17.09.06
20:47 Uhr

Ein kleines Werbe(r)märchen.

Zum Abschluss dieses schönen Wochenendes bzw. zum Start in die Woche “Die Waldfee und der Werbemann” von Robert Gernhardt, das ich hier gefunden habe.

Die Waldfee und der Werbemann
Es war einmal ein Werbemann, der hatte seiner Agentur viele Jahre nach besten Kräften gedient. Da begab es sich, daß die Agentur den riesigen Etat für ein neues Produkt an Land zog. Dieses Produkt aber hieß “Meyers Pampe”, und das war eine Pampe, die einen echten Produktvorteil besaß, da sie alle anderen Pampen an Klebrigkeit, Sämigkeit und Pampigkeit weit übertraf. Und weil das so war, sollte sie auch mit einem Slogan beworben werden, wie er eingängiger und treffender noch nicht erdacht worden war. Diese Aufgabe nun fiel unserem Werbemann zu, doch wie er sich auch anstrengte, alles, was ihm einfiel, war der Spruch “Meyers Pampe ist die beste”. Diesen Vorschlag hatte er auch beim Kreativdirektor eingereicht, doch wie er des Abends Überstunden machte, da hörte er, wie der Kreativdirektor dem Agenturchef auf dem Flur sagte:

“So geht es nicht weiter mit unserem Werbemann. Er ist alt und zahnlos geowrden. Das beste ist, wenn wir ihn so bald wie möglich schlachten.”

Da krampfte sich das Herz des Werbemanns zusammen, und er dachte bei sich:

“Bevor es soweit kommt, da will ich lieber in die Fremde ziehen.”

Und noch in derselben Nacht schnürte er sein Bündel und wanderte zur Stadt hinaus.

Bald gelangte er in einen tiefen Wald, wo er sich ermattet ins Gras sinken ließ. Und er dachte bei sich:

“Ach, wie schön ist es doch hier im Wald. Hier will ich mein Leben beschließen. Was brauch ich denn? Wasser gibt’s hier im Überfluß, Pilzchen und Würzelchen ebenfalls. Und Ruhe! Wenn ich dagegen an die Hetze in der Agentur denke!”

Und unter solchen Gedanken schlief er ein.

Am folgenden Morgen tat er sich zunächst am Quell gütlich, dann verspeiste er einige Wildkirschen, die ihm köstlich mundeten, und schließlich streckte er sich auf der Wiese aus und ließ sich die Sonne recht ordentlich auf den Pelz brennen. Als er so eine Weile gelegen hatte, da sah er einen Hasen über die Wiese hoppeln, und unwillkürlich ging ihm ein Verslein durch den Kopf…

“Selbst der braune Meister Lampe greift erfreut nach Meyers Pampe.”

Das aber ärgerte ihn, und so verscheuchte er jeglichen Gedanken an Meyers Pampe aus dem Kopf und konzentrierte sich auf ein allerliebstes Meisenpaar, das auf dem Ast einer Buche turtelte. Doch auch bei diesem Anblick ging es ihm nicht besser…

“Die Meise ruft es vom Geäste: Meyers Pampe ist die beste!”

…reimte er wider Willen. Das ärgerte ihn noch mehr…

“Ach Scheiße, was geht mich denn jetzt noch diese Pampe an?!” Doch schon im selben Moment schoß ihm wieder ein Verslein durch den Kopf:

“Ach Scheiße ruft der Werbemann, nichts reicht an Meyers Pampe ran!”

…und so ging es ihm mit jedem Ding, das er betrachtete und bedachte, bis es ihn nicht länger hielt…

“Was habe ich hier im Wald verloren? Ein kreatives Talent wie ich gehört nun mal in eine Agentur…”

Und er begann so schnell wie möglich in die Stadt zurückzuwandern. Da geschah es, daß ihm am Waldrand eine Fee begegnete.

“Guten Tag, lieber Werbemann. Ich weiß, daß du ein unschuldiges Gemüt hast, und deswegen sollst du jetzt drei Wünsche frei ha…”

Doch der Werbemann war so in Gedanken versunken, daß er gar nicht auf das hörte, was die Fee sagte, ja, er unterbrach sie sogar und rief ihr zu:

“Du tust mir in der Seele weh, weil ich dich ohne Meyers Pampe seh!”

Und mit diesen Worten ließ er die verdutzte Fee stehen und eilte in die Agentur zurück, wo er dem Kreativdirektor sogleich seine neuen Slogans unterbreitete. Diese Vorschläge freilich stießen auf eine derartige Ablehnung, daß der Werbemann noch am selben Nachmittag geschlachtet wurde.

Die Fee aber nahm sich seine Worte so sehr zu Herzen, daß sie fortan nur noch Meyers Pampe benutzte. Und da sie der erste Versuch sehr zufrieden stellte, benutzt sie sie wohl noch heute.

© Robert Gernhard

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4 Kommentare

  1. Thies Thiessen

    Das Bemerkenswerteste und Allertragischste an diesem Märchen ist, dass Werber es immer noch lustig und zutreffend finden, weit über 30 Jahre, nachdem es geschrieben wurde. Und dass es zutrifft, ist eben nicht lustig.
    Nicht dass es hinterher heißt, man hätte nichts davon gewusst, und überhaupt was soll man denn machen…
    (In Verbeugung vor F.W. Bernstein, der die schärfsten Kritiker der Elche als früher selber welche entlarvt hat:)
    Und die allergrößten Kälber bauen ihre Schlachtbank selber.

  2. Lene Steinmann

    Naja, das ist wohl die Tragödie des Schicksals…. Jaa, die Werberei ist schon ein hartes Brot ;-), aber man muss es im Alltag ja nicht sooo unprofessionell ausgehen lassen, nur leider ist das naach wie vor so oft der Fall… Siehe hierzu auch werbeblogger.de/2006...

  3. Christrina

    hej :)
    kennt jemand einen besseren “Werbesatz” als “Meyers Pampe ist die Beste” ? ich würde mich freuen, wenn ihr krativ werdet ;)
    Vielen Dank schon mal im vorraus :P
    Liebe Grüße Christina

  4. Emil

    Wieso stirbt der Werbemann? Wo ist das happy end des Gedichtes?

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  • Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
  • ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
  • sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
  • iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
  • ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
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