07.11.06
12:28 Uhr

Das ist für mich Web 2.0

{lang: 'de'}

Erst einmal danke an alle, die sich an der kleinen Assoziationsrunde beteiligt haben. Hier das Ergebnis etwas zusammengefasst:

Werbeblogger Web 2.0

Ohne große Umschweife möchte ich zu meiner Definition von Web 2.0 kommen. Der Begriff ist natürlich in erster Linie eine Hülle, ein Container, ein memetischer Träger oder ein verbales Vehikel. Der Begriff ist neu und alt zugleich. Er setzt sich zusammen aus dem Begriff “Web” – das was wir im Grunde alle kennen, der Küchenbegriff für das Internet – und der Versionsnummer 2.0, die zumindestens die technisch affinen Menschen von Softwareapplikationen her kennen. Der Begriff “Neues Web” oder “New Web” wäre denkbar schlecht gewählt gewesen, weil wir unter dem Trauma “New Economy” leiden und uns die Begrifflichkeit zu schmerzlich daran erinnert. Tim Reilly hat den Begriff “Web 2.0″ erfunden, prägen tun ihn jedoch die Menschen, die ihn fortan verwendet haben. So wie ihr eben auch. Wenn wir also von dieser Begriffsdefintion als Container ausgehen, müssen wir uns fragen, was ist dann bitte das Web 1.0 – das Urweb?

Die Grundintention des Webs war es menschliche Kommunikation mit Hilfe von einfache Informationseinheiten über jedwede Distanz hinweg zu verbinden. Jedoch nicht wie beim morsen und telefonieren zwischen zwei Teilnehmern, sondern zeitunabhängig zwischen mehreren Menschen. Das Web sollte also dazu dienen Informationen auszutauschen und diese dauerhaft zu archivieren. Es sollte ein Abbild des kollektiven Unterbewusstsein werden, ein gigantischer virtueller Mensch, dessen Wissen wir jederzeit abrufen können. Radio und TV sind im Gegensatz dazu reine Informationsstreuer, denn sie erlauben es nur wenigen Menschen mit einer Vielzahl von anderen Menschen zu kommunizieren. Es sind zudem keine dauerhaften Wissensspeicher. Sie sind sozusagen ein Abbild unseres Bewusstseins, welches flüchtig ist. Radio und TV sind sozusagen der Frontalunterricht von Medien. Doch auch sie sind im Zussammenhang mit der Grundintention des Webs nicht überflüssig, sondern sie können sinnvoll mit einfließen, indem man z.B. die Archive von TV und Radio im Web zugänglich macht.

Das Web lädt prinzipiell jeden dazu ein mitzumachen und mitzukommunizieren. Also den großen virtuellen Kopf mit Wissen zu füttern. Denn ohne Input gibt es keinen Output. Jedoch erwies sich das anfänglich als gar nicht so einfach. Zu viele Barrieren, technische Voraussetzungen und finanzielle Anschaffungen waren nötig, um an diesem kollektiven Kommunikations- und Wissensnetz teilzunehmen. Erst nachdem sich auch in den anderen elektronischen Bereichen der Fortschritt bemerkbar gemacht hat (PC, Modem, Provider etc), wurde das Web massentauglich und damit auch für Unternehmen interessant.

Doch im Gegensatz zum technischen Fortschritt, blieben die menschlichen Kommunikationsgewohnheiten einfach stehen bzw. kamen nicht der Idee und des technischen Fortschritts des Webs nach. Unternehmen sprangen auf den Zug mit Namen “New Economy” und kauften sich für viel Geld riesige, virtuelle Anzeigenflächen, da sie ja bisher nur aus den Frontalmedien kannten. Zwei Dinge die sich also im Grunde widersprechen. Gleichzeitig träumten die Macher der “New Economy” von gigantischen Geschäftsmodellen mit Bewegtbildern, Communities und haste nicht gesehen. Fakt war aber, diejenigen, die das Web eigentlich benutzen sollten, hatten noch gar keine Ahnung davon, WIE sie es benutzen sollen. Vergleichbar mit den ersten Menschen, die vor dem Fernehgeräten saßen und sich extra dafür schick angezogen hatten, weil sie glaubten die Sprecher im Fernseher könnten sie auch sehen.

