26.05.06
11:24 Uhr

Divergenter Konvergenzkongress

{lang: 'de'}

Nun ist er also vorbei, der Podcastday 2006 in Köln, seines Zeichens Konvergenzkongress im Rahmen des Medienforum nrw. Wieder einmal wurde mir bewusst, warum ich so gerne blogge und so ungerne zu Podiumsdiskussionen gehe. Dazu muss man sagen, ich bin da draußen alles andere als eine Rampensau. Ich höre sehr gerne und intensiv zu und bringe meine Standpunkte kurz, klar & in der Regel präzise zum Ausdruck. Doch die Kombination aus Nervosität, empfangenen Endlosdätzen, mit nur wenig relevanten Inhalten, dafür rhetorisch umso schöner verpackt (Politik lässt grüßen) und kein eigenes Mikro, lassen einen auf dem Podium ganz schnell, ganz alt aussehen. Welch ein Glück, dass es aber Podcasts gibt, und man diese Diskussionen nun theoretisch auch schriftlich weiterführen könnte. An dieser Stelle grüße ich Peter Kabel, der sich ja gleich als einer von den wenigen Lesern des Werbebloggers “geoutet” hat und uns toll findet, weil wir ja auch seine Kampagnen regelmässig präsentieren. Der Werbeblogger also einer der 100 RSS-Feeds die Herr Kabel dann doch nicht liest? Soviel zum Thema mangelhafte Resonanz von Weblogs. Jedenfalls redete Herr Kabel sehr viel, sehr ausführlich und wenn man sich die Diskussion per Mitschnitt noch einmal anhört, merkt man, wieso Herr Kabel so ein grandioser klassischer Werber ist. Schöne, große und bunte Verpackung, letztlich aber ein etwas enttäuschender Inhalt. Damit möchte ich nicht behaupten, dass Herr Kabel nur Unsinn verzapft hat, einiges was er sagte, hatte durchaus Substanz. Allerdings stießen mir seine Aussagen zum Umgang mit Konsumenten und Marken äußerst säuerlich auf. Nun gut, ich bin kein Markenphilosoph und habe auch keine nebenberufliche Professur an einer Hochschule und kann daher im folgenden nur mit meinem bescheidenen Menschenverstand argumentieren. Die Distanz einer Marke zum Konsumenten mache die Marke also erst begehrenswert, so Kabel. Als Beispiel einer erfolgreichen “Distanz-Marke” nannte er die katholische Kirche. Dieses Beispiel ist nicht nur aufgrund eines möglichen Mitgliederrückganges, wie Dieter Rappold in seinem Vergleich zur deutschen Telekom völlig richtig bemerkte, völlig daneben, sondern vielmehr fehlte mir dabei irgendwie die angeblich so erfolgreiche Distanz. Das gesamte Prinzip der katholischen Kirche ist Beziehungsarbeit. Das fängt in der Dorfkirche an, geht über Jugendarbeit in kleinsten Gruppen und endet in gemeinschaftlichen und relativ beziehungsintensiven Großevents. Die repräsentative Person, die hinter der Marke katholische Kirche steht, ist der Papst. Die Marke hat damit ein Gesicht, eine Hauptstimme, denn sie will ganz bewusst damit die Distanz zu den Menschen überwinden. Im Übrigen halte ich die gesamte klassische Werbung für distanzlos, denn sie bedrängt, unterbricht und belagert den Verbraucher wo sie nur kann.

Ein weiterer Kritikpunkt an der Haltung von Herrn Kabel (wie man sieht hat er das Jung van Mattsche Unternehmensprinzip Polarisierung bestens repräsentiert) ist die mangelnde Wertschätzung von Verbrauchern. Das schönste Beispiel für Partizipation von Konsumenten war für ihn, wenn Erna aus Erlangen bei einem Shoppingsender anruft und erklären darf, warum sie die Käthe Kruse Puppe nicht kaufen möchte und sie damit im Fernsehen sprechen kann. Für mich ein Beispiel, wie man fast nicht noch herblassender über den Verbraucher in der Öffentlichkeit sprechen kann. Lasst die Konsumenten mal im Glauben der Beteiligung, aber wie Marken auszusehen haben und wie sie funktionieren, bestimmen gefälligst immer noch wir Werber.

