22.03.07
01:11 Uhr

Ich hab BILD

VW erkauft sich für Horst Schlämmer einen Platz bei Bild Online und man verkauft die gesamte Aktion gleichzeitig als grandiosen Höhepunkt einer viralen Kampagne.

Horst Schlämmer passt hervorragend zu Deutschlands reichweitenstärkstem Unterhaltungsportal. Wir freuen uns, dass wir Bild.T-Online für diese Kooperation gewinnen konnten. Damit befindet sich unsere virale Kampagne auf dem Höhepunkt ihrer Wirkungskraft.

Tja wenn die Summe stimmt… Es hat ja auch niemand etwas dagegen, dass man sich ein Plätzchen bei Bild erkauft. Dann sagt man das aber bitte auch in aller Deutlichkeit, denn man kann es sowieso zwischen den Zeilen der Bild-Portalbetreiber lesen:

Mit der Präsentation der ersten viralen Werbemaßnahme von Volkswagen setzt Bild.T-Online neue Maßstäbe in der Vermarktung von Bewegtbild. Damit bauen wir unser Sales-Portfolio weiter aus.

Mit viralem Erfolg hat das herzlich wenig zu tun. Reichweitenkauf hat nichts mit dem natürlichen Viralitätsgehalt einer Kampagne zu tun – ganz im Gegenteil, eigentlich ist das stinknormale Spotplatzierung und man könnte es als Kapitulationserklärung bewerten. Der Tipping Point war den Herren in Wolfsburg wohl nicht schnell genug erreicht …

Mein Resumee: Die Clips waren inhaltlich sensationell – wenn man auf den Humor steht. Ich hab mich jedenfalls bepinkelt vor Lachen. Doch wo bitte war das Branding? Wieso nicht von Anfang mit offenem Visier an die Sache rangehen? Horst Schlämmer wird präsentiert von VW. Warum denn nicht? Wieso musste man so ein merkwürdiges Fake-Blog dazu gesellen? Die Spots als Branded Entertainment hätten doch völlig gereicht. Wer Schlämmer sehen will, geht sowieso auf Youtube. Wieso also nicht von Anfang an eine klassische Markenkommunikation als Intro/Outro verwenden? Solange das Zwischendrin stimmt, gucken sich die Leute das doch auch an. Was die Menschen jedoch absolut nicht abhaben können ist dieses komische “Hintenrum”. Schade.

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17 Kommentare

  1. Bernd Röthlingshöfer

    Patrick, du fragst: “Doch wo bitte war das Branding? Wieso nicht von Anfang mit offenem Visier an die Sache rangehen? Horst Schlämmer wird präsentiert von VW. Warum denn nicht? Wieso musste man so ein merkwürdiges Fake-Blog dazu gesellen?”
    Einfacher Grund: Weil in der Viralmarketingszene viele Leute herumspringen, die etwas von memetischen Triggern erzählen, z.B. dem Trigger Mystizismus/Aufklärung.

  2. Thies

    “Damit befindet sich unsere virale Kampagne auf dem Höhepunkt ihrer Wirkungskraft.”
    Ich geb dir Recht, Patrick: Damit hofft man, die virale Kampagnen endlich zur Wirkung zu bringen…
    (Aber mal was anderes: was sitzt Du nachts um eins bloggend am Rechner?)

  3. massenpublikum

    “Was die Menschen jedoch absolut nicht abhaben können ist dieses komische “Hintenrumâ€?.”

    Mich persönlich hat es nicht gestört.

  4. Roland

    @Bernd
    An diesem Trigger ist ja durchaus etwas dran, aber die Fans sollten doch besser MIT dem Brand raten, rätseln, unken (siehe Apple iPhone) und nicht ohne ihn. Mystifizierung um das Produkt, nicht um den Brand an sich wäre besser gewesen, also… gibt es jetzt bald eine Golf “Horst Schlämmer” Edition oder werden die Bord Navis bald von Horsts Stimme begleitet? ;-)
    @thies
    Jungvaters Nachtwache…
    werbeblogger.de/2007...

  5. ConnectedMarketing.de

    Virale Werbung kauft man sich mit Reichweite?…

    Wenn man erklärt, dass eine Virale Werbeaktion dann ihren Höhepunkt erreicht, wenn sie auf Bild.T-Online gezeigt wird, dann hat man die ganze Idee nicht verstanden. Wenn man der Bild viel Geld gibt, damit sie einen Werbefilm im Netz zeigt, dann…

  6. Patrick Breitenbach

    @Bernd: Mystischer Trigger bei Horst Schlämmer? Entschuldige mal, aber das halte ich für Unsinn. Zumal dieses “mystische Getrigger” ja nur dazu dient den Container zu verbreiten. Das ist doch gerade der Knackpunkt an viraler Werbung. Die Botschaft wird weitergeschickt, nicht die Marke. Und wie gesagt bei Schlämmer braucht man keinen mystischen Trigger, der funktioniert auch so, oder eben nicht, je nach Standpunkt. Und je tiefer man in dieser VW-Kampagne bohrt, desto mehr Gestank kommt nach oben. Was ist denn aus dem guten alten Testimonialwerten geworden? Wieso macht man sich denn sonst nass, wenn die Startestimonials abstürzen? Sind etwa Typen wie Schlämmer typische Golffahrer? Der Typ ist der absolute Volllooser, Busengrapscher und Alk, der darf Werbung für meine Marke machen? Das Ganze hinkt hinten und vorne. Da wurde es sich zu einfach gemacht. Ich hätte Schlämmer zum Beispiel als Gegenpart zum Golf auftreten lassen. Schlämmer hätte dann jeweils Konkurrenzmarken gefahren, so richtige Assikarren um dann mit dem Golf einen erleichternden Ausgleich zu bieten.

