05.07.06
16:58 Uhr

Kollektives Unterbewusstsein oder blanker Zufall?

Ich habe lange überlegt, ob ich es bloggen soll, aber diese Diskussion gehört einfach in den Werbeblogger weil es a) um Werbung geht und b) es Menschen gibt, denen die Thematik auffällt und sie bereits darüber schreiben. Es geht um die Yellow Strom Werbung mit Franz Beckenbauer. Wir sehen eine Reihe von zerzausten Männern in Gelb. An ihnen entlang läuft Franz Beckenbauer mutmachend und die Wange tätschelnd. Im Hintergrund ertönt in etwas gequälter Tonlage die deutsche Nationalhymne. Einige erkennen darin Parallelen zu altbekannten Bildern von Hitler in seinen letzten Tagen:

Parallele

Ohne hier was hochkochen zu wollen interessiert mich einfach nur eure Meinung. Ist das an den Haaren herbeigezogen? Ist da etwas Kritikberechtigtes dran? Welche Emotion strahlen Bild und Ton dieses Spots auf uns auf? Wie wirkt für euch der Spot? Leider habe ich ihn im Netz nicht gefunden, aber aufmerksame Zuschauer der WM werden ihn sicher gesehen haben.

Es wurden in der Vergangenheit schon einige Kampagne wegen solchen Vermutungen gekippt. Damals ging es um den Satz “Jedem das Seine” mit dem einige Firmen geworben haben und es auch aufgrund der Vergangenheit wieder unterlassen haben. Siehe dazu das PDF Kurzdokumentation der Forschungs- und Arbeitsstelle nach/über Auschwitz zur Verwendung der Formel “Jedem das Sein” in der Werbung.

Wie streng müssen wir bei sowas recherchieren oder gibt es mittlerweile eine Generation, die damit völlig anders umgeht?

Danke an Marion für die Anregung per Mail.

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48 Kommentare

  1. Peter Giesecke

    Das wird bestimmt ein kontroverse Diskussion. Aber unabhängig davon, wie die Mehrheit argumentiert oder wer letztlich recht hat, Yello hätte am besten die ganze Diskussion vermieden. Den Hauptwerbeträger in Hitlerpose zu zeigen, schadet dem Unternehmen/der Marke (was mir persönlich schnurzpiepegal ist). Den Kübel Häme hat sich Yello schlichtweg verdient. Ich will das nicht alles relativieren, im Gegenteil. Werbung, die keinen Respekt vor den Opfern zeigt, sollte man auch nicht machen. “Jedem das Seine” verbietet sich offensichtlich als Werbeslogan.

  2. Florian

    Ich halte mich für sehr geschichtsinteressiert. Und ich hatte auch das obige Hitler-Bild schon öfter mal gesehen.
    Aber mir ist die Parallele nun wirklich nicht in den Sinn gekommen als ich den Werbespot sah und ich halte sie auch für abwegig.
    Das Wange-Tätscheln ist eine (relativ) normale Aufmunterungsgeste (z.B. war Napoleon für diese Geste richtig berühmt). Und es ist ja nun auch nicht so, dass Hitler das ständig gemacht hätte. Daher kann man nun auch wirklich nicht von einer “Hitlerpose” sprechen. Genausogut könnte man bei jemanden der durch ein Fernglas schaut von einer Hitlerpose sprechen, weil das Hitler auch schon mal gemacht hat und dabei auch fotografiert wurde.
    Was kommt sonst als nächstes? Ist es politisch unkorrekt, Vegetarier in einem Werbespot darzustellen, weil Hitler Vegetarier war?

