10:09 Uhr
Blogstudie 2007
Nach dem blogfreien Wochenende, beschäftige ich mich mit einer aktuellen Studie, die Dieter Schneider am eigentlich blogfreien Wochenende gefunden hat: Die Universität Leipzig unter Leitung des den in Bloggerkreisen wohl ziemlich bekannten Prof. Ansgar Zerfaß hat in Kooperation mit ask.de eine Umfrage initiiert, die nun als Blogstudie 2007 zusammengefasst wurde. Für Blogspezialisten bietet sie nicht unbedingt neues, einige enthusiastische Corporate Blogger werden jedoch vermutlich etwas enttäuscht sein. (Eine Botschaft wird nicht glaubwürdiger, nur weil man sie vermeintlich glaubwürdiger verpackt)


Natürlich sind Corporate Blogs nicht glaubwürdiger als ihre Blogkollegen ohne Unternehmensbackground, aber seien wir doch mal ehrlich: Publicity wollen doch alle Blogger, auch wenn der vermeintliche “Spaß am Bloggen” immer schnell in den Vordergrund gerückt wird. Aber Spaß kann man selten alleine haben. Wer also als Corporate Blog behauptet, er würde es nicht als PR-Instrument nutzen, der lügt. Allerdings gibt es solche PR und solche PR. Ich denke, die Leser finden aber sehr schnell dank ihrer erlernten Filter heraus, welche Corporate Blogs lesenswert sind und welche nicht, welche authentisch sind und welche nicht. Es gibt schließlich auch gut gemachte Kundenmagazine. Wer als Unternehmen jedoch glaubt mit einem schnell aufgesetztem Blog könne man auch schnelle PR machen, der irrt sich gewaltig. Ein gut geführtes Blog kostet Geld, Zeit und einen langen Atem. Auch hier wieder der Hinweis auf Kundenmagazine (hier kommen allerdings noch die Druckkosten hinzu).
Was ich jedoch wesentlich spannender finde, sind die Zahlen in Hinblick auf die klassischen Medien. Hier sieht man deutlich, inwieweit sich Menschen nach einem alternativen Informationsmodell sehnen. Es soll erdiger, ehrlicher und kompetenter sein. Nicht umso schenkt man Fachblogs die meiste Aufmerksamkeit, ganz einfach, weil man den Autor (anders als bei Printpublikationen) greifbarer hat. Man kann ihn mit seinem Fach identifizieren und ihm somit mehr Vertrauen schenken. Zugleich spüren Leser oft die Leidenschaft, die viele Autoren in ihre Beiträge stecken. Etwas, was man bei der journalistischen Zunft oft vermisst (was ja auch gewollt ist, denn es geht schließlich um Subjektivität). Zu guter Letzt kann man sogar noch mit ihm in den direkten fachlichen Dialog treten. Etwas was Leserbriefe sicherlich nicht leisten, auch wenn sie an dieser Stelle immer gerne genannt werden. Digitale Kommentarfunktionen nützen natürlich auch nichts, wenn der Autor nicht darauf eingeht.

Diese Grafik zeigt mir, dass ich all die Jahre nicht völlig falsch lag. Blogs können die klassische Medien nicht ersetzen, sondern lediglich sinnvoll ergänzen. All die Informationen, Stilistiken und interaktiven Möglichkeiten, die man in den klassischen Medien nicht findet, bekommt man eben derzeit in Form von Blogs geliefert.
Was bedeutet das also für die klassischen Medien?
Klassische Medien müssen endlich die Werkzeuge des Web und das völlig unterschiedliche Nutzerverhalten verstehen. Das Web ist schnell, interaktiv und vernetzt. Das Printmedium ist langsam, distanziert, vertiefend und investigativ. Sie müssen die Bedürfnisse der Webuser begreifen. Nutzer möchten schnell, einfach, umfassend, multimedial und qualitativ hochwertig informiert sein – gleichzeitig aber auch die Freiheit behalten, diese Informationen mit anderen Meinungen abzugleichen. Blogs können lediglich Impulsgeber für klassische Medien sein. Ein journalistisches Weblog unter dem Mantel des Zeitungslabels ist völliger Unsinn, da es damit gleichzeitig den Nutzwert von Journalismus entkräftet. Klassische Medien und Blogs können eigentlich nur parallel und voneinander unabhängig existieren, die einzige Möglichkeit wäre noch die Einbettung eines Blogs in das Repertoire des Verlages oder des Mediums. Nur muss dabei immer auch eine redaktionelle Unabhängigkeit bewahrt bleiben, sonst treten wieder die oben genannten negativen Effekte in Kraft.
Abschließend könnte man also sagen: Blogs sind die wertvollsten und gleichzeitig unrelevantesten Medien in Deutschland. Sie sind Impulsgeber, keine Massenbotschafter. Sie sind Gewürze, keine Ballaststoffe.
Nachtrag: TV-Beitrag vom NDR – speziell zum Thema Journalismus im Web 2.0. Gefunden bei Robert.
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2 Kommentare
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- bugsierer: sehr geile app, danke für die empfehlung. macht grossen spass, auch als nichtmusiker darauf zu jammen, sehr entspannend.
- Raoul: Sehr interessanter Artikel. Zum einen kann die Software als Ideengeber dienen, wenn dem Faktor Mensch mal wieder gar nichts einfallen will...
- Luis: Wikipedia in allen Ehren: Es ist Fast-Food-Wissen. Schnell zu bekommen, aber teilweise auch von unterschiedlicher Qualität. Dass man da...
- ramses101: @Julian: Das ist Quatsch und der ist zum Beispiel auf die “Debatte” zwischen Inkludisten und Exkludisten zurückzuführen....
- Julian: @Christian Schneider : Wer ein wenig versiert ist, weiß längst, dass Wikipedia Brockhaus schon vor einiger Zeit sowohl im Umfang, als auch...
- Claus: Nur wenn Printwerbung neu, kreativ und einzigartig ist, ja nur dann komt der gewünschte Werbeeffekt zum Tragen. Auto-Sixt etwa beherzigt das...
- Dalibor Karacic: Wenn ich die TV-Werbungen der letzten Jahre so verfolge, bin ich mir nicht sicher, ob diese Software nich schon längst im Einsatz...
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Am 12. Februar 2007 um 11:46 Uhr
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Am 28. Februar 2007 um 13:24 Uhr
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