13:56 Uhr
Was wir von Schlangen im Flieger lernen können
Der Filmtitel, das Konzept und das Resultat des neuen Hollywoodstreifens “Snakes on a plane” mit Samuel Jackson ist zwar für mich einfach nur Balla Balla, aber am Ende entpuppt sich der in den USA schon zum Hype ausgeuferten Actionfilm als durchaus erfolgreich. Jackie Huba versucht anhand von 5 Schritten zu erklären, warum ausgerechnet dieser Film auf Anhieb die amerikanischen Kinocharts erobert hat. Ich möchte diese 5 Punkte im einzelnen kurz erklären:
1. Memes have never been more important.
Meme sind schnelle Überträger von Botschaften, kommunikative Gene, One-Word-Messages (dieses Nonplusultra, das Lord Saatchi vor einigen Monaten so anpries). “Schlangen im Flugzeug” ist also eine kulturell übergreifende Botschaft. Sie bringt den Filminhalt auf den Punkt und lässt sofort die gleichen Assoziationen entwickeln. (Edit: Frank liefert im Kommentarbereich noch eine präzisere Definition von “Mem”) Gleichzeitig wirkte der Titel so konträr zu gängigen Hollywoodproduktionen, dass er die Menschen verstörte, verwirrte – kurzum er haften blieb und zum grübeln und darüber sprechen anregte.
2. When fans embrace your meme, embrace your fans.
Die Kraft der besonderen Wertschätzung auf Augenhöhe ersetzt oft den schnöden Mammon. Bloggende Fans, die sich für den Film stark gemacht haben, wurden zu exklusiven Promotion-Events oder gar zur Weltpremiere eingeladen. Belohnt Fans, stärkt sie, bindet sie ein. Das sind eure Apostel.
3. The culture of participation is here.
Fans sollen und dürfen sich beteiligen. Gebt ihnen das Rüstzeug dazu. Zwar will nicht jeder interagieren, aber wer es dann möchte, der wird es entsprechend intensiv und lohnend für das Projekt tun. Das Social Web ist der ideale Träger um solche Partizipation durchzuführen. Durch einen im Web gestarteten Parodie-Contest erlangte der Film schon vor der Premiere einen gewissen Kultstatus.
4. Embracing citizen marketers reduces risk.
Hört auf eure Community! Hört ihr richtig zu und berücksichtigt deren Wünsche. In diesem Fall hat sich ein Großteil der Kinobesucher – nach einer Preview – den Film mit noch mehr Schlangen, noch mehr Blut und noch mehr Flüchen gewünscht. So schaffte es ein derbes Filmzitat vorab schon in aller Munde. Ein verwässerter Mischmasch mit entsprechend niedriger Altersfreigabe hätte wohl den Erfolg nicht herbeigeführt. Konzentriert also die Relevanz.
5. The experience is the difference between profit and failure
Erschafft etwas Bemerkenswertes. Lasst es mehr als nur ein Produkt sein. Macht daraus ein Erlebnis worüber die Menschen am Ende sprechen können. In diesem Fall waren Kinobesucher mit Gummischlangen ausgerüstet und brüllten aufgeregt Textpassagen in den Saal und klatschten und jubelten vor Begeisterung. Also ein völlig anderes Kinoerlebnis.
4 Kommentare
Einen Kommentar schreiben
- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...

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Am 22. August 2006 um 00:18 Uhr
Ich fürchte, die Bedeutung des Begriffs “Mem” (engl. “Meme”) ist hier nicht richtig wiedergegeben: es handelt sich bei einem Mem um ein gedankliches Equivalent eines Gens – es handelt sich mitnichten um ein “schnelle Überträger von Botschaften”, ein “kommunikatives Gen” oder eine “One-Word-Message”, sondern um eine Informationsseinheit (welche zwar durchaus auch nur aus einem Wort bestehen kann), die eine bestimmte Idee im Bewusstsein einer kulturell kohärenten Gruppe verankert.
Es kann sich dabei nach der Theorie der Erfinderin der Meme, Susan Blackmore, um LIeder, Ideen, Begriffe oder ganze Religionen handeln.
Meme sind – so Blackmores Theorie – eigenständige Einheiten wie Viren, die ein Organ eines Wirtes als Habitat nutzen, durch Kontakt weitergegeben werden und sich so in einer Population verbreiten.
Hierbei ist das Hirn eines Menschen das von einem Mem bewohnte Organ, und die Kommunikation mit anderen Menschen die Möglichkeit des Infizierens auch dieses Hirns.
Blackmore versuchte durch ihre von Dawkins angeregte und von ihr formulierte “Mem”-Theorie Informationseinheiten mit biologischen Gen-Einheiten gleichzusetzen und übertrug das Muster der Verbreitung von Genen auf Gedanken und Ideen.
