16.08.06
15:37 Uhr

Blogs erzeugen keine Dialoge!

Je mehr Zeit ins Land zieht, desto mehr reifen auch die Ideen und Möglichkeiten die Weblogs für Unternehmen bieten. Bei der Umsetzung von Unternehmensblogs werden viele Fehler gemacht, aber vieles bewährt sich auch und findet seinen entsprechenden Platz in der weltweiten Onlinekommunikation. Eine kürzliche Aussage von Seth Godin ließ mich die letzten Tage nachdenklich werden. Er gab in Joseph Jaffes Podcast folgendes Statement ab:

I do not believe that Marketing is a conversation, I believe that markets are conversations. (…) Authentic Storytelling leads to a conversation.

Nach reiflicher Überlegung bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass er absolut Recht hat. Gerade diese Erkenntnis sollte man auch bei einer geplanten Konzeption und Umsetzung von Unternehmensblogs immer im Auge behalten. Auch ich habe bereits sehr viel von Blogs als Dialoginstrument geschwärmt, die Gespräche zwischen Unternehmern und dessen Community initiieren können. Bullshit! (Pardon for my french). Nicht Blogs an sich initiieren Dialoge, sondern die Personen und deren Geschichten die hinter Blogs agieren haben erst einen Einfluss auf kommende Dialoge. Erst wenn ich bemerkenswerte Geschichten erzähle, wird man mir zuhören und sich auch entsprechend darüber austauschen.

Blogs an sich können keine Dialoge aus dem Nichts initiieren, die Community initiiert Dialoge aufgrund einer Stroy, eines relevanten Themas. Blogs sind also lediglich ein technisches Hilfsmittel, welches den Dialogprozess zwar extrem vereinfacht aber nicht aus sich selbst heraus in Gang setzt. Ohne einen vorherigen bemerkenswerte Aufhänger, einer interessanten Themenwelt oder brandheißen Informationen wird ein intensiver Dialog gar nicht erst stattfinden. Das Blog wird sterben.

Als bestes Beispiel kann man die Entwicklung des Mobile-Macs Blogs betrachten. Das O2-Blog war als Dialog mit der Mac-Community angedacht. Was ist passiert? Es gab keinen echten Aufhänger, keine greifbaren Geschichten, keinen Mehrwert gegenüber anderen etablierten Mac-Community-Blogs. Also nichts WORÜBER man hätte sprechen können. Das große Gewinnspiel zur kurzfristigen Trafficerzeugung war lediglich ein verzweifelter Versuch einen leeren Container unter das Volk zu bringen. Die Übernahme von den berühmten Spreeblick-Bloggern kam leider viel zu spät, eine echte Integration in den Verlag wurde zu Recht nicht gewagt.

Und auf der anderen Seite? Warum funktioniert ein Saftblog? Warum ist Björn, der Shopblogger vom kleinen Bremer Sparmarkt einer der erfolgreichsten deutschen Blogs? Nun, sie sind allesamt einfach hervorragende Geschichtenerzähler. Geschichten die authentisch und alltäglich wirken – ob sie es sind ist zunächst einmal völlig egal. Geschichten die einfach faszinieren und langfristig eine Fangemeinde aufbauen und dementsprechend enge Beziehungen zum Erzähler knüpfen. Blogs sind also eine bequeme und gut wahrnehmbare Sitzgelegenheiten für Geschichtenerzähler. Je besser die Geschichten, desto näher rückt das Publikum heran.

Die Werbung ist doch im Grunde genommen nichts anderes als ein kommerzialisierter Geschichtenerzähler. Wir konzipieren, texten, verkaufen, streuen und inszenieren tagtäglich Geschichten für Unternehmen. Ob diese nun wahr oder gelogen sind ist zunächst einmal völlig irrelevant, wichtig ist, dass diese Geschichten ankommen, akzeptiert und geglaubt werden, dass sich das Publikum mit der Geschichte identifizieren kann. Je authentischer und glaubwürdiger die Geschichten sind, desto erfolgreicher ist entsprechend die Resonanz bei den Empfängern. Apple ist z.B. ein exzellenter Geschichtenerzähler. Die Story hat nach einigen Anlaufschwierigkeiten gegriffen und eine Herrschar von begeisterten Zuhörern rücken nicht nur immer näher ans Geschehen heran, sie werden nun selbst zu Geschichtenerzählern und tragen die Apple-Story fleißig unter das unwissende Volk.

