11:46 Uhr
Produktpredigt für Clipfish
Disclaimer:
Nachher weiß man alles besser. Zum Glück ist das so. Denn wenn andere keine Fehler machen würden, könnte man ja selbst nicht daraus lernen. Von daher vorab vielen Dank fürs fleißige Fehlermachen, alle anderen sind ja viel zu feige dafür.
In den Kommentaren tauchen derzeit ja immer mal wieder Diskussionen zu der neuen deutschen Videoplattform Clipfish auf. Es geht zum einen darum, dass hinter Clipfish Opal – eine Tochtergesellschaft von RTL – als Betreiber agiert, die sämtliche Nutzungsrechte der hochgeladenen Clips, laut AGB, für alle Zeiten für sich beansprucht:
1. Der Nutzer gestattet der Opal, die eingestellten Inhalte für die Erbringung der unter clipfish.de abrufbaren Dienstleistungen zu nutzen und räumt der Opal die hierfür erforderlichen Rechte an den Inhalten unentgeltlich ein. Dieses Nutzungsrecht beinhaltet insbesondere das Recht, die Inhalte über clipfish.de oder gegebenenfalls andere Medien weltweit öffentlich zugänglich zu machen, sie zu vervielfältigen, zu verbreiten und auf Dritte zu übertragen.
Zumindestens das hat man mit Hauptkonkurrent YouTube gemeinsam. Doch mir geht es weniger um den vermeintlichen Reibach oder den Content den RTL dadurch in seinem eh schon mäßigen Programm verwursten könnte. Ich möchte ein Augenmerk auf das Produkt selbst richten. Schon bei meiner kurzen Verlinkung stellte ich Clipfish die Frage, welches ihr USP ist, inwieweit sie sich also von der Fülle ihrer Konkurrenten abheben.
Eine Antwort folgte prompt:
Klar gibt es schon youtube & Co. – allerdings glauben wir, dass in jedem Land Platz für gut gemachte Sites ist, die (neben allen guten internat. Clips) einen stärkeren Fokus auf Inhalte und Themen legen können, die einfach näher am eigenen Lebensumfeld sind. Sicher haben wir da noch was vor uns – aber was wär das Internet ohne Herausforderungen
Doch meine Frage blieb dadurch noch offen. Die oben beschriebenen Inhalte und Themen sind nunmal mit einer entsprechenden Akzeptanz durch die Plattform-User eng verknüpft. Erst durch eine Akzeptant des Dienstes kann eine Community überhaupt erst entstehen. Da ich die Erfolgszahlen von Clipfish nicht kenne, spreche ich ausschließlich über mein Empfinden. Ich sehe folgendes Problem: Clipfish präsentieren uns nicht nur viel zu wenig Clips (das kann sich tatsächlich erst entwickeln) sie präsentieren sie im unübersichtlichen Comic-Sans-Design. Die Benutzerfreundlichkeit und die Funktionalität hinken den amerikanischen, aber auch deutschen Vorbildern hinterher. Das ist eindeutig zu wenig. Es fehlen die kleinen, schmucken Funktionen die Youtube und Sevenload uns Anwendern schon seit langem bieten. Überhaupt, der deutsche Konkurrent Sevenload ist nicht nur besser mit Material bestückt, er zeichnet sich auch durch eine sehr übersichtliche und ansprechende Gestaltung aus, das macht für meine Begriffe unheimlich viel aus. Auch der elementare Unterschied zu Youtube hat Sevenload zu bieten: Es ist nicht nur deutschsprachig, es bietet zudem Videos UND Fotos.
Da reicht es übrigens nicht die Community im anchhinein nach ihren Bedürfnissen zu fragen um dann den Dienst entsprechend anzupassen. Wenn man ein wirkliches Interesse an der Meinung der Nutzer hat, wieso bindet man diese nicht von Anfang an ins Geschehen ein. nach dem Motto: Wir entwickeln gemeinsam mit euch die Medienplattform der Zukunft – ganz nach euren Bedürfnissen. Aber vor allem hätte man Youtube und Sevenload User fragen müssen, was ihnen an den vorhandenen Diensten gefällt und was sie dabei noch vermissen. Erst dann hätte man einen entsprechenden Dienst entwickeln können, der sich zumindestens durch einen winzigen Aspekt von der Konkurrenz abhebt, aber sonst alle bereits vorhandenen Funktionalitäten anbietet. Da zeigt es sich für mich wieder einmal, wie wichtig eigentlich eine Produktentwicklung ist, gerade im Web2.0-Bereich bei dem sowieso Einnahmegefährdete Unternehmen sich gegenseitig mächtig auf die Füße treten.