Doch nun habe ich genug auf Herrn Kabel eingedroschen, er bot ja auch – ob freiwillig oder nicht – eine sehr schöne Betonfläche an, das macht die Sache natürlich sehr einfach. Ich spare mir auch einen Seitenhieb auf die angeblich geplante und von vorne bis hinten durchdachte Klowandkampagne seines Mitstreiters Jean-Remy von Matt. Daher noch ein paar Worte zum Kongress selbst. Die Organisation war sehr gut, es war alles sehr medial und es war wichtig, dass das Thema Podcasting mit den klassischen Medien diskutiert wurde. Ich als schreibender Blogger hätte mir natürlich einen weiter gefassten Rahmen gewünscht, denn das Thema Podcasting ist natürlich nur eine Facette des Phänomens “Social Software” und “user generated content”. Sehr schnell wurde man aber mit den zwei Strömungen des Podcastings konfrontiert. Da gibt es die klassischen Medienmacher, die gerne auf den Zug Podcasting aufspringen möchten und ihre bisherigen Inhalte 1:1 in den neuen Kanal einspeisen wollen und dem gegenüber stehen die Dialoger und Networker, die darin ein neues Potenzial entdecken, um mit Menschen auf breiter Fläche ins Gespräch zu kommen und sich ganz bewusst vom klassischen Sender-Empfänger-Prinzip, der Top-Down-Kommunikation , zu trennen. So richtig gerieben hat man sich aber scheinbar nur bei unserer Diskussionsrunde. Da hätte ich mir z.B. im Panel mit Neville Hobson und dem Vetreter von Mercedes Benz, Sven Dörrenbächer, mehr erwartet. Bei Mercedes sei man auf den “Podcast” Mix-Tapes aufgrund von 22 Mio. Downloads sehr glücklich. Warum wiederum die Vodcasts über ihre Produkte nicht so gut weggehen, blieb er uns am Ende schuldig. Ich könnte es eventuell für ihn beantworten: Es liegt vielleicht daran, dass die Inhalte der Mixtapes primär nichts mit Produkten von Mercedes zu tun haben, sondern einfach nur gute Musik ist, mit der man langsam eine besondere Beziehung zu potenziellem Klientel aufbauen könnte. Allerdings habe ich die angebliche Dialogfunktion bei Mercedes auch nach stundenlangem Durchklicken immer noch nicht gefunden. Mr. Hobson ist nämlich leidenschaftlicher Verfechter des Prinzips “Dialog” und wies genau auf diese fehlende Eigenschaft sowohl bei IBM als auch bei Mercedes Podcasts hin. Das wirklich spannende war die Präsentation seines neuen Podcasts, der erstmals auch live und interaktiv Kommentare und damit einen Dialog mit den Empfängern zulässt. Skypecast nennt er die neue Form des Dialog-Podcastings. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Noch eine kleine konstruktive Kritik zum technischen Ablauf: Wenn man schon viel Wert auf Audioformate legt, dann sollte a) jeder Diskussionsteilnehmer ein Mikro bekommen, b) das bestimmt sehr interessante Streitgespräch über Blogs sollte außerhalb des Messetrubels stattinden (ich habe dabei leider nur Cornelia Kunze gut verstanden) und c) die anschließenden Podcast-Mitschnitte sollten nicht im Doppelpack angeboten werden. Aber ich bin mir sicher, nächstes Jahr bekommt ihr das perfekt hin. Sehr gut fand ich jedenfalls das Angebot der Simultanübersetzung und auch sonst war die Audioqualität in den regulären Panel-Räumen hervorragend.
Schließlich war der Podcastday auch eine schöne Möglichkeit mit Bloggern persönlich -teilweise kurz, teilweise sehr lang, ins Gespräch zu kommen. So trafen wir u.a. Sven vom Cyberbloc, Felix Holzapfel von Conceptbakery, Nicole Simon, natürlich meine Podiumsdiskutanten Alex Wunschel und Dieter Rappold (dem ich hiermit das unglücklich entstandene Falco-Image wieder abspreche).

Wer mehr über den Podcastday erfahren möchte, schaut sich am besten hier mal um.

Schlagworte (Tags): , , , , ,

23 Kommentare

  1. SUB

    Die zentrale Institution einer Weltreligion mit einer Marke zu vergleichen ist die eigentliche Frechheit und zeigt IMHO sehr deutlich, wie weit die Distanz zum Verbraucher, noch weiter jedoch vom Erdboden bei manchen Werbern mittlerweile ist. Man muss weißgott kein Anhänger der Katholischen Kirche sein, aber manchen Menschen ist der Glaube daran doch noch etwas wichtiger, als das gerade beworbene Waschmittel. Zum Glück.

  2. Patrick Breitenbach

    Ich würde allerdings nicht unbedingt bestreiten, dass diese Weltreligion keine Marke (also im engsten Wortsinn eine Kennzeichnung) ist. Wir müssen halt ein bißchen raus aus der werberischen Verkaufsdenke. Dass diese Weltreligion allerdings aufgrund von Distanz so erfolgreich geworden ist, kann man getrost als Unsinn bezeichnen. Aber klar kann und darf man Waschmittel und den Glauben nicht in einen Topf werfen.

  3. Nicole Simon

    Aber hallo. Wie eine Freundin schon vor Jahren sagte: Die katholische ist das beste Beispiel für gelungenes Marketing und Kundenbindung seit Jahrhunderten.

    Es mag einem nicht gefallen, die Kirche unter diesem Blickwinkel zu betrachten, aber es ist naiv zu glauben, daß alles nur geschieht, um dem einzelnen den Glauben an Gott zu ermöglichen.

    Mein Vater jedenfalls hat irgendwann gemeint “Mist. Sie haben mich wiedergefunden” – und das war, als er mehrere Jahre aus der Kirche ausgetreten war. Der erste “komm doch wieder zurück in den Schoß Deiner Kirche”-Brief war begleitet von einem Überweisungsträger, mit dem man den verpaßten Beitrag nachreichen sollte – nach ausreichendem Prüfen seines Gewissens auch gerne über einen höheren Beitrag.

    Die folgenden Jahre waren regelmäßiges Besenden mit “kauf wieder bei uns” ähnlichen Briefen – nicht einmal ist das Thema der Glaube meines Vaters gewesen.

    Patrick, die konstruktive Kritik ist bereits vermerkt und ich bin auch etwas überrascht, daß die Aufzeichnungen nicht direkt von den Mikros abgenommen worden sind :( :( Wird hoffentlich nächstes Mal besser. Bedauerlicherweise gehörtest Du zu den Teilnehmern mit denen ich gerne länger geredet hätte es aber nicht funktionierte. :( Beim nächsten Mal! :)

  4. Nicht erforderlich

    Guten Tag,

    interessante Ansätze. Als Besucher des Forums und Teilnehmer Ihres Panels darf ich mal für Kompetenz und Erfahrung sprechen. Zum einen bin ich davon überzeugt, dass der Blogger an sich das Blogging nicht objektiv sehen kann. Warum stecken Sie so viel Arbeit in Ihren Bolg, wenn nur 1000 Menschen sich dafür interessieren? Ausserdem leisten Sie mit dem Blog nicht, sondern kritisieren nur Leistungen anderer.

    Herr Kabel war auf dem Panel wohl der einzig professionelle Teilnehmer. Daher wehte ihm ja auch der Wind ins Gesicht. Der kleine Ösi mit dem Bärtchen, das ihn zumnindest wie Ende 20 erscheinen läßt und Sie als “Freier Mediendesigner” sollten erst einmal etwas leisten, Erfahrungen sammeln und dann erst laut werden. Üben, üben, üben…

  5. Andreas Rodenheber

    @ Nicht erforderlich
    Und die eigene Meinung mit dem eigenen Namen zu unterschreiben, das lernen Sie bei aller Kompetenz und Erfahrung sicher auch noch…

  6. Patrick Breitenbach

    @Nicht erforderlich: Ich fürchte sie haben sich genauso wenig mit dem Thema Blogs befasst wie mit dem Werbeblogger. Hätten Sie dies getan, so wäre Ihnen vielleicht aufgefallen, dass wir durchaus auch wertvolle Beiträge zur Diskussion stellen. Wir kritisieren nämlich nicht nur, die meisten Leser können uns das sicherlich bestätigen. Die Frage ist auch eher ob Peter Kabel nicht einfach ein professioneller Selbstdarsteller ist. Das ist keine Frage, da bin ich so unprofessionell wie Erna aus Erlangen. Die Inhalte die Herr Kabel teilweise geliefert hat, waren meiner Ansicht nach alles andere als professionell, sie waren lediglich professionell verpackt.