  3. Stäubär

    Ich finde diese Vergleiche absolut übertrieben und unangebracht. Es gibt anscheinend Leute die den lieben langen Tag nichts anderes machen als irgendwelche Paralelen zwischen damaligen Ereignissen und Heute zu ziehen. Ich bin fest davon überzeugt das wir (fast) alle schon zu der neuen “Generation” gehören, die sehr wohl weiß was in der Geschichte passiert ist und das richtig einordnen kann. Wir müßen doch endlich mal anfangen beim hören der Hymne nicht gleich an Hitler oder bei einer Deutschlandflagge vor dem Haus nicht gleich an NAZIS zu denken!(In Amerika hat fast jeder ne Flagge am Haus!). Und wer traut sich zu sagen: “Ich bin stolz Deutscher zu sein.” (Was wiederum Italiener, Spanier, Franzosen…ganz selbstverständlich tun.) Ich glaube es ist an der Zeit auch mal wieder ein “Nationalgefühl” zu entwickeln, und zwar ein gesundes. Wie jetzt bei der WM, ich hoffe diese positive Stimmung die verbindet, hält noch ein wenig an. Es ist wichtig zu wissen was geschehen ist, ich will aber nicht täglich daran erinnert, oder dadurch in der Zukunft weiter eingeschränkt werden!

  4. bratislaw

    also einen groesseren schwachsinn habe ich ja lange nicht mehr gehoert, nun sieht hier jemand schon hitler hinter einer geste des “wange taetscheln”. vielleicht sollte man demnaechst auch keine werbetraeger mit schnurrbart einsetzen – es koennt ja an hilter erinnern.
    die verbindung zum fussball ist glaube ich mehr als deutlich in diesem spot und auch der gute franz ist eher in der funktion eines trainers anzusiedeln und weit entfernt vom fuehrer. da scheint jemand seinen gestrigen kater noch nicht richtig ueberwunden zu haben.

  5. ramses101

    Das ist mir zu konstruiert. Genau wie bei der “Du bist Deutschland”-Nummer. Und dass “Jedem das Seine” vorbelastet ist, les ich heute zum ersten Mal. Und ich bin historisch weißgott nicht hinterm Mond.

  6. Marcus

    Ehrlich gesagt mußte ich schmunzeln als ich die Bildvergleiche gesehen habe. Und sofort ist es mir im Hals stecken geblieben. Natürlich kann und wird niemand von “uns” verlangen jede Pose, jedes Bild gegen die Geschichtsbücher zu checken. Auch ich glaube, dass sich Aussagen wie “Jedem das Seine” auch weiterhin verbieten. Aber übertreiben sollte man es nun wirklich nicht.

    Was ich allerdings nach wie vor überhaupt nicht ab kann, ist die aufbrausende Empörung, die eine ruhige, sachliche Auseinandersetzung verhindert. Egal wie abstrus ein Thema erscheinen mag. Es MUSS ohne Anfeindungen möglich sein es aufs Tablett zu bringen und darüber zu diskutieren. Dafür verschwindet es ebenso schnell auch wieder.

  7. Herr T.

    “Jedem das seine” und “Arbeit macht frei” sind nun wirklich so bekannt, dass man da einen gaaanz großen Bogen drum machen sollte.
    Es ist halt ein sehr sensibles Thema, unabhängig davon, wie lange das her ist.
    Bei mir persönlich hat diese Werbung keinerlei Assoziationen zu Hitler hervorgerufen, ich bin jedoch bestimmt nicht der größte Kenner deutscher Geschichte von 1922-1945. Wenn dieser Ausschnitt jedoch bei einigen/vielen solche Assoziationen bewirkt, sollte man ganz schnell über Änderungen oder die Absetzung nachdenken. Immerhin _sind_ Personen aufmerksam geworden, und das nicht ohne (subjektiven) Grund. Werbung lässt sich nun mal nicht objektiv beurteilen, die subjektive Wirkung auf die Leute ist das Entscheidende

    Das hat übrigens nichts mit einem “gesunden Patriotismus” zu tun, wie es in einem Kommentar schon anklang.

  8. marketing-blog.biz

    Es ist nun wirklich an den Haaren herbeigezogen. Abgesetzt wird das Ding eh spätestens am Montag.

