15:54 Uhr
Werbeblogger zu “Unfreiwillige Werbe-Blogger”
Hier nun noch einmal eine kleine Bemerkung unsererseits zum SpOn-Artikel “Unfreiwillige Werbe-Blogger” zur Hustle the Sluff Marketingaktion. Zunächst hat es Kuroi Tenshi’s darkness – auf dem Blog kann man ebenfalls eine ausführliche Kritik des Artikels lesen - wirklich schön auf den Punkt gebracht:
Und es gibt nur einen Werbeblogger. Die anderen machen Werbung im Blog oder schreiben über Werbung im Blog, aber es gibt nur einen Werbeblogger. Vorsicht!
Aber das nur nebenbei. Übrigens schön anzusehen inwieweit der Werbeblogger schon als eigenständige Marke gewachsen ist. Aber genug der Selbstbeweihräucherung, zurück zum Artikel.
Die Einleitung, die das Thema Viralmarketing recht allgemein beschreibt (von Moorhuhn bis Katzenköpfende Fordclips) bringt nicht viel neues und kann von erfahrenen Werbeblogger-Lesern getrost überlesen werden. Wirklich interessant wird es erst hier:
Die neueste Facette der viralen Verbreitung von Werbebotschaften gibt sich jedoch nicht mehr damit zufrieden, dem Internetnutzer ein Stück Unterhaltung an die Hand zu geben und zu hoffen, dass es ihm gefällt und er es weiterverbreitet. Jetzt versuchen die WWW-Werber, auch Weblogs als Kommunikationskanal zu nutzen, um ihre Botschaften unters Volk zu bringen und gehen dabei noch einen Schritt weiter: Die Blogger sollen die Werbung nicht nur weiterleiten, sie sollen sie sich regelrecht erarbeiten.
“Erarbeiten” ist natürlich ein sehr harter Begriff. Wählt man das Wort “mitgestalten” oder “dazu beitragen” wirkt das ganze schon wesentlich weicher und gar nicht mehr so negativ gefärbt. Denn es geht tatsächlich um Mitgestaltung. Manche mögen das sicherlich als sinnlos betrachten und propagieren, man solle sich doch für wesentlich wichtigere Dinge im Leben zu engagieren, aber dennoch war die Bereitschaft vorhanden – im vollen Bewusstsein dass es sich um eine Marketingaktion handelt – bei Hustle the Sluff mitzumachen. Dass es eine Marketingaktion ist, war ja schon ziemlich schnell klar und viele haben ihren Unmut ausgedrückt und den Schlüssel einfach weggeworfen. Doch diejenigen, die bis zum Schluss mit voller Begeisterung dabei waren, sollte man kein Marionettendasein vorwerfen. Sie hatten einfach Spaß am Spiel, am rätseln, am sozialen interagieren mit der kleinen Community, die an der Aktion teilgenommen hat. Man kann keine Botschaften geheim in Weblogs schleusen. Das geht nach hinten los. Diese Aktion hat das Risiko bewusst in Kauf genommen zu floppen. Von den 100 Schlüsselkindern hätten auch 100 sagen können: “Was für eine Verarschung”. Haben sie aber nicht. Sie haben teilgenommen am interaktiven Rätselspaß, am Live-Rollenspiel powered by Magenta. Von “unfreiwillig” kann also kaum die Rede sein. Die Idee finde ich jedenfalls weitaus weniger penetrant als ein Flashlayer der sich plötzlich mitten im Lesefluss eines Artikels vor mein Blickfeld schiebt und meinen Spaß dadurch kurzzeitig verdirbt.
Sicherlich sind die Grenzen des guten Geschmacks und der Nötigung schnell erreicht. Die Todesanzeige verärgert aber fesselt zugleich. Der Schlüssel im Briefkasten kann spannend oder aber auch einfach nur dämlich ankommen. Die Idee einer Liste für oder gegen die Bereitschaft zu solchen Ereignissen scheint also gar nicht so verkehrt zu sein. Dennoch fallen dadurch etliche Personen raus, die das interessieren könnte, die aber nichts von der Liste wissen.
Auch das Argument, man wisse gar nicht wofür man indirekt wirbt, kann so nicht gelten. Denn wenn am Ende tatsächlich herauskommt, man hat aus Versehen für etwas geworben, was einem nicht gefällt, so hat man genauso die Möglichkeit, seine Meinung über den gleichen Kanal darüber kundzutun. Denn einzig und allein was am Ende bleibt, zählt auch. Das gilt übrigens für alle Werbeformen. Hat mich ein Spot amüsiert, heißt das noch lange nicht, dass ich das Produkt gut finde.
