15:58 Uhr
Von Nischen und Massen
Der oft zitierte einzelne Kaninchenzüchterverein dürfte eine eher überschaubare Mitgliederzahl haben. Für den aktiven Züchter, der einen erheblichen Teil seiner Zeit mit diesem Hobby zubringt, hat das Thema aber dennoch eine enorme Relevanz. Das gilt entsprechend ebenso für Gleitschirmflieger, Modellbauer, Rosenzüchter und tausende von anderen spezialisierten Gruppen, die sich auch im Internet organisieren.
Die Summe der aktiven Kaninchenzüchter in Deutschand ließ sich nicht ermitteln, aber z.B. der “Zentralverband Deutscher Rassekaninchen-Züchter e.V.”!! sammelt schon einmal einige unter einem Dach ein. Google weist außerdem ca. 107.000 Ergebnisse für das Stichwort “Kaninchenzucht” aus, Gleitschirmfliegen hat rund 601.000 Einträge und Rosenzucht 16.900.
Die Zersplitterung in Einzelinteressen ist nahezu endlos. Selbst der über “Hausmeister Krause” populär gewordene Dackelclub hat reale Liebhaber und Anhänger, die wiederum auch mal das Google für Hunde (doggle.de) besuchen und so Teil eines größeren Internet-Traffics werden, der wiederum für die Werbung interessant sein kann.
Apropos Werbung, wie groß ist denn eigentlich unsere “Nische” bzw. Branche? Der Werbe-Zentralverband ZAW schätzt, dass etwa 500.000 Menschen in Deutschland in der Werbebranche (einschließlich Call Center) tätig sind, sehr viele als freie Mitarbeiter (Freelancer) auf selbständiger Basis. Genauer beschreibt es das Statistische Bundesamt.
Das bedeutete, dass bei insgesamt rund 40 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland ca. 1,25% in der Werbewirtschaft beschäftigt wären. Nun ist “Werbung” ja ein weiter Begriff und es finden sich insbesondere durch die neuen Medienformen auch angedockte Spezialdisziplinen, die beispielhaft am Bundesland NRW folgendermaßen aufgegliedert wurden:
Logischerweise interessieren sich auch diese Personengruppen für Werbung bzw. haben beruflich mit der Werbewirtschaft zu tun. Damit erweitert sich der Kreis der “Nische” auf registrierte 323.648 Menschen (2005) alleine in NRW, hochgerechnet auf alle Bundesländer dürften sich demnach 2-3 Millionen Erwerbstätige mittel- oder unmittelbar mit “Werbung” im weiteren Sinne beschäftigen.
In einem Interview bei “brandeins” aus dem Jahr 2004 behauptete der Sprecher des Zentralverbandes der Deutschen Werbewirtschaft (ZAW) gar folgendes:
“…Insgesamt hängen 18,3 Millionen Beschäftigte von der Werbearbeit direkt oder indirekt ab…”
Nehmen wir dann noch diejenigen Menschen dazu, die sich aktiv, aber nicht professionell für Werbung interessieren und übrigens auch auf dem Werbeblogger (gemäß unser Leserumfrage) eine Gruppe von rund 25% der Leser ausmachen, dann zeigt es, dass Werbung längst ein Massenphänomen mit Masseninteresse und Massenbedeutung ist. Oder?
12 Kommentare
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- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...

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Am 17. März 2007 um 16:05 Uhr
Mal ehrlich: Ist es nicht pervers, daß einer von vier Leuten davon abhängt, den anderen dreien irgendwas zu verkaufen?
Klar, Werbung ist nur natürlich, und ist nötig. Aber man kann es auch übertreiben. Und langsam geht es in diese Richtung in unserer Zivilisation. Wenn man Bilder einer Stadt sieht, in der nicht überall geworben wird, fühlt sich das absonderlich an (Pjöngjang in Nordkorea zum Beispiel, oder auch werbearme Altstädte, von Rothenburg ob der Tauber bis Paris). Doch dabei ist das ja eigentlich der Normalzustand…
Am 17. März 2007 um 17:42 Uhr
Bloed, dass mein Bloganbieter kein trackback auf andere Systeme zulaesst. Fuer einen Kommentar zu lang, habe ich schnell einen eigenen Artikel – der allerdings ein wenig aus der von Dir- Roland- gelegten Spur fuehrt verfasst.