  9. blogschrift

    Als Autor des einen (zweiten) Blogbeitrags will ich nur kurz anmerken, dass es auch grade nicht um kurzschlüssige Parallelisierungen geht (darauf weise ich ja auch ausdrücklich hin), sondern eher um Bilder, die im Kollektivgedächtnis (Trabbis fahren durch die offene Grenze, Klarsfeld ohrfeigt Bundespräsidenten, der entführte Schleyer mit Pappschild u.ä.) nun mal vorhanden sind und von Werbung mal mehr, mal weniger sensibel benutzt werden.

    Die Frage ist doch, ob man hier nicht ein Mindestmaß an Bildung und Sensibilität von Werbung verlangen kann. Die Kombination aus ‘Kaiser’ + Nationalhymne + jubelnde, fahnenschwenkende Massen + der bekannten Geste halte ich zumindest für heikel.

    (Mir ist übrigens auch (noch) Napoleon in den Sinn gekommen, der ja wiederum in einem Asterix-Heft mit dem Ins-Ohr-zwicken oder einer ähnlichen Geste parodiert wird. (Fragt sich, ob das die Sache besser macht.))

    Der Yello-Film ist übrigens in meinem Blog-Beitrag verlinkt, hier ist der direkte Link nochmal: yellostrom.de/media/...

    Wie in dem Beitrag von Patrick Breitenbach bereits angemerkt sehe ich die ganze Sache aber auch eher als ein Generationenproblem. Es ist niemandem vorzuwerfen, wenn er oder sie beim Fußball “Deutschland, Deutschland” brüllt (oder einen Werbespot darüber dreht), aber man muß sich auch klar darüber sein, was es bei anderen Leuten auslösen kann, die evtl. älter sind und nicht so gute Erfahrungen mit Deutschland gemacht haben.

  10. IB

    Also, mir scheint diese Symbolsuche ein Zeichen von Paranoia und oder Langeweile zu sein. Beides im fortgeschrittenem Stadium.

  11. Daniel

    Ich bitte Euch, ich vergleiche doch auch nicht jede Oma/ Tante, welche dem kleinen Buben an die Wange tätschelt, als Nationalsozialist. Dann eine solche “Pose” als “Hitlerpose” zu bezeichnen, halte ich für einen nicht nachzuvollziehbaren Schritt, und denke kaum, dass mehr als ein Bruchteil eines Prozents der geschichts-gebildeten Bevölkerung beim Ansehen diesen Spots auch nur im Entferntesten diesartige Paralellen zieht…

    Und Pose hin, Pose her. Es geht (hier) um Fussball, um Sport, um Kampf, um Siegen. Dazu gehört Anfeuern, Mut machen, hinter seiner Mannschaft stehen, zu Idolen aufsehen, Streben, Brüllen.

    Wem das zu heikel ist, der tut mir leid.

    Ich halte die Diskusion, gelinde gesagt, für vollkommen absurd, einen Werbespot eines Stromanbieters als Propagandamaterial zu kategoriesieren… Tut mir leid! Wirklich!

  12. kacper

    so ein quatsch die ganze diskussion. das ganze bild habe ich mehr als kleinen scherz verstanden bisher, aber dass da jemand ernsthaft versucht parallelen zu sehen… total übertrieben… genauso wie der nazivergleich bei “du bist deutschland”…

  13. Zidane

    Ich finds einfach nur ätzend immer wieder zu schreiben, das solche “Vergleiche” Absicht sind. Eben war er noch da, der Ruck durch unser Land ging und nun macht doch alles wieder mies…

  14. Frank

    Jedem das Seine! Arbeit macht frei! “wange taetscheln� usw.