    Natürlich haben wir genauso wenig objektiv diskutiert wie Herr Kabel, dessen Background ja ein ganz anderer ist.

    Im Übrigen investiere ich soviel Zeit nicht nur für meine täglichen 2-3 Tausend Leser, sondern durchaus auch für mich, die daraus entstehenden Diskussionen und die Ansammlung von Wissenswertem.

    Darüber hinaus diskutiere ich nur ungerne mit Leuten mit Visier auf, deren Background ich so gar nicht kenne.

  7. Werner Erber

    Als kleiner Schüler traue ich mir nicht zu hier übergroße Reden zu schwingen, aber selbst wenn die Distanz einer Marke zum Kunden selbige erst attraktiv macht, dann ist doch die Kirche, zumindest heutzutage, das denkbar schlechteste Beispiel überhaupt, oder? Das wäre in etwa so, als wenn ich mich auf die Bühne stellen würde und behauptete: “Dem Kunden gehts in erster Linie um die Funktionalität eines Produkts” und dann zum Beweis meiner These grinsend einen iPod aus der Tasche ziehen würde.

    Mit freundlichem Gruß,

    W.Erber

  8. Patrick Breitenbach

    @Werner Erber:
    Bei uns sind zunächst einmal alle Meinungen willkommen, ganz gleich welchen persönlichen Background man hat und wieviel man nach außen hin leistet.

  9. Lene Steinmann

    Meine Herren, jetzt aber mal die Bälle flach halten.

    Auch ich habe den Podcastday besucht und es hat mir sehr Spaß gemacht. Mir wurde wieder einmal bewusst, welche Kraft in einem Weblog, Video- oder Audiocast stecken kann und wie man diese zur Stärkung einer Marke nutzen kann bzw. wieviele es bereits tun – auch in Deutschland!
    Allerdings denke ich nicht, dass man den Qualitätswert eines Weblogs an seinen Besucherzahlen messen kann (2000 Leser vs. 2 Mio. BILD-Abonennten) Der Bildblog mit ca. 40.000+ Lesern spricht hier ja für sich. Wenn das jetzt nun auch kein Unternehmensblog ist.

    Was ich aber vom Podcastday für meine Seite mitgenommen habe: Den Qualitätswert einer Marke kann man durch einen Weblog stets steigern. Hier schaffe ich ein Instrument mit dem Kunden/Endverbraucher in den direkten Kontakt zu treten, zu sprechen, mich weiterzuentwickeln, Kritik entgegenzunehmen darauf zu reagieren oder aber Missverständnisse aufzudecken.
    Der klare Vorteil zum Leserbrief, wie es ihn eh und ja gab und geben wird, ist hier ja wohl ganz eindeutig, dass dies in der Öffentlichkeit entsteht und jeder an der Diskussion teilnehmen kann. Da hängt man nicht minutenlang in der Hotline-Warteschleife wie bei unserem magentafarbenen Monopolisten…
    Ich finde es interessant, wenn sich ein Unternehmen in dieser Weise öffnet und dem Kunden die Möglichkeit gibt, Qualitätsstandards auch in der Zukunft zu sichern und kunden-/nutzenorientiert anzupassen.

    Auch wenn man nicht über jeden Unternehmenskopf den Webloghut stecken kann – manchmal muss man einfach mal über den Schatten springen können und ausprobieren bzw sich inspirieren lassen. Das macht den Werber als solchen seiner Art ja wohl aus, oder?

  10. Patrick Breitenbach

    @Lene: Wäre übrigens schön, wenn du aus deiner Sicht nochmal etwas vom Kongress (in einem Beitrag) erzählen würdest, ich denke, du hast die Dinge ja auch nochmal mit anderen Augen gesehen. Würde mich freuen.

  11. Werner Erber

    @Patrick Breitenbach: Alles andere wär auch ziemlich blöde, weil eben Leistung auch nur subjektiv zu bewerten ist.

    Werber

  12. Werbeblogger » Blog Archiv » Podcastday 2006

    [...] Ein wirklich spannender Abschluss des Tages war die Diskussion an der auch Werbeblogger Patrick teilgenommen hat. Hier ging es hitzig zu und es wurde endlich eifrig diskutiert. Das ganze kann man sich ab Minute 67 hier anhören. [...]

