27.09.06
13:50 Uhr

Brauner Anstrich einer bisher so heilen Welt

Wer neue virtuelle Kontinente erschließt, muss sich nicht wundern, wenn irgendwann die üble Nachhut folgt. Schließlich möchte jeder etwas vom sonnigen Plätzchen abbekommen. So quillt nun auch die braune Brühe langsam aber sicher aus den Kanälen des Web 2.0 hervor. Ich hatte mich sowieso schon gewundert, wieso sie noch nicht früher darauf gekommen sind, doch der Mangel an gewissen Denkfähigkeiten, in gewissen Hirnarealen, könnte das noch recht gut erklären. Das Web ist zweifelsohne ein virtueller Spiegel unserer Gesellschaft und selbstverständlich beinhaltet dies auch diejenigen, die viele von uns am Liebsten komplett ausblenden wollen. Die Frage ist also nun, wie man damit umgeht? Der Spiegel widmet sich dem Thema in einem ausführlichen Artikel und verlinkt auch direkt die von der NPD bei Youtube eingestellten Videos. Das werde ich nicht tun, nicht aus Gutmenschentum, sondern schlichtweg, weil man – wenn man es wissen will – auch sehr schnell ohne indirekt anerkennenden Link darauf treffen kann. Doch was tun? Wiglaf Droste verfasste einst einen recht schönen Text mit dem Titel “Mit Nazis reden” oder sollte man doch gerade darüber reden, gar MIT ihnen. Welchen Sinn hat das? Inwieweit kann man einen festgestampften Ideologieboden wieder auflockern? Lässt solche Propaganda überhaupt einen Dialog in einer sozial vernetzten Welt zu? Erhöhen wir dadurch nicht nur die Aufmerksamkeit und verstärken den Focus.

Meine Meinung: Darüber reden, diskutieren, Position beziehen – aber einmal reicht völlig.

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16 Kommentare

  1. useeme2ce

    Naja, Web 2.0 ist doch einfach.

    Die Videos als “rassistisch” einstufen, und entsprechendes “passendes” Material mit dem Prop-Mist verknüpfen ;-))

  2. Sebastian Stuecker

    Hallo Patrick,

    ich stimme dir insofern zu, dass man zu diesem Thema ganz selbstverständlich relativ schnell eine Position beziehen muss und diese auch klar deutlich machen muss.

    Das “Mit ihnen reden” wird sicherlich in den meisten Fällen nicht dazu führen, dass es hier beim Gesprächspartner zu einer Einsicht kommt.

    Auf den zweiten Blick halte ich dieses Themenfeld jedoch nicht für so schwarz-weiss, wie man es am liebsten sehen würde. Nazi oder nicht, dass ist sicherlich kein binärer Zustand. Sieht man sich beispielsweise an, wieviel junge Menschen sich durch Wahlen zu dieser Richtung bekennen, halte ich es nicht für sinnlos, hier einen Dialog anzustreben. Wenn wir den Teil unserer Gesellschaft, die man hier vereinfacht als “Nazis” bezeichnet, unsererseits einfach ausblenden, machen wir es ja im Grunde genommen nicht anders als sie.

    Nach meiner Erfahrung ist es auch bei den noch so verwerflichen Themen nie falsch, zumindest die Meinungen und die Motivationen derjenigen Menschen wertzuschätzen, die wir überzeugen möchten. Nur eine andauernde Diskussion und ein Dialog über dieses Thema mit und über die entsprechenden Menschen kann dazu führen, dass nicht immer Mehr Teile der Gesallschaft in diese Bereiche abdriften.

    Wenn nun das Web2.0 von Nazis zur Propaganda genutzt wird, dann sollten wir doch das gleiche Tool benutzen, um zu antworten.

    Die ganze Problematik ist natürlich nicht neu und hat nur indirekt mit Web2.0 zu tun, einem “Werkzeug”, was eben die Kommunikation unter Menschen, auch zu diesem Thema, vereinfacht und beschleunigt und auch multipliziert, man also mehr Menschen erreichen kann.

    Es ist wie mit allen neuen Werkzeugen und Technoogien. Wir müssen lernen, damit umzugehen, weit über das technische Verständnis hinaus. Wir müssen damit rechnen, zu jeder Zeit mit Meinungen und Positionen konfrontiert zu werden, die man durchaus in Frage stellen sollte. Dies ist ja auch bei weniger extremen Themenbereichen schon so.

    Viele Grüße!

    Sebastian Stücker

  3. Dennis

    Ist schon scheisse der Rechtsrutsch auf Youtube. Aber wie Patrick bereits schon bemerkte: Es war ja nur eine Frage der Zeit. Und die radikalen Islamisten nutzen die Plattform ja auch für ihre Zwecke. Da ist des doch nur logisch das andere “Randgruppen” das auch tun. Hoffen wir nur das es Randgruppen bleiben.

    Wie umgehen damit: Totschweigen. Nicht anlinken. Keine Hits schenken. Nicht darüber reden. Denn wie heisst es so schön: Auch negative Publicity ist Publicity. Ob Benetton oder Neonazi…

  4. Wolfgang Müller

    Mitterlweile hat dieser langweilige Nazi-Schrott auf YouTube schon fast 12.000 Abrufe gehabt. Wenn auch sicher die meisten Zuschauer nur aus Neugier darauf geklickt haben, dürften die braunen Gesellen ihr PR-Ziel erreicht haben. Kommentare dagegen zu schreiben, ist ja schön und gut (bisher sind es über 100) – aber Meinungsfreiheit im Web 2.0 hat ihre Grenzen, wenn es um Rassismus und Nazi-Ungeist geht. Bei YouTube gibt es die Funktion "Flag as Inappropriate" – dort kann man als Begründung für den Wunsch nach Entfernen von der Plattform auch "Rassistischer Inhalt" angeben. Das sollten zumindest alle Zuschauer dieses Schrotts, die keine Nazis sind, tun. Mal sehen, ob sich diese Machwerke (es gibt ja noch ein paar mehr davon), nicht von YouTube entfernen lassen?