9 Kommentare
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- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...

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Am 21. September 2006 um 16:53 Uhr
Diese “Aktion” ist doch eigentlich ein gutes Beispiel für die eine der drei Möglichkeiten, die ein Thema im Web haben kann. Es wird positiv darüber geredet, negativ geredet, oder gar nicht). Die Tatsache allein, dass man durch das Versenden von nur 100 Briefen so viel Aufmerksamkeit im Internet, aber auch in der Presse erregen kann, demonstriert doch in erster Linie, wie unwahrscheinlich machtvoll diese Kommunikationskanäle heute sind, und wie komplex und reaktiv die die einzelnen “Knoten” miteinander vernetzt sind. Das ist wirklich eine angewandte Small World Theory, würde ich sagen.
Vielleicht geht es ja gar nicht um ein aktuelles Produkt sondern um die Aktion selbst. Bekannt gemacht hat man sich zumindest. Über die Bild-Zeitung wird auch nur schlecht geschrieben und jeder kauft sie…
Am 21. September 2006 um 23:38 Uhr
Hat aber gedauert, bis ihr hier über den schon leicht gammelig gewordenen SPIEGEL-Artikel schreibt :-)
Das dazu vom 2. Obermeinungsmacherblatt gegründete Forum, wo sich sonst alles gerne drischt, dümpelt vor sich bin. Anscheinend ist Bloggen kein Thema. Das würde mich mehr naufhauen als der Artikel selber.
Der Grundtenor aus Hamburg: Blogger sind a) blöd.
Weil sich nicht blicken, vor welchen Karren sie sich spannen lassen und b) käufliche Exhibitionisten, weil sie bewusst mitmachen.
Was nu, SPIEGEl. Was sindse denn jetzt.
____________________
Patrick, dein Eintrag klingt wie Verteidigung :-)
Ist aber gar nicht nötig, denn alles was im Internet passiert, was noch nie das Eldorado des Guten, Schönen und Wahren. Perfide, wenn Medien deswegen gerade die Blogger als verkommene Unschuld angehen.
Das Internet war schon immer: Fake und Schein.
Der Blogger ist ein – zugegeben – engagierter Teil davon. Nicht besser und nicht schlechter.
Aber interaktiver und nicht passiv konsumierend.
Das ist der Punkt und das, was ich mag.
Die meisten Business-Websites sind langweiliger und statischer. Lobhudel. Die online-Medien – allen voran der SPIEGEL – formulieren ihre Headlines nach dem, was tendenziell die besten Clickrates gibt. Das Internet ist grundsätzlich nix für Wahrheitssucher, zudem sind viele Internet-Inhalte veraltet. Von wegen Wissengesellschaft.
Entspannte Grüße
Am 21. September 2006 um 23:52 Uhr
Gammelig? Nun ja auch ich muss zwischendrin mal was anständiges arbeiten. ;-P
Ich widerspreche dir ein wenig. Das Internet ist BEIDES: Wahrheit und Lüge. Schönheit und Abgrund. Gut und Böse. Man findet mittlerweile wirklich beides und das ist es was ich manchmal als virtuelle Spiegelung unserer Gesellschaft betrachte. Vielleicht etwas verzerrt, aber gespiegelt. Denn logisch, dahinter hocken ja immer Menschen. Manchmal ganz pur, denn sie verstecken sich zwar hinter Avataren, leben aber dadurch auch ihr Innerstes aus. Was ist real? Was ist Illusion? Je nach Glaubens- und Denkrichtung könnte man schon Probleme bei der Beantwortung dieser Frage bekommen.
Ich denke was das Internet so attraktiv in punkto Interaktivität macht, ist die Vielfalt an Möglichkeiten akzeptiert, anerkannt und bemerkt zu werden. Es gibt Millionen von Nischen und in jeder hat jeder die Chance zum König zu werden.
Über SpOns Artikel habe ich ab und an schon etwas geäußert. Nicht umsonst hat Töchterchen Augstein schon desöfteren das Näschen gerümpft. Na klar, denen geht es um Klickraten, ist ja auch in Ordnung, ansonsten hätten wir ja auch nix zu motzen.