    LEUTE Aufwachen. All das gab es auch schon vor den Nazis. Wollt Ihr im ernst denen alles überlassen. Wird Zeit damit abzuschließen. Das ist über 60 Jahre her. Mittlerweile drei Generationen sind daran gemessen worden. Und wenn Ihr Euch umseht werdet Ihr feststellen das wir daraus gelernt haben. Wer immer noch das Geschichtsbuch raus hohlt und für jeden Satz und jede Geste eine 1 zu 1 Umsetzung sucht, wird wohl in seinem Leben ein ewig gestriger bleiben. Es wäre eher in der Tat etwas besser wenn man das ganze Gewusel darüber nicht mehr so ernst nehmen würde, denn dann würde man es als das entlarven was es wirklich war. Ein großer tragischer Witz in der Geschichte der Menschheit.

  15. Zidane

    …total unangebracht finde ich auch, so etwas zu bloggen – Bildzeitungsnivou ist das und Besucherlockerei..

  16. marketing-blog.biz

    Der Kaiser höchselbst hat mal in einem etwas anderen Zusammenhang folgendes gesagt: “Alle freuen sich auf Deutschland. Nur wir im eigenen Land machen uns selbst die Probleme. Was wir am wenigsten brauchen sind Querschüsse und Tagediebe, die uns die Zeit stehlen.”

  17. Patrick Breitenbach

    @Zidane: Ich finde nicht das die Diskussion unangebracht ist. Sie zeigt doch wohl sehr deutlich, dass der Vergleich eben hinkt. Ich selbst war sehr am zweifeln, ob ich das überhaupt aufgreife, aber nun bin ich froh, nicht weil ich Besucher anlocken will, das haben wir nicht nötig. Mir war es wichtig, da eine gewisse Klarheit zu erlangen, bevor das Ganze irgendwo anders aufgebauscht wird. Man sollte auch diejenigen respektieren, die tatsächlich solche Assoziationen entwickeln.

    @Frank: Das Ganze als tragischen Witz der Menschheit zu sehen ist genauso übertrieben. Ich finde es ganz und gar nicht witzig, wenn Millionen von Menschen systematisch ermordet wurden. Da hört bei mir jedweder Spaß auf.

    @Alle: Meine Absicht war es nicht anzuprangern, sondern eine sachliche Diskussion zu führen. Vielleicht ging das daneben. Bildzeitungsniveau war jedenfalls sicherlich nicht meine Intention.

  18. Axel

    Albern, echt!! So ein schwachsinn!
    (also nicht das ihr das zum Thema gemacht habt, sondern das Thema selbst…)

  19. Cappellmeister

    Ich finde die Parallelen an den Haaren herbei gezogen. Ich bin 80 geboren und hab mitm Krieg, Hitler oder Sonstigen Brim-Bam-Borium nichts zu tun. Was passiert ist, war schlimm und darf nicht verherrlicht werden – keine Frage.
    Das/der Foto/Film wurde von Yellow Strom so geschossen, weils von der Perspektive her passt um alles abzubilden.
    Und als Kapitän nochmal bei seinen Mannen entlangzulaufen und sie zu tätscheln gibts nicht nur zu Kriegszeiten (2. WW, 18. WM). Solche Szenen gibts doch in jedem guten Hollywoodstreifen – und die haben bestimmt nicht alle beim Adolf abgeschaut.
    Dass die Werbung aus Deutschland kommt und Hitler dort die meiste Zeit verbracht hat mag eine parallele sein – wenn man eine suchen möchte. Alles andere halte ich für Quatsch und gehört in eine Generation vor uns/mir.

  20. von Oertzen

    Sehr geehrter Herr Breitenbach

    Gerne möchte ich Ihnen meinen herzlichen Glückwunsch aussprechen. Ihr Engagement ist wirklich bewundernswert.

    Hier ein paar Tipps, die ich Ihnen für die weitere Suche nach Fehltritten mit auf den Weg geben möchte:

    1. Hitler hat bestimmt öfter Hände geschüttelt. Halten Sie bitte Ausschau nach solchen Abbildungen.

    2. Hitler stand bestimmt morgens vor dem Badezimmerspiegel und hat sich rasiert oder Deodorant aufgetragen. Bitte mahnen Sie die Kosmetikbranche ab.

