bis zu Ihnen herumgesprochen hat!
    netzwerksilvia

  15. BasH-online.com

    Kampagne zur Erneuerung und Stärkung des HIV/AIDS-Bewußtseins…

    Am 28.03.2007 wurde von der Michael-Stich-Stiftung eine neue Kampagne vorgestellt, welche die HIV/AIDS-Problematik wieder zurück in das Bewußtsein der deutschen Bevölkerung rücken soll. Hierbei wird alles andere als zimperlich vorge…

  16. Patrick Michael Weber

    Ich bin der Überzeugung, daß diese Kampagne nicht die Ziel- bzw. Risikogruppe direkt ansprechen, sondern eher für medialen Zündstoff sorgen soll, um somit wieder die nötige Aufmerksamkeit und Sensibilität für dieses Thema wecken zu können. Sie ist also an die Medien gerichtet!

    Über die sarkastisch-zynische Machart lässt sich natürlich vortrefflich streiten, aber fürs erste hat sie ihren Zweck erfüllt: Aufmerksamkeit! Denn vielerorts wird im Internet bereits über diese Kampagne diskutiert und es wäre wünschenswert, wenn diese Diskussionsfreude auch nachhaltig ihren Weg in die öffentlichen Medien finden würde.

  17. Anya Maria Kintzel

    Ich bin über diese Kamange entsetzt und wütend!! Sie haben in Ihrer langjährigen Arbeit als Stiftung für HIV infizierte Kinder überhaupt nichts dazu gelernt!!!
    Ich empfinde so etwas als unseriös,hetzerisch und: realitätsfremd!
    Mit abgedroschenen Bildern beim BLOW JOB mit dem Phallus als Knarre(haha!!) , in welcher Welt leben sie eigendlich??
    Doch das ist für mich nichts Neues , denn aus Erfahrung weiss ich aus den „eigenen Reihen“, dass Ihre Stiftung Anträge für ein an Aids erkranktes Kind ablehnten, obwohl hier große Not bestand und diese auch ausführlich dargelegt wurde.Diese Lebensrealität war Ihnen wohl auch fremd.Jede Form der Nachfrage wurde zurückgewiesen mit Verleugnung und Ausreden.(miese Arbeit für eine Stiftung!)
    Ich persönlich fühle mich als HIV infizierte Mutter mit einer 17 Jährigen gesunden Tochter, die das Abi macht, mehr als diskriminiert,wenn in Ihrer Kampange ein Kinderwagen als Sarg dargestellt wird!!
    Das ist geschmacklos und unwissend!!!
    Solche Plakate machen nur Angst, verweigern Integration und schüren weiter Dikriminierung der HIV pos. Mütter und deren Kinder!!!(zur Info: unter besten Bedingungen sinkt das Übertragungsrisiko Mutter / Kind auf 2%).
    Prävention ist wichtig, aber mit Angst und Abschreckung erreicht man gar nichts.Angst fressen Seele auf!!
    Was denken Sie, Herr Michael Stich!!, wenn eine schwangere HIV pos. Mutter dieses plakat sieht???!!
    Mut machen Sie Ihr damit nicht , helfen nicht und tragen auch nicht zu einem solidarischem Verhalten der Gesellschaft bei.Und Prävention ist das auch nicht, die passiert nämlich vorher, während des Aktes.!! Frage: welchen Sinn hat dieses Plakat?
    (…….)
    Und noch was:
    WER SAGT DENN; DASS NICHT AUCH EIN INFIZIERTES KIND MIT SEINER HIV pos.MUTTER EIN LEBENSWERTES LEBEN LEBEN KANN? Wer entscheidet, wer LEBEN DARF und WER BESSER NICHT? WAS IST LEBENSWERT? QUANTITÄT ODER LEBENSQUALITÄT?

    Und nun zum Schluß: Ich bin seit über 20 Jahren HIV pos,und ICH WARTE NICHT seit 20 Jahren auf meinen TOD. Ich lebe immer noch …

  18. Ulli

    ich kann petra nur zustimmen – hilf himmel. echt ne geile idee, so tief in der mottenkiste zu wühlen, alte längst zu recht geänderte kampagnen wieder auszugraben udn munter frauen die schuld zuzuweisen. würg.
    ondamaris.blogspot.c...

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