21:52 Uhr
Twitter: Big Brother 7 auf 9Live 2.0 – nur ohne Geld
Robert ist derzeit ja ziemlich aus dem Häuschen und tanzt wie ein Berserker den Twitter Twist. Und auch etliche andere Kollegen scheinen irgendwie Gefallen daran zu finden. Kann ich ehrlich gesagt überhaupt nicht nachvollziehen, aber ich verstehe ja so vieles nicht. Eine Sekte? Eine neue Droge? Gibts da was umsonst oder sogar Geld?
Was soll nun dieses Twitter eigentlich sein? Nun es dauerte immens lange bis ich das begriffen habe, wobei sich mir der eigentliche Sinn dieses Web 2.0 Dienstes bis heute nicht erschlossen hat. Twitter ist für mich Web-Rotz pur – jedoch nicht im eklig, eitrigen Sinn sondern in der Art und Weise wie man mit Informationen, Daten und der eigenen Identität umgeht. Twitter ist ein Freudenfest für Selbstdarsteller und Voyeure – beide bilden eine symbiotische Einheit. Die Selbstdarsteller posten blitzschnell was sie gerade machen und andere können diesen wirklich zeitraubenden Unsinn dann konsumieren. Sorry, aber es interessiert mich null die Bohne, wenn jax63 gerade einen Wrap verputzt, während er noch 4 Stunden auf seine Schicht in der Bibliothek warten muss oder dass NickStarr gerade dunkle M&Ms futtert und dabei doch gar nicht auf dunkle Schokolade abfährt.
Herr schmeiß Hirn vom Himmel und zwar reichlich. Ich bin ja wirklich kein Kostverächter was neue Dienste und mögliche Hypes angeht. Viel zu oft darf ich mir den Untergang des Abendlandes vorpredigen lassen wenn ich über Second Life spreche. Aber was da gerade abgeht ist wirklich Dissocial Network pur, das digitale Aneinandervorbeiplappern, immer in der Hoffnung, ein anderer nimmt mein Geplapper zwischem seinem Geplapper für den Bruchteil einer Plapper-Sekunde wahr.
Twitter zeigt uns die merkwürdige Randkruste des Web 2.0. Ein von außen betrachtetes Sammelbecken einsamer, oberflächlicher und mit Aufmerksamkeitsdefiziten überhäufter Netzidentitäten, die weder Partner, Freunde, Familie oder Beruf zu haben scheinen. Sie haben wohl auch niemanden in der Nähe oder in IM-Reichweite, den es gerade interessieren könnte, ob sie in der Nase popeln, Pipi machen oder ihre Arbeitspause gerade nutzen um zu posten, dass sie gerade eine Pause machen.
Natürlich haben all die oben genannten Kollegen soziale Beziehungen (so richtig, in echt) und einen wirklichenn Job und genau das macht mich ja so stutzig. Bitte sagt mir, WARUM? Nur für den Kick, für den Augenblick? WARUM? Oh wunderbares Web 2.0 getwittert sei dein Name!
So und ich schneid mir jetzt die Zehennägel!
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44 Kommentare
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Am 13. März 2007 um 22:40 Uhr
Na Gott sei dank, endlich noch jemand, dem der ganze Hype etwas spanisch vorkommt. Ich kam mir schon wie der letzte auf der Titanic vor.
Am 13. März 2007 um 22:44 Uhr
danke danke danke !!! du sprichst mir aus der seele … vielen dank für den schmunzler am abend :)
Am 13. März 2007 um 22:48 Uhr
Danke! Ich hatte schon befürchtet, dass ich die Begeisterung und den Sinn als einziger aus dem Miljöh mal wieder nicht verstehe.
Am 13. März 2007 um 22:56 Uhr
Kann ich mich auch nur anschließen. Kann uns das mal bitte jemand erklären?
Am 13. März 2007 um 23:42 Uhr
Adorno und Neil Postman grüßen: Das Medium wird zur Botschaft.
de.wikipedia.org/wik...
“Im Gegenzug trete in der kapitalistischen Gesellschaft durch zunehmende Technisierung, wissenschaftlichen Fortschritt und auch daraus resultierender Bürokratie eine Entfremdung ein und die Bedeutung des Individuums gehe verloren.”
