12:50 Uhr
Vandalenakt oder geniale Sublines?



Diese Aktion im Verlauf der schweizer Plakatkampagne “Stop Piracy” könnte man boshafterweise als “consumer modified marketing” bezeichnen, andere sehen darin einen kulturellen Protest gegen die schamlose Dumpf- und Verlogenheit mancher Werbebotschaften. Der Geschäfstführer der verantwortlichen Agentur Matter & Gretener (also nur verantwortlich für die schwarzen Headlines) sieht das ganz anders:
Es handelt sich um einen Vandalenakt und um Sachbeschädigung, welche von Unbekannten verübt wurde. Sie ist weder im Sinne der Auftraggeber, unserer Werbeagentur noch der Allgemeinheit. Zudem ist sie für jeden, der die Problematik von Piraterie und Fälschungen kennt, dumm und undifferenziert.
Die Inhalte der Sublines als “dumm” zu bezeichnen geht mir persönlich ein Stück zu weit. Ob die “Beschädigung”/”Verschönerung” von Plakatwänden juristisch belangt werden sollte, steht sicherlich im Schweizer Gesetzbuch geschrieben. Um mal eure Meinung ein wenig abzuklopfen habe ich mal eine von diesen Oldschool-Foren-Polls eingerichtet. Aber alle Forumsverächter können auch gerne noch, wie gewohnt, hier im Kommentarbereich bewerten.
Via Wirres
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24 Kommentare
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Am 13. Februar 2007 um 13:21 Uhr
Da die Texte (schwarz) auch eher im unteren Niveau Bereich angesiedelt sind, sollten sich Agentur und Aufraggeber freuen, dass jemand mit einer guten Idee (grün) auf den Mist überhaupt aufmerksam macht.
Am 13. Februar 2007 um 13:40 Uhr
Als Konsument finde ich das genial.
Ich kann die Werber-Sicht durchaus verstehen: “mein” Baby wird da verschandelt, und mein Auftraggeber dürfte auch nicht begeistert davon sein. Der Werber kann ja an sich nix für die platte Aussage; der Auftraggeber sollte sich fragen, was er eigentlich mit dieser Kampagne bezwecken will.
Am 13. Februar 2007 um 13:53 Uhr
Die Agentur sollte eigentlich froh sein, der Viral-Effekt der mit den Sublines erzielt wird, ist sicherlich grösser als der Effekt der die Kampagne selbst erzielen soll.
Am 13. Februar 2007 um 13:57 Uhr
[...] PS: Die Schweizer habens auch drauf – mit Guerilla Marketing Wenn sich jetzt noch die gegenerische Agentur outet (ist ein Spaß – wird schon keiner gewesen sein…), hätten wir eine Cannes-Einreichung für Ambient-Marketing erster Güte! [...]
Am 13. Februar 2007 um 14:05 Uhr
Gerade geschickt gehen die Leute von Matter & Gretener aber nicht damit um. Möchte mich ganz Don Dahlmann anschließen. Die Kampagne ist für jeden, der die Problematik von Musik- und Tabakindustiere kennt, dumm und undifferenziert. :P
Am 13. Februar 2007 um 14:44 Uhr
Todo für die Agentur:
Den Urheber des “Vandalismus” ermitteln und ihm einen Job als CD anbieten.
Am 13. Februar 2007 um 14:45 Uhr
Nachtrag: und ansonsten ganz klein mit Hut sein als Agentur.
Am 13. Februar 2007 um 14:53 Uhr
Das ist doch die auf allen Kommunikationstagen von den Kreativdirektoren geforderte “dialogorientierte Zweiweg-Kommunikation”.
Am 13. Februar 2007 um 15:15 Uhr
Richtig!
“Dumm” sind die Sublines keinesfalls – und wer etwas als “undifferenziert” betitelt und von “Komplexität der Piraterie” faselt, sollte sich den Satz “Du lädst dir via Tauschbörse den Sound deines Lieblingssängers herunter. Und treibst ihn so in den Ruin.” mal genauer ansehen.