    3. Hitler hat sich bestimmt auch mal am After gekratzt.
    Hmm…

    Vielen Dank für die Enttarnung dieser ideologischen Unterwanderung der Gesellschaft.

  21. Oertzen

    Oertzen, Herr Breitenbach hat diesen Konflikt lediglich zur Diskussion gestellt, weil dieser bereits anderweitig diskutiert wird.
    Er hat nicht seinerseits die Behauptung aufgestellt, dass YelloStrom eine Hitlergeste zum Keyvisual eines Spots gemacht hat. Das waren andere. Ihre Tipps sind also fürn “After” wie sie so schön sagen.

    …ist mir nur gerade aufgefallen.

  22. Axel

    Ups, falscher Name im Comment oben …

  23. friedrich

    Wangentätscheln ist erniedrigend.
    Aber der Film ist eine Parodie, insofern ist das egal bzw. genau richtig.

    Wenn man die Tätschel-Zehntelsekunde als Still rausschneidet, erhält man tatsächlich ein frappierend ähnliches Bild zu den Hitler-Tätschelbildern, aber im laufenden Film hat es keine Ähnlichkeit.
    Als Still-Photo für eine Printkampagne allerdings würde ich es leiber nicht in benutzung sehen…

  24. Frank

    Herr Breitenbach, wenn Sie sich die Mühe machen wollten, die Geschichte der Menschheit mal im ganzen zu sehen und nicht nur ab 1933 werden Sie feststellen, das es eben doch ein Witz in der Geschichte war.

  25. friedrich

    Auch in Anbetracht der gesamten Menschheitsgeschichte war das Dritte Reich kein Witz, auch nicht der Geschichte.
    Wäre auch nicht notwendig, daß das Dritte Reich einen Witz der Geschichte zu nennen, um den Spot als nicht nazistisch zu demaskieren.

  26. boomerang

    >Ist das an den Haaren herbeigezogen?
    sehr wohl. welchen sinn sollte es für yello auch haben,
    hier unterschwellig parallelen zu ziehen?
    >Ist da etwas Kritikberechtigtes dran?
    tja, wenn man will, kann man alles kritisieren. aber nüchtern
    betrachtet find ich nichts verwerfliches dran. klar, wenn man
    die bilder nebeneinander stellt, erkennt man parallelen – aber
    doch nur rein optischer art. oder ist das wangentätscheln eine
    verbotene geste?

  27. Patrick Breitenbach

    @Frank: Ich bin noch nicht so zynisch, als dass ich großes Leid von Lebewesen als Witz betrachte. Das gilt im Übrigen für alle Morde in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

  28. Herr T.

    Um das noch mal klarzustellen:
    Yello hat bestimmt nicht mit Absicht eine Anspielung auf Hitler, das 3. Reich oder sonst eine geschichtliche Gegebenheit gemacht. Dennoch haben sie Bilder erzeugt, die bei _einigen_ einen Vergleich nahelegen. Ob das Sinn einer Werbung sein kann, bezweifle zumindest ich.

  29. Till

    @Frank: Es bleibt jedoch dabei, dass es unmöglich ist, diese Zeit als Witz zu bezeichnen. Solche Vergleiche bringen es doch nicht. Immer da wo Menschen von Menschenhand sterben, darf man wirklich nicht von einem Witz reden!

    Zum Thema: was friedrich schon schrieb halte ich für richtig. Das Bild ist hier aus dem Kontext gerissen und kann man als solches vernachlässigen. Daher würde ich Yello (auch wenn ich deren Spots noch nie mochte) mal Zufall unterstellen.