Am 14. März 2007 um 00:11 Uhr
Da hatten wir ja fast zeitgleich eine sehr ähnliche Idee ;)
Am 14. März 2007 um 02:25 Uhr
ich sehe den sinn einfach nicht bei diesem ding. und bin normalerweise ebenfalls relativ positiv gegenüber neuen goldenen kälbern eingestellt. dachte schon, ich sei der einzige dem es so geht *g*
Am 14. März 2007 um 04:19 Uhr
Hmm lecker :-)
Nein im ernst, ich versteh dieses Twitter auch nicht und frag mich ehrlich gesagt auch wie viel privates man denn noch öffentlich machen will. Aber es freut mich, dass wir nicht alleine sind.
Am 14. März 2007 um 07:06 Uhr
Herrlich. Du sprichst mir aus der Seele. Ich bin immer ganz irritiert, wenn bei mir der Eindruck entsteht, dass alle Blogger einen neuen Trend entdeckt haben, der an mir vorbeigeht. ;)
Am 14. März 2007 um 07:36 Uhr
Ich habe mir jetzt verschiedene Twitter-Seiten angesehen und würde gern wissen: Eine Liste mit den Dingen, die derjenige Mensch grade tut, ist alles?! Ich weiß nicht genau, warum man dafür einen neuen Dienst braucht…? (Grübel grübel.)
Am 14. März 2007 um 08:05 Uhr
Nun, ich habe Flickr am Anfenag auch nicht verstanden. Jetzt bin ich zahlender Kunde. Ob’s mit Twitter auch so ist? Egal, ausprobieren muss man alles! Wahrscheinlich ist es in drei Wochen wieder vergessen.
Am 14. März 2007 um 09:27 Uhr
Mir war der Sinn auch erst schleierhaft. Wenn man sich allerdings erstmal angemeldet hat, macht es irgendwie Spaß… Mal sehen wie lange noch ;)
Am 14. März 2007 um 09:42 Uhr
Patrick, probier es einfach mal aus. Es geht dabei nicht so sehr um den Sinn oder gar um eine neue Effizienz in der Kommunikation. Aber es ist einfach nett bei einem flüchtigen Blick auf das Twitterrific Fenster zu sehen, woran Bekannte, Freunde, Blogger etc gerade arbeiten, was sie machen, woe sie surfen etc.
Und ich hole mir jetzt einen Kaffee…
Am 14. März 2007 um 10:05 Uhr
DANKE! welch wahre Worte! wayne intressierts was irgendwelche Leute gerade machen? wenn ich sowass wissen möchte, hey dann hat der Mensch die Konversation erfunden…da frag ich einfach nach.
aber nein so landet bit für bit datenmüll im netz!
Am 14. März 2007 um 10:46 Uhr
Twitterkiki. Früher gab es mal Chats, da haben sich die Leute ebenfalls um die Ohren bzw. Augen geschmissen, was sie gerade tun *kratz* Jetzt scheint es modern, dass ganze in eine Datenbank zu tippen *tipper*. Warum erfindet keiner eine Standalone-Anwendung im Stil eines Messengers, wo keine Interaktivität gegeben ist, sondern nur noch Away-Messages des Stils: “Esse gerade dunkle Tretz!” *grübel* Irgendwie wird das Rad immer wieder neu erfunden – irgendjemand wird es schon toll finden. *würg* So, genug twittered in old-style.
Am 14. März 2007 um 10:49 Uhr
Na Gott sei Dank spring niemand mit seinem Artikel auf diesen Hype so auf jeden anderen Mist auch! Mensch was ein Glück!
Am 14. März 2007 um 11:15 Uhr
Das ist nur der Anfang! Irgendwann wird es Dienste geben, mit denen wir unser ganzes Leben im Web abbilden können. Gibts auch vielleicht schon?