Die Blase der New Economy wuchs und platze am Ende mit lautem Knall. Wichtig dabei war jedoch, dass der Grundgedanke des Webs damit nicht aufgegeben wurde. Die Spreu trennte sich vom Weizen. Die Menschen mit Leidenschaft im Hintern blieben am Ball und glaubten weiterhin an die großartigen Möglichkeiten des Webs. Es wurde relativ still und während sich viele ihre Wunden leckten, bauten sich wenige Unternehmen bombastische Marken auf, schließlich hatten sie nun genug Raum und Zeit dazu. Amazon, ebay und Google etc. blieben beständig bei der Sache, trotz lange Jahre voller roter Zahlen. Auch wenn man sie heute zu den “Bad Guys” zählt – Erfolg macht halt neidisch – ihre Grundintention blieb idealistisch, mit klarem Hinblick auf die Grundintention des Webs. Und am Ende zahlte sich ihre Beharrlichkeit aus. Immer mehr Menschen strömten in das WWW. Sie entdeckten das Potenzial und die Vielfalt, die das Medium zu bieten hat. E-Mails waren von nun an das begehrteste Kommunikationsinstrument. Nach und nach wuchsen die Bandbreiten der Datenübertragung aus Modem wurde ISDN, dann folgte DSL in immer höher werdenden Stufen, gleichzeitig sanken die Kosten dafür im Preis-/Leistungsverhältnis. Internet wurde nun im westlichen Kulturkreisen nahezu von jedem bezahl- und nutzbar.

Video und Audio – beides Datenfresser – konnten nun durch die Bahnen des WWW empfangen und gesendet werden. Neuartige technische Applikationen auf Basis der Simplizität machten es auch dem größten Technikmuffel möglich, im Internet zu kommunizieren. Man musste nicht mehr das Morsealphabet beherrschen um zu kommunizieren. Die damals aufwendig zu programmierenden, blinkenden HTML-Seiten wurden von den leicht zu fütternden Weblogs ersetzt. Weblogs sind also im Grunde nichts anderes als die damals teilweise obskuren Seiten auf Geocities. Weblogs sind aber eigentlich auch nur technische Instrumente. Wie sie inhaltlich gefüttert werden, bleibt jedem selbst überlassen. Zu welchen Zwecken man sie einsetzt eben auch.

Bei der Entstehung der Blogosphäre stellte sich zudem heraus, dass es tatsächlich Menschen gibt, die auch etwas interessantes zu sagen haben. Dinge die anderen dabei helfen dazuzulernen. Wikis sind ebenfalls solche Tools. Dank Wikipedia lerne ich täglich etwas neues dazu. Es ist ein mächtiges Tool, welches gemeinschaftlich errichtet wurde. Doch zurück zu den Blogs. Am Anfang bewegten sich darin euphorisierte Idealisten, die sich ihre kleine kuschelige Welt mit revolutionären Ansätzen erträumten. Sie wollten eben nicht nur über ihre Haustiere und Liebschaften plaudern, sondern sich mit anderen Menschen zu Themen frei und offen und subversiv austauschen. Doch dann kam der böse Kommerz … Wie ich den Assoziationen entnehmen kann, wird der Web 2.0 Container ja deutlich negativ gefüllt. Es ist nicht der Begriff sondern es sind wir, die wir ihm die Bedeutung geben. Komischerweise von uns Leuten, die eigentlich an die Intention des Webs glauben – sonst wären wir nicht hier. Wir sind also die Verfechter der Grundintention und wir wollen diese im Grunde auch manifestieren. Jedoch kommt uns immer wieder der “böse Kommerz” dazwischen und wir suchen uns einfach neue Spielwiesen, lasst damit aber auch unaufgeklärte Mitmenschen zurück, die nun von Unternehmen mit Werbung zugekleistert werden können. Und anschließend beginnt das Spiel von vorne. Denn was viele von uns einfach nicht begreifen, der Kommerz (französisch für Handel) ist ein Teil von uns allen, wir haben ihn schließlich einmal erfunden. Ohne Handel säßen wir nicht hier, ohne Handel müssten wir alle unsere eigenen kleinen Bauernhöfe bewirtschaften und im Grunde wie Amish-People leben (aber bitte nur mit iPod um den Hals).

Wieso akzeptieren wir den Handel nicht, betrachten ihn auch mal als etwas positives, als etwas gestaltbares. Denn wir sind Kunden – wir entscheiden immer noch selbst was wir kaufen, was wir brauchen, wovon wir verführt werden wollen. Trotzdem geben wir der Werbung Schuld: Sie manipuliert uns, flüstert uns ein. Wer ist letztendlich für meine Handlungen verantwortlich?