Als Entgleisung wuerde ich ihn allerdings nicht bezeichnen.
Nur ein paar Gedanken zum Thema.
Am 17. März 2007 um 17:52 Uhr
40.000 Mio Erwerbstätige…. hui, sind Bienen, Kühe, u.ä. da mitgezählt? :)
Am 17. März 2007 um 18:05 Uhr
Definitiv ist Werbung heute auch kultureller Bestandteil der Mediengesellschaft. In der neuen Timescout Studie steht zum beispiel, dass 50% der unter unter 20-Jährigen im Internet aktiv nach Werbung suchen, um sie zu archivieren oder an freunde zu verschicken. Und um nochmal das Beispiel Toyota Auris aufzugreifen: Diese Kampagne wurde wohl eher selten gesucht oder verschickt. Die Mashups wiederum könnten natürlich für Erheiterung sorgen.
Angefangen hat das ganze wohl mit der von Bill bernbach angezettelten kreativen Revolution. Plötzlich war nicht mehr nur wichtig was man sagt, sondern auch wie man es sagt. “Execution can become content” ist ja einer seiner vielen bekannten Weisheiten. Auf die Spitze getrieben haben das meiner Meinung nach dann in den 80ern Agenturen wie Chiat Day und Wieden + Kennedy, die mit den legendären Apple und Nike Kamapgnen bewiesen haben, dass Werbung nicht nur Spiegel der Kultur ist, sondern neue Impulse für kulturelle Entwicklungen geben kann.
Heute wimmelt es im Internet von Consumer generated advertising und Agenturen wie CP+B begreifen Werbung wiederum völlig neu.
Am 17. März 2007 um 18:17 Uhr
Mehr Trennschärfe tut not:
Der Begriff Werbung wirkt trügerisch eindeutig (alles klar, der Persil-Spot im TV), wird aber immer unschärfer, je länger man ihn dreht und wendet.
(Die brandeins ist nicht mehr mein Werber-Leib-und Magenblatt: Jubelt und hyperventiliert mir zu sehr und zu schick, versorgt einen mit neolib-getönter Werber-Euphorie, wo doch genaues Hinsehen nötig wäre. Also mag ich mich auch nicht auf deren Hochrechnungen und Statistik-Akrobatik aus dem Jahr 2004 beziehen. Aber genug der brand-Kritik.)
Natürlich ist Werbung von beiden Seiten her (Verbraucher versus Werbungmacher) ein Massenphänomen. Schon lange.
Welch neue Erkenntnis…
Für den Verbraucher eh, ob er nun singulär Briefmarken sammelt, oder rote Hamster züchtet und damit gleichzeitig Mini-Nischengruppe ist(very special interest) UND gleichzeitig Massenzielgruppe ist (gleichzeitig zum MM oder zu Ikea dackelt).
Für die darin Arbeitenden aber auch schon immer, wenn man beim unscharfen und breiten Begriff “Werbung” bleibt. Denn Trennschärfe hat “Werbung” ja nun überhaupt nicht. In dieser Allerlei-Suppe kriecht alles rum: vom an Kneipen Premiere-Dekoder-Verkaufende bis hin zu Champion-Schleifenhersteller und -bedrucker für Geflügelzuchtwettbewerbe bis zu Werbeartikelversender bis zu Teilen des Vertriebs und zu Hardware-Lösungen: ois versteht sich als Werbung und hängt zusammen und voneinander ab.
Genauso gut kann man behaupten, dass von der Medizin unheimlich viel xx% abhängen: das ist eben genauso: ein ganzer Schwanz, ähm eine ganze Kette, vom Elektronik- und Plastikschlauchhersteller bis zur der Krankenschwester bis hin zum Babymilchhersteller, der Krankenhäuser beliefert und bis zur Imbussbude vorm Krankenhaus, die Patienten pronto den Schnaps und die Süßigkeiten liefert [sorry, bösartiges Beispiel], den sie per Patientenmenue nicht bekommen. So eine Rechnung kann man genauso aufmachen und ist genauso uferloser long tail.:)
Zur Frage:
“Apropos Werbung, wie groß ist denn eigentlich unsere “Nischeâ€? bzw. Branche?”
Die kurze Antwort zur langen Vorrede: Kommt darauf an, was man unter “Werbung” verstehen will.