Wo wir gerade dabei sind: Könnte mir bitte mal jemand die aktuelle Top5 der differenzierten Werbung zusenden?
*kopfschüttel*
Werbung ist nun mal die Kontaktanzeige des Produkts: Cellulitis, Krähenfüße und uneheliche Kinder finden da nicht statt.
Am 13. Februar 2007 um 17:18 Uhr
Was für einen Zusammenhang soll denn die Zigarettenheadline mit Pop-Piracy haben? Das alles ist doch mit Sicherheit ‘ne Goldidee, will heißen: Die Sublines sind mit im Konzept.
Am 13. Februar 2007 um 18:14 Uhr
Da ist nur das “S” aus “Stop” untergegangen. Aber mal im Ernst. Das mit den Sublines ist ja eine ganz hübsche Idee – aber so dolle sind die nun auch nicht. Softwarediebe sind Kavaliere, Bill Gates ist Kavalier, Bill Gates ist Softwaredieb? Hab ich was verpasst?
Aber richtig peinlich wird es natürlich durch das beleidigte Getue der Agentur. Bisserl mehr Souveränität hätte ich den Kollegen Eidgenossen ja schon zugetraut.
Am 13. Februar 2007 um 18:17 Uhr
Bzw: Halt, stop! Das ist nicht untergegangen, das ist der zweite Anschlag auf das Plakat: Das “S” wurde überklebt und das “T” ergänzt. Neuer Claim: “Play fair. Pop Piracy”. Sehr schön :-D
Am 13. Februar 2007 um 21:20 Uhr
[...] Werbeblogger zeigt Heute schöne Bilder aus der Schweiz. Davor gab es ein schönes neues Video zum Ende der Geiz ist Geil Zeit: [...]
Am 13. Februar 2007 um 22:57 Uhr
Egal wer das schrieb, da kommt mal die Meinung der meisten Bürger zu Tage. Man darf sich nicht durch Werbung jeden Krempel als wahr verkaufen lassen…
Am 14. Februar 2007 um 09:50 Uhr
Die Sublines sind ebenso undifferenziert wie die Headlines. Natürlich juckt es einen Jay-Z nicht die Bohne, ob sich die Kids seine Musik illegal besorgen. Der dürfte ausgesorgt haben. Aber unbekannteren Bands, die auf die Einnahmen von CD-Verkäufen angewiesen sind, macht das Thema sicherlich zu schaffen. Das Thema ist zu vielschichtig um es mit zwei Sätzen auf ein Plakat zu klatschen.
Am 14. Februar 2007 um 11:57 Uhr
@ramses: “Bill Gates ist Softwaredieb? Hab ich was verpasst?” – ich glaube es wird darauf angespielt, dass man Bill Gates/MS nachsagt Ideen abzukupfern(Windows), bzw. Software kauft und diese dann einfach weiter verhökert (DOS), etc.. Er in moralischen Dimensionen also auch ein Softwaredieb ist. Vielleicht interpretiere ich aber auch zuviel hinein. :)
Am 14. Februar 2007 um 14:10 Uhr
…und am Ende stellt sich raus, dass die Agentur selber für die Subs verantwortlich war. In diesem Fall würde ich der Agentur meinen Respekt ausprechen, da ich anderenfalls die ursprünglichen Headlines auch als äusserst dumm und undifferenziert empfinde. Will sagen: Wenn mir die Texter wirklich erzählen wollen, dass ich mit dem Konsum von Original Zigaretten meine Gesundheit weniger ruiniere, dann ist das doch schon grob fahrlässig – oder? In Verbindung mit den Sublines kann aber jede Aussage für sich gewertet werden – und irgendwo in der Mitte liegt dann auch die ganze Wahrheit. In meinen Augen entfaltet diese Kampagne nur MIT den Sublines eine Wirkung.
jm2c…
Grüße vom Oli
Am 14. Februar 2007 um 15:21 Uhr
@Captain Cord: Das wusste ich gar nicht.