Wir sollten also mal versuchen nicht gleich wieder wegzulaufen, sondern die gegebenen Tools zu nutzen, um den Markt mitzugestalten. Was wir von Unternehmen derzeit fordern ist völlig uneinlösbar. Wir fordern Glaubwürdigkeit, dabei wollen wir am Ende doch beschissen werden, zumindestens kommunizieren wie es andauernd, denn wir erwarten ja von Unternehmenm, dass sie uns bescheissen. Die gute alte self-fulfilling prophecy…

Wenn heute rein hypothetisch ein Unternehmen bereit wäre, die reine Wahrheit (wenn es sie denn gibt) zu sagen, wir würden es ihnen trotzdem nicht glauben. Weil wir es einfach nicht glauben wollen. Wenn ein Unternehmen also die Türen öffnet, um echte Dialoge zu initiieren, dann werdet wir diese Türen pöbelnd einrennen, denn der Frust der sich seit Jahrhunderten angesammelt hat, kann endlich abgelassen werden. Wir verlangen außerdem Perfektionismus von einem menschlichen Konstrukt. Unternehmen sind Menschen – Unternehmen werden von Menschen geprägt. Es sind keine Maschinen. Witzigerweise habe ich diesen Satz mal an die Unternehmen und Werber gerichtet. Kunden sind keine Maschinen. Aber dieser Satz gilt eben tatsächlich auch für beide Seiten. Wir sollten langsam begreifen, dass wir doch alle das gleiche wollen. Wir wollen mit Respekt behandelt werden. Kommunikation auf Augenhöhe. Das große Cluetrainversprechen. Wie können wir das aber erwarten, wenn wir anderen nicht mit Respekt entgegentreten oder nicht wenigstens dafür offen sind? Was wir jetzt tun wollen ist den Spieß umzudrehen. Wir wollen an die Spitze der Top-Down-Kommunikation. Wir wollen keinen Dialog, WIR wollen jetzt die Botschaften diktieren. Wird daraus ein Schuh?

Web 2.0 ist für mich die Chance und die Pflicht auch in der Kommunikation etwas zu bewegen. Menschen zusammenzubringen – vielleicht am Anfang etwas lächerlich erscheinend durch Freundschafts- oder Interessensportale. Lasst uns doch lieber gemeinsam Dinge gestalten, anstatt gemeinsam Dinge schlechtzureden. Lasst uns den Dialog nicht nur als Lippenbekenntnis betrachten. Unternehmen haben es nunmal nicht anders gelernt, wieso bringen wir es ihnen nicht einfach vernünftig und mit gewissem Respekt bei? Unternehmen werden nämlich sonst auch weiterhin nach altem Muster vorgehen, denn sie bekommen keine Alternativen aufgezeigt, sie werden nur angepöbelt, gleichzeitig kaufen wir aber trotzdem ihre Produkte. Das ist ein irrsinniges Spiel was wir da spielen. Unternehmen erhalten das Signal: Unsere alten Methoden funktionieren, Leute motzen, kaufen unsere Sachen trotzdem, wenn wir sie nur lange genug penetrieren. Warum sollten sie ihre Kommunikation ändern? Wo besteht ihr Handlungsbedarf? Wir motzen – ändern aber nichts an unserem Verhalten und noch schlimmer, wir wollen die Rolle der alten Botschaftsender übernehmen.

Wir wollen Werbung – also die Kommunikation von Unternehmen verändern? Dann lasst uns sie gestalten – dann fangen wie bei uns selbst an, die Tools dafür haben wir ja jetzt. Fangt an zu sagen, was ihr von unternehmen wollt. Was ihr wirklich wollt. Vielleicht sollte der mündige User eher zu einem handelnden User werden. Keinen Bock? Besseres zu tun? Wer wie wir die Zeit hat sich hier oder da zu äußern, Energie verschwendet um sich über dies oder das aufzuregen, der hat auch die Zeit sich zu ändern und etwas zu bewegen. Es ist bequemer nur zu kritisieren, dann sollten wir uns aber bitte nicht über den bösen Kommerz, über schlechte Spots oder das Leid dieser Welt beschweren. Das Beschweren gaukelt uns nämlich nur vor, dass wir unabhängig dieser von uns als ungerecht bewerteten Umstände sind. Dabei sind wir mittendrin. Diesmal können wir es aber ändern, es gestalten nicht nur einreißen.

