01.03.07
13:48 Uhr

ZEN – oder was das Web 2.0 für Marken tun kann

Ich kann mich noch gut an die 90er erinnern, als Twin Peaks die Wohnzimmer der Deutschen erobert hat. Die Mystery-Serie von Altmeister Lynch fesselte viele vor dem Bildschirm, so auch mich, bis zum Schluss. Die Serie avancierte bei mir zum absoluten Kult. Ich wurde ein waschechter Twin Peaks Fan (Maven oder Evangelist würde man heute sagen), so mit allem drum und dran. Ich habe sogar Content produziert (offline), indem ich meine Schulordner bemalt habe oder T-Shirts kreiert habe.

So wurden auch regelmäßig Twin-Peaks Abende mit Kirschkuchen, Donuts (bekomm die mal in Deutschland in den 90ern) und Kaffee ins Leben gerufen. Das hat einfach dazugehört und das Erlebnis einfach vertieft und realistischer gemacht. Ich habe die Marke Twin Peaks – so wie viele es heute noch oder wieder tun – gelebt.

Nun gibt es ein neues Serienformat, welches ähnlichen Kultcharakter entwickelt hat. Lost ist ebenfalls eine gut gemachte Mystery-Serie und auch hier scheint es ein Riesenengagement außerhalb des TV-Geschehens zu geben. Es gibt zig Communities und sonstige Internetseiten zu der Serie, welche die Rätselbegeisterung in das digitale Medium fortsetzen. Man stelle sich vor, Lynch hätte damals das Web für Twin Peaks zur Verfügung gehabt, das wäre ein Fest gewesen. Er hat damals schon ungewöhnliche Wege im Merchandising bestritten. Die Bücher zu Twin Peaks waren kein Abklatsch der Handlung sondern ergänzende Rätsel. Es gab Medienexperimente,die zu der Zeit gewagt waren. So zum Beispiel eine Audiokassette mit den Diktiergerätaufzeichnungen von FBI Agent Dale Cooper. Das alles hat zum gegenseitigen Erfolg des Konzeptes beigetragen.

Eingeschworene Kultgemeinden wollen exklusive Inhalte und Produkte. Ich meine damit nicht die Köpfe der Hauptdarsteller auf Küchenrollenverpackungen (Ich glaube das gabs mal für Star Wars) ich rede von Labels aus dem Seiengeschehen. So wie man damals den offiziellen Twin Peaks Kirschkuchen hätte vertreiben können (Hallo Dr. Oetker, Hype leider verpasst), gibt es heute bei Lost wieder die Möglichkeit Produkte zu labeln und zu vertreiben. Wenn das die Konzerne und ihre Marketingabteilungen nicht fertig bringen (ja genau dazu stellt man Planner ein, oder Tim?) solche Trends zu erkennen und den Markt dahingehend zu bedienen, dann machen das die Fans eben einfach selbst (gefunden bei Mindgarden):

Dharma Cola

Genau darin liegt für mich die Power von User Generated Content. Es geht nicht darum, die Leute mal was Gelenktes für die Marke machen zu lassen. Es geht darum, den Leuten Freiräume zu lassen und dann im richtigen Moment zuzuschlagen. Das Brandeisen kann man später immer noch ansetzen. Unternehmen sollten die Bewegung also eher als User Generated Brainstorming nutzen. Je mehr ein Unternehmen loslassen kann, desto spannender werden die Resultate ausfallen. Wäre ich Marketingverantwortlicher, würde ich gerade von diesen Lost(*Titel beliebig austauschbar*)-Fans sehr schnell lernen und umgehend solche Label rausbringen. Aber eben nicht Abklatsch sondern ergänzend. Es muss sich zum Gefüge passen, es darf kein Fremdkörper sein.

Das neue Web ist daher für Marken und Unternehmen nicht durch AAL (Andere arbeiten lassen) spannend, sondern durch ZEN (Zuhören, Entdecken und Nutzen). User generated Content ist in erster Linie keine Werbekampagne, es ist vielmehr die Inspiration für gelungene Markenkommunikation – wenn man denn das ZEN annimmt.