  5. Der Blogbote

    Web 2.0 rechts außen…

    Es war nur eine Frage der Zeit: Die NPD entdeckt das Internet. Noch im Herbst wollen die Rechtsextremen auf dem Video-Portal YouTube eine Wochenschau starten. Erste Testsendungen sind bereits online. Web 2.0 rechts außen sozusagen. Die Optik erinnerst…

  6. Sebastian Stuecker

    Wie auch oben schon ausgedrückt, halte ich Totschweigen für keine Lösung. Vielmehr glaube ich, dass man mit den neuen Medien, Web2.0 und Co, das Totschweigen vergessen kann, denn jeder kann sich ja jetzt selbst publik machen.

    Selbst wenn man solches Material durch die Meldung als inapropriate von der Plattform entfernt, ganz beseitigen lassen wird es sich nicht, und selbst wenn, sind damit die Leute, die das Matieral publizieren, ja immer noch da. Sie können auch eine eigene Plattform eröffnen, wenn sie wollen. Alles in allem läßt sich im Internet keine Meinung unterdrücken, selbst die extreme nicht.

    Das ist so, wird wohl so bleiben, und dem muss man sich bewusst sein und lernen, damit umzugehen. Darüber darf man reden, ohne sich zum Mittäter einer Publikmachung zu machen.

    Nur eines, darf das Web2.0 meines Erachtens nach nicht – nämlich zu diesem Thema die Klappe halten. Das hatten wir nämlich schonmal, lange bevor es Internet gab.

  7. Martin

    Reden hilft meiner Meinung nach nicht! Position beziehen und aufklären!

  8. Sebastian Stücker

    Hallo Martin,

    ich stimme dir, was die Aufklärung angeht, zu und möchte nur verdeutlichen, was das bedeutet. Totschweigen ist das Gegenteil von Aufklären, denn beim Aufklären geht es ja gerade um die Diskussion mit den Menschen, bei denen es noch nicht zu spät ist. Natürlich wollte ich nicht sagen, dass man versuchen kann, die Macher dieser Videos zu überzeugen. Nicht zuletzt scheitert dieses deswegen, weil die Grundlage für eine vernünftige Argumentation auf der Gegenseite nicht gegeben ist, sondern vielmehr ganz andere Ziele im Hintergrund stehen. Über genau dieses gilt es eben aufzuklären, und das kann überall geschehen, auch im Web2.0.

    Wir reden ja gerade darüber – genau davon spreche ich – das ist notwendig. Wenn wir es nicht tun würden, stände da einfach die Tatsache im Raum “Auf YouTube gibts jetzt die Nazischau” – und punkt, aus.

    Es muss hingegen zu jeder Zeit und an allen Stellen absolut deutlich werden, dass diese Art der Propaganda nicht toleriert wird. Aber das geht nicht einfach nur durch Wegsperren der inhalte, dann tauchen sie woanders auf.

  9. paddydrums

    Erfreulicher Weise ist der Mist nicht mehr verfügbar (tut mir leid, ich hab nachgeschaut). Ich stimme zu: Web 2.0 ist so einfach! ;)

  10. Blogschrott

    Bravo YouTube – raus mit dem Gesocks…

    Ein lautes Raunen ging durch die Medien. Spiegel Online berichtete heute über die Pläne der rechtsradikalen Partei NPD eine Art “Wochenschau” auf YouTube zu veröffentlichen (wie auch in der Blogsphäre zu lesen war)
    Offen…

  11. Sandra

    Sorry aber ich wäre schlichtwegs für ein komplettes Verbot der NPD. Auch wenn wir uns in dem Punkt ein wenig von der Demokratie entfernen aber dass was diese Partei hier aufzeigt ist nicht mehr vertretbar.

  12. Mats

    Reden…? Da fällt mir bei diesem Thema ehrlich gesagt immer nur der Satz ein: “Erklär mal einem Bekloppten, dass er bekloppt ist…”

  13. Oliver Wünsche

    Es ist nach jeder Wahl, in der die Braunen, Rechten, Nazis, etc, etc. in einen Landtag einziehen das Gleiche. 2004 wars z.B. in Brandenburg und Sachsen so und hatte mich auch zu einem Kommentar veranlasst:http://wuensche.typepad.com/ansichten_eines_werbefuzz/2004/09/ber_rckwrtsgeri.html
    Der Artikel “Ruck im Weltnetz” von Ralf Patalong ist mittlerweile im Spiegel Online Archiv verschwunden. Auch in 2004 schrieb Patalong über rechten Spam. Die braune Suppe ist also so alt wie das Web. Ob nun 1.0 oder 2.0. Was tun? Wie alles, was wirklich geändert werden soll. Die Ursachen und nicht die Symptome bekämpfen.

  14. Storyblogger

    Die braune Seite von Web 2.0…

    von Björn Eichstädt
    Patrick hatte gestern bereits berichtet, doch es scheint, als habe YouTube was getan. Bravo erstmal.

    ……

  15. Weaver

    jetzt gibt’s die sendung halt auf ner rechten website. und mit einem peinlichen/lustigen patzer. siehe bild hier: weberberg.de/bilder/...

  16. Weaver

    P.S. Und auf YouTube gibt’s jetzt Gegenvideos zu “Die Woche”

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