Die klassischen Plätze für Geschichtenerzähler aus Unternehmen waren bisher im Fernsehen, in Printmedien und an vielen großen und kleinen Flächen in unseren Städten und Gemeinden zu finden. Die Plätze haben jedoch allesamt einen entscheidenden Nachteil: Sie sind zeitlich und räumlich stark begrenzt und sie nerven. Blogs bieten ausreichend Raum für Geschichten, aber vor allem für ihre Leser. Sie sind beliebig skalierbar und bieten vom “Quadratmeterpreis” ungeahnte Schnäppchen. Sie sind – einmal konzipiert – rasant und einfach zu füllem. Jede Menge Geschichten, die auf Zuhörer warten, völlig freiwillig. Einzige Bedingung: Die Geschichten sind entweder so glaubwürdig oder so gut (dass man sich sogar freiwillig die Hucke volllügen lässt). Sind die Geschichten schlecht erzählt, unauthentisch oder nicht transparent, dann folgt die Strafe meist auf den Fuß: Das Blog wird nicht nur verspottet (das wäre noch ein Zeichen einer bewegenden Geschichte) es wird einfach aussterben bzw. gar nicht erst richtig anlaufen.

Möchte man als Unternehmen also ein Blog realisieren, so sollte man zuvor intensiv auf die Suche nach Geschichten und vor allem nach geeigneten Erzählern gehen. Mit Geschäftsführern und Unternehmensgründern hat man da meistens die besten Karten. Sie haben die Unternehmensgeschichte schon im Blut oder gleich von Anfang an mitgeschrieben. Auch in der Präsentation ihrer Geschichte sind sie Profis, beherrschen ihre Unternehmenskommunikation aus dem Effeff. Klar, es ist ja schließlich ihr tagtäglicher Job. Doch was passiert wenn diejenigen keine Zeit oder keine Lust haben ihre Geschichten per Blog zu erzählen? Entweder kein Blog hinstellen oder es muss eine Agentur einspringen die als professioneller Geschichtenerzähler erfahren ist. Die Agentur kann unternehmensspezifische Themenwelten entwickeln, die zum einen den Communities relevante Inhalte bieten und zum anderen ein echtes Erlebnis schaffen, etwas bemerkenswertes, das es einfach Wert ist weiterzuerzählen. Das ist sicherlich nicht einfach, aber anders funktioniert das nicht. So zum Beispiel das Blog von Stefan Vandenesch. Er ist eindeutig ein gemieteter Geschichtenerzähler. Er reist mit dem Fahrrad um die Welt und probiert gleichzeitig aus, ob das Produkt seines Sponsors in allen 40 Ländern auch wirklich funktioniert. Das ist ein Erlebnis, an dem Menschen teilhaben möchten, u.a. per Blog. Ob seine Erlebnisse wirklich so spannend sind, wie sie auf den ersten Blick scheinen muss man abwarten. Ob er ein guter Geschichtenerzähler ist, auch. Humor und Authentizität sind meist recht zuverlässige Ingridenzien für gute Geschichtenerzähler. Mal schauen was passiert.

Aber Blogs allein werden in Zukunft nicht bemerkenswert genug sein. Wir werden sogenannte Mashups benötigen, um relevante Inhalte nicht nur schnell, sondern auch interessanter zu vermitteln. So können Dienste wie Flickr, Google Maps, Sevenload und wie sie alle heißen, ein sinnvoller Zusatznutzen für jedes Unternehmen darstellen. Gleichzeitig steht auch schon das Web 3.0 vor der Tür: Virtuelle Welten wie Secondlife werden in naher Zukunft das Internet- und auch Weltgeschehen erneut völlig umkrempeln. All diese Dienste sind im Grunde aus einer Motivation heraus entwickelt worden: Vernetztes Erleben.