  13. Mathias

    Ich habe nichts mit der Werbebranche zu tun, lese den Werbeblogger aber immer sehr gerne, um einen Einblick in die Welt der Werbung zu erhalten. Ich denke jedoch, dass Podcasts, Blogs und Youtube als “Vlog” von den Werbern maßlos überschätzt werden. Zeigt zum Beispiel das Bildblog. Wo ist denn dort der Blogcharakter? Kein Trackback, keine Kommentarfunktion, nur eine e-mail Adresse zur Kontaktaufnahme, und trotzdem mit das populärste deutschsprachige Blog überhaupt (ja, ich weis dass das Bildblog früher diese Funktionen hatte und diese erst später abgeschaltet wurden). Zeigt also ganz deutlich, dass die Nutzer sehr gut ohne die Interaktionsmöglichkeiten auskommen, wenn nur der Inhalt stimmt. Und ich persönlich hänge viel lieber 2 Minuten in einer Warteschleife am Telefon und erhalte dann Auskunft, als meine Frage in ein Kommentarfeld zu posten, welches dann 72h nicht beachtet wird. Auch würde mich mal interssieren, wie denn die Reaktion auf Kritik konkret aussehen soll? Wird der Fernsehspot abgesetzt wenn man 1000 negative Komentare im Weblog hat? Generell glaube ich einfach nicht, dass das Internet ein aussagekräftiges Medium ist. Als Beispiel denke ich hier zum Beispiel an die “un-pimp my auto” Kampange von VW. 100.000 mal abgerufen. Nützt VW aber wenig, wenn es das beworbene Modell nur in den USA zu kaufen gibt. Zugegeben, VW ist ein weniger gutes Beispiel, weil es ein multinationaler Konzern ist, VW also durchaus einen Imagegewinn hier in DE haben könnte. Aber ich hoffe die Idee wird klar. Andere Beispiele gibt es ja zuhauf, mir fällt spontan auch der rtv-Titelgirl-Wettbewerb ein, wo eine nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechende Dame dank pushen in die Aswahl des Titelgirls kam. Generell würde ich sagen, dass genausowenig wie 100.000 downloads von Songs in p2p-Börsen nicht 100.000 nicht getätigten Verkäufen entsprechen, 100.000 views nicht 100.000 potentiellen Kunden entsprechen. Na ja, auch wenn das jetzt hauptsächlich negativ war, den Nutzen von Blogs kann ich ja noch sehen, der Nutzen von Podcasts verschließt sich mir allerdings völlig. Das Radio wurde schon vor längerer Zeit erfunden. Digitalisiert und mit einer hippen englischen Wortschöpfung versehen ist es plötzlich das neue goldenen Kalb. Podcasts sind meiner Meinung nach eher für Leute, die zu faul zum Lesen sind. Liegt aber wohl hauptsächlich darin begründet, dass ich beim Lesen das Tempo selber bestimmen kann, wärend ich bei einer Lesung dies nicht kann. Na ja, Geschmäcker sind verschieden, und anscheinend gibt es viele Leute, die so etwas gerne haben, sieht man ja auch bei den Verkaufszahlen von Hörbüchern.

  14. Patrick Breitenbach

    @Mathias: Also hier musst du schonmal keine 72 Stunden warten. Nein, im Ernst. Natürlich hast du Recht in Bezug auf Bildblog. Die Bildzeitung hat mehr Leser, weil die Inhalte Boulevardthemen sind, die einfach massenkompatibel sind. Das Bildblog bedient sich indirekt an diesem Phänomen wenn auch kritisch und mit einem gewissen Anspruch. Die Inhalte bleiben aber im Grunde die gleichen. Mir geht es nicht um Lesermassen, sondern um Diskussionen, um Wissenssammlung, Erfahrungsaustausch und vielleicht auch mal Dampf ablassen oder Unterhaltung. Wenn wir von Werbemöglichkeiten von Blogs sprechen gibt es zwei Strömungen. Die klassische Werbung, die natürlich auf Klickzahlen schaut, denn erst durch -Besuchermassen ist die Werbung erst verkäuflich. Denn wie jeder weiß, ist der User im Internet von der Bannerflut extrem genervt und es erfolgt so gut wie keine Kaufaktion aufgrund von Bannern. Doch die Mediaplaner müssen ja ihr Geld verdienen und da zählt eben die angebliche Reichweite. Wenn bei 1000000 Lesern 2% auf die Banner klicken und anschließend auch noch was kaufen, so wird dies als riesiger Erfolg gefeiert. Die zweite Strömung ist eher im PR angesiedelt. Dabei geht es um Social Networking, Beziehungsaufbau und Dialoge. Unternehmen und Marken haben erstmals die Chance auf breiter Ebene sich als echte Menschen zu präsentieren und den oftmals beschädigten Ruf als Abzocker oder Bösewichter abzulegen. Microsoft hat z.B. mit Hilfe von Blogs in den USA einen nicht unerheblichen Imagewandel vollzogen.

    Themenblogs besetzen Nischen und vernetzen sich zu größeren Communities. So gibt es den Werbeblogger der vielleicht nur von 2-3 Tausend Usern am Tag gelesen wird, allerdings schätze ich mal, dass der Großteil der Leser hauptsächlich im Bereich der Werbe- und PR-Branche angesiedelt sind. Damit habe ich eine sehr klar umrissene Vorstellung von den Menschen, die dieses Blog lesen. Ein weiterer Teil der Werbeblogger-Leser sind gleichzeitig auch Weblogschreiber. Diese Weblogs haben wiederum ihren ganz bestimmten Leserkreis. Schaut man sich mal die Verlinkungsstruktur vom Werbeblogger an und nimmt man an, dass jedes Blog ca. 100 Leser hat, so kommt man ganz schnell in die Nähe der 100.000 Grenze. Das Ganze nennt sich Multiplikator. Dadurch können Diskussionen auch außerhalb des eigenen Kommentarfelds geführt werden, über die Webloggrenzen hinaus.

    Ich bin übrigens auch einer der wenigen Blogbegeisterten die einigermaßen auf dem Teppich bleiben. Natürlich können Blogs keine klassischen Medien ersetzen. Sie können sie sinnvoll ergänzen, bereichern und sie stellen eine Möglichkeit da, ein Nischenpublikum zu erreichen, Menschen die sich bewusst von klassischen Medien abgewendet haben, die kein Vertrauen mehr in Werbung und großen Medien haben. Das mögen momentan in Deutschland noch recht wenige sein, dennoch zeigt der Trend einen deutlichen Anstieg von Weblogrelevanz. Kann auch sein, dass dies alles Spinnerei und Träumerei ist, was solls, wir werden es sehen. Solange ich Spaß und Leidenschaft am bloggen habe, werde ich auch weiterhin mich dafür einsetzen. Gutenberg hat auch klein angefangen und jeder meinte, das Ganze funktioniert doch eh nicht mit diesem Buchdruck. Genauso war es mit den Heimcomputern, die wären sowieso zu riesig und zu teuer, so dass es die in Massen gar nicht geben wird.

    Als Pionier hat man es eben am Anfang nicht leicht und man weiß nie wohin es letztendlich führen wird. Vielleicht in 5 Jahren Normalität, vielleicht gibt es in 5 Jahren kein einziges Blog mehr. Man wird sehen. Bis dahin werden wir die Pionierarbeit fortsetzen, ich bin jedenfalls sehr gespannt wie die Sache ausgehen wird.