Kreativität ist eigentlich ein schöpferischer Akt. Ich würde mir daher wünschen, wenn wir den Container “Web 2.0″ mit etwas für uns sinnvollem füllen, denn auch der Begriff lässt sich mitgestalten. Ich würde mir wünschen, dass wir den Handel akzeptieren – in welcher Form auch immer – wir können ihn ja auch mitgestalten.

27 Kommentare

  1. Dieter Schneider

    1. Die Blase der New Economy wurde von Investoren aufgepumpt. Nur die Geld-Blase ist geplatzt. Die Investoren haben selbst entschieden. Keiner hat sie dazu gezwungen. Das Web selbst hat sich währenddessen weiterentwickelt. Das Web lässt sich nicht aufhalten (2.0; 3.0 etc.), auch wenn noch so viel Geld verbrannt wird.
    2. Kommerz, im Sinne von Verkaufen und Einkaufen, kann Spaß machen. Ich lasse mir gerne etwas verkaufen, wenn ich es will, weil ich vom Angebot fasziniert bin, weil es mir was wert ist. Wer sich nicht mit Freude etwas verkaufen lässt, dem geht ein Stück Lebensqualität ab. Natürlich will ich mir nichts aufschwatzen lassen. Aber das liegt doch an mir, wie ich mich entscheide. Kommerz ist ein Bestandteil der Marktwirtschaft. Das Gegenteil ist Planwirtschaft. Da wird zugeteilt, ob Du es willst oder nicht. An einer Kasse am Supermarkt habe ich folgende Spruch gelesen: “Wenn Sie meinen das Geld stinkt, dann geben Sie es mir, ich rieche es gerne.

  2. Andreas F.

    Das Web 2.0 Plädoyer für eine schöne neue (Werbe-)Welt. Geschrieben wie ein wahrer Marketeer :-)

    Aber mal im Ernst: Als jemand, der die kommerzielle Nutzung des Internets seit Anbegin gefördert hat, werde ich sicher kein “unkommerzielles” Internet fordern. Jedes Unternehmen hat die legitime Absicht, Geld zu verdienen, da ist nichts verwerfliches daran.

    Jedoch Deine Vorstellung einer ungebremsten Werbung, die auf einen in sich ruhenden, mündigen und mitgestaltenden Menschen trifft, der daraus das für sich beste herausnimmt halt ich für sehr utopisch und unrealistisch. Das ist die positiv-überhöhte Wunschvorstellung (manchmal Ausrede) vieler Werbetätigen.

    Dieser idealisierte Mensch, der sich durch Werbung anregen (und manchmal positiv verführen) lässt, kann dieses nur deswegen selbstbestimmt machen, weil er zur Werbung noch eine gewisse Distanz aufbauen und darüber reflektiveren kann (Beispiel: Kinder- und Jugendliche können das meist noch nicht und sind daher leider perfekte “Werbe-Opfer”).

    Nicht der Kommerz als solcher war mein Kritikpunkt an “Web 2.0″, sondern die (fast von Anfang an vorhandene) schleichende Unterwanderung von “Gemeinschaften” durch von aussen gesteuerter und ungefilterte Werbung.
    Vielleicht mag das auch daran liegen, daß die “Web 2.0 Generation” diejenige ist, welche als erste bereits seit ihrer Kindheit der Intensiv-Werbung des Medienzeitalters ausgesetzt war, und es daher nie anders erlebt hat.

    Was von dem “Web 2.0″ einmal übrigbleiben wird, nachdem der Hype sich gelegt und die Spekulations-Blase geplatzt oder erschlafft ist, wird sich noch zeigen. Vom “Internet 1.0″ ist auch trotz des Crashes noch viel mehr Positives übriggeblieben, als ich es mir damals in 1990 hätte erträumen können.

    Die Zukunft wird schön.

  3. Vroni

    Manchmal kommt es mir so vor, als ob der ausgeprägte und ungebrochene Idealismus von manchen Werbern und Medien, wenn es um webzwei geht, angetrieben wird von der fürchterlichen Ahnung, dass es sonst keine andere Geschäftsfelderweiterung und somit Wachstum mehr für sie gibt.
    Man redet sich die Zukunft aus Geschäftsgründen schön.

    Aber ich bin schon wieder stille.

  4. Patrick Breitenbach

    “eine Vorstellung einer ungebremsten Werbung, die auf einen in sich ruhenden, mündigen und mitgestaltenden Menschen trifft, der daraus das für sich beste herausnimmt halt ich für sehr utopisch und unrealistisch.”