@Oliver: Aber wenn das so ist, wofür wird dann da geworben? Für Produkt-Piraterie?
Und was sind eigentlich gefälschte Zigaretten? Meinen die nicht eher “geschmuggelte”? Aber das kann man ja schlecht schreiben. Die sind ihren Preis nämlich durchaus wert. Genau so wie es in dem (nicht abgebildeten) Motiv “CDs brennen = faules Spiel” mitnichten nur Verlierer gibt.
Am 14. Februar 2007 um 17:23 Uhr
@ramses101
Nun ja, wenn es eine Kampagne für Produk-Piraterie ist, dann täte es mich doch schon interessieren wie die Agentur ihre Klienten aquiriert. Aber wer weiß – eventuell lassen ja mittlerweile auch schon Produkt-Piraten um ihre Etats pitchen… ;)
Am 15. Februar 2007 um 08:18 Uhr
Da sieht man mal wieder, dass die Ängste vieler Werber gegenüber viralem / OpenSource-Marketing komplett zu kurz gedacht sind: Auch “klassische” Werbung kann von Konsumenten verändert, rekombiniert und in seiner Aussage verändert werden…
Ach ja: Die “Add-Ons” sind natürlich lustig, aber faktisch etwas kurz gedacht, gerade der zum Thema Musik. Nicht jeder aufstebende Künstler ist Jay-Z. Musiker, die ihre eigene Mucke auch verlegen und vermarkten, haben durchaus Probleme mit Rentabilität. Das geht hin bis zu vergleichsweise grossen Acts wie Amy Mann oder Tori Amos.
Am 15. Februar 2007 um 09:44 Uhr
[...] Gefunden beim Werbeblogger und der hat’s von hier. [...]
Am 17. Februar 2007 um 10:43 Uhr
[...] Die stereotypen Antagonisten repräsentieren hier ausnahmsweise mal nicht Gut und Böse, sondern zwei Grauzonen, die in voller Wucht aufeinander treffen. Und totale Sinnentleerung soll beim einen oder anderen Zen-Buddhisten schon öfter mal zur spontanen Erleuchtung geführt haben. Eine etwas andere Inszenierung des alten Konflikts fand ja letzthin zwischen Schweizer Kopierschutz-Ninjas und Subline-Piraten statt: also Zeit, Flagge zu bekennen. Der geneigte Leser merkt’s schon an der Formulierung: ohne mir einen Metallhaken-Arm zu wünschen: das Ninja-Outfit find ich einfach doof – vom Coolnessfaktor her steckt der charismatische Piratenkapitän den gesichtslosen Ninja locker in die Tasche bzw. seinen Flachmann. Damit dürfte klar sein, auf welcher Seite datenschmutz steht. Das folgende Filmfilmfilm-Highhigh-Light der Woche lässt die entscheidende Frage offen: [...]
Am 18. Februar 2007 um 21:40 Uhr
[...] Die einen nennen es Vandalenakt, die anderen kreativ-partizipative Beteiligung des Publikums an öffentlicher Kommunikation. Sicher ist nur eines: immer mehr Plakate der Aktion Stop Piracy werden ganz in Sinne der Kommunikationsguerilla nicht länger unwidersprochen hingenommen. Beim Werbeblogger gibt’s die sympathischen Sublines zu bewundern. Ein weiterer Punkte für die Content-Piraten in ihrer ewig währenden Schlacht gegen die Produkt-Ninjas. Eigenart möchte jedenfalls derzeit kein Texter bei der betreffenden Agentur sein… [...]
Am 23. Juli 2007 um 15:28 Uhr
[...] Werbewoche via Keine Panik! und Werbeblogger; Abbildungen: [...]