    Soviel zum predigen, nun nochmal einige Anmerkungen von dir:
    - Bildblog ist für mich kein Blog im Sinne von Dialog, es ist eigentlich ein Onlinemagazin, wobei sehr viele Blogs die Diskussion durch Trackbacks und Verlinkungen dennoch aufgreifen.
    - Du hängst lieber in der Warteschleife von was? Klar, wenn es um technische Infos geht, Beschwerden etc. dann braucht man schnelle Abhilfe, sagt ja niemand, dass es Hotlines nicht mehr geben darf. Wenn es aber um langfristige Diskussionen geht, kann man auch ruhig mal ein paar Stunden, Tage, Wochen oder sogar Monate warten. Teilweise tauchten hier neue Erkenntnisse zu manchen Einträgen erst nach Monaten auf.
    - Wie die Reaktion auf Kritik ist? Das bleibt jedem Unternehmen selbst überlassen, dass Blogs in punkto Firmenimage relevant sind, hat man ja bereits in einigen Fällen bemerkt. Daher schaut das Auge immer auf den Umgang mit Kritik, nicht unbedingt mit der Kritik selbst.
    - Der VW-Spot wurde nicht nur 100.000 Mal abgerufen, sondern es wurde ausführlich über ihn gesprochen und diskutiert. Ein Imagegewinn für VW und der verantwortlichen Agentur.
    - Ich persönlich kann mit Podcasts auch sehr wenig anfangen, ich betreibe bewusst keinen Podcast weil ich dessen Dialogfunktion zu sperrig finde und mein eigener Qualitätsanspruch einfach zu hoch ist.

  15. Gerold Braun

    “.. Als Pionier .. man weiß nie wohin es letztendlich führen wird. ..” Doch, ich weiß es: Der Lohn des Pioniers ist ein Pfeil in den Rücken ;-)

  16. Martin Oetting

    Schon erstaunlich, mit welcher Arroganz manche Leute auch hier zu Werke gehen: “Herr Kabel war auf dem Panel wohl der einzig professionelle Teilnehmer.” Soweit ich richtig informiert bin, hat Herr Kabel zu einer Zeit, als jeder Vollidiot (damit soll Herr Kabel nicht notwendigerweise eingeschlossen sein) Millionenkapitalhilfen für Marken- und Geschäftsaufbau erhalten hat, eine Firma gegründet, die in einem irrationalen Geschäftsklima irrational gewachsen und dann ordentlich rational wieder abgestürzt ist. Anschließend hat er geleistet, bei JvM der Internetbeauftragte zu werden, als Online-Feigenblatt für eine Agentur, die klassische Werbung wie kaum jemand in diesem Land beherrscht, aber eben auch nichts anderes. Was Herrn Kabel damit professioneller macht als viele engagierte Blogger und Kommunikationsprofis (wie Dich, Patrick, oder Alex Wunschel, den ich nun schon eine Weile kenne und schätze, und der an der vordersten Front der medialen Entwicklung Pionierarbeit leistet), ist mir völlig unklar.

    Zu Mathias’ Kommentar hat Patrick ja schon ausführlich geantwortet, ich würde aber gern noch auf einen weiteren Aspekte verweisen: Du schreibst “Ich denke jedoch, dass Podcasts, Blogs und Youtube als “Vlog? von den Werbern maßlos überschätzt werden.” Mein Eindruck: das Gegenteil ist der Fall. Die meisten Werber haben eigentlich überhaupt keine Ahnung davon, was mit Blogs und Podcasts anzustellen ist, und schon gar nicht, was man damit für Marken leisten kann. Damit man deren Potenzial aber richtig versteht, darf man sich meiner Einschätzung nach nicht an “1000 Lesern” hier oder “300 Zuhörern“ dort festkrallen und daran das “lächerlich” geringe Potenzial dieser neuen Enwicklungen festmachen. Denn erstens geht es ja grade erst los, genau wie Patrick beschrieben hat. Und zweitens ist das jetzt nur ein Schlaglicht auf eine Entwicklung, die fundamentale Konsequenzen für die Wirtschaft haben wird.

    Dafür kurz mal historisch: Vor dem Zeitalter der Massenproduktion war Handel und Wirtschaften von menschlichem Austausch geprägt – Jahrtausende lang. Man ging zu einem Anbieter und kaufte etwas von dem, weil man mit ihm gesprochen hat und sich handelseinig wurde. Nur in den vergangenen 150 Jahren kam dann in unserer industrialisierten Welt diese komische Epoche der Massenfertigung dazwischen: Unternehmen reden mit niemandem mehr, sondern drücken enorme Mengen von Produkten in einen (teilweise als “unbegrenzt” wahrgenommenen) Markt. Das wird zwar von vielen heute hier als normal wahrgenommen, ist es aber nicht, sondern eben nur eine bislang wenige Jahrzehnte dauernde Sonderform von wirtschaftlichem Handeln. Und nun passiert etwas, das die großen Unternehmen, die nicht mehr an Austausch, sondern nur noch an Senden (Angebote und auch Kommunikation) gewohnt sind, verunsichert: Die anonyme Schar der Millionen Kunden beginnt im Internet, die eigene Stimme wiederzufinden, und zwar auf eine Weise, die mittlerweile gehört und von vielen wahrgenommen werden kann. Schritt für Schritt. Blog für Blog, Podcast für Podcast.

    Mit anderen Worten: die Massenmärkte bewegen sich dank Internet wieder in einen Zustand, in dem es für die Unternehmen wichtig wird, dialogfähig zu sein. So wie vor 200 Jahren vielleicht. Und genau DAS kann man heute noch üben – in einer Zeit, in der der Werbeblogger eben nur 1000 Leser hat, oder Alex Wunschels Podcast nur 3000 (oder wieviele) Zuhörer, und bevor es für’s Üben vielleicht zu spät ist. Wir sind hier noch beim Aufwärmtraining… Wer mit Kommunikations- und Markenleuten in den USA spricht, wo die Entwicklung schon deutlich weiter ist, weiß, dass das Gewicht von Konsumentenmeinungen und -stimmen im Netz nicht weniger wird. Und schon gar nicht weniger wichtig.