    Da hast du mich leider total missverstanden, ich spreche sicherlich nicht von einer ungebremsten sondern einer selbstregulierten Werbung. Ungebremst haben wir ja jetzt in Form von Massenmarketing, Guerilla Marketing, Astroturfing und weiss der Kuckuck. Wer stopft uns denn die Briefkästen voll, unterbricht das Fernsehprogramm und zieht Flashlayer über den Monitor oder versteckt Werbung in redaktionellen Inhalten?

    Nicht jeder soll und kann mitgestalten, aber diejenigen die sich über jetztige Werbung aufregen, die sich über Kommerz im Web 2.0 aufregen, die lade ich dazu ein mitzugestalten. Vorschläge zu machen wie es besser sein könnte. Schlechtreden kann jeder, besser machen nur wenige.

    “Kinder- und Jugendliche können das meist noch nicht und sind daher leider perfekte “Werbe-Opfer?.

    Ja genau du beschreibst den jetzigen Zustand der Werbewelt, ich möchte Alternativen bieten. Wenn ich werbe, möchte ich die ansprechen, die es interessiert, die es am Ende auch kaufen.

    Infiltirerung von Communities kann ich ebenfalls nicht gutheißen, aber können Communities nicht auch offen sein für Unternehmen (Beispiel Apple-Jünger) jedenfalls wenn echte Interessensüberschneidungen vorhanden sind?

    “Vielleicht mag das auch daran liegen, daß die “Web 2.0 Generation? diejenige ist, welche als erste bereits seit ihrer Kindheit der Intensiv-Werbung des Medienzeitalters ausgesetzt war, und es daher nie anders erlebt hat.”

    Richtig, deshalb will ich das bisherige Marketing optimieren.

    “Man redet sich die Zukunft aus Geschäftsgründen schön.”

    Im Gegenteil liebe Vroni, ich könnte auf tausend verschiedene Arten wesentlich leichter mein Geld verdienen, z.B. mit Spam. Es geht hier tatsächlich darum den Markt zu verändern, ihn besser zu filtern, ihn seinen Idealen von Angebot und Nachfragedeckung wieder näher zu bringen. Market-on-demand. Ich denke nicht in kurzfristigen Geschäftserfolgen sondern an langfristige Veränderungen (die jetzt schon sattfinden). Ich rede tatsächlich vom mitgestalten. Aber wer glaubt schon einem Werber?

  5. Vroni

    “Aber wer glaubt schon einem Werber?”

    Das ist die Krux.
    Außerdem gibt es soddene und soddene.

    Market on demand verstehen viele, wenn nicht die meisten eindimensionalen “Werbe-Macher” leider so, dass man einfach eine Software strickt, die dem User noch mehr auf den Pelz rückt = noch genauer seine Suchworte erkennt (gibbet es schion, die Anfänge sind gemacht), um ihm dann noch gezieltere suchwortgenaue Werbung auf den Schirm zu poppen.

    Die webzwei-Variante dieser Art Marketing ist einfach, die taggenden und networkenden User, die sowieso gern ihre Daten preisgeben, perfekt ausschnüffeln, um… siehe oben.
    Zusätzlich wird sich spammig in Blogs eingeschlichen, um Schleichwerbung zu machen oder gar Flogss eröffnet.

    Nene, die meisten web-”Macher” verstehen deinen idealistischen und multi-angelegten Ansatz leider recht eindimensional. Das wird das Hauptproblem werden. Ich sehe auch nirgends mündige User: weder haben sie irgendeine Peilung, was Urheberrecht ist oder was die eigen bilder oder Texte wert sind, mashen rum, bis der Arzt kommt, oder/und geben Sachen über sich preis, die ich nicht mal meiner eigenen Mutter sagen würde. Mündig?
    Kinder!! Siehe das inkriminierende Video des StudiVZ-Gründers. Unglaublich. Wenn selbst der Gründer oder CEO, oder wer immer dieser Bubi sit, nix begriffen aht… wie soll denn die Gemeinde.
    Alore, was den Menschen an sich betrifft, bin ich vorsichtig optimistisch: er sit anch wie vor 1.0

    Oder wie Einstein sagte: Die menschliche Dummheit und das Universum sind unendlich.

    Mittlerweile weiß man, dass das Universum endlich ist…

  6. Tachyon

    Das leider ist also die “Freie Marktwitschaft”. Die deutliche Tendenz zur Volksverdummung und zum “Geiz ist Geil” – Kaufrausch – lässt nur die unliebsamsten Vorstellungen nur allzuwahr werden.