Der Mensch möchte gleichzeitig Individualist aber auch wiederum ein Teil des Ganzen sein. Verschmelzen, teilen und individuell agieren und wahrnehmen. Social Media bzw. Social Web bietet ganz genau diese Möglichkeiten. Blogs sind daher nur ein ganz kleiner Teil davon und sollten also für Unternehmenskommunikation immer nur im Kontext des gesamten Geschichtenerzählens behandelt werden.

Keine Tags vorhanden

10 Kommentare

  1. Mitch

    Puh – ganz schön langer Artikel. Aber ist doch klar, dass nicht die Technik (Blogs) kommuniziert, sondern die Menschen.
    Zum Web 3.0 habe ich anzumerken: Ich glaube dass Dienste wie Flickr, Del.icio.us, usw. nur überleben wenn sie umfassende Leistungen anbieten. Das wird Web 3.0 – the Final Stage ;-)
    Mir beispielsweise ist es zu mühsam, mich auf der einen Seite zu registrieren um meine Bookmarks zu verwalten, mich auf einer anderen Seite einzuloggen um Bilder hochzuladen, usw. – das wird alles aus einer Hand gehen müssen.

  2. Patrick Breitenbach

    @Mitch: Tschuldigung für die Länge! ;-)

    Ich fürchte vielen ist das nicht so ganz klar, wer wie kommuniziert. Ähnliches kennt man ja von viralen Geschichten. Machen Sie mir doch mal was virales bitte. Unternehmen müssen begreifen dass Corporate Blogs nur mit entsprechendem Hintergrund auch wirklich dauerhaft erfolgreich sind. Momentan kann man zwar nur aufgrund der Tatsache “Ich habe jetzt ein Blog” punkten, das wird sich aber in den nächsten Jahren ziemlich verändern. Relevante Inhalte zählen, nach wie vor, bei allen Medien.

    Das was du meinst wird ja beispielsweise bereits von Blummy.com geleistet. Finde ich auch besser, da man entscheiden kann welche Dienste ich möchte. ich sehe den Trend daher nicht in umfangreichen sondern in sehr einfachen Anwendungen die von einer dritten Anwendung bedient werden kann. Simplizität ist hierbei das Stichwort. Durch mehr Umfang verkompliziert man die Anwendung noch ein Stück.

    Für mich punkten eindeutig die einfach und intuitiv zu bedienenden Applikationen. Denn der Mensch ist nicht nur ein gewohnheits- sondern auch ein Faultier.

  3. Six

    Stimmt stimmt stimmt. Das ist aber generell das Problem mit vielen unserer Auftraggebern. Sie verstehen die Medien nicht und verstehen nicht, dass die Qualität der Geschichten stimmen muss, nicht die Auswahl des Mediums. “Macht mal einen Viral, weil so billig oder erzählen wir unser Produktangebot im TV oder ratschen wir alle unsere Hotlinenummern im Radio runter, zwei mal damit alle mitschreiben können…” Das Missverstehen und Misslingen von Maßnahmen kann man halt im Onlinebereich prächtig nachvollziehen und messen. Ein lahmer Blog wird sicher nur kurz online sein.

  4. Patrick Breitenbach

    Deshalb würde ich gerne das entsprechende Bewusstsein dafür schaffen auch auf Kundenseite. Eine harte Aufgabe aber nicht unmöglich! Wenn ihr da draußen einen Blog für einen Kunden machen sollt, verweist auf den Artikel (und natürlich auch andere mit ähnlichen Inhalten), wenn ihr mal wieder eine virale Aktion aus dem Ärmel schütteln sollt, verweist auf den Artikel.

    Dazu haben wir doch das Social Web erschaffen! ;-)

    Get smarter – together!

