10.08.06
10:31 Uhr

Unser täglich Link

  • Der Kaninchenbau wird gewaltsam aufgerissen: Don Alphonso mimt den Spielverderber und verdirbt einem den Budenzauber. Er hätte in den 90ern sicher auch den Mörder von Laura Palmer als erster rausposaunt. Dass es sich bei der Aktion scheinbar um eine Viralaktion von vm-people handelt, stört mich nicht im geringsten. Allenfalls könnte man noch über die dargebotene Pietätlosigkeit diskutieren. Jeder im Netz wusste doch, dass es ein Spiel bzw. ein Fake ist, wenn am Ende eine plumpe Produktwerbung herausgekommen wäre, hätte man sich darüber schon ausreichend gelästert, so konnte man wenigstens noch ein wenig miträtseln. Kann man immer noch – aber irgendwie ist die Atmosphäre dahin. Ich fand die Aktion jedenfalls intelligent durchdacht und äußerst spannend. Muss aber wohl das verkümmerte Werberhirn in mir sprechen.
  • David Lubars, Chefkreativer von BBDO Nordamerika ist zur Gast in der Advertising Show. Es wird über die guten alten Zeiten der Werbung und über die derzeitigen Umbrüche geplaudert. Jede Ausgabe der Advertising Show ist es wert zu hören. Mit einer der besten englischsprachigen Podcasts über Werbung.
  • Einmal um die Welt getanzt: Der 29-jährige Amerikaner Matt bereiste nicht nur die Welt, er legte auch an jedem markanten Ort eine flotte Sohle aufs Parkett und hielt das Ganze auf Video fest. Nun fragen die ersten Unternehmen an, die ihm den nächsten Trip finanzieren wollen.
  • Die aktuelle US-Ausgabe des Rolling Stone sollte man wohl besser nicht mit zum Flughafen nehmen. Darin befindet sich eine Anzeige für die neue HBO-Serie “Weeds” die einen Duftstreifen enthält, der streng nach Marihuana riecht. In der beworbenen Comedy geht es um eine Grasverkaufende Vorstadtmutti.
  • Ich mag ja diese Linkhäppchen: Agenda’s Agenda for August. 10 Dinge die die Blogautoren im August besonders gelungen fanden. Reicht von Werbung über Mode bis hin zu Musik.
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17 Kommentare

  1. Don Alphonso

    Patrick, das ist das Spiel, auf das sie sich einlassen. Sie sollten wissen, dass die Blogger kein Haufen dröger Fernbedienungsheinis sind, sondern wirklich aktive Mitspieler in jeder Richtung. Jeder hat sich gefragt, was steckt dahinter – und ich habe halt zufällig ein paar lose Enden gefunden und eine eigene Geschichte geschrieben. Das ist alles. Und Du spielst qua Verlinkung jetzt auch mit. Wärst Du der Erste im Pausenhof gewesen, der es weitergetratscht hätte?

    Und bitte, sie hatten ihre Chance. Sie hätten bei Johnny in den Kommentaren reagieren können. Sie kannten meine Kommentare, da gab es plötzlich hektisches IP-Gewusel bei mir. Sie hätten beim Nachtrag von Rebellen ohne Markt reagieren können. Es war mein Spiel, ich habe sie um 21 Uhr gewarnt – sie haben sich tot gestellt. Sie hatten eine Nacht Zeit für eine Strategie. Sie hätten ja eine Mail schreiben können, reden, kommunizieren, gut möglich, dass ich es, wenn die Geschichte gut gewesen wäre, zurückgezogen hätte. Ich tat nix, ich wollte nur spielen. Bis heute morgen. Wenn ich was nicht leiden kann, sind es Kommunikateure, die plötzlich still sind.

  2. Patrick Breitenbach

    @Don:
    Klar hätte ich es auch weitergetratscht, ich bin ja in Wirklichkeit nur neidisch, dass du es als erster rausgefunden hast. Wollte damit auch nur zum Ausdruck bringen, dass es immer zwei Seiten gibt, eine solche Sache anzugehen, wie eben beim Genuss einer Magiershow. Die einen genießen die Magie, die anderen versuchen krampfhaft herauszufinden wie die Magie funktioniert. Beides hat also durchaus seinen Reiz.

    Okay deine Gnadenfrist habe ich leider nicht mitbekommen. Das war dann wohl fair. Habe übrigens auch mal eine Anfrage gestartet, bin mal gespannt ob und wie sie sich äußern.