Am 14. März 2007 um 11:24 Uhr
Na ich denke, das Web selbst ist dieser Dienst. Und die Anzeigetafel ist Google. Wenn Du alles zusammennimmst – Blogs, Xing, StudiVZ, Foren, Online PR, Plazes, … – und alles einmal gut aufkochst, dann eine ordentliche Prise Google dazu gibst, dann hast Du komplett das Leben im Netz. Unter der Annahme, dass Du all die kollaborativen Dinger, die man nutzen kann, auch komplett ausschöpfst. Und nun kommt meinetwegen noch Twitter dazu. Da wird dann noch zusätzlich jeder Furz vermerkt, den man lässt. ;-)
Am 14. März 2007 um 11:31 Uhr
Da kann ich mich Deiner Meinung nur anschließen. Normalerweise bin ich ein Freund neuer Dienste (insbesondere der 2.o-Welt), aber der tiefere Sinn will sich mir nicht so recht erschließen. Vielleicht hat ja Gerrit recht und in 3 Wochen spricht kein Mensch mehr drüber.
Produzieren wir nicht schon sowieso (zu) viele Informationen. Macht es nicht mehr Sinn twitter in einem “geschlossenen System” ala radar.net zu betreiben? …aber gibt es dann wieder einen Unterschied zum IM?
…warten wir es ab!
Am 14. März 2007 um 15:33 Uhr
Also ich bin mal ganz ehrlich. Ich schreibe gerade einen Kommentar, in welchem ich mitteile, daß ich mal ganz ehrlich bin und gerade einen Kommentar schreibe, in welchem ich scheibe, daich mal ganz ehrlich bin und gerade einen Kommentar schrei……..
Wußten Sie schon, daß Twitterer die selben Leute sind, die gegen Video – Überwachung von öffentlichen Gebäuden, Straßen und Plätzen demonstrieren?
Am 14. März 2007 um 16:01 Uhr
hmmmm … ich meine so oder so ähnliche Meinungen vor ein paar Jahren über Blogs gelesen zu haben … komisch. Die Geschichte scheint sich tatsächlich zu wiederholen.
Am 14. März 2007 um 16:06 Uhr
BTW wer sagt denn, dass man jede Kleinigkeit vom Kaffeetrinken bis Nägelschneiden dort posten muss, und dass ich das von anderen lesen muss? Ich kann ja auch intelligentere Sachen dort posten bzw intelligentere Sachen dort lesen. Genau wie im Web, in Blogs.
Der Kick an der Sache ist die Schnelligkeit bzw die Einfachheit des Schreibens. Und die Beschränkung auf 140 Zeichen. So *kann* man gar nicht zu schwafeln anfangen.
Am 14. März 2007 um 16:15 Uhr
Es interessiert doch wirklich kein Schwein mit welcher Kleinigkeit sich X in Y gerade beschäftigt. Absolut nervtötende Pseudobeschäftigung. Dann bevorzug ich doch lieber youporn.com
Am 14. März 2007 um 17:16 Uhr
Ich bin ja auch nicht bei Twitter und kann den Hype auch nicht nachvollziehen, aber was juckt mich das denn? Wenn NickStar dunke M&Ms futtert, obwohl er dunkle Schokolade eigentlich nicht so mag, mag dich das nicht interessieren und mich auch nicht, aber vielleicht jemand anderen?
Ist doch genau wie mit Blogs. Da fragen sich doch auch viele, ob das nicht alles nur uninteressantes Zeug ist. Wenn es das (für alle) wäre, würde es ja niemand lesen.
Und wenn es niemand liest, sollte das (wenn überhaupt) den Autor stören und nicht den Nicht-Leser.
Am 14. März 2007 um 20:49 Uhr
Was soll nun dieses Bloggen eigentlich sein? Nun es dauerte immens lange bis ich das begriffen habe, wobei sich mir der eigentliche Sinn dieses Web 2.0 Dienstes bis heute nicht erschlossen hat. Bloggen ist für mich Web-Rotz pur – jedoch nicht im eklig, eitrigen Sinn sondern in der Art und Weise wie man mit Informationen, Daten und der eigenen Identität umgeht. Bloggen ist ein Freudenfest für Selbstdarsteller und Voyeure – beide bilden eine symbiotische Einheit. Die Selbstdarsteller posten blitzschnell was sie gerade machen und andere können diesen wirklich zeitraubenden Unsinn dann konsumieren. Sorry, aber es interessiert mich null die Bohne, wenn jax63 gerade einen Wrap verputzt, während er noch 4 Stunden auf seine Schicht in der Bibliothek warten muss oder dass NickStarr gerade dunkle M&Ms futtert und dabei doch gar nicht auf dunkle Schokolade abfährt.
