09.03.07
15:12 Uhr

Dialogmarketing – quo vadis?

{lang: 'de'}

Brands wollen ihren Kunden nah sein, mehr über sie wissen, in den Dialog treten, lernen. So steht es nicht selten in PR-Botschaften geschrieben, wenn´s um Dialogmarketing-Aktivitäten geht. Was sind dann alle anderen Disziplinen? Monolog-Marketing, Monolog-Werbung und Monolog-Kampagnen? Die allermeisten Kampagnen sind genau das. Sie pushen ihre unter Marktforschungsaspekten optimierten Bild- und Textbotschaften mit viel Geld in die Welt, aber das wirkliche Gespräch, der Dialog und schließlich auch das Mundpropaganda-Potenzial bleibt auf der Strecke, bzw. findet nicht mehr bei der Marke statt.
Wer als Marke etwas auf sich hält, entwirft also heute „konvergente“ Kampagnen mit „crossmedialer“ Verzahnung. Integrierte Kommunikation eben inkl. verschiedener Dialogmarketingmaßnahmen.
Aber was ist nun Dialogmarketing? Ist „Ja bitte.“ oder „Nein danke.“ ein Dialog? Wie und wo entsteht denn nun der Dialog, den alle Beteiligten wollen? Sind CRM-Tools, Datamining, Outbound-Call-Center, Mailings und Email-Newsletter die nötigen Werkzeuge und Gewinnspiele im Internet, Messeauftritte, Promotion-Teams und der Telefonanruf die nötigen „Touchpoints“, um mit dem Kunden in den Dialog auf Augenhöhe zu treten?
Was hat das am Ende mit einem wirklichen Gespräch zu tun?
Gar nichts. Es ist nichts anderes als der Versuch, in einer direkten Kontaktaufnahme mit den Interessenten und Kunden (One To One Marketing) sender- und absatzorientiert Botschaften in die Welt zu „drücken“. Darauf haben die allermeisten Verbraucher nun aber keine Lust mehr. Sie haben sich Abwehrinstrumente und Filter zugelegt, die sie zunehmend immun machen gegen diesen als Dialog verpackten Monolog. Kein Wunder also, dass man sich innerhalb des Dialogmarketing schon freut, wenn die „Responsequoten“ im homöopathischen Bereich liegen. Wenn wir uns persönlich mit 100 Menschen unterhielten und nur einer (oder noch weniger) ginge auf das Gespräch ein, würden wir uns da nicht ernsthaft Gedanken machen? Die Massenbearbeitung macht es da ja vermeintlich einfach. Ich muss nur in 10Tausender-Kategorien denken, personalisieren und dann tropft am Ende schon noch was raus aus meiner Zielgruppe…

„Sehr geehrter Herr K., wir haben da ein wirklich tolles Angebot für Sie…“

Zugegeben, ich polarisiere und es gibt natürlich schon einige gute Kampagnen, die charmant einladen, statt plump aufzufordern. Aber ist es denn wirklich so schwierig für viele Anbieter, ein wenig „menschlicher“ zu denken, also Kommunikation als das zu begreifen, was es wirklich ist? „Märkte sind Gespräche„, sagt das Cluetrain-Manifest. Der Niedergang der New Economy, die viele Portemonnaies hat bluten lassen (und einige wenige gefüllt), liegt zwar wie ein mit Patina behaftetes Damokles-Schwert auf den Worten der Verfasser, aber inhaltlich sind die Themen aktueller denn je.

6 Kommentare

  1. Patrick Breitenbach

    Zuhören ist der erste Schritt zum Gespräch und schon da steigen leider fast alle komplett aus.

  2. Dieter Schneider

    Ein Satz – ich weiss nicht mehr wo ich ihn gelesen habe – ist für die Situation bezeichnend, und der geht so: Kunde zum Verkäufer: „Sprich nicht zu mir, sprich mit mir!“

  3. Alex Flockau

    Ich denke Dialogmarketing hat nicht viel mit dem „Sprechen, also Reden“ zu tun sondern findet auf einer höhernen Ebene ab. Also die Emotionen sprechen für sich. Die individuelle Persönlichkeit ist der Dialog mit der Marke, denn jeder der mit einer Marke in den Dialog tritt tut es als erstes sim schweigenden Zustand, oder nicht?

  4. Roland

    @alex Hmm. Nachvollziehbar. Das gilt denke ich eher für die Markenführung und die Entwicklung einer Markenpersönlichkeit. Als Einzeldisziplin nimmt das „Dialogmarketing“ ja eine spezielle Kommunikationsaufgabe und Form wahr, und diese besondere Kommunikationsform mit dem „Dialog“ im Namen wird ihrem Namen eben häufig nicht gerecht bzw. ändert sich vehement durch eine zunehmende und andere „Öffentlichkeit“.

  5. Andreas Herrmann

    Direkt- und Dialogmarketing sind zweifelsohne als die Königsklassen des Marketing zu betrachten. Hierüber besteht mittlerweile, zumindest in Marketerkreisen, Einigkeit. Unternehmen, viele Entscheider in Unternehmen, haben noch immer nicht den Trend dieser Entwicklung erkannt. Die Verlagerung des Massenmarketing zu Maßnahmen der direkten Zielgruppenansprache – im Idealfall selbstverständlich unter Berücksichtigung interaktiver Reaktionen der entsprechenden Zielgruppe. Gleichfalls sei hierbei erwähnt, dass die Bereiche, welche berührt werden müssen um eine gewinnbringende Interaktivität zu erreichen, breit gefächert sind. Ich denke hierbei ganz gezielt an den Bereich der Verkaufshaptik, Haptische Verkaufshilfen. In diesem Sinne, liebe und empfehlende Grüße, von einem der mit dem Markt tanzt … Andreas Herrmann

  6. Neukunden Dirk

    Genau erkannt !

Eure Kommentare

Feed
  • Tom: Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ein guter Texter oder auch Grafiker meistens besser verdienen als bei gehalt.de geschrieben....
  • WERBOU: Ich denke es ist in der Werbebranche sehr unterschiedlich. Gerade was in Sachen Grafik geht, wird meistens der Preis ziemlich gedrückt, was...
  • Thomas Beichel: Wirklich geschmackvoll ist der Werbebanner wirklich nicht, aber jede Werbeagentur wird ihnen recht geben, denn die Werbung erfüllt...
  • Sebastian: Was ich nie verstehen werde warum die nicht wirkliche Kulanz walten lassen. 10€ Guthaben tun dem Anbieter nicht weh.. für ihn bedeutet...
  • Roland Kühl-v.Puttkamer: Nein, tot nicht, wir leben und arbeiten ja alle und auch der Werbeblogger ist online ;-). Für die nähere Zukunft der...
  • Tina: Ist der Blog tot? Wäre echt schade
  • Gatzetec flashlights for friends: Wir denken der Auftrag wurde erfüllt. Gute Werbung für das Produkt und man schaut zweimal hin :-) Gibt es...
  • Detlef Arndt: Als Marketing Experte müsste man auch wissen, warum das so ist. Angebot und Nachfrage sind hier nicht im Einklag. Klare Sache. Daher...
Adscene: The Kaiser Report
Werbeblogger Late Night Podcast
Werbeblogger Podcast auf iTunes abonnieren



Wordpress-Blogsoftware
blogoscoop