    Allerdings ist es manchmal wirklich eine Qual dem lieben Kunden klar zu machen was die Arbeit einens Webprogrammers eigentlich Wert ist und warum es wohl Sinn macht sie professionell gestalten zu lassen…

    Aber auch ich gebe die Hoffnung nicht auf: Ich denke wirklich das wenn sich die wenigen Leute die einigermaßen das Herz am rechten Fleck haben (bitte nicht falsch verstehen :-) zusammen tun, müssen die anderen auch mitziehen…

    Auf dann! GLÜCK AUF!

  7. Fabian Nöthe

    Der Entwickler sagt bei web2.0 “ajax”,
    der Soziologe “user generated content”,
    und der User sagt “scheiß egal”

  8. Andreas F.

    “Aber wer glaubt schon einem Werber?” – Ich glaube Dir. :)

    Jetzt musst Du nur noch Deine Werber-Kollegen und deren Kunden (und die bei Webzwonull immer öfter dahinterstehenden Risikokapitalfirmen) überzeugen.

    Denn irgendwo habe ich vor kurzem gelesen:
    1. Das Internet wird sozial
    2. Für Risikokapitalgeber ist Web 2.0 ein interessantes Feld.
    Das eine schließt das andere aus.

  9. jabbadoo

    Gucken wir uns mal genau an, was Web 2.0 ist.

    Dislozierte Rechenpower a la uralt SETI. Verteilte Inhalte a la ehemaliger Musiktauschbörsen…….usw, usw.

    Nix neues, aber das kann man so nicht verkaufen. Genau die Kunden, die jetzt auf Teufel komm raus ohne Sachkenntnis (oder aus Raffgier) den größten Mist verkaufen, brauchen ein neues Schlagwort, falls ihnen die Kunden auf die Schliche kommen.

    Als professioneller Anbieter für speziell SEM, ebay und Onlinecontrolling bekomme ich regelmäßig Statistiken zu sehen, die einfach nur (sorry) beschissen sind und ein Schweinegeld gekostet haben. Aber von irgendwelchen Werbefuzzis, die besser bei ihrem Bitmapmalen geblieben wären, mit reichlich Anglizismen den Kunden aufgeschwatzt wurden.

    Ich hoffe auf eine Marktbereinigung, die u.a. Web 2.0 als Werbegeblubber entlarvt. Ist aber wohl nicht drin, solange sich Kunden nicht informieren und nicht nachdenken wollen.

    Bis dahin hält man sich brav an Dilbert dilbert.com um nicht durchzudrehen und macht die wenigen intelligenten Kunden happy.

  10. INS Blog

    Web 2.0: Wie alles begann ……

    [...]Bis dahin erstmal noch ein paar interessante Meinungen zum sehr unterschiedlichen Verständnis von …

  11. Vroni

    @ jabbadoo
    Wenn Werbefuzzis und -fuzzinen schon nicht durchblicken und Dummzeug verkaufen, wie kann da der Website-Kunde durchblicken. Es ist einfach ein Riesendurcheinander von Technik(en), Anwendungen, vermischt mit knallharten old school-Marketing-oder PR-Absichten auf der einen Seite oder verträumtes Socializen. Da spinnt sich jeder was zusammen und versucht, auf Deubel komm raus, vornedran zu sein.

    Dass viele online-Statistiken nicht taugen, klingt in dem Zusammenhang irgendwie logisch. Dazu muss man erst mal wissen, was man will, bevor man was misst. Am ersteren scheitert es doch schon: Ich erlebe meine werbetreibenden Kunden oft als orientierungslos. Wenn ich sie nach ihrem Profil und ihren (Werbe-)Zielen frage, kommt ja schon das große Durcheinander, das erst sortiert werden muss.
    Web 2.0 nutzen oder “nur” eine Broschüre auflegen, das sind nicht Werbeziele und- Ideen, das sind lediglich Mediakanäle.
    Viele werbetreibenden Kunden halten die Auswahl eines. bestimmten Mediakanals oder einer bestimmten Anwendung bereits für eine (kreative) Idee. Da fehlt’s hinten und vorne. Einen habe ich, der will auf alle Fälle corporate-bloggen. Inhaltliche Ideen, ein klares mission statement und eine Motivation, der Welt etwas zu sagen, hat er nicht. Da kam bis jetzt nichts. Aber bloggen will er. Fein. (Werde abraten.)

