21.08.06
15:07 Uhr

Werbung wider den Terror?

Politik ist ein heißes Pflaster – Terrorismus ein emotionsbeladenes dazu. Kann Werbung Terrorismus bekämpfen? Eine Frage, die genauso abstrus klingt wie “Kann Werbung Krebs heilen?”. Trotzdem versucht die Werbung ja immer wieder sich dieser Thematik anzunehmen. Die Motive aus Afghanistan hatte ich ja bereits letzte Woche vorgestellt. Nun versucht man es mit Hilfe eines Spots . Das Motto lautet: Terrorism has no religion.

Medium: www.youtube.com
Link: www.youtube.com

Abgesehen davon, dass der Clip tatsächlich wie ein Actionfilm aufgemacht ist, stellt sich die Frage: Wozu? Was ist das Ziel dieser Kampagne? Wen will man damit erreichen? Warum mit Hilfe von ästhetischen Bildabläufen? Was ist die Moral der Geschichte?

Selbstmordattentäter werden ebenso wenig zu solchen aufgrund eines banalen Werbespots, sie lassen sich allerdings umso weniger von diesen von der Tat abhalten. Ist dieser Spot also eher eine Beruhigung unseres Gewissens? Die Vermittlung des Gefühls “Wir tun etwas dagegen!” in Zeiten von schier endloser Terrorangst und der Unfähigkeit den Terrorismus in den Griff zu bekommen. Terrorismus ist mit Sicherheit kein Produkt. Terrorismus ist zwar defintiv ein Kommunikationsproblem, es lässt sich allerdings nicht durch Kommunikationsprofis aus der Werbebranche lösen. Hier sind tatsächlich alleinig die Politiker gefragt.

Äußerst fragwürdig finde ich übrigens die durch anonyme Spender finanzierte Organisation die dahinter steckt. Wenn man so etwas macht, dann doch transparent. Weiß von euch jemand vielleicht mehr darüber?

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16 Kommentare

  1. Andreas Rodenheber

    Kann uns vielleicht jemand das Insert am Ende übersetzen?

    Was müsste da jetzt stehen, damit ich sage: ein guter Spot? Ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen. An wen soll da appelliert werden? Außer ans Spendengewissen. Aber dazu bräuchte man nicht diese widerlich-fazinierte Blutästhetik, da wäre ein Rundgang durch ein Krankenhaus mit ganz realen Opfern wahrscheinlich eindringlicher gewesen.

  2. Marco

    Sieht aus wie aus Password Swordfish

  3. Till

    An Password Swordfish habe ich auch sofort gedacht. Einfach unbegreiflich. Die Übersetzung würde mich auch mal interessieren.

  4. Mario

    fehlt nur zum schluss: “werden sie noch heute selbstmordattentäter…”
    (ein guter spot sollte auch ohne worte funktionieren. dieser spot sagt für mich betrachtet, nichts aus.)

  5. Andreas Rodenheber

    “At the end of the ad Chapter 5 Verse 32 of the Qur’an is quoted: whosoever killeth a human being for other than manslaughter or corruption in the earth, it shall be as if he had killed all mankind, and whoso saveth the life of one, it shall be as if he had saved the life of all mankind.”

    gelesen bei AdLand

  6. Patrick Breitenbach

    Auch hierbei hakt die Kommunikation. Schließlich wird der Koran auch von den Fanatikern entsprechend anders interpretiert. Es bleibt also eine Worthülse die völlig am Ziel vorbeischießt und etliche Fragen offen lässt, ja sogar am Ende noch ein Attentat bestärken könnte.

  7. sören

    ich denke, dieser spot führt dazu, dass leute noch mehr angst haben! es wird wieder und wieder allen menschen vor augen gehalten, dass überall Terror herrscht! egal wo und immer! das ist nicht gut! das unterstützt nur die terroristen und die lobbys, die den überwachungsstaat hochtreiben wollen!

  8. Dr. Dean

    Vielleicht liege ich mit meiner Einschätzung falsch, aber derartige Werbekampagnen halte ich für Formen von Politmarketing.

    Hmm. Und gegenüber den Motiven, die hinter derartigem Politmarketing stecken, sorry, muss man i.d.R. skeptisch sein.

    Anders gesagt: Nach meinen Empfinden ist herkömmliche Werbung im Vergleich zu Politmarketing (zumal bei unklaren Hintergründen/Financiers) eine sehr saubere und authentische Angelegenheit.

