19.07.06
16:43 Uhr

Wenn Marken Marken imitieren

Dieser ganze Markenklamottenzirkus ist zum Glück einigermaßen schmerzfrei an mir vorübergezogen. Ich kleide mich – sagen wir mal – exzentrisch oder besser gesagt funktionell. Wenn es mal steif sein muss, habe ich einen Anzug, wenn es heiß ist, kommen meine Outdoor-Shorts zum Einsatz, ansonsten bin ich hauptsächlich Hemdträger – völlig losgelöst vom Markendiktat. Früher, da gab es jedoch etwas was ich unbedingt haben wollte: Echte Chucks. Diese Stoffschuhe von Converse mit dem Sternaufdruck auf den Seiten. Ich bekam ein paar Stoffschuhe, an ihnen war auch ein Aufdruck. Allerdings handelte es sich nicht um den echten Converse-Stern, sondern es war irgendetwas nachgemachtes, sowas wie ein Würfel. Die Frustration hielt nicht nur aufgrund der mangelnden Markenidentität Einzug, sondern wurde vielmehr durch Gespött meiner Umgebung geschürt. Eine Erfahrung, die mich bis heute nachhaltig prägte. Ich trage zwar keine Markenklamotten, aber meine eiserne Regel lautet seither: Trage niemals Nachmacher-Marken.

Diesen Rat würde ich so gerne an Walmart weitergeben, denn die wollen gerade eine Art Onlinemarke kopieren. Es soll so etwas wie ein zweites mySpace.com für Kids sein. Darin behaupten angeblich authentische Kids wie cool es doch ist in Walmartklamotten rumzurennen.

I’ll school my way by looking hot in my Wal-Mart clothes to school to catch a cute boy’s eye.

Hey, ich habe ganz bestimmt nichts gegen Klamotten aus dem Walmart, auch ich hab mir da neulich ein Kleidungsstück zugelegt, aber man muss doch nicht so tun, als ob es der angesagteste Fashiontempel schlechthin ist. Entsprechend uncool kommt dann auch die Microsite daher.

The Hub

Nennt mir bitte einen (ach nee es gibt Preise zu gewinnen) zwei Gründe warum ich als Jugendlicher mein User-Profil bei Walmart anlegen soll, wenn alle meine Freunde bereits beim hippen mySpace aktiv sind? Ähnlich schwer wird sich MTV mit seiner YouTube-Variante tun. Wenigstens haben die den Vorteil, dass sie sich nicht Klamotten sondern mit Musikvideos auskennen müssen.

Das sagen die anderen:
Adage, Brandflakes for Breakfast, adjab, Robert Basic

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4 Kommentare

  1. Danny Faak

    Oh Gott.

    Also mir läuft bei sowas immer so ein kalter Schauer übern Rücken. Eventuell kommt das daher das ich mich in andere hineinversetze die sich grad in einer peinlichen Situation befinden.

    Arg.

    Und dann dieses Video: “Fashion? Fashion is like … everything to me.” Es hat keiner gefragt …

    Urgs.

  2. -Frank.

    Wer jemals an Yamamoto-Hemden nach 2 Tagen die Knöpfe nachnähen musste, muss erkennen, dass Qualität nichts mit Marken zu tun hat.
    Persönlicher Stil schon gar nicht.

    Wirklich cool ist es ohnehin nur, sich völlig markenlos – d.h. ohne JEGLICHEN Markenaufdruck – zu kleiden. Dann zählt nur der Schnitt des Kleidungsstücks, nicht der Schriftschnitt auf dem Label und nur so kann man sich dem Rattenrennen entziehen.

    Standen ganz am Anfang der offen zur Schau getragenen Markenlabel noch die von den betreffenden Firmen gesponsorten Sportler, drängt es heute den Großteil der Bevölkerung dazu, kostenlos als Litfass-Säule für eben diese Firmen spazieren zu gehen und dafür noch viel zu bezahlen …

  3. Tobi72

    gruselig die Microsite…

  4. Werbeagenturen blicken nicht durch | André Friedrichs' Web site

    [...] Wenn Marken Marken imitieren (3) [...]

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