    Desweiteren finde ich, dass man bestimmte Gesten, die Hitler drauf hatte und ideologisiert hat defenitiv nicht benutzen sollte. Diese dienten wie gesagt der Ideologie.
    Dazu gehört das Tätscheln der kleinen Jungs wohl eher nicht und ich sehe auch nichts Verwerfliches daran, da, wie auch oben schon mal erwähnt wurde, eine Oma ohne Bedenken ihren Enkel tätschelt.
    Übrigens gibt es auch einige bekannte Bilder von Hitler, wie er Soldaten Orden verleiht. Das macht heute auch jeder ohne Bedenken, wird fotografiert und veröffentlicht…

  30. martin

    Wie blöd muss man eigentlich sein, um solche Bilder zu generieren ohne zu wissen, wo solche Darstellungsformen und Rituale schon mal benutzt wurden? Wo kommen Werber eigentlich her? Vom Mond? Gute Werbung lebt von Metaphern, ritualisierten Formen und Aussagen. Ihr redet von Yello, als wärs ein beseeltes Plüschhäschen. … Die Verantwortungslosigkeit, die Werber an den Tag legen, als würden sie noch nie dagewesenes in der Gegenwart generieren, praktisch wie aus dem Nichts gezaubert, ohne zu wissen, dass sie Teil dieses Systems sind, finde ich ekelhaft.

  31. friedrich

    @martin:

    Generell fragt man sich natürlich häufiger mal, ob der eine oder andere Werber überhaupt schon mal mit Bildung in Berührung gekommen ist.

    In diesem Fall aber erinnert mich der Vergleich Yello-Franzl/Hitler eher an Kunden, die bei der Verwendung von roter Farbe anmerken: »Das erinnert mich zu sehr an die SPD.«

  32. martin

    Genau: und wenn einer sagt, das erinnere ihn an die SPD, dann wird er wohl nicht der einzige sein. Wirklich gute Werbung ist manchmal in der Kunst besser aufgehoben. Der Rest hat gefälligst gefällig zu sein. (Außer man sucht sich ne total crazy Zielgruppe, die das total crazy findet …) Kein Wunder, das man die Kinder immer mehr als Empfänger anvisiert: weil man denkt, die wären so doof wie die Werbung. Sich der Werbepsychologie zu beugen und normale Erwachsene anzusprechen ist doch viel zu banal.

  33. Cheater

    Also um so etwas beantworten zu können, hilft es, die “ricola-frage” zu stellen, nämlich:

    “Wer hats erfunden?”

    Und das tätscheln auf die Wange hat sicher nicht Hitler erfunden. Nun könnte man den Spot dennoch kritisieren, wenn er im Stile dieser Hitler-Szene aufgemacht wäre, ist er aber nicht. (oder verbirgt Beckenbauer etwa seine zitternde zweite Hand hinter seinem Rücken ? hehe)

    Also klarer Fall: Wir sind teilweise übersensibilisiert! Dennoch schadet es nicht, solche Fragen zu erörtern.

  34. Till

    Richtig. Solange wir noch reflektieren können was uns so an Werbung, Nachrichten usw. zugetragen wird, ist alles in Butter. Schlimm wird es wenn wir über sowas nicht mehr diskutieren und alles egal ist. Deshalb finde ich es schon gut, dass Patrick diesen Beitrag dann doch noch veröffentlicht hat und drüber ordentlich diskutiert wird.

  35. doctor_best

    das sind meiner persönlichen Meinung nach 2 verschiedene Paar Schuhe. Das Wange-Tätscheln hat Hitler auch gemacht. “Jedem das seine” haben die Nazi-Propagandas gemacht. Was Hitler nur auch gemacht hat kann man gerne in der Werbung missbrauchen (Gruß an die Vegetarier- und Händeschüttel-Kommentatoren weiter oben). Wenn man allerdings eine Nazi-Propaganda zitiert, dann erweist man damit immer auch dem Original einen Gefallen. Sehe ich so. Genau wie wenn jemand den Werbespruch der Konkurrenz zitiert, ironisiert oder benutzt – das Original schwingt immer mit!

  36. martin

    > Was Hitler nur auch gemacht hat kann man gerne in der Werbung missbrauchen

    Genau: Rassismus und Mord zum Beispiel.