Eine nachträgliche Optimierung durch Uservorschläge funktioniert leider nur bedingt. Denn wenn man Clipfish besucht, es für schlecht befindet und dann wieder abhaut, wird man sich sicherlich nicht die Zeit & Mühe machen sich intensiv damit auseinanderzusetzen, was man verbessern könnte. Wozu auch? Verbesserungsvorschläge macht man bei Sachen die einen irgendwie bewegen. Ja werden jetzt einige sagen: Das machst du jetzt doch auch. Richtig. Aufgrund der Tatsache, dass sich Clipfish um echte Dialoge und Diskussionen redlich bemüht ihren Dienst zu verbessern, haben sie es am Ende doch noch geschafft selbst ins Gespräch zu kommen. Sie haben nämlich eigentlich schon die Hälfte eines erfolgreichen Unternehmens erfüllt. Sie haben etwas Bemerkenswertes erschaffen: Eine persönliche Videoeinladung und einen offenen Dialog. Doch wenn das Produkt dahinter nicht stimmt, nützen die besten Stories leider auch nichts.
6 Kommentare
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- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...
- Ralf Hillmann: Da kann ich nur sagen, die Bezeichnung Video-Perle passt einfach perfekt. Da soll noch einmal jemand behaupten Werbung habe nichts...
- ralf schwartz: @Gerry K. Ich selbst rege mich immer am meisten über irgendwelche Tricks der Agenturen und Werbungtreibenden auf, aber die Angabe...

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Am 8. August 2006 um 15:04 Uhr
Ich finds schlimm, dass clipfish eine riesige Bibliothek für die x-te Folge von “Die schlimmsten Missgeschicke Teil XYZ” wird! Zum kotzen!
Am 8. August 2006 um 15:06 Uhr
Die haben ja auch bestimmt die ganzen Archive von “Bitte Lächeln” aufgekauft und hochgeladen. ;-)
Am 8. August 2006 um 21:38 Uhr
Hallo Patrick,
kann mich dem nur anschließen, fand die persönliche Video-Einladung auch sehr nett gemacht und ein guter Start zur Kommunikation.
Leider hält die Realisierung und Fortführung der Kommunikation nicht, was ich erwartet hätte und ein Unterscheidungsmerkmal oder gar echter Vorteil zu bestehenden Systemen fehlt gänzlich, mal abgesehen vom extrem unattraktiven Layout.
Habe gerade nochmal mein Feedback an Clipfish gemailt und warte eine Antwort ab, ansonsten bin ich aber raus – Nice try …
Grüße, Frederik
Am 9. August 2006 um 08:38 Uhr
Hallo,
web 2.0 ist ja toll und kostenlos für jedermann soll es auch sein. Sevenload ist kostenlos! Aber wie? Brauchen die Entwickler kein Essen? Soetwas nebenbei zu machen ist bei dem Umfang nicht möglich. Also, welches Unternehmen steckt dahinter und was will man mit einer Website, die kein Geld einbringt?
Gruß
Giorgio
Am 9. August 2006 um 17:13 Uhr
Hallo giorgio,
Du hast Recht mit dem Geld verdienen. Wir sind glücklich darüber einen sehr guten Investor (Axel Schmiegelow von denkwerk) zu haben, der uns derzeit nicht nur mit Geld versorgt sondern auch mit hervorragenden Kontakten.
Wie verdient man Geld?
Das Potential läßt sich im Augenblick nur erahnen. Schaut man sich jedoch die rasante Entwicklung von Angeboten im Vorreiterland USA an, so ist es nur eine Frage der Zeit bis Video- und Fotoplattformen mit Netzwerkfunktionen sich auch in Europa durchsetzen und massentauglich werden. Langfristig wird das Angebot aus einer enorm großen Anzahl und Vielfalt von Klein-Broadcastern bestehen, wobei sich auch hier die
Qualität und Exklusivität der Inhalte entscheidend sein wird. Video- und Fotoplattformen wie sevenload werden Aggregatoren dieser Entwicklung und genau hier sehen wir unseren Businessmodell (neben White Label, Fotodruck etc etc etc).
Bis dahin ist bei sevenload eine Sache ganz ganz sicher Top Thema:
Relax and make a website so cool that it hurts :)
Liebe Grüße
Ibo von sevenload
Am 11. August 2006 um 09:47 Uhr
@Patrick
Vielen Dank für deine ausführliche Manöverkritik. Stimmt, den richtigen Zeitpunkt, die User – von Anfang an – einzubinden, haben wir wohl verpasst. Das lässt sich leider nicht mehr rückgängig machen. Für einen offenen Dialog und die ehrliche Bereitschaft, Dinge zu ändern sollte es allerdings nie zu spät sein.
Inzwischen haben wir eine neue Version von Clipfish an den Start gebracht. Einige Punkte, die hier in der Diskussion aufgepoppt sind, haben wir bereits umgesetzt. Wir hoffen, dass unser Wille zur Veränderung in der neuen Version zum Ausdruck kommt: clipfish.de
@Frederik
Danke, auch an Dich. Wie Du sehen wirst, haben wir nicht nur am Design gefeilt, sondern auch eine ganze Reihe neuer Community-Features eingeführt. Neu ist unter anderem die Kategorie “Podcasts”. Das sind aber nur einige erste Schritte, um Clipfish mehr Profil geben. Weitere werden folgen.