02.03.07
01:51 Uhr

Nix Blase, ab gehts.

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Manche nennen es Arbeit, andere kreative Teilzeitarbeitslosigkeit; wer die noch härtere Presslufthammer-Rhetorik favorisiert, raunt gelegentlich, Freelancer seien die modernen Wegelagerer der Werbewirtschaft. Als Fliwatüüt zeitgemäßer Beschäftigungsformen sind Freelancer aus der Werbebranche heute so selbstverständlich und verbreitet wie Journalisten, Steuerberater, Rechtsanwälte, Masseure und andere Arbeiter mit freiberuflichem Status.
Sie stellen nicht selten die Keimzelle kreativer unternehmerischer Aktivitäten dar, die gerade im webzwonulligen Internet einen neuen Aufschwung finden. Und sie fühlen sich wohl dabei. Freelancer wollen in der Regel gar kein festes Angestelltenverhältnis, wohlwissend, dass „fest“ sowieso nur eine euphemistische Beschreibung für eine Beschäftigung auf Zeit ist. Freelancer sind die kleinste unternehmerische Einheit, die es gibt, sozusagen mindestens Kommunikator, Kaufmann, Techniker und Buchhalter in einer Person.
Nicht wenige von uns finden an dieser Form der freiheitlichen Arbeitsgestaltung mit abonniertem Existenzrisiko gefallen. Dieses Potenzial ist gewaltig, gerade im Internet, denn die vernetzte Form kooperativen Schaffens findet dort ihren optimalen strukturellen Unterbau. Was liegt also näher, als dieses Potenzial der vielen kleinen Wissseneinheiten (Quality Longtail) zu verdichten?! Blogbetreiber unserer Branche z.B. könnten sich (im Backend oder Frontend) zusammenschließen und bahnbrechende unternehmerische Initiativen in die Wege leiten, die vom besonderen Spirit und Fachwissen der einzelnen Kräfte vitalisiert werden. Ob man nun gleich ein (virtuelles) Unternehmen unter einer Marke schafft oder zunächst „nur“ gemeisame Vermarktungsaktivitäten vereinbart – erst heute ist im Massenmarkt Internet möglich, was noch vor 7 Jahren schlicht an zu geringen Userzahlen, schmalbandigen Zugängen und einem gierigen Kapitalmarkt scheitern musste.
Nicht selten sind die geprügelten Märkte, Geschäftsmodelle und Unternehmer der „alten“ New-Economy heute erneut die Speerspitze einer anwachsenden Gründerwelle. Wie Ibo es völlig zurecht in diesem Video (sinngemäß) sagte: Ein guter Unternehmer kennt die Erfahrung des Scheiterns, ganz so wie das gebrannte Kind, das fortan die Finger von der Herdplatte lässt. Diese Reife-Evolution macht die Twens von gestern zu Profis für die Märkte von heute. Sie wissen, wie die Märkte im Web funktionieren, sie professionalisieren ihre Ideen und kennen die Tretminen der Kapitalmärkte und formaljuristische Tücken. Sie sind einfach besser als noch vor 7 Jahren und haben sich trotz ihrer oder gerade durch ihre Erfahrungen die Leidenschaft und Begeisterung für neue Märkte und Chancen erhalten, auch wenn die Widerstände hoch waren und sind. Jeder erfolgreiche Freelancer trägt dieses Gen in sich, diesen unternehmerischen Spirit, der notwendig ist, um nachhaltig sein Ziel zu verfolgen. Ich bin sehr gespannt, welche Formen der Zusammenarbeit sich weiter entwickeln und ob bzw. wie sich die Einzelinteressen und Eitelkeiten innerhalb von horizontalen Kooperationsformen zugunsten eines gemeisamen Erfolgsmodells auflösen. Denn da liegt die wirkliche Herausforderung.

3 Kommentare

  1. people 2.0

    Bin ich also doch nicht ganz allein. Seh das auch so.

  2. grisei

    das ist ein ansatz ganz in meinem sinne. ein manifest pro horizontale kooperation. arbeitskraftunternehmer und ichAGs brauchen sie, und sie brauchen sie spontaner und zuverlässiger um sich gegebenenfalls gegen bigplayers behaupten zu können.

  3. Christian Lamprecht

    Grandios. Inhaltlich und sprachlich. Danke.

Eure Kommentare

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