  37. Danny Faak

    Also ich finde weder “Jedem das seine” oder das tätscheln einer Wange schlimm. Man kann überall einen Rechtsradikalen kontext finden wenn man nur will …

    Es war eine Väterliche Geste. Mehr nicht.

    Und der Satz jedem das seine wird genau wie der Satz “Auge um Auge, Zahn um Zahn” oft mißverstanden.

    Wir sollten da langsam drüber stehen und uns wie intelligente Menschen aufführen: Reflektieren eben. Hat die Firma das im Kontext des dritten Reiches gemeint? Wahrscheinlich nicht – und die Wahrscheinlichkeit ist groß, sehr groß. Thema abgehakt, mit wenig denken und konkludieren.

  38. insider

    die “creativen” die sich sowas ausdenken (texter sind oft geisteswissenschftler) sind i.d.r. nicht gerade ungebildet. die finden das einfach lustig, wenn solche szenen beim doofen kunden (bwler) durchkommen.

  39. jovelstefan

    Die Masse an Kommentaren zeigt, dass das Thema bewegt. Aber wie eigentlich alle hier bin auch ich der Meinung, dass man nicht in alles etwas Verwerfliches reininterpretieren sollte. Wenn das Hitler-Bild nicht _zufällig_ eine gewisse Ähnlichkeit aufweisen würde, hätte sich sicher keiner beschwert.

  40. friedrich

    @Danny Faak

    »Jedem das Seine« stand als Inschrift über dem Tor von Auschwitz.
    Wer das nicht weiß, hat einen deftigen Mangel an Allgemeinbildung.
    An dem Satz ist nichts mißverständlich.
    Und auch wenn ich ihn heute nicht-zynisch verwende, bleibt er ein Symbol für den Zynismus der Dritten Reiches.
    Es gibt Symbole und Chiffren, im Guten wie im Schlechten, und »Jedem das Seine« ist eines davon, und zwar im Schlechten.
    Eine Firma, die damit wirbt, outet sich zwar nicht als faschistisch, aber als unsensibel und ungebildet. Will man das?

  41. martin

    … richtig, und wenn beim Fußball vergessen wird, das das bloß ein olles Spiel ist und keine Völkerschlacht, dann finde ich das affig. Und im Falle der Bild-Schlagzeilen widerwärtig. Wat soll diese Heldengetue? Wat soll dieses in einer Reihe stehen, als würden sie in den Krieg ziehen? Wat soll das tätscheln der Wange? Wenn jemand sowas bei meiner Tochter macht, kriegt der jedesmal was von mir zu hören! Ich weiß schon, warum ich vor Sumo-Ringern mehr Respekt habe und noch nie einem Fußballspieler angehimmelt habe (Fassen sich an Kopp, wenns am Schienbein zwackt und lassen sich wie Soldaten behandeln, bäh).

  42. brilliantic

    Den Satz ‘Jedem das Seine’ gab’s schon lange vor Hitler. Eventuell denkt man da heute als erstes an die Verfolgung der Juden während des 3.Reiches, wenn man ihn irgendwo liest. Aber dass “an dem Satz nichts missverstaendlich ist”, das finde ich nicht. Der Satz bekommt nur im Kontext der Judenverfolgung einen üblen Beigemack. Ansonsten ist er harmlos…

  43. friedrich

    Das Hakenkreuz gab’s auch schon vorher.

  44. friedrich

    Ich muß mich korrigieren:
    »Jedem das seine« stand natürlich in Buchenwald über dem Tor.
    Auschwitz war »Arbeit mach frei«. (Könnte man ja mal dem BDI als Kampagnenspruch andienen, oder?)

    Um den Zusammenhang zu sehen, in dem »Jedem das seine« eine Werbung befördert, lohnt es sich, mal bei Google Bilkder zu sehen, was bei den Worten für eine Bilder-Zusammenstellung herauskommt.
    Ich möchte mein Produkt da nicht sehen, zwischen all den Bildern des Eingangstors in Buchenwald.