    Also Mathias: Podcast einfach nur digitales Radio zu nennen, ist kurzsichtig. Lieber oben nochmal lesen, was Patrick zu Neville Hobson und Dialog geschrieben hat und einen Blick ins Cluetrain Manifesto werfen. Dann wirst Du vielleicht eine Ahnung davon bekommen, warum man diese Entwicklungen nicht kleiner machen sollte als sie sind.

  17. Felix Holzapfel

    Hola,
    ich komme leider erst heute dazu mal zu schauen, was so zum Podcastday geschrieben wurde bzw. selbst meinen Senf dazu abzugeben. Nachteil: Die Diskussion ebbt langsam ab und ein Beitrag auf unserem Blog ist das ganze daher irgendwie schon gar nicht mehr wert… Vorteil: Man kann sich einen besseren Gesamtüberblick verschaffen, hat schon mehr zu lesen und kann sich ja auch hier zu dem Thema auslassen;-) Think positive halt…

    Als Besucher des Podcastday sind mir eigentlich hauptsächlich folgende Dinge aufgefallen:

    1. Ich denke, viele Menschen polarisieren zu viel! Das gilt auch für einige der Teilnehmer des Podcastdays – egal, ob Referent oder Besucher. Oftmals hieß es: Entweder Blogs, Podcasts, etc. sind die neue Wunderwaffe und klassische Medien, Zeitungen ab morgen Vergangenheit… Oder dieses ganze Blogding wird vollkommen überbewertet… Klar vergleichbare Meinungen helfen eine Diskussion anzuheizen… Aber mal Hand aufs Herz… Glaubt so etwas heute wirklich noch jemand? Haben wir inzwischen nicht gelernt, dass weder das TV das Radio verdrängt hat noch die Online Ausgabe die gedruckte Version einer Tageszeitung am Kiosk noch…? Warum sollte das in diesem Falle also anders sein? Ich denke auch hier gilt: Die gesunde Mischung machts! Und jeder der noch einen letzten Funken des New Economy Hypes mitbekommen oder ähnliche Entwicklungen in ganz anderen Bereichen verfolgt hat, sollte eigentlich gelernt haben, dass kaum etwas so heiß gegessen wird wie es gekocht wird… Sprich a) eine gewisse Zurückhaltung durchaus angebracht ist und man nicht alles grenzenlos in den Himmel loben bzw. einfach mal schauen sollte, wie sich das Ganze entwickelt. Und b) dass es ganz schön schmerzhaft sein kann gewisse Entwicklungen zu verschlafen und ständig mit den Ich-Habe-Die-Weisheit-Mit-Löffeln-Gefressen-Wir-Machen-Das-Schon-Immer-So-Und-Werden-Das-Auch-Weiter-So-Machen-Scheuklappen durch die Weltgeschichte zu marschieren… Meiner Meinung nach stellen Blogs zwar (zumindest bisher noch) kein Massenmedium dar, aber sind bereits heute durchaus auch für große Markenartikler interessant. Nicht umsonst gibt es Anbieter, die erste Gehversuche mit einem eigenen Corporate Weblog starten. Sei es zur Imagepflege, Kundebindung, Begleitung einer Produkteinführung, Generierung von positiver PR, weitere Dialogmöglichkeit, und noch vieles mehr.

    2. Marken brauchen immer Distanz sonst gehen Sie ein… Auch hier habe ich mich ehrlich gesagt schon während der Diskussion ein wenig über die Aussage von Herrn Kabel gewundert… Dabei will ich mich weniger an dem Beispiel mit der katholischen Kirche aufhängen… Schließlich hat wohl jeder schon mal ein etwas ungeschicktes Beispiel gewählt… Und in einer dynamischen Diskussion, bei der man als einziger Vertreter einer klassischen Werbeagentur schnell “ins Kreuzfeuer” gerät sollte man denke ich mal sämtliche Hühneraugen zudrücken und sich an dem Beispiel von Herrn Kabel nicht all zuuuu sehr aufhängen… Wobei ich den Konter von Herr Rappold mit dem Vergleich zur Telekom schon echt nett fand;-) Aber sich tatsächlich hinzustellen und zu behaupten “Marken brauchen IMMER Distanz” fand ich dann speziell aus dem Munde eines Vollprofis wie Herrn Kabel doch interessant… Hm… Wie war das gleich mit Wörtern wie “immer” und “jeder”… Gibts nicht! Denn Ausnahmen bestätigen nun einmal die Regel und auch Marken kann man nur schwer über einen Kamm scheren…

    3. Das mit der Aussage von Jean-Remy von Matt wurde ja fast so hingestellt, als wäre es geplant gewesen. Schließlich sind wir Profis und wissen was wir tun (so ungefähr die Aussage von Herrn Kabel)… Ob man das mal glauben soll? Ich glaube positive PR wäre den Herren schon lieber gewesen und sie haben das Wespennest, in das sie da gestochen haben, doch selbst als Profis ein wenig unterschätzt. Wobei zwei Dinge dazu: a) Ich fand die „Du bist Deutschland Kampagne“ gut! Aber ein wenig „typisch Deutsch“ hat man auch dabei natürlich ein Haar in der Suppe gefunden. OK… Eine Anlehnung an eine Kampagne, die es bereits während des NS-Regimes gab, war jetzt vielleicht nicht ganz so glücklich. Aber trotzdem fällt das für mich unter die Kategorie, dass Sachen hierzulande halt lieber in ein schlechtes Licht gerückt werden, als etwas positives daraus zu ziehen und den für „unser Land“ wirklich mehr als überfälligen Schub zum Umdenken in der Gesellschaft mit zu tragen. Aber all zu sehr will ich auf das Thema hier auch nicht eingehen. Schnee von gestern und außerdem wäre das zu langwierig. Also schnell zum Punkt b). Obwohl ich mich an der einen oder anderen Stelle gewundert habe, fand ich es doch interessant Herrn Kabel zuzuhören. Man muss ja nicht ständig alles gut finden, was jemand sagt und sämtlichen Aussagen zustimmen. Das ist ja das schöne an einer Diskussion und daran, dass hierzulande jeder seine eigene Meinung haben darf. Aber letztendlich hat er doch auch einige interessante und durchaus richtige Sachen gesagt. Beispielsweise hat er bei vielen Unternehmen mit der angesprochenen Relevanz wohl leider Recht. Denn diese stecken oftmals nun einmal noch in veralteten Denkmustern fest und wollen „Zahlen, Daten, Fakten“ sehen. Wenn die nicht stimmen, ist ein Thema schlichtweg uninteressant. Jeder der sich mal eingehender mit Mediaplanung und der Erhebung der dazugehörigen Daten kritisch auseinandergesetzt hat weiß zwar, dass hier auch nicht alles Gold ist was glänzt. Aber das steht nun mal auf einem anderen Blatt – zumindest bei der Entscheidung vieler Unternehmen, in welche Maßnahmen sie ihr Marketingbudget investieren. Mal ganz abgesehen davon, dass Herr Kabel ein guter Redner ist, der gekonnt und filigran spricht. Ich habe ihm auf jeden Fall gerne zugehört (was aber auch für viele der anderen Panelteilnehmer galt).