    @Thies: Wie Roland schon sagte. Das sind die nächtlichen Ruhepausen zwischen füttern und wickeln bei meiner derzeitigen Söhnchen-Schicht.

  7. Roland

    Das Potenzial rund um Schlämmer und die virale Kampagne versickert jetzt, weil die Dramaturgie nicht stimmt und der virale Ansatz völlig falsch aufgelöst wurde. Füherschein feddich, PR abfackeln, Blog schließen, ab zur Microsite und schnell noch Reichweite einkaufen. Strohfeuer brennen eben nicht lange und man muss wieder mit Benzin aufgießen, wenn man zuvor keine ordentlichen Scheite bereitgestellt hat.

  8. massenpublikum

    Ich verstehe das nicht. VW hat mit dem Schlämmer-Blog über 1 Million Abrufe zu verzeichnen. Was soll da nicht funktionieren?

    Euch mag es nicht viral, nicht sauber genug sein. Wenn Ihr das aber nicht aus der Sicht eines Werbers sondern aus der eines Konsumenten betrachtet, dann ist es einfach eine nette Geschichte, die das Image von VW ein wenig aufpoliert.

  9. Markus Roder

    Als einer von denen, die mit dem “Mystizismus vs. Aufklärung”-Trigger “rumspringen”, kann ich Patricks Einschätzung nur vollsten Herzens zustimmen :).

    Zunächst mal: Wenn jemand meint, er ein verkleideter Hape Kerkeling ist “mystifizierend” genug, damit die Leute nach Aufklärung suchen (und dabei im Freundeskreis die Botschaft verbreiten) hat irgendwie nicht kapiert, wie das mit den Triggern funktioniert.

    Zweitens: Die Trigger, die man zur Verbreitung des Virals einsetzt, sollten im besten Fall aus dem Produkt/der Marke kommen und dessen/deren Werte unterstützen. Ansonsten hat man zwar eine Kampagne, die sich vielleicht verbreitet wie blöde, aber null psychologische Abstrahlung auf das Produkt/die marke. Was bitte schön hat denn der Golf mit Underground/Mystik/Erstaunlichem etc. zu tun?

    Und schlussendlich: Ich kapiere nicht, warum die Schlämmer-kampagne unter Werbern so gut weg kommt. Erfolg in den Blogcharts schön und gut (soll mal niemand sagen, ich würde die Blogosphäre nicht respektieren…), aber ich dachte immer, der Erfolg einer Kampagne wird an den Effekten auf Produkt-/Markenwahrnehmung und schlussendlich Abverkäufen gemessen. Kennt da jemand die trends während der Schlämmer-Kampagne?

  10. Danilo

    Ich habe gelesen (fragt mich nicht, wo, ist ca. 2 Wochen her), dass VW zumindest im Absatz keine Effekte messen konnte bzw. eine Zuordnung von erzielten Absätzen auf den Schlämmerblog nicht erfolgen konnte (was nachvollziehbar erscheint). Langzeit-Effekte kann (und will) niemand ausschließen. Aber Horst Schlämmer ist in meinen Augen eine zu starke Person und viel zu sehr im Fokus, dass alles neben ihm uninteressant wird. Ich habe mir nun schon einige Filmchen dort angesehen und muss auch sagen, dass ich die “Werbebotschaft” ohne das Wissen um den Hintergrund wahrscheinlich gar nicht geschnallt hätte. Nett gemacht, lustig, klar. Aber auf Dauer dann doch auch belanglos.

  11. Bernd Röthlingshöfer

    @ Patrick und Markus: ein Horst Schlämmer als Trigger – nee so war das nicht gemeint. War lediglich ein Erklärungsversuch warum das Ganze als Fakeblog daherkam. Vielleicht wisst ihr ja warum so viele Viralwerber ein Faible für Fakes haben.

  12. Markus Roder

    Hallo Bernd,

    Jetzt hab’ ich kapiert, was Du meinst – glaube ich. Ist es: “…weil so viel über “Mystizismus” gerdet wird, hat sich VW dazu eingeladen gefühlt, auf den Hape/Horst noch die “Fakestory” drauf zu setzen, um vermeintlich dessen Wirksamkeit weiter zu steigern. Dabei hat man sich über die echte Funktion des Triggers nicht viele Gedanken gemacht.”

    Wie Danilo schon angemerkt hat, waren Anastasis Vamipreffekt oder die Yerkes-Dodson-Regel offensichtlich ebenfalls nicht auf der Agenda der strategischen Planer :).

  13. Moritz

    Als Imagekampagne dürfte das Schlämmer-Blog wohl funktioniert haben. Klar, dass man dann auch keine sofort nachvollziehbaren Wirkungen erhält.

    Auch wenn´s nicht viral ist: sich bei Bild-T-Online.de einzukaufen ist doch in Ordnung. Peinlich ist dann nur der Offenbarungseid “Damit befindet sich unsere virale Kampagne auf dem Höhepunkt ihrer Wirkungskraft”…

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