  12. Patrick Breitenbach

    @Vroni: Einfach abraten ist auch nicht immer sinnvoll. Vielleicht muss man ihm erst einmal potenzielle Ideen aufzeigen (heisst nicht, dass man seine Ideen formulieren muss) bzw. Barrieren abbauen und aufklären.

    Du kannst ihn gerne an mich überweisen! ;-)

    Wenn danach tatsächlich herauskommt, dass er nichts zu sagen hat, kann man immer noch abraten. Aber eigentlich hat doch jeder etwas spannendes zu erzählen, die Frage ist nur inwieweit man dazu bereit ist.

  13. Markus Roder

    Hallo Patrick und Kommentierende,

    Ich bin entsetzt über das Menschenbild hier… ihr seht den Homo Sapiens Sapiens viel zu idealistisch positiv – als Homo oeconomicus, der vor allem Freundschaft, Gleichberechtigung und den rational besten Deal sucht. Dies ist faktisch und beweisbar falsch, denn ansonsten hätten SM-Clubs genauso wenig Zulauf wie überprüfbar quacksalberische Gurus, die 800 EUR für Fernheilung verlangen :).

    NATÜRLICH wollen Menschen (oder zumindest ein gewisser Teil Ihres Hirns) subtil verführt und dazu beeinflusst werden, Entscheidungen per “bauchgefühl” zu treffen. Wenn man dies als Werber nicht tut, macht man (das Gros) der Kunden faktisch unglücklich – denn wer denkt schon gerne über einen Einkauf nach?

    Dazu gibt es demnächst auch auf meinem Blog einen interessanten Videovortrag mit dem Neuromarketer Dr. Scheier. Check it out :).

  14. Patrick Breitenbach

    Hallo Markus,

    bitte eins nicht unterschätzen:
    Erfolg kann man dauerhaft NUR gemeinsam erzielen, denn wir sind immer abhängig von anderen Menschen. Einzelgänger werden nicht erfolgreich sein. Was ist also schlecht daran ein möglichst ideales Bild zu entwerfen.

    Natürlich verhält sich der Mensch momentan noch anders, aber sein Ziel sollte doch wenigstens in diese Richtung festgesteckt sein. Andernfalls treten wir ewig auf der Stelle, auch wir Werber.

  15. jabbadoo

    @vroni

    naja, welchen Fehler die Werbefuzzis machen:
    Keine Ahnung, aber trotzdem dem Kunden alles anbieten, was Kohle bringt. Lieber mal die Spezialisten fragen, auch wenn nicht alle Einnahmen aufs eigene Konto gehen. Der Kunde wirds danken.

    Weil ich nicht alles auf einem Internetserver programmieren kann, hole ich mir ja auch nen Techi, bevor ich Projekte vermassele.

  16. Vroni

    Mach ich doch genauso. Typo3 kann ich net und hab kei Lust, da wird geholt.
    Texten kann ich auch net gscheit, meine Tippfehler sind Legion, habe dafür einen Texter. PR mach ich aus Überzeugung nicht (aber ich weiß, was sie kann und nicht kann), habe Kunden schon zu PR-Leuten weggeschickt.

    “DIE Werbefuzzis” sind in der Regel Agenturen oder Pools, die die Aufgaben auf mehrere Fachschultern verteilen, und auch IT, Web-Spezialisten angeheuert inhouse haben und auch genug Leistungskraft, sich einen ganz exotischen Spezialisten extra für einen einzigen Auftrag zu holen. Da sehe ich dein Problem nicht.

    Was du meinst, das sind die vielen kleinen, die versuchen, überall gleich breit Fuß zu fassen und anzubieten. Und auch manche Agentur-Chefs, die erstmal alles krallen und erst hinterher überlegen: Ui, Mist, wer macht mir denn das?

    [Manche Druckereien machen das auch leider längst so: Nehmen erst mal auf Teufel komm raus jeden Auftrag an, auch wenn die passende Druckmaschine und das Personal dafür gar nicht da ist: Es wird an Subunternehmer untervergeben. Der Druck-Kunde hat dann oft mit dem Ergebnis schlechter Kommunikation zu kämpfen, da die stille-Post-Kette zu lang ist.]