  45. pete

    na klar musste man an das bekannte hitler-bild denken. na klar auch an asterix und napoleon. napoleon war nun auch kein waisenknabe. na klar wurde das wangetätscheln nicht von hitler erfunden, ebenso wenig das hakenkreuz.

    wenn es dem ein oder andern nicht aufgefallen ist, dann ist das doch DEREN problem, für mich war die parallele sofort klar. dass ein trainer kein führer ist, finde ich nun auch ne gewagte these – auf seine art bestimmt, zumindest in verbindung mit 2deutigen symbolen so zu lesen. insebosondere da das historische bild genauso wie das werbebild so etwas wie das ‘letzte aufgebot’ darstellt.

    was ich aber eigentlich schade finde, ist dass offensichtlich die gute stimmung wieder etwas kaputt geht. nicht durch eine sachlich – ja fast schon selbstzweiflerische frage, sondern dass man gleich wieder von schluss-strich-patrioten dafür angemacht wird. bitteschön: wir sind 82 Mio fans, auch solche, die sich über diese dinge gedanken machen. es gibt keine fans erster und zweiter klasse. der fußball gehört mir genauso wie euch allen auch.
    pete

  46. Danny Faak

    An “friedrich”:

    “»Jedem das Seine« stand als Inschrift über dem Tor von Auschwitz.
    Wer das nicht weiß, hat einen deftigen Mangel an Allgemeinbildung.”

    Da stand “Arbeit macht frei”. Hab ich jetzt einen Mangel an Allgemeinbildung oder du?

    “Und auch wenn ich ihn heute nicht-zynisch verwende, bleibt er ein Symbol für den Zynismus der Dritten Reiches.”

    Er bleibt dieses Symbol wenn man es in diesem Kontext sieht. Aber da der nicht immer gegeben ist muss es auch nicht immer um Massenmord gehen wenn man sagt das jeder das Seine erhalten soll. Ich finde den Satz aber generell werblich unpassend, weil er nicht wirklich mpact Stark ist oder etwas ausdrückt.

    “Es gibt Symbole und Chiffren, im Guten wie im Schlechten, und »Jedem das Seine« ist eines davon, und zwar im Schlechten.”

    Man beachte die Dinge im Kontext, allgemein kann man den Satz nicht verteufeln. Man kann auch sagen das “Gas” etwas schlechtes wäre, wegen dem dritten Reich. Dennoch heizen wir damit usw. (mit einem anderen Typ von Gas, aber es sollte klar sein was ich meine)

    “Eine Firma, die damit wirbt, outet sich zwar nicht als faschistisch, aber als unsensibel und ungebildet. Will man das?”

    Sie wird von dir als solche angesehen, von anderen wiederrum nicht. Ich denke eben nicht ständig an das dritte Reich oder assoziiere Dinge mit ihm.

    Das man das nicht will ist klar. Aber in ein, zwei Generationen wird dieser Effekt auch verpuffen, ich denke mal dann ist das Geschehene nicht “vergessen”, aber verblasst.

  47. Danny Faak

    Nochmal an friedrich:

    Hattest dich ja selbst schon korregiert wegen Ausschwitz und Buchenwald. Jeder kann sich mal vertun, kam nur witzig mit dem Satz “Wer das nicht weiß, hat einen deftigen Mangel an Allgemeinbildung.”

    Nichts für ungut :)

  48. stefan mannes

    Eine ähnliche Diskussion gab es bei der “du bist deutschland” kampagne als der claim auf einem alten ns foto auftauchte. die initiatoren holten sich schützenhilfe einiger führender historiker, die aber klar sagten, dass in der ns-zeit derartig viele begriffe und formulierungen uns gesten verwendet wurden, dass es keinen sinn machen würde, 60 jahre danach einige tausend davon mit einer gebrauchssperre zu versehen.

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