aber die Antwort auf all diese Fragen lautet wie immer 42 oder für andere SF Fans: “They’re coming outta the walls. They’re coming outta the goddamn walls, we’re fucked! (Hudson in Alien 2)”
Am 14. März 2007 um 22:24 Uhr
@Robert: Gibt es noch mehr als Apfel/Birnenkompott mit Douglas Adamsoße? Du vergleichst doch nicht ernsthaft Blogs mit dieser einen Anwendung? Oh mein Gott, es ist tatsächlich eine Sekte ;-)
Klar können Blogs gerotzt sein, Blogs können Selbstdarstellung pur oder #katzencontent bieten. Allerdings kann das Twitterdings auch umfangreichen, guten, relevanten, diskussionsreichen, multimedialen Content bieten? Wenn ja, nehme ich alles zurück!
Am 14. März 2007 um 22:27 Uhr
@Henning: Ich kann fast nicht weglesen, wenn diese Dinger nun in alle sonst lesenswerte Blogs gepresst werden. Aber das scheint dann wie mit Bannerwerbung zu sein – nur eben ohne Geld. Aber noch sind die RSS-Feeds davon verschont.
Und wie gesagt, jedem Tierchen sein Pläsierchen, kann es nur nicht nachvollziehen, aber wems Spaß macht, der soll mal damit weitermachen.
Ich werde es übrigens nicht ausprobieren (genau wie mySpace und StudiVZ).
Am 15. März 2007 um 00:16 Uhr
ich gehe davon aus, dass Deine Fähigkeiten ausreichen, um wenistens einen der mittlerweile tausenden von Userberichten im Netz zu finden, was man mit Twitter machen kann und was nicht, damit Du Dir ein Bild von einer relativ simplen Softwareanwendung machen kannst. Glaube kaum, dass Du als Blogger einen Webführerschein bei der VHS machen musst:))
Am 15. März 2007 um 00:58 Uhr
1000 Userberichte beschreiben eine einzige Funktion? Hab ich jetzt was falsch verstanden? Dann trage ich mich gleich mal bei einem VHS-Kurs ein. Gibst du zufällig auch welche? Per SMS?
Am 15. März 2007 um 06:43 Uhr
Da kommt einer daher und kippt einen Eimer Rotz und Scheisse ueber Twitter. Das waere ja soweit noch akzeptabel, wenn dabei nicht soviel auf die Nutzer selbigen Webdienstes (nun habe ich also ein Wort dafuer) spritzen wuerde. Mit hochgestochenem Modegeschwafel (wer nimmt schon das Wort “Hype” in die Tastatur?) geht es gegen Blogger wie Du und der Andere. Ohne eigene Twitter-Erfahrungen, versteht sich…..
[mehr? klick nick]
… sorry, Patrick, fuer diesen handgemachten trackback….
Fuer den Artikel sage ich nicht sorry. Der ist so gemeint.
Ich lese Dich gern, aber hier hast Du Mist gebaut. Es geht dabei um die Art und Weise und um das “WEM pinkel ich auf die Schuhe?”. Bin aber gar nicht sooo empfindlich, wie es vielleicht den Eindruck erweckt. ;-)
Am 15. März 2007 um 08:56 Uhr
Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dieses Twitter-Ding in einer kleinen Nische wunderschöne Lyrik und Prosa hervorbringen wird – mit nur 140 Zeichen. Der Rest wird natürlich Müll sein (bleiben) – wie bei Blogs eben auch.
Am 15. März 2007 um 09:42 Uhr
ja, mein Kindchen, stampf ruhig mit deinen Füßchen auf den Poden:)
Am 15. März 2007 um 10:20 Uhr
Ich finde es sehr interessant/belustigend/umwerfend komisch wie schnell aus (vermeintlichen) Vorläufern, Mitläufer und Reaktionäre werden. Das ist ja schlimmer als bei Peter Hahne und Ulrich Wickert hier ;-)
Am 15. März 2007 um 11:29 Uhr
@Robert: War das jetzt getwiggert?