  17. Vroni

    “@Vroni: Einfach abraten ist auch nicht immer sinnvoll. Vielleicht muss man ihm erst einmal potenzielle Ideen aufzeigen”

    Ui, Patrick, I did.
    Mittelweile bin ich bald besser in seinem Metier zuhause als er. Da er aber nach wie vor den/das Blog selber schreiben will (was im Grunde ja richtig ist und was ich eigentlich immer unterstütze, ghostwriting ist wenig authentisch), wirst auch du ihn nicht “katholisch” machen können.
    Bei ihm haperts einfach an der Schreibe. Er schreibt zu meta, zu verkopft. Böswillig gesagt zu verblasen. Seine Themen aus seinem Bereich müssen knackiger kommen, nicht so universitär, daran liegts. WEnn er keien Mit-Autoren zulässt udn immer alles allein amchen will, dann galbu ich nicht dran. Auch ein Crash-Seminar in “creative writing” und “wie bereite ich Themen interessant auf” wird wenig nützen, da shab ich soch durch.

    — Nicht jeder der schreiben kann, hat einen Blog, aber jeder, der einen Blog hat, glaubt er kann schreiben.—

  18. Patrick Breitenbach

    @Vroni: Es sei denn seine Community ist genauso “verkopft” …

    Das Fischer-Blog ist ja auch nicht für jeden schmackhaft! :-)

  19. Vroni

    Näi du, “dem seine” Zielgruppe ist nicht verkopft.
    Consumers, eher sogar mainstream.

    Solche Un-Passungen gibt es halt, kann man nix machen.
    Zudem ist ihm überhaupt nicht klar, was das Zeit kost.
    Ich bin der letzte, der nicht nach Möglichkeiten sucht.

    Es sollte einfach nicht jeder Unternehmer bloggen, fertig. Mein Ex-Chef wäre auch eine Blogger-Katastrophe gewesen mit seinem “Ich sach Ihnen jetzt amal was, Sie…” in jedem zweiten Satz :-)

  20. jabbadoo

    @vroni

    Och, es sind nicht nur die kleinen, die alles greifen wollen.

    Ich habe da Erfahrungen, da hauts dem Fass die Krone aus (oder wie das heißt). Recht große Werbeagentur…nennen wir es mal aus der Stadt Karls des Großen, bucht für nen Versender hochwertiger Lebensmittel auf nem Billigprovider Flash-Layer. Kosten: weit über 5k, sehr weit. Resultat aus den Logfiles: ca. 200 Weiterleitungen, unter 10 Verkäufe und irgendwas um 400 EUR Umsatz. Ich hab denen das nachgewiesen und die haben das gleiche mit einer Fluglinie aus Skandinavien gemacht………

  21. Vroni

    Der Fehler: eine gute Agentur macht Werbeerfolgskontrolle, selber. Wenn man die den Konkurrenten machen lässt, dann gute Nacht.

    (Da ich/man nicht weiß, was für ein Ziel die Flash-Layer hatten: direkten Verkauf gleich oder irgendne Awarness-Sache, bin ich von außen mal vorsichtig, drüber was zu sagen. Ich würde auch nie mit so einer reien Umsatz-Kritik Neukunden werben, da kann man gscheit nei dappen, wie der Franke so sagt.)

  22. Markus Roder

    Hallo Patrick,

    Ich sage ja nicht, dass man zum Kunden gemein und manipulativ sein MUSS. Ich behaupte nur, dass man sich die Option offen lassen sollte.

    Schliesslich verkauft Microsoft immer noch mehr Betriebssysteme als Apple ;).

  23. Cheater

    Jedesmal wenn jemand Web2.0 sagt, killt Gott ein Startup.

  24. Patrick Breitenbach

    So viele Startups gibt es aber gar nicht! ;-)

  25. Das CIO Weblog

    IT-Abteilungen blockieren Web 2.0 …

    "Anwender sagen, dass die IT(-Abteilungen) eine Barriere für die Aufnahme von Web 2.0 Anwendungen in Unternehmen sind" ("IT is a key barrier to corporate Web 2.0 adoption, users say"). Die Überschrift der Computerworld bringt auf…

  26. Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Web 2.0, wo ist der Nutzen?

    [...] “Also, Internet kenn ich ja, mach ich auch, so mit Mail und Ebay und so, aber das ganze Web 2.0 Zeugs, von dem überall die Rede ist, versteh ich nicht. Ist das nun ´ne neue Version, muss ich [...]

  27. In Social Medias Res! Oder was ist schon ein Cluetrain ohne Fahrgäste? - Brainblogger – Denken, Zukunft, Gehirn, Kultur, Evolution

    [...] Zeit damit verbringt über “Social Media” zu sprechen. Wir haben das meiste bereits zu “Web 2.0″ gesagt, so wie wir bei Kinofilmen heute nicht mehr über die Leinwand oder die Laterna Magica [...]

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