23:20 Uhr
Der Virus steckt im Zäpfle
Im Mediengestalter Blog bin ich auf den SPON-Artikel über die Bier-Kultmarke Tannenzäpfle aufmerksam geworden.
Dieser Gerstensaft ist nicht nur einer meiner absoluten Bier-Topfavoriten (wie man im Silvester-Podcast hören konnte), sondern auch ich wurde ausschließlich durch Mundpropaganda auf das Bier aufmerksam. Ein ehemaliger WG-Bewohner aus dem Schwabenland (Achtung das Bier ist badisch – man will den Gelbfüßlern ja nicht zu Nahe treten) brachte eines Abends einen geheimnisvollen “Kaschten” “Kaschdn” mit.
Damals gab es das Bier noch nicht um jede Ecke – schon gar nicht in Bayern. Er zelebrierte in ungeheurer Akribie gemeinsam mit uns den Genuss dieses kühlen Nass. Wenn der “Kaschten” “Kaschdn” morgens ankam, so wurde den ganzen Tag über nichts anderes geschwärmt bis wir – ENDLICH – abends das erlösende Ploppen vernehmen und das goldene Nass entlang unserer trockenen Kehlen heruntersickern konnte. Ahhhhh! Allein durch seine leidenschaftliche Schwärmerei, diese ungeheure Exklusivität, die diese Marke für mich ausstrahlte, brannte sich das Getränk bei mir für immer ein.
Aber eigentlich stimmt es ja nicht so ganz, dass gar nicht klassisch für Tannenzäpfle geworben wird, habe zum Beispiel schon eine gebrandete Tannenzäpfle-Uhr gesehen (hört sich doof an, ist aber ein recht effektiver Dauerwerbeplatz auf einem Walmartparkplatz) und auch schon diverse Plakate. Dieser Satz aus dem SPON-Artikel
Dabei will die Brauerei nur ihre Ruhe. Der Rummel wird dem Vorstand langsam zu viel.
ist ebenfalls mit reichlich PR-Pathos angereichert. Ich kann mir wirklich kaum traurigeres für einen Vorstand vorstellen, als zu viel Rummel um ihre Marke. Mir kommen die Tränen. Dennoch Hut ab für diese gigantische Mundpropaganda und der Riesen-PR in den letzten Monaten. Erst gestern habe ich z.B. eine Dokumentation über die Marke im TV gesehen.
Das Geheimnis des Erfolges? Meiner Meinung nach: Geheimnisvolle Exklusivität (geht jetzt ein Stück weit flöten – vgl. auch Astra!), gutes Produkt, auffälliges, musterbrechendes Packaging, Tradition (vom schwäbisch/badischen Longtail zum bundesweiten Kopf), keine Werbung mit merkwürdigen, profillosen Stereotypen, die jede Menge andere Biertrinker abschreckt. Das Bier ist einfach nur Bier – also authentisch – und dazu einfach nur köstlich. Ende der unbezahlten nutzergenerierten Brand-Love-Kommunikation.
14 Kommentare
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- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...
- Ralf Hillmann: Da kann ich nur sagen, die Bezeichnung Video-Perle passt einfach perfekt. Da soll noch einmal jemand behaupten Werbung habe nichts...
- ralf schwartz: @Gerry K. Ich selbst rege mich immer am meisten über irgendwelche Tricks der Agenturen und Werbungtreibenden auf, aber die Angabe...
- Brian: Der Titel ist genial. Danke :).

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Am 15. März 2007 um 08:59 Uhr
Also auch wenn ich das Bier nicht mag, ist das wirklich ein interessanter Case.
Am 15. März 2007 um 09:29 Uhr
Naja, als Badener kann ich die flächendeckende PR-Wirkung schwer einschätzen. Ich wusste ja lange Zeit noch nicht mal, dass es sich beim “Zäpfle” um ein regionales Produkt handelte – so verdammt nah ist Rothaus in Baden.