@blotzkogger: Ach , du brauchst dich nicht entschuldigen. Bist auf alle Fälle ein sehr analer Typ, wie ich finde. Jetzt so frei nach Freud.
Im Übrigen, wo keine Gegner, da keine Fans. Seid froh, dass ich euch so zusammenschweiße.
Am 15. März 2007 um 11:47 Uhr
Schön, dass es mal wieder Dienste im Web 2.0 gibt, die so bunt durch das kleine und große Bloggersdorf ziehen. Neben dem höchst unrelevanten “Ich pule gerade meinen Pickel auf…”-Geschwafel in Twitter gibt es vielleicht doch eine halbwegs sinnvolle Anwendung: Blogger könnten eine Art eigenen Ticker anbieten, der die News nicht als Kurzform wie im RSS-Feed aufbereitet sondern in alternativen Verpackung, mit eigenständigem Kurzinhalt und eigemem “Kanal”. Also Garbage vs. Content. Nach dem Motto: To make a long story short…
Am 15. März 2007 um 17:37 Uhr
Ich mags auch nicht und brauchs nicht, aber warte mal bis die ersten Agenturen ihre viralen Kampagnen darüber fahren. Ich find twitter nur gaga, aber irgendwie ist es auch ein Ausdruck der Gesellschaft. Die Riege “einsamer, oberflächlicher und mit Aufmerksamkeitsdefiziten überhäufter Netzidentitäten” Wesen ist eben Legion.
Am 18. März 2007 um 12:01 Uhr
Blogistan-Panoptikum Woche 11 2k7…
Das Internet wurde zum Massenmedium, und was ist geblieben von John Perry Barlows Declaration of Independence of Cyberspace? Die Online-Zensur ist im Steigen begriffen, wie die Open Net Initiative zu berichten weiß. [via The other end of the tel…
Am 18. März 2007 um 14:49 Uhr
Trend der Woche: Twitter…
Man kann es für ein ewiges Geheimnis der Natur halten oder für eine evolutionäre Sackgasse: Die menschliche Eigenschaft, Überflüssiges, ja gänzlich Sinnfreies, besonders leicht in verdauliche Informationshäppchen zu verpacken, zu behalten und be…
Am 18. März 2007 um 22:32 Uhr
Wie immer kommt es wohl darauf an, was man aus so einem Angebot macht. Es gab vor Jahren schon Websites, auf denen man nur die Privatdetails manches Menschen nachlesen konnte, dann kamen die Weblogs und damit auch die Privattagebücher im Netz.
Und jetzt Twitter. Bei Oliver kann man z.B. 17 Ideen finden, wie Twitter durchaus für Sinnvolles genutzt werden kann: webworkblogger.de/in...!.html
Lassen wir uns überraschen, wer in ein paar Monaten noch über Twitter redet und wann auch interessante und nachahmenswerte Ideen dort auftauchen…
Am 19. Februar 2008 um 19:11 Uhr
Sehr geehrter Herr Milski,
ich schreibe diesen OFFENEN BRIEF an Sie, weil ich Sie einerseits sympathisch finde und andererseits doch überaus erschüttert bin.
Sie treten hier und dort auf und geben sich als der nette Kerl, der Mensch von Nebenan, der Junge mit Herz. In der Sendung BIG BROTHER achten Sie als (Außen-)Moderator immer darauf, für jedes Tränchen hier oder da auch einen Trost zu vergeben, und sei es nur durch eine kurze Umarmung.
Man denkt: “Der Jürgen” ist ein ganz netter Mensch.
Dieses ist aber nur die eine Seite der Medaille. Und zwar die Seite, die Sie gerne darstellen wollen.