  9. Six

    Die schönen Bilder verharmlosen die ganze Sache. So ein geiles Zeitlupenfeuerwerk bringt Kinderaugen zu leuchten. Wenn überhaupt, dann vermittelt der Spot Terroristenromantik.

  10. Gerrit Donat

    Mal abgesehen von den großartigen Matrix-FX habe auch ich mich sehr über den Spot gewundert. Das Thema Politmarketing in den Raum zu werfen, fand ich deshalb bisher den interessantesten Zugang zu diesem unsäglichen Spot. Was mir – zusammenfassend – durch den Kopf ging (Gedanken beim Kommentare-lesen eingeschlossen):

    – Der mit dem bösen Gesicht ist nicht der Böse. Niemals. Da kommt gleich ein ganz anderer. Und dann ist man überrascht. Oh, doch nicht. Jetzt bin ich trotzdem überrascht.
    – In dem Moment, wo er auf den Knopf drückt, kommt eine nachvollziehbare Wendung. Oder wenigstens eine nicht-nachvollziehbare. Oh, doch nicht.
    – Der Koran als Messlatte? Oh-ha. Ein Buch, dass für jede Stimmung und Gesinnung irgendwo die richtige Sure enthält (der Koran hat keine Verse, oder neuerdings doch?) wird schwierig zur absoluten Richtlinie.
    – Politmarketing? Das wäre die erste nachvollziebare Erklärung für diesen Spot. Verträgliche Hollywood-Aufbereitung des Themas statt worteraubender Originalbilder wie am 11. September. Und im Hintergrund die XXX (hier beliebiges Parteienkürzel einsetzen), die innenpolitisch endlich mal eine andere Gangart fahren will und noch willige Wähler braucht.

    Wenn es nicht um letzteres – oder ähnlich unlautere Interesse – geht, sehen wir hier 60 Sekunden rausgeschmissenes Geld. Oder wir verstehen nur den Kulturkreis der Zielgruppe nicht. Nämlich jene welche, die von Fanatikern zu Selbstmordattenaten gewonnen wird.

  11. Patrick Breitenbach

    Es wäre wirklich interessant zu wissen, wer hinter der Organisation steckt.

    Dann noch ein Punkt: Sind es nicht genau diese Bilder, die Terroristen erreichen wollen. Angst, Schrecken, Horror, weinende Frauen, sterbende Menschen? Das ist doch die Hauptwaffe des Terrors. Öffentlichkeit, Aufmerksamkeit und Schreckensbilder. Das ist die Grundmotivation.

    Ich komme immer noch nicht dahinter. Meines Erachtens einfach viel zu kurz gedacht und an sich selbst adressiert und damit indirekt den Terror unterstützt.

  12. Six

    Also laut Website, soweit ich das verstanden habe, ist die Kampagne an Iraker gerichtet. Vielleicht an diejenigen, die eher die Invasoren als Terroristen bezeichnen. Dann soll der Spot vielleicht zeigen, dass irakische Suicidebomber, die kleine Kinder umbringen, um nichts besser sind als amerikanische Soldaten. “Terror has no religion” bezieht sich dann auf: nicht nur die Amis sind Terroristen. …. irgendwie überzeugt mich die Theorie noch nicht ganz.

  13. Benji

    Ist vermutlich “Virales Marketing” von Al-Kaida. Ja mehr die Leute über Terroristen reden, desto mehr Angst kriegen sie.

  14. Waas

    Ob dieser spezielle Spot gut ist oder nicht, will ich jetzt nicht kommentieren. Aber daß sich auch politische Kommunikationsprobleme besser mit Profis lösen lassen als ohne, halte ich für sicher.

  15. Gerrit Donat

    Die Frage ist, ob Kommunikationsprofis in politischen Dingen nicht alles sein sollten außer Werber …

    Einfach mal davon ausgehend, dass der Terror-Spot in Wirklichkeit politische Absichten verfolgt, können wir uns ja schon mal alle das Horrorszenario vorstellen, wenn die Werbung sich in der Politik über flache Wahlkampfplakate hinaus breit macht.

    Also: Kommunikationsprofis in die Politik: JA! Werber: NEIN!

  16. Andreas Rodenheber

    Sammlung von internationalen Blogstimmen dazu bei Houtlust:
    blogger.xs4all.nl/ma...

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