    4. Du und keine „alte Rampansau“… Da musste ich schon ein wenig schmunzeln und fand es doch recht sympathisch formuliert;-) Habe die Diskussion zwar leider nicht bis zum Ende verfolgen könne, da ich wie gesagt noch zu einem Termin musste, aber zumindest ein Funke Wahrheit könnte da wohl dran sein;-) Außerdem kam mir das auch bei unserem Gespräch auf dem Podcastday ähnlich vor, dass Du jetzt nicht unbedingt jemand bist, der sich zwanghaft in den Vordergrund schieben muss. Bei solch einer Diskussion mag das an der einen oder anderen Stelle vielleicht nicht unbedingt hilfreich sein (speziell wenn man ein rhetorisches “Schwergewicht” wir Herrn Kabel gegenüber hat;-), bei anderen Dingen dafür halt schon. Auch hier gilt wohl: Man kann halt nicht alles haben bzw. können;-) Ein Beispiel (eigentlich auch das einzige, weil ich dann wie gesagt weg musste;-): Hat mich ein wenig gewundert, dass Du Dich so auf die Abonnenten des RSS-Feed von Werbeblogger „festnageln“ lassen hast. Denn Menschen wie Peter Kabel beeindrucken nun einmal möglichst hohe Zahlen und da hat Werbeblogger denke ich einiges mehr zu bieten. Beispielsweise, dass Ihr laut counter.blogscout.de im Punkto Besucherzahlen den mit aktuell monatlich mehr als 73.000 Visits siebtgrößten Weblog in Deutschland betreibt. Und, wie Du ja auch schon hier geschrieben und während der Diskussion angedeutet hast, das was ihr schreibt und macht weit über die Grenzen Eures Blogs hinausgeht. Sei es weil zahlreiche Eurer Beiträge von anderen Blogbetreibern aufgenommen und damit auch verlinkt werden oder in Google auftauchen. Wenn man da beispielsweise mal die Suchanfrage „werbeblogger“ eingibt werden immerhin ca. 588.000 Suchtreffer angezeigt. Ein Wert von dem die meisten Unternehmenswebsites nur träumen können. Auch das mögen absolut gesehen jetzt nicht die Bombenzahlen sein – zumindest wenn man es mit einer Bildzeitung vergleicht. Aber für die Zielgruppe, die Ihr hauptsächlich ansprecht, kann man hier wohl durchaus von einer relevanten Größe sprechen. Zum Vergleich: Die W&V (Anm. der Red.: eine der führenden Fachzeitschriften im Bereich Marketing;-), hat laut Mediadaten eine wöchentliche Auflage von 38.875 Exemplaren.

    5. Ein Blogger kann das Bloggen nicht objektiv sehen? Dann gilt wohl auch, dass ein Politiker die Politik nicht objektiv sehen kann, Ein Werber nicht die Werbung, Eltern nicht Ihre Familie, und und und… Naja… Jedem seine Meinung… Klar mag das an der einen oder anderen Stelle durchaus seine Richtigkeit haben… Aber auch hier tue ich mich mit einer Generalisierung bzw. dieser Aussage doch schwer… Schließlich kann man schlecht jedem den Mund bzw. die eigene Meinung verbieten. Mal ganz davon abgesehen, dass man wohl selbst auch nur in den seltensten Fällen 100% objektiv ist, da man gewöhnlich immer ein wenig befangen ist, wenn man über etwas spricht, mit dem man sich intensiv beschäftigt, für das man eine gewisse Leidenschaft hegt, etc. Solange sich das in einem „gesunden Rahmen“ bewegt und man offen für die Meinungen anderer bleibt, ist das aber doch eigentlich auch gar nicht schlimm, sondern eher natürlich, oder? Nur 1.000 Menschen, die den Werbeblogger lesen… Falsch! Siehe Punkt 4. Erst mal etwas leisten? Auch hier siehe Punkt 4. Natürlich bleibt es jedem selbst überlassen, wie er es beurteilt, wenn man mit einem „kleinen Team“ von Bloggern in seiner Freizeit eine Plattform wie diese aufbaut, die jetzt nicht unbedingt den Vergleich mit führenden Fachmedien scheuen muss, welche es bereits seit vielen Jahren gibt und hinter denen ein finanzkräftiger Verlag steckt. Also zumindest ich denke: Nichts geleistet ist wohl doch etwas weniger! Gleiches gilt meiner Meinung nach für den „kleinen Ösi mit Bärtchen“… Sorry… Egal ob Anfang, Mitte, Ende zwanzig bzw. vielleicht auch jünger oder älter… A) Finde ich alleine schon die Bezeichnung keine Art… und B) hat Herr Rappold immerhin schon eine Agentur aufgebaut, die zahlreiche und teilweise große Unternehmen wie BMW als Kunden vorweisen kann… Kann nun mal nicht jeder von sich behaupten… Ach ja… Und sorry, dass ich den Punkt hier überhaupt noch mal aufgegriffen habe… Sehe das eigentlich ähnlich wie Lena… Tranquilo… Aber ganz unkommentiert wollte/konnte ich das dann doch nicht stehen lassen…;-)