  3. Andreas Rodenheber

    Räusper. Ist das nicht so ähnlich wie beim Sex? Jede Variante ist o.k., solange beide Seiten es mögen?

    Dass es ein Fake ist und da niemand leibhaftig zu Tode gekommen ist, war spätestens nach der zweiten Runde von Blogeiträgen klar. Ich selbst hatte keine Lust zum Mitspielen, ist nicht meine Welt. Ich lese auch keine Dan Browns oder sowas. Habe halt andere Sexualpraktiken.

    Aber manche mochten es wohl. Und sie mochten es, obwohl sie durchschauten, dass es eine Schnitzeljagd ist. Sie mochten das Spiel. Sie wollten es mitspielen. Es soll auch Menschen geben, die ihre Adresse und ihr Haushaltsnetto auf einer Gewinnspielkarte mit der Aussicht auf einen schäbigen Mallorcaurlaub preisgeben. Ich fand, da wurde bei dieser Aktion weit weniger verlangt. Ein bisschen Aufmerksamkeit. Und unterm Strich blieb es eine Aktion, der man relativ gut ausweichen konnte, wenn man sich (wie ich) nicht dafür interessierte. Ich meine jedenfalls als Konsument schon penetrantere Werbung erlebt zu haben.

    Was das Verstummen der Berufskommunikatoren betrifft: “eine Nacht Zeit für eine Strategie” ist nun auch nicht soooo viel. O.k., in Werberselbstdarstellungsfilmchen sitzen Werber schon mal Tag und Nacht auf den Planschränken und diskutieren über crazy Zeugs. Realiter soll es aber vorkommen, dass auch in Agenturen gegen 21.00 Uhr das Licht ausgeht…

  4. Gerold Braun

    .. und was sagt uns das “eine Nacht Zeit für eine Strategieâ€? als Werber? Wir dürfen erst koksen, wenn wir nicht nur einen Plan B, sondern auch einen Plan D(on Alph..) haben. Tja, so sieht es aus ;-)

  5. Don Alphonso

    Andreas, neun Leute haben ein Grossprojekt. Das mit bekannteste deutsche Blog hat eine 60+ Kommentare-Geschichte zu dem Thema laufen, halbstündlich kommt jemand neues dazu, Links, Reaktionen, whatever.Um 19.33 (!) steigt ein anderes grosses Blog, der rebellmarkt, mit einer eigenen Geschichte ein, es entspinnt sich beim Spreeblick eine Debatte, die aufzeigt, dass ich ihnen auf den Versen bin. Wenn das ein Freelancer wäre, würde ich nichts sagen, aber so…

    Ich halte die nicht für brilliant klug, aber wer bei so einer Sache die Topblogs mit mindestens 9 Mitarbeiter nicht dauernd auf dem Radar hat, dem gehört es nicht anders. Das hier ist Johanssen + Kretschmer reloaded, mit Ansage, developing story und wenn sie so creativ sind, sollten sie auch eine Exit-Strategie für solche Fälle haben, einen Norplan, dark sites, irgend sowas, was man halt macht. Würde ich auch verstehen Das ist das Speil. Haben sie nicht?

    So mag er fallen

  6. Andreas Rodenheber

    > sollten sie auch eine Exit-Strategie für solche Fälle haben

    Stimmt schon. Die Exit-Strategie muss eigentlich fix und fertig unterm Werberarsch im Planschrank liegen.

    Mal gespannt, was heute noch kommt.

  7. Don Alphonso

    Laut Mail von denen an mich (gerade eingetrudelt) nichts mehr.

  8. Bernd Röthlingshöfer,

    Philipp Rethingshof, Update 1: Ist Don Alphonso im Spiel?…

    Nachdem gestern in den Kommentaren beim Spreeblick schon das Geheimnis um die vermeintlichen Urheber des Alternate Reality Games Philipp Rethingshof/Helena Stavros gelüftet wurde, dachte ich mir zuerst. Das war’s dann. Die Sache ist aus, vorbei und …

  9. Patrick Breitenbach

    @Don:
    Bist du nun Teil des Spiels oder nicht? Uns kannst du es ruhig sagen! ;-)

  10. Don Alphonso

    ich wollte erst mein eigenes Ding drauf aufbauen, um zu schauen, ob und wie die reagieren, ob die versuchen, mich als Spiegelbesitzer miteinzubeziehen, ob Blogger einsteigen, so Zeug, Terror on Guerilla.

