06.12.06
11:16 Uhr

Dittsches Web 2.0.

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Hierarchische Strukturen sind etwas Beruhigendes. Es gibt eine Instanz, die Menschen sagt, was sie tun oder lassen sollen, wenn sie es selbst nicht (mehr) wissen. Und finden die Menschen sie nicht auf Erden, dann schauen sie gen Himmel. Was ist aber nun, wenn es keine Instanzen dieser Art im Web 2.0 gibt? Alles so schön bunt hier, aber wo ist die Orientierung? Was ist wichtig, was nicht? Für Dittsche z.B. ist die Welt noch in Ordnung. Alles, was in der Bild am Sonntag steht, gilt. Der Simplicius Simplicissimus hat seinen festen Gatekeeper für die Nachrichtenwelt und er wirkt dabei tragikomisch, weil in ihm durchaus fein beobachtete gesellschaftliche Wahrheit steckt. Während das Web einerseits seine Tore überall zum Mitmachen öffnet, bleiben bestimmte Menschen und Altersgruppen draußen stehen. Da sie durch fehlende Bildung und/oder wirtschaftliche Mittel nicht mehr am aktiven Konsum teilnehmen, bleibt ihnen nur ihr Mikrokosmos, für das der „Dittsche“ Grill-Imbiss symbolisch steht. Monologe, einsame Theorien und brotlose Künste ersetzen den Dialog mit einer Vielzahl von Menschen und Kulturen. Die Anzahl der ausgeschlossenen Menschen ist in Deutschland nicht gerade klein, auch wenn sie prinzipiell über einen Internet-Zugang verfügen könnten. Die Welt, die sich dort öffnet, ist ihnen fremd; sie erfassen sie nicht mehr, weil sie nie dem „Bildungsbürgertum“ angehörten und aus dem Alter heraus sind, in welchem sich die sogenannten „digital natives“ befinden, die mit dem Medium groß werden. Die Kehrseite der schönen, neuen Version 2.0 ist eben, dass viele Menschen sie nicht mehr in ihrem Kopf installieren können…und für jede Art von (viralen) Online-Kampagnen als Verbraucher ausfallen. Aber das Kaufobjekt der Begierde hätten sie sich ggf. sowieso nicht leisten können.

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13 Kommentare

  1. lxndr

    Werbeblogger.de ist auch ein „Dittsche“-Grill-Imbiss.

  2. lkjer

    In der Tat, lxndr.

  3. Sønxen

    Das Werberbiervideo ist leider schon seit Taagen offline und auch sonst nicht wiederzufinden.
    Warum nur?
    Und hat jemand nen Tipp wo es selbiges noch anzuschauen gibt?
    Ahoy

  4. Patrick Breitenbach

    Dann ist lxndr wohl ein echter Grillimbissbudenstammbesuchspöbler.

  5. lxndr

    Und das mit grösstem Vergnügen. Danke für die Bewirtung! :)

  6. Oli

    TREFFER!
    Direkte Selbstkritik aus der eigenen Branche – sehr gut – wenn auch mit leicht diskriminierend angehauchtem Ende.

  7. Patrick Breitenbach

    Die gleichen Diskussionen gab es schon beim Medium Fernsehen. Ich sehe das Ganze momentan ganz genauso, doch für die Zukunft sehe ich eine zunehmende Integration vieler Menschen.

    Wenn wir an die Anfänge des Mediums Internet denken war die Anzahl der Ausgeschlossenen weitaus größer. Mit fortschreitendem Abbau der technischen Barrieren wird es auch eine entsprechend breitere Nutzung geben.

    Jeder kann übrigens dabei helfen, andere Menschen das Medium zugänglicher zu machen. Dann bleiben zwar die Imbissbuden, doch außenrum hat man immer noch eine Stadt, ein Land, ein Kontinent.

  8. Oli

    TREFFER 2!

    Wir blicken mal ganz unverfroren 20 Jahre weiter.
    Die golden Ager und fremdsprachigen Nachbarn dominieren Konsum & Kommunikation in Deutschland.
    Aber da wird Web 2.0 keine Rolle mehr spielen.
    Die Vernetzung wird bis dahin ein neues Niveau erreicht haben und
    der größte Teil der Bevölkerung in Deutschland wird es gezielt einsetzen.

  9. Thies

    wenn ich mir die etwas eitlen kommentar-dialoge mal eben wegdenke, bei denen der eine dem anderen wahlweise irrtum, eitelkeit oder zuspätkommen vorwirft, möchte ich doch auf den einen grundsätzlichen fehler hinweisen, den die ganze geschichte hat: für dittsche und seinesgleichen ist die welt eben NICHT in ordnung. und ein paar gedanken DARAN wären nicht verschwendet.

  10. Thies

    „Mikrokosmos, für das der “Dittsche? Grill-Imbiss symbolisch steht. Monologe, einsame Theorien und brotlose Künste ersetzen den Dialog mit einer Vielzahl von Menschen und Kulturen. “ (Willkommen im Blog.)

  11. Roland

    Die Herausforderungen sind wohl nicht die technischen Barrieren. Im Unterschied zum TV (Konsument=passiv und anonym)impliziert die anstehende Medienkonvergenz eine aktive und durchaus „gestaltende“ Beteiligung. Nur wer etwas weiss oder kann, nimmt Teil. Bildung zählt. Ausnahmen sind die „digital natives“ schon heute, denn sie nähern sich dem Medium spielerisch bis trashy und vergleichweise hemmungslos.

  12. Thomas Schwarzer

    Auch nicht schlecht – aber mit der Krombacher-Flasche in der Hand – so(!) kenne ich Dittsche sonst aber nicht … :)

  13. Marcus

    Mir fallen zum Thema zwei Sachen ein: Gruppendynamik und „Wissen ist Macht“. Wer sich der „Gruppe der Bildleser“ anschliesst und der Meinung ist, seinen Horizont nicht erweitern zu müssen, wird eben wie Dittsche eine sehr kanalisierte Wahrnehmung der Realität haben. Das gilt im Prinzip für jede Quelle der Information, oder eben Werte und Normen, die in einer Gruppe vermittelt werden. Ich bin nicht auf dem neuesten Stand, aber vielleicht sollte man hier auch mal im Schulsystem eine Anpassung an die heutige Zeit vornehmen.

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