23:19 Uhr
ADC bezieht Stellung zum Hitler-Spot
Der Vorstandssprecher des Art Directors Club Deutschland, Michael Preiswerk, hat sich bei Off-The-Record zu Spießer Alfons Forderung den Silbernagel für den umstrittenen Hilter-Funkspot zurückzunehmen geäußert.
Das wichtigste aus der Stellungnahme:
(…) Trotz allem Für und Wider hat die 12-köpfige Jury aus erfahrenen Top-Kreativen den gemeinsamen Entschluss gefasst, dass der Spot inhaltlich keine Grenzen überschreitet, den Kriterien einer Parodie entspricht und nach den Wettbewerbs-Kriterien des ADC Silber verdient hat. Die Jury war der Meinung, dass im Kontext des gesellschaftlichen Umgangs mit Hitler heute, eine solche Parodie vom Hörer auch als solche verstanden wird.
Der Spot ist eindeutig als Parodie angelegt, in der zwar Hitlers Sprachduktus imitiert wird, der Text aber in keinem Punkt auf historisches Geschehen anspielt oder tatsächliche Aussagen von Hitler zitiert. Uns ist außerdem nicht bekannt, dass sich Radio-Hörer beschwert haben. Auch bei der Agentur noch beim Auftraggeber sind Beschwerden eingegangen.
Ein Hinweis darauf, dass sich bisher offensichtlich niemand in seinen Gefühlen verletzt gefühlt hat. Diskussionen um die grundsätzliche Qualität des Spots gab es natürlich auch. Dabei stand die Fragen “Können wir einem Kalauer Silber geben?â€? im Vordergrund. Meinung der Jury: Ja, wenn Idee und Umsetzung gut sind, Aufmerksamkeit beim Radio-Hörer erregt und der Spot im Sinne des Kalauer-Humors aufgelöst wird. Das war beim Reiseführer Spot gegeben.
Ich kann mich Spießer Alfons zweiter Forderung in den Kommentaren erneut anschließen. Hitler hat in der deutschen Werbung in dieser Form und Rollenvergabe nichts zu suchen, da hilft auch kein krampfhafter, argumentativer Griff zur Parodie, dessen humoristischer und kreativer Gehalt wiederum auch von unseren Kommentatoren stark vermisst wurde. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass dieser Spot nur ein Ziel hatte: Polarisation um jeden Preis. Mit Kreativität hat das allerdings so gut wie gar nichts mehr zu tun. Es ist einfach nur platt. Daher muss man sich tatsächlich fragen, ob die 12-köpfige Jury (der ich übrigens eine deutliche Einstimmigkeit zum silbernen Nagel nicht abnehme) überhaupt in der Lage ist zwischen pubertär kicherndem Tabubruch und tatsächlicher kreativer Leistung durch Wortwitz und Prägnanz zu unterscheiden. Doch das ist nicht alles. Mit der Behauptung es wären keine Gefühle durch den Spot verletzt worden und auch keine Beschwerden durch die Radiohörer eingegangen macht man sich zudem noch extrem lächerlich. Wie oft und auf welchem Sender wurde er denn platziert?
Noch einmal: Hitler als Satire ist nicht verwerflich. Hitler als Satire in Deutschland ist ein heikles Thema, aber durchaus möglich. Hitler als Figur in der Werbung sollte in Deutschland absolut tabu bleiben. Wer Tabus brechen will, der soll in die Kunst gehen und keine Unternehmen damit schmücken. Der Spot an sich ist eigentlich nicht der substanzielle Skandal – der ist einfach nur extrem platt und einfallslos. Es ist die Auszeichnung eines der renommiertesten Kreativorganisationen, die gleichzeitig auch unsere einheimische Branche nach außen vertritt und Qualität von kreativen Arbeiten belohnt, die diese Angelegenheit so unerträglich macht. Ihr hattet euren Kalauer, euren Schenkelklopfer und kichernden Tabubruch in der Juryphase, reicht das nicht? Bitte vergebt den Preis denjenigen, die wirklich gute Funkspots machen.
2 Kommentare
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- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...

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Am 30. März 2007 um 00:56 Uhr
100 % zustimmung
Am 30. März 2007 um 19:00 Uhr
Der Spot bleibt Mist. Versilberter Mist meinetwegen. Aber Mist.
Ade, C-Jury!