Die erste Party, das erste Bier “ein Zäpfle”. Wer beliefert die Abifeier? Rothaus. Kein noch so kleines Fest in Baden ohne die Staatsbrauerei. Sogar meine ehemalige Jugend-Handballmannschaft rannte mit “Biergit” auf der Brust rum (welcher Nicht-Badener versteht eigentlich den “Biergit Kraft”-Kalauer?), während die Sporthallen von Rothaus bewirtet wurden (“Zäpfle-Bars” hießen die, glaube ich) usw. usf.
Aber Werbung – Werbung hat Rothaus in Baden nie gemacht ;-)
Am 15. März 2007 um 09:49 Uhr
Ich habe das Bier vor über einem Jahr schon in Hamburg in der Bar Goldfischglas gesehen. Konnte mich aber nicht überwinden eines zu bestellen. Dafür trinke ich zu gerne Bex! ;)
Am 15. März 2007 um 10:18 Uhr
Tannenzäpfle ist keineswegs authentisch. Es ist nämlich das gleiche Pils, das schlicht als “Rothaus Pils” in der 0.5-Liter-Flasche verkauft wird. Und daran erkennt man wieder gutes Marketing: Jeder hier unten im Badischen schwört Stein und Bein, dass das Tannenzäpfle viiiiiiel besser schmeckt als das “normale” Rothaus. Und wenn du einen Blindtest machst, kann keiner Rothaus von Ganter, Ratskrone und Alt-Öttinger unterscheiden.
Am 15. März 2007 um 11:42 Uhr
des heißt “Kaschdn” ;)
Am 15. März 2007 um 11:48 Uhr
@Martin: Oh sorry. Nicht dass ich jetzt wieder eine Randgruppe beleidige! ;-)
Am 15. März 2007 um 12:17 Uhr
Gerade Biermarken beweisen ja, dass es mit der Nischenwerbung hervorragend klappt. Aber das beste Beispiel, dass ich kenne, ist bei Getränken Bionade. Mein Kompliment: was da passiert ist, ist bestaunenswert.
Mein Biertipp: Zillertaler Schwarzbier.
Am 15. März 2007 um 14:21 Uhr
Zum Thema unbekannte Kultbiere sei das
Augustiner Bräu erwähnt. Keine Werbung aber hervorragend gebraut Von Hamburg (Missvanmeer, Rocko Shamonis Pudel Club, Grindelallee 143) bis Wien heiss begehrt.
Am 15. März 2007 um 15:58 Uhr
Das Tegernseer Spezial sei noch zu nennen. Gerade in Podcastkreisen sehr beliebt. werbeblogger.de/2006...
Am 15. März 2007 um 18:44 Uhr
Ich habe die Brauerei Rothaus kürzlich wegen einer Reportage besucht, sprach mit Mitarbeitern und konnte auch die Produktion sehen. Die Brauerei ist technisch state-of-the-art, wobei man aber Wert legt auf traditionelle Braukunst – man läßt dem Bier viel Zeit, in Ruhe (und Kälte) zu reifen. Die Leute sind sehr qualitätsbewußt und schauen bei Investitionen nicht auf jeden Euro. Und so etwas schmeckt man halt einfach!
Am 16. März 2007 um 12:08 Uhr
Ich kann mich dem bierverkoster nur anschließen: Augustiner kann sich getrost in die Reihe der Kultbiere einreihen. Das Pendant zu Tegernseer Spezial nennt sich übrigens “Augustiner Edelstoff” – fantastische Texter-Arbeit
Am 16. März 2007 um 13:34 Uhr
Dazu meine Meinung: lulehome.de/blog/sin...
Am 16. März 2007 um 13:37 Uhr
PS. “Kaschdn” klingt ziemlich bayrisch oder evtl eher schwäbisch. In banden sagt man “ä Kaschde”
Am 19. Mai 2009 um 14:44 Uhr
Jeder mag bier, sei es nun ein Otto von und zu Bismarck oder ein Kaiser Wilhelm II. höchst persönlich.