Ich halte das Internet übrigens schon für einen großartigen Wissens-Pool, auch für Wahrheitssucher. Es ist nur extrem schwer richtig und effektiv zu filtern. Aber Informationen gibt es massig, auch aktuelles. Außerdem stecken wir immer noch in der Krabbelphase. Das wird schon! Wir fangen ja langsam erst an guten Content zu produzieren. (Also jetzt allgemein gesprochen)
Liebe Grüße und ich bin wie immer sehr erfeut über deine anregenden Kommentare
Am 22. September 2006 um 11:04 Uhr
Nochwas zu Hustle the Sluff…
Werbeblogger-Patrick geht auf einen Beitrag von Spiegel Online zum Thema “Virales Marketing” ein.
(…) Man kann keine Botschaften geheim in Weblogs schleusen. Das geht nach hinten los. Diese Aktion hat das Risiko bewusst in Kauf genom…
Am 22. September 2006 um 11:12 Uhr
…und ich bin hocherfreut über die differenzierte Betrachtung sowohl des (m.A.n. unsäglich schlechten) Spiegel-Artikels und der Sluff-Aktion!
Als einer der Teilnehmer kann ich auch nur sagen: ja, es hat Spaß gemacht. Und das sahen wohl auch die anderen, die sich drauf eingelassen haben genauso. Trotz Marketing, und vielleicht sogar gerade wegen der Ungewissheit.
Am 22. September 2006 um 14:28 Uhr
Naturalmente gibt es nur einen Werbeblogger. ;-)
Am 22. September 2006 um 17:01 Uhr
Vroni: Das Blogger blöd sind, kann ich dem Artikel nicht entnehmen. Nicht zu wissen, mit und für wen man spielt, halte ich hingegen durchaus für ein Thema, über das man diskutieren kann/muss/sollte.
“Is ja nur ein Spiel” ist mir zu wenig. MitSpielern automatisch Prostituion o.ä. vorzuwerfen, natürlich noch alberner.
Im Moment ist das alles ja noch übersichtlich, sollten sich ARGs aber im Portfolio der Agenturen etablieren (was ich nicht glaube) oder – z.B. im kleinen Maßstab – auch von NGOs/Initiativen etc. eingesetzt werden, entsteht doch einiges an Missbrauchspotential bzw. kalkulierten Missverständnissen.
Patrick: Nein, ich glaube nicht, dass man als Mitspieler wieder/einfach aus so einer Nummer rauskommt, wenn man sich nachträglich eine Distanzierung an’s Blog heftet.
Der Werbewert besteht ja nicht zuletzt darin, dass ein Buzz erzeugt wird/werden soll, der mehr ist als Summe der einzelnen Spielbeiträge (und ihre evtl. gebündelte Form in einem Kampagnenblog).
Der – theatralisch: “Die Mitschuld” – bleibt, auch wenn sich anschließend genug Blogger finden, um mit ihren Distanzierungen relevant wahrgenommen zu werden, also selber wieder Buzz erzeugen (was selten sein dürfte).
Da von den aktuellen Sandkastenexperimenten zu abstrahieren, wird aber ohnehin schwierig. In welche Richtung (und ob überhaupt) sich die Reaktionen entwickeln (von den Bestandskläffern mal abgesehen) oder gar eskalieren, ist in der Blogosphäre nicht realistisch abschätzbar (solange keine polarisierenden Marken beteiligt sind und die Spielführer sich nicht komplett dämlich anstellen, dann knallt es natürlich schnell), noch weniger als bei viralen Kampagnen im wahren Leben.
PS: Der SpOn-Artikel stammt von einem Blogger und Werbetexter, wenn ihr mal auf den kleinen Kasten im Text schaut (oder auf das “jo” oben klickt). Er lag in Hamburg wohl auch ein paar Tage auf Halde, was den gefühlten Abstand zur aktuellen Diskussion hier und in anderen Blogs erklärt.
Am 24. September 2006 um 13:35 Uhr
Zum thema, es gibt nur einen Werbeblogger. Hast Du schon gesehen Patrick? Du bist mal wieder in Jojos Blog vertreten. Nur als Statist, aber klar gekennzeichnet. Immerhin.(Hab ich übrigens über Dich erst entdeckt. Danke dafür!)
blog.beetlebum.de/20...
Am 10. Juli 2009 um 19:28 Uhr
hab noch nie so ein bullshit gelesen. gut, das ich vor jahren der werbebranche den rücken gekehrt habe und nicht mehr mit so selbstverliebten pinseln wie euch was zu tun habe! leute, wechselt die branche. werbung machen und dazu noch in himmel hoch jauzend darüber zu schreiben bis es zu himmel stinkt ist sowas von uncool.