Zugleich aber, und das ist das Schlimme an allem, täuschen Sie aktiv und offensiv Millionen von Menschen, die Ihre Sendungen zum “Gewinnen” unter ganz falschen Gewinnhoffnungsvoraussetzungen ansehen. (Als Beispiel ein Auszug der von Ihnen moderierten Sendungen – OHNE BIG BROTHER – in der Woche 11.2.2008 bis 17.2.2008, von Ihnen selber veröffentlicht, auf Ihrer Homepage, unter “Tourdaten”.)
13.02. Mittwoch Moderation bei 12:30 – 15:00 Uhr: Bei uns
13.02. Mittwoch Moderation bei 23:00 – 02:00 Uhr: Call Big Brother
14.02. Donnerstag Moderation bei 12:30 – 15:00 Uhr: Bei uns
15.02. Freitag Moderation bei 23:00 – 02:00 Uhr: Call Big Brother
16.02. Samstag Moderation bei 18:30 – 21:30 Uhr: Der unfassbare Gewinn
16.02. Samstag Moderation bei 23:00 – 02:00 Uhr: Alles auf Rot
17.02. Sonntag Moderation bei 18:30 – 21:30 Uhr: Der unfassbare Gewinn
17.02. Sonntag Moderation bei 23:00 – 02:00 Uhr: Alles auf Rot
Das sind immerhin 8 Sendungen von einigen Stunden Gesamtlänge. In diesen Sendungen geht es überaus seltsam zu.
Die Menschen werden aufgerufen anzurufen (immer wieder: anzurufen) … und bezahlen für jeden Anruf Geld. Auf Dauer natürlich sehr viel Geld. Dieses Verfahren des zum-Anrufen-Animierens geht bisweilen über Stunden so. Oft wird Druck ausgeübt: durch eingeblendete Digital-Uhren, durch eine laute und hektische Stimme, durch Geräusche, durch diesen Buzzer und anderes – Aber wer gewinnt? Und wann? Und wie oft? Und nach welcher “Logik”?
Man weiß, wie der Sender 9LIVE hier Menschen im schlechten Sinne “verführt”.
Und man weiß auch, dass es nichts mit “Gerechtigkeit” zu tun hat, sondern dass hier ein Redakteur oder Aufnahmeleiter oder Regisseur oder Wer-auch-immer irgendwann nach Gutdünken entscheidet, wann überhaupt ein Anrufer in die Leitung kommt. Der scheinbare Zufall des Glücks ist eine verzögerte Willkür eines Mannes, der immer das “eingehende Geld” im Auge hat, welches sich durch die Anrufe selber für den Sender generiert.
Die Zuschauer aber denken tatsächlich, sie bräuchten nur Glück zu haben. Und dieses “Glück” würde zumindest gerecht vergeben.
Dieses Call-In-System ist meiner Meinung nach im höchsten Maße verwerflich.
Noch verwerflicher aber ist, dass Sie aktiv an diesem Unterfangen mitwirken, Herr Milski, und keinerlei Scham zu kennen scheinen. Der “liebe Jürgen” ist wissentlich und wollentlich daran beteiligt, den Menschen Geld aus den Taschen zu ziehen.
Ich möchte an dieser Stelle nur an EINEN kritischen Beitrag erinnern, der dieses Tun von 9LIVE und anderen Sendern aufgreift. Ein Beitrag der Sendung PLUSMINUS vom Mai 2007. Darin berichteten zwei ehemalige Mitarbeiter von 9LIVE.
Nach den Vorgaben soll der “Hot Button” bei Call-In-Gewinnspielen auf dem Zufallsprinzip basieren. Aber: Ausschlaggebend für den Zuschlag des “Hot Buttons” sei auch die Anzahl der Anrufer, aus denen sich der Sender finanziert, sagten die ehemaligen 9Live-Mitarbeiter dem ARD-Magazin “Plusminus”. (Sehen Sie auch diesen ARD-Textbeitrag zum Thema:
daserste.de/plusminu...)
An dieser Stelle ist nicht der Platz, die ganzen Vorgänge im Einzelnen aufzuführen. (Sie werden diese ja kennen!)