  5. Tim Keil

    Langer Artikel, aber ich sehe das ziemlich genau so.
    Blogs nehmen mittlerweile vielfältige Formen an und nicht jede Art von Blog passt zu jedem Unternehmen/Marke. Anders als bei privaten Bloggern, die wie vielleicht mal angefangen haben ohne genau zu wissen, was sie schreiben wollen bzw. das im Laufe der Zeit weiterzuentwickeln, müssen sich Unternehmen vorher sehr gründlich überlegen was sie sagen wollen. Oder um es mit deinen Worten auszudrücken: Unternehmen müssen sich überlegen welche Geschichte sie erzählen können und wollen.

  6. Streuverluste Aktuell

    Können Blogs Dialoge erzeugen?…

    Können Blogs Dialoge erzeugen?…

  7. Erik

    Sehr interessanter Artikel,danke. ;-)
    Zu der Bemerkung von Tim, ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen, ein Unternehmens-Blog braucht ein Storyboard, soll heissen, es muss wie ein Film oder ein Buch (nicht dass ich bei Büchern vorbelastet wäre ;-) ) vorbereitet werden. Es erfüllt schliesslich auch die Vorgaben der genannten Medien: Es soll eine Geschichte erzählt werden, deren Ziel (mehr oder weniger) von vorne herein feststeht. Man muss ich also Gedanken über die Dramaturgie machen, und wie sich diese spannend umsetzen lässt.
    IMHO, of course. ;-)

    Erik

  8. Michael

    Interessante Ansätze.
    Für Unternehmen besteht aus meiner Sicht aber auch immer das Problem des Wettbewerbs im Raum (Web). Wenn ein Blog Werbung für ein Produkt oder auch für eine Marke macht, so muß es deutlich kenntlich gemacht werden. Sonst droht eine Abmahnung. Aus meiner Sicht ist die Kommunikation in Form eines Blogs immer auch eine Gefahr von den Mitbewerbern verklagt zu werden. Ich lobe mir die mutigen wie z.B. die Firma Frosta blog-frosta.de/ mit ihrem – aus meiner Sicht – guten Blog. Das Risiko ist nicht unerheblich… oder steht da irgendetwas von “WERBUNG”?

  9. Patrick Breitenbach

    @Michael: Ich bin mir da nicht so sicher, ob ein Unternehmensweblog die Kennzeichnung “Werbung” benötigt, da es dem Unternehmen sowieso gehört. Sie Unternehmenszugehörigkeit im Impressum ist ja gegeben. Von daher sehe ich keinen Grund zur Abmahnung.

    Allerdings bin ich auch kein Jurist.

  10. Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Wenn das Wörtchen “Blog” nicht wäre …

    [...] Das Bloggen hat für mich in Deutschland nie wirklich unternehmerisch Fuß gefasst, jedenfalls nicht unter althergebrachten Marketingkriterien. Da konnten wir Enthusiasten noch so predigen, kein Berh der kam oder auf den wir zukommen konnten. Ich kann mich nur wiederholen: Corporate Blogs machen nur Sinn, wenn das Redaktionelle dahinter authentisch, gut geschrieben und bemerkenswert ist – sprich wenn die Einstellung dahinter stimmt. Wenn man die Masse erreichen will, muss man der Masse auch etwas bieten – wenn man seine Nische einfangen möchte, sollte man die Bedürfnisse der Nische erkennen und digital befriedigen. Blogs sind jedenfalls kein Husch-Husch PR-Instrument. Dafür hat man doch jetzt auch Second Life gefunden. Blogs können ein Unternehmen dennoch langfristig ins Gespräch bringen, aber eben nur wenn die dortigen Gespräche auch spannend sind. [...]

Einen Kommentar schreiben

Eure Kommentare

Feed
  • Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
  • ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
  • sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
  • iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
  • ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
  • Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
  • Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
  • InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...
Adscene: The Kaiser Report
Werbeblogger Late Night Podcast
Werbeblogger Podcast auf iTunes abonnieren



Wordpress-Blogsoftware
blogoscoop