Hierbei unterschied sie erfolgreiche von weniger erfolgreichen Memen, ganz so, wie sich einige Ideen weiter verbreiten als andere.
So handelt es sich beim Liedchen “Schnappi” z.B. lediglich um ein erfolgreiches Mem, welches viele Wirte fand.
Interessanter Gedanke, nicht wahr?
Am 22. August 2006 um 08:45 Uhr
@Frank: Danke für die ausführliche Erklärung.
“Meme sind – so Blackmores Theorie – eigenständige Einheiten wie Viren, die ein Organ eines Wirtes als Habitat nutzen, durch Kontakt weitergegeben werden und sich so in einer Population verbreiten.”
Also am Ende doch Überträger von Botschaften?
Ich verwende deine Ausführung jedenfalls als sinnvolle Ergänzung, da ich meine Gedanken dazu nicht unbedingt als komplett falsch betrachte, oder habe ich es immer noch nicht richtig verstanden?
Am 22. August 2006 um 10:58 Uhr
Hmmmm – auch wenn’s erbsenzählerisch daherkommt, Patrick: Meme sind nur in dem Sinne “Überträger von Botschaften” wie Viren Überträger von Krankheiten sind.
Meme sind eben KEINE Überträger, sie sind die jeweilige Botschaft selbst (es gibt kein Mem, welches das Liedchen “Schnappi” überträgt,das Liedchen “Schnappi” selbst IST das Mem).
Und Meme selbst haben – das ist das Kuriose und Neue an der Theorie Blackmores – ein “Eigenleben”, welches darauf abzielt, zu sich zu verbreiten und zu überleben.
In der Wikipädia wird Mem deshalb ganz richtig als “Gedankeneinheit” definiert.
Das Neue und Interessante daran ist, dass man diesen “Gedankeneinheiten” unterstellt, sie hätten ein Eigenleben, ganz so, wie mein KleinTöchterchen, die behauptet, dass ein Spielzeug unbedingt noch mit ihr spielen wolle.
Naja, und mein Bett ruft mich manchmal auch.
Ein durchaus erfolgreiches Mem, übrigens.
Am 22. August 2006 um 16:17 Uhr
Hm, mich würde jetzt mal interessieren, wie Werber daraus denn tatsächlich Kapital schlagen wollen.
Snakes on a Plane funktioniert nur wegen Samuel L. Jackson, der laut IMDB hauptsächlich wegen dem “kreativen” Titel im Film mitgespielt hat und dementsprechend auch durchgesetzt hat, dass der Filmtitel so blieb und nicht in Flight 121 umbenannt wurde.
Ich behaupte einfach mal, dass das mit einem anderen Schauspieler nie funktioniert hätte, da Jackson spätestens seit Pulp Fiction “the epitome of cool” ist. Hätte SoaP Keanu Reeves als Hauptdarsteller gehabt, hätte das sicher niemals funktioniert. Höchstens noch mit Chuck Norris, der ja durch die “Chuck Norris Facts” selbst zu einem Meme geworden ist.
Als weiterer Hype-Punkt kommt als zweitwichtigster Faktor die Flucherei hinzu. Das funktioniert aber nur in Amerika wegen den teilweise recht seltsamen FCC Regeln. In Deutschland dürfe ein Til Schweiger, der “Verdammte Scheiße, Hurensohn” sagt, kaum Begeisterungststürme auslösen, in Amerika schon. Anderes beispiel gefällig, in dem auch mit memes gearbeitet wurde: X-men 3. Hier wurde gezielt der Satz “I’m the Juggernaut, bitch.” eingearbeitet, Referenz auf eine Fan-Parodie. Funktioniert im Deutschen natürlich überhaupt nicht. Während in Amerika das Kino am Boden liegt, passiert bei “Ich bin der Juggernaut, Miststück” gar nichts.
Wie lassen sich also solche Phänomene gezielt produzieren, denn das dürfte ja der Sinn von Marketing/Werbung sein, wenn der Erfolg extrem stark mit Personen oder kulturellen Eigenheiten verknüpft ist? Das einzige Internet-Meme das spezifisch für den Deutschen Raum welches mir einfällt ist der Austausch von egal durch wayne. Eher weniger geeignet, um daraus Kapital zu schlagen.
Desweiteren finde ich den Punkt mit dem Kioerlebnis recht seltsam, da das wohl kaum durch Marketing beeinflussbar sein dürfte, außer man verteilt am Kinoeingang Plastikschlangen. Normalerweise sind Leute durch Mit-Kinogänger die in den Saal brüllen und mit Popcorn werfen eher angenerft als entzückt.