    Mein Fazit:
    - Weblogs, Podcasts & Co. sind durchaus interessant und man darf gespannt sein, wie sich die Themen weiter entwickeln
    - Man sollte „open minded“ sein und bleiben, anderen Menschen ihre eigene Meinung lassen, nicht immer alles so ernst nehmen und ständig versuchen aus einer Mücke einen Elefanten zu machen
    - Dinge nicht ständig hypen oder unterbewerten bzw. schlecht reden
    - Kritik ist gut, solange sie zumindest ansatzweise angebracht ist, aber sollte nicht immer zwanghaft überall geübt werden
    - Das geht Hand in Hand damit, dass gewisse Umgangsformen einfach gewahrt bleiben sollten (egal ob online oder offline)
    - Man sollte andere Menschen durchaus auch einmal loben können und einen gewissen Respekt zollen, auch wenn Sie evtl. kein Albert Einstein sind und die Welt nicht grundlegend verändert haben
    - Und stets an der goldenen Mitte orientieren oder es zumindest versuchen;-)

    So… Jetzt habe ich langsam wirklich fertig;-) In dem Sinne…

    Beste Grüße aus Köln
    Felix Holzapfel.

  18. Patrick Breitenbach

    @Felix: Danke für deinen ausführlichen Kommentar. Das meiste kann ich so stehen lassen, zu eins möchte ich aber noch etwas sagen. Ich habe mich ganz bewusst NICHT auf die Zahlenspielchen eingelassen. Da hätte ich sowieso verloren. Bin auch nicht der Typ, der sich an Besucherzahlen aufgeilt, ich habe sie sicherlich im Blickfeld, aber sie sind mir nicht so wichtig wie der Dialog der hier in diesem Moment zum Beispiel stattfindet. Allerdings habe ich auch nicht den Anspruch mich mit Bild messen zu müssen, der Werbeblogger hat natürlich Themen, die eben nicht massenkompatibel sind. Was ich gemerkt habe ist, dass ich kein Typ für Podiumsdiskussionen dieser Art bin, das mache ich lieber per Blog oder von mir aus halte ich auch mal einen Vortrag. Mir grauts auch vor etlichen politischen Diskussionen, die das gleiche Schema abnudeln. Bin da wohl einfach gebrannt muss ja auch niemand ein Schwätzer vor dem Herrn sein.

    @Martin: So sehr ich auch deinen Beitrag schätze, eins stösst mir dann doch extrem auf. Über die Vergangenheit von Herrn Kabel so herzuziehen ist die gleiche Art & Weise wie zuvor argumentiert wurde. Es ist der Sache einfach nicht dienlich und könnte genauso gut als Arroganz ausgelegt werden. Mich nervt dieses Schubladendenken einfach. Wobei die Versuchung natürlich sehr groß ist und niemand davor gefeit ist.

  19. Martin Oetting

    Patrick, natürlich hast Du recht. Mir war nur daran gelegen darzustellen, dass man Herrn Kabel anders einordnen kann, als in dem davorstehenden Beitrag geschehen. Dass er dem Internetgeschäft in Deutschland sehr wichtige Impulse verliehen hat und dabei letztlich natürlich auch viele wichtige Erfolge feiern konnte, außerdem ein guter Redner ist, will ich doch gar nicht abstreiten. Ich finde es nur einfach kurzsichtig und nicht ganz fair, ihn als den einzigen Profi auf dem Panel darzustellen. Entgegen meinen üblichen Gepflogenheiten habe ich dabei vielleicht ein wenig zu sehr auf Polemik gesetzt… Naja, davon bin ich wohl auch nicht ganz frei. ;-)

  20. Patrick Breitenbach

    @Martin: Kein Problem, wollte nur das Gleichgewicht wieder etwas herstellen. Aber wie du siehst, verhilft Polemik auch oftmals der Diskussion einen gewissen Drive zu verschaffen. ;-)

  21. Martin Oetting

    Das will ich nicht abstreiten. Ich bin nur oft zwiegespalten, was den Wert betrifft, der bei wirklich polemisch geführten Diskussionen herauskommt. Insbesondere dann, wenn die Akteure ihren Hang zur Polemik nicht anerkennen, sondern sozusagen regungslos auf den entsprechenden Positionen beharren und nur noch aus allen Rohren feuern… Aber ich schweife auf ein andere Thema ab…

  22. Lene Steinmann

    Missverständnisse sind dank web 2.0 auch nicht mehr möglich:

    hebig.com/archives/0...

  23. Walter

    Grundsätzlich hat aus seiner Sicht jeder erst einmal Recht. Das Leben wird immer ein Kampf zwischen Ideen sein.

Eure Kommentare

Feed
  • Tom: Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ein guter Texter oder auch Grafiker meistens besser verdienen als bei gehalt.de geschrieben....
  • WERBOU: Ich denke es ist in der Werbebranche sehr unterschiedlich. Gerade was in Sachen Grafik geht, wird meistens der Preis ziemlich gedrückt, was...
  • Thomas Beichel: Wirklich geschmackvoll ist der Werbebanner wirklich nicht, aber jede Werbeagentur wird ihnen recht geben, denn die Werbung erfüllt...
  • Sebastian: Was ich nie verstehen werde warum die nicht wirkliche Kulanz walten lassen. 10€ Guthaben tun dem Anbieter nicht weh.. für ihn bedeutet...
  • Roland Kühl-v.Puttkamer: Nein, tot nicht, wir leben und arbeiten ja alle und auch der Werbeblogger ist online ;-). Für die nähere Zukunft der...
  • Tina: Ist der Blog tot? Wäre echt schade
  • Gatzetec flashlights for friends: Wir denken der Auftrag wurde erfüllt. Gute Werbung für das Produkt und man schaut zweimal hin :-) Gibt es...
  • Detlef Arndt: Als Marketing Experte müsste man auch wissen, warum das so ist. Angebot und Nachfrage sind hier nicht im Einklag. Klare Sache. Daher...
Adscene: The Kaiser Report
Werbeblogger Late Night Podcast
Werbeblogger Podcast auf iTunes abonnieren



Wordpress-Blogsoftware
blogoscoop