    Aber als ich dann nebenbei die Lösung gefunden habe, habe ich den Stecker gezogen. Denn wenn ich schon während dem Stuhlstreichen drauf komme, kommt morgen sicher ein andere dran. Und dann stehe ich als Teil so einer Kampagne da, deren Teil ich nicht sein will. Wäre es keine Agentur gewesen, hätte ich mich wahrscheinlich anders entschieden. Aber Viralmarketeers, die solche Böcke schiessen? Ne.

  11. Patrick Breitenbach

    @Don:
    Das heisst also, du bist prinzipiell für sowas offen wenn kein direktes kommerzielles Ziel dahinter steht? Interessant.

    Haben die (Agentur) sich denn jetzt schon mal dazu öffentlich geäussert?

  12. Don Alphonso

    Zur Verdeutlichung: Die Aufdeckung ist selbst als ein virales Spiel aufgebaut. Schon der fall Johanssen + Kretschmer war als Schnitzeljagd angelegt. Und es ist nun mal spannender, sowas direkt gegen eine superkluge Agentur zu spielen, die angeblich verstanden hat, als gegen einen erfundenen Popanz. Mir macht sowas Spass.

    Öffentlich nicht. Es gibt aber eine Mail an mich, die mehr oder weniger besagt, dass sie nichts sagen. “Statements” wird es wohl nur in Form einer Reaktion beim Spiel geben, wenn sie es durchziehen. Wäre ich der Auftraggeber, würde ich jetzt die Notbremse ziehen. Das dürfte momentan ihr eigentliches Problem sein: Wie verkaufe ich das Problem den Kunden.

  13. Patrick Breitenbach

    @Don:
    Ich sehe die Notwendigkeit einer Notbremse in diesem Fall nicht. Bei Johannsen + Kretschmer sah die Sache anders aus, die hatten einen völlig anderes Problem. Die wollten PR und “Echtzeitmonitoring der gesamten Blogosphäre” verkaufen – ging ja prächtig in die Hose.

    Die Agentur in diesem Fall – wenn sie wirklich dahinter steckt, denn auch ZIA war schon im Gespräch, eine andere Agentur – hat ein Interesse an dem Spiel und an der viralen Verbreitung. Das wäre ihr schonmal gelungen. Und der Kunde – wenn es wirklich einen gibt – kann sowieso zufrieden sein. Es hat Aufmerksamkeit erzeugt, ob es dann XY auch glaubwürdig verkauft ist eine andere Sache. Alles eine Frage des Anspruches. Allgemein muss ja Viralmarketing mit dieser Problematik hantieren.

    Ich finde die Idee eines ARG an sich spannend ob es mir nun von Firma x oder Produkt Y präsentiert wird ist mir egal. Ich will spielen, ob ich das Produkt kaufe kann ich am Ende immer noch selbst entscheiden – übrigens genauso kann ich entscheiden ob ich bei dem Firlefanz mitmache. Ist halt Geschmackssache bzw. wie Andreas es ja schon sagte: Eine Frage der sexuellen Ausrichtung.

    UND du machst dich mit deinen Aussagen ganz schön verdächtig doch irgendwie falsche Fährten zu legen. Mein Gott ich liebe die Paranoia! Habe ich schon bei R.A. Wilson geliebt.

  14. The Renitenz

    @Matt, der tanzende Weltreisende: Tja, die Anfrage von Firmen, die Reisen gegen Werbung zu finanzieren, waren in der Tat so vorhersehbar wie die spammenden Trittbrettfahrer in den Weblogs.

    Aber sind wir mal ehrlich: Ist es so schlimm? Ich denke nicht. Vermutlich werden (wieder mal) nur diejenigen aufschreien, denen die Idee nicht vorher schon eingefallen ist ;-)

  15. Patrick Breitenbach

    @The Renitenz:
    Über werbefinanzierte Aktionen und Werbung allgemein wird man sich grundsätzlich immer aufregen, egal wieviel Nutzen sie bieten oder wie ehrlich man kommuniziert. An die Standardgewinnspiele haben wir uns halt schon gewöhnt, nun sind die neuen Sachen dran auszubuhen.

    Trotzdem ist das gut und wichtig, dass es gemacht wird – also die Umsetzung und das Kritisieren. Wo keine Analyse und Fehler, da keine Weiterentwicklung.

  16. 500beine

    wow, ist der rolling stone sophisticated!
    ein nach grass miefender reklamegag!
    das ist ja.. wie 1968!

  17. hartzcore I » philipp retingshof verunglückt

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