11 Kommentare

  1. massenpublikum

    Ich verstehe diese Faszination um Lost nicht. Sorry.

  2. Patrick Breitenbach

    Ich verstehe die Faszination für den Musikantenstadl auch nicht, aber es gibt wohl Leute, die schauen das mit Begeisterung.

  3. Tim Keil

    Um die Frage zu beantworten: Ja, unter anderem stellt man dafür auch Planner ein :)
    Und so ganz generell stimme ich hier völlig mit dir überein. User generated Content ist ein einziges großes Brainstorming. Irgendwo habe ich dazu letztens sinngemäß mal gelesen: Wenn du nicht willst das man über deine Marke/Produkt spricht, mach dein Unternehmen einfach zu.

  4. Six

    Ich hätte mir Lost schon gerne weiter angesehen, aber irgendwann haben sie plötzlich unterbrochen und ältere Folgen wiederholt, die Serie ist ja schon so verwirrend genug, aber da bin ich ganz ausgestiegen…

  5. VisualBlog - das VisualOrgasm-Weblog » Crowdsourcing - das Thema gewinnt immer mehr an Interesse

    [...] Nun stolper ich heute über neue, sehr interessante Blogbeiträge, die sich mit Crowdsourcing beschäftigen. An Patrick Breitenbachs Artikel gefällt mir nicht nur, dass er ein alter Twin Peaks Fan ist. Auch ich habe die Serie geliebt und schon die ganze Woche auf die nächste Folge gewartet. Und siehe da, auch bei Lost sind wir Brüder im Geiste. Sehr witzig. Und ich dachte schon, ich wäre der Einzige, der Lost nicht verpassen durfte die letzten Wochen. ZEN – Zuhören, Entdecken, Nutzen. Patrick schreibt: “Eingeschworene Kultgemeinden wollen exklusive Inhalte und Produkte. Ich meine damit nicht die Köpfe der Hauptdarsteller auf Küchenrollenverpackungen (Ich glaube das gabs mal für Star Wars) ich rede von Labels aus dem Seiengeschehen. So wie man damals den offiziellen Twin Peaks Kirschkuchen hätte vertreiben können (Hallo Dr. Oetker, Hype leider verpasst), gibt es heute bei Lost wieder die Möglichkeit Produkte zu labeln und zu vertreiben. Wenn das die Konzerne und ihre Marketingabteilungen nicht fertig bringen (ja genau dazu stellt man Planner ein, oder Tim?) solche Trends zu erkennen und den Markt dahingehend zu bedienen, dann machen das die Fans eben einfach selbst.” Das Problem was ich in dem Moment sehe, sind die Rechte an der Marke… Das kann durchaus schnell nach hinten losgehen. Aber er hat absolut Recht, wenn er schreibt: “Genau darin liegt für mich die Power von User Generated Content. Es geht nicht darum, die Leute mal was Gelenktes für die Marke machen zu lassen.” – Warum nicht, muss ich an dieser Stelle mal kurz einwerfen. Aber klar: anders ists noch besser - ”Es geht darum, den Leuten Freiräume zu lassen und dann im richtigen Moment zuzuschlagen. Das Brandeisen kann man später immer noch ansetzen. Unternehmen sollten die Bewegung also eher als User Generated Brainstorming nutzen. Je mehr ein Unternehmen loslassen kann, desto spannender werden die Resultate ausfallen. Wäre ich Marketingverantwortlicher, würde ich gerade von diesen Lost(*Titel beliebig austauschbar*)-Fans sehr schnell lernen und umgehend solche Label rausbringen. Aber eben nicht Abklatsch sondern ergänzend. Es muss sich zum Gefüge passen, es darf kein Fremdkörper sein. Das neue Web ist daher für Marken und Unternehmen nicht durch AAL (Andere arbeiten lassen) spannend, sondern durch ZEN (Zuhören, Entdecken und Nutzen). User generated Content ist in erster Linie keine Werbekampagne, es ist vielmehr die Inspiration für gelungene Markenkommunikation – wenn man denn das ZEN annimmt.” [...]