Es erschließt sich aber sehr schnell jedem wachem Beobachter der Sendungen, dass hier nicht alles human und anständig zugehen kann. Hinweise auf “Treffen Sie die freie Leitung” bzw. “Treffen Sie die freie Leitung im richtigen Moment” – wobei niemand die “freien Leitungen” noch das “Treffen” am Bildschirm sehen kann – sprechen für sich und sind per se alles andere als vertrauenswürdig – zumal wenn kein offiziell bestellter Notar im Studio zu sehen ist, der hier mit seinem Namen und seinem Amtstitel dafür birgt, dass alles rechtens und sauber und 100% anständig ist.
Dass dieses Tun von der “Bayerische Landeszentrale für neue Medien” immer noch geduldet wird, ist ein extra Kapitel der traurigen Angelegenheit.
Bayerische Landeszentrale für neue Medien
Heinrich-Lübke-Str. 27
81737 München
Telefon: 089/6 38 08 – 0
Fax: 089/6 38 08 – 340
E-Mail: blm@blm.de
Hier sehe ich auch einen großen Unterschied zum LOTTO, beispielsweise, weil dort die Gewinne klar und logisch in Abhängigkeit von eingezahlter Summe und Trefferquote ausgeschüttet werden. LOTTO ist im Prinzip von Einzahlen und Ausschütten noch durchschaubar. Die Ziehung der Lottozahlen stellt reales Geschehen dar, notariell dauerhaft und sehr akribisch geprüft, mit real kontrollierbaren Konsequenzen. Sofern man die richtigen Zahlen getippt hat, bekommt man auch mit Sicherheit den Gewinn.
Die Geld-Gewinnsendungen von 9LIVE (und anderen Sendern dieser CALL-IN-TV-Hausse) funktionieren aber so nicht.
Mein Brief appelliert an Ihre Moral und an Ihr Gefühl von Scham, Herr Milski.
Wie können Sie ernsthaft solche Sendungen moderieren und dadurch auch mitverantworten, und zugleich in der Öffentlichkeit den “Guten Menschen von Köln” spielen wollen?
Das geht doch nicht!
Kommen Sie zurück in die Zone wahrer Menschlichkeit! Lassen Sie die Call-In-Sendungen bei 9LIVE einfach sein. Setzen Sie sich vielmehr aktiv für die Verhinderung solcher Sendungen ein!
Konzentrieren Sie sich fortan auf Ihre Karriere des Singens und der Moderation. Bleiben Sie dabei immer anständig!
Verdienen Sie Ihr Geld nur, wo die Menschen nicht mit Absicht getäuscht und wissentlich um ihr Glück betrogen werden. Verdienen Sie nur da Geld, wo Sie ein reines Gewissen haben und haben können!
Ihr Herz und Ihre Seele und viele, viele Menschen werden es Ihnen danken!
Herzlich: Klausens = Klau|s|ens, Armer Weltkünstler der reichsten Täuschung
Am 2. April 2008 um 09:09 Uhr
[...] ja, ich nutze jetzt doch Twitter. Trotz all meiner Häme im letzten Jahr. Times are changing. Vor allem wenn die Spießer es jetzt schon tun! ;-) Trackback-URL dieses [...]
Am 20. April 2008 um 01:23 Uhr
[...] Ich habe Twitter damals verdammt und mich lustig darüber gemacht, ganz einfach weil ich den Sinn von Twitter damals nicht begriffen habe bzw. nicht begreifen wollte. [...]
Am 9. September 2008 um 15:17 Uhr
Twittersphere: “Pimp my Twitter-Followers” Blogkette…
“What are you doing?” – diese einfache Frage scheint der Kern dieses Dienstes zu sein. Und obwohl es eigentlich nur eine passende Antwort auf diese Frage gibt, schauen hier täglich Millionen Menschen vorbei. Ist wirklich was dahinter, oder…
Am 27. November 2009 um 19:07 Uhr
[...] Ich habe Twitter damals verdammt und mich lustig darüber gemacht, ganz einfach weil ich den Sinn von Twitter damals nicht begriffen habe bzw. nicht begreifen wollte. Jetzt ändere ich diese Meinung, denn ich habe Twitter intensiv genutzt. Hier meine 3 Punkte, warum ich auch weiterhin kraftvoll Twitter nutzen werde. [...]