Am 17. März 2007 um 20:09 Uhr
40.000 Millionen Erwerbstätige in D? Bitte ein paar Nullen streichen ;)
Am 17. März 2007 um 20:49 Uhr
Ich habe vorhin erst weider gehört, dass es angeblich zu wenig ausgebildete Ingenieure, Techniker etc. gibt. In der Hinsicht scheint sich die Gesellschaft verändert zu haben, da z.B. die Werbung heute für den Nachwuchs (ich gehöre dazu) populärer geworden ist. Deswegen steigt natürlich der Anteil der Leute, die daran beteiligt sind und die Leute, die die eigentlichen Produkte herstellen, sterben aus. ^^
Am 18. März 2007 um 00:42 Uhr
Philipp,
das Ding mit den regelmäßigen Schreihälsen, es gäbe zu wenig Techniker, Ingenieure, xxx (Passendes bitte einsetzen), das “händeringende Suchen” und die Hinweise auf die angeblich angewachsenen, gemeldeten offenen Stellen kommt seit ungefähr 20 Jahren von deren Lobbyisten und Verbandesvertretern, regelmäßig in Fünf-Jahresschüben und gerne nach einer wirtschaftlichen Erholung. Ist zum Teil öffentliches Aufmerksamkeit-Erhaschen und Werbung für ihre sonstigen Interessen. Stecken imho weitere Dinge dahinter, als dass sich vordergründig zu viele Hanserln in “DIE Werbung” begäben.
Ich verbuche solches demonstrative Händeringen mittlerweile sauber auf das Konto PR von VDI und IT-Interessenverbänden et.al. Sie sind u. a. daran schuld, dass sich regelmäßig der sogenannte Schweinezyklus bildet = die Leute studieren das dann, weil händeringend gesucht, und wenn sie fertig sind, ist der Arbeitsmarkt seltsamerweise wieder dicht. Ich habe meiner Tochter 1999 nach dem ABI zu Naturwissenschaften statt zum Maschinenbaustudium (1999 händeringend gebraucht und gezielt junge Frauen in Schnupperveranstaltungen angeworben) geraten. Ihr spezielles Studium Molekular- und Meeresbiologie (Killeralgen-Expertin mittlerweile), 1999 noch als brotlos und schwierig erachtet, wird jetzt “dank” Klimawandel zum Renner und sie kann heuer zwischen 3 PHD-Angeboten wählen, 2 davon: Lehrstühle und angewandte Forschung im Ausland.
Riecher gehabt was wirklich Zukunft hat, statt auf old school Lobbyisten gehört.
Der SPIEGEL online titelt am 14. Februar 07:
ANGEBLICHER INGENIEUR-MANGEL
Versackt im Schweinezyklus.
:))
Am 18. März 2007 um 01:27 Uhr
Möcht’ jedem jungen Menschen raten, das zu tun, was er wirklich mag. Nur dann ist und bleibt er in de Regel dann auch: sehr gut. Nur dann kann was aus ihm werden. Egal ob Designer, Texter oder… Spritzgusstechniker für Werbeartikel :)
Am 18. März 2007 um 10:40 Uhr
Danke für die Aufklärung. :)
Am 18. März 2007 um 10:53 Uhr
@Vroni Erstmal vielen Dank für die konstruktiven Gedanken und Beiträge. Glückwunsch an Dich und Tochter zum richtigen Riecher ;-). Ich denke auch, dass in allererster Linie nicht nach angeblichen Statistiken und Mafo-Gesichtspunkten ein Beruf gewählt werden sollte. Besser: Höre auf deinen Puls, Deine Leidenschaft, Dein echtes Interesse. Auch aus “volkswirtschaftlichen Aspekten” liegt der größte Produktivitätshebel im Menschen und Mitarbeiter selbst, der idealerweise ein Beruf gewählt hat, für den er/sie brennt. Außerdem liegt das Zentrum des Universums ja nicht unbedingt in Deutschland, gute, engagierte Leute mit solider Ausbildung werden überall gesucht.
Am 18. März 2007 um 12:05 Uhr
@soenke & theobserver:
Danke für den Hinweis. Bei 40.000 Millionen wären dann in der Tat auch alle fleißigen Bienchen und Ameisenarbeitervölkchen dabei ;-).
Korrigiert…