  6. Buenalog » Blog Archiv » Avantgarde der Markenführung im Web 2.0

    [...] podcast patrick breitenbach Hochschule Mannheim Gestaltung design CorporateDesign Branding Avantgarde der Markenführung im Web 2.0 Dieter Schneider am 1.03.2007 Der Duden definiert die Avantgarde als “Vorkämpfer einer Ideeoder Richtung”. Für mich bedeutet Avantgarde “neues Denken, für das es noch keine Muster gibt.” Für das Meiste was sich zur Zeit um Web 2.0 dreht gibt es noch keine Muster im Sinne von Erfahrungen oder gesicherten Erkenntnissen. Dies vorausgeschickt, möchte ich auf den aktuellen Beitrag von Patrick im werbeblogger hinweisen: ZEN – oder was das Web 2.0 für Marken tun kann. ZEN steht für “ZUHÖREN, ENTDECKEN und NUTZEN”. Über die Beispiele, die Patrick verwendet, kann man streiten. Unstrittig und wegweisend ist für mich die Aufarbeitung eines ganz wichtigen Themas, für das es noch keine Muster gibt: “Markenführung im Web 2.0“. Sicher werden in einigen Jahren Regale mit Büchern dazu gefüllt sein. Einige davon werden auf Studien basieren, die heute noch nicht designed sind. Solange wir diese Erkenntnisse nicht haben, müssen wir der Avantgarde des Web 2.0 ZUHÖREN. Das was die Avantgardisten ENTDECKEN, können wir für die Markenführung heute bereits NUTZEN. Der Blog-Beitrag von Patrick gehört zur Avantgarde des Web 2.0. Und wir bekommen es kostenlos, digital, verlinkt und kommentiert. Danke Patrick, Danke Web 2.0! Stichworte:Avantgarde Entdecken Markenführung Nutzen patrick breitenbach Web 2.0 werbeblogger Zuhören Verwandte Artikel:Patrick Breitenbach: Der ExperteMarkenführung im Web 2.0Buenalog Podcast #2: Marketing im Web 2.0 – Podiumsdiskussion Einen Kommentar schreiben [...]

  7. ConnectedMarketing.de

    AAL, Crowdsourcing, Consumer Generated Advertising?…

    Derzeit findet beim Werbeblogger eine interessante Diskussion statt, sozusagen: Bereits am Donnerstag vergangener Woche schrieb Patrick einen passionierten Text dazu, was Fans einer Fernsehserie alles aus Begeisterung tun, um auch andere Menschen von i…

  8. AAL-Prinzip und Advertising | Crowdwisdom

    [...] Artikel von Patrick Breitenbach inkl. Kommentare [...]

  9. Markus Hübner

    Leider haben viele Unternehmen noch nicht einmal die Markenführung im interaktiven / vernetzen Umfeld verstanden. Die neuen Möglichkeiten im Zusammenhang mit Web 2.0 aber auch Gefahren wie Brand Hijacking etc. werden hoffentlich bald von Entscheidern und Markenverantwortlichen auf die Prioritätenliste kommen.

  10. Domingos

    Werbung muss penetrant und nervig sein, um zu funktionieren. Sie braucht weder lustig noch handwerklich gut zu sein. Um eine große Marke zu etablieren, muss man fürs erste überall präsent sein, wo die Zielgruppe lauert. Eine Schritt-für-Schritt-Etablierung kostet langfristig mehr, als kurzzeitig viel, mittelfristig weniger und langfristig noch weniger Geld in Marketing und Werbung zu stecken.

  11. ben

    arbeitest du jetzt alle beiträge ab 2007 auf? :D

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