21:13 Uhr
Deutschland – Land der ideenlosen Kommunikation?
Wenigstens hat Richard Edelman keinen Goleo geschickt bekommen. Der Unternehmenschef schreibt in seinem Weblog über ein Werbepaket, das er von der Inititiative “Invest in Germany” erhalten hat. Darin befand sich eine Musik-CD, mit Stücken von Bach, eingespielt von dem jungen deutschen Pianisten Martin Stadtfeld.
Soweit ganz nett, dachte sich Herr Edelman, mehr aber auch leider nicht. Potenzielle Investoren im Ausland interessieren sich eben nicht ausschließlich für klassische Musik. Es geht ihnen wohl eher darum, was denn den Standort Deutschland für sie so interessant machen könnte. Kompositionen aus dem 18. Jahrhundert scheinen da nicht sehr vielversprechende Botschaftsträger zu sein. Auch wenn die Verpackung mit dem Slogan “Listen to Innovative Traditions” versucht eine Verbindung zu Aussage und Inhalt herzustellen, bleibt es am Ende fad und einfach nichtssagend.
Ok, sorry folks for the blunt response, but you don’t get it. I love classical music but this is not how I make my investment decisions. Nor is it how Germany should be presenting itself to multinational executives.
Wesentlich interessanter wären handfeste Fakten über Standortvorteile und leidenschaftliche Statements von deutschen Visionären, Politikern oder Unternehmenschefs, von den Leuten also, die ja eigentlich die Investitionen ins Land holen möchten. Direkte und offensivere Kommunikation könnte angebrachter sein, als leicht abgedroschene aber wohlklingende Give-Aways, die sich sowieso schon in den Vorzimmern der Chefetagen bis zur Decke stapeln.
Why not show me innovations from Siemens or a “mittelstandt” company, with interviews in English with the team leaders on the projects? What about a link to a really hot web site that gives me visualizations of the best of German engineering? How about a series of articles from global media describing the new optimism of companies in the wake of Chancellor Merkel’s accession to power? Or a study from A.T. Kearney about Germany’s strong competitive position in certain sectors?
Verkümmert das Land der Ideen etwa zum Land der ideenlosen Kommunikation?
Die Internetseite der Initiative verstärkt den Eindruck einer gewissen Leidenschaftslosigkeit. Von Aktualität, keine Spur. Das große Zugpferd der Kampagne ist und bleibt König Fußball und so wird der Imagefilm (Webfreundliche 128 MB) mit Ausschnitten aus den größten deutschen WM-Erfolgen von ’56, ’74 und ’90 vermeintlich aufgepeppt. Nicht Fisch, nicht Fleisch, irgendwie zu steif, konstruiert und vor allem völlig unbelebt. Doch bevor es jetzt wieder heißt – meckern, ja das können sie – stelle ich ein paar kostenlose und gutgemeinte Anregungen an die Verantwortlichen der Kampagne “Land der Ideen” zur Diskussion:
1. Fangt an, wie Menschen zu kommunizieren, hört auf wie Marken zu reden.
2. Wenn ihr im Internet kommuniziert, nutzt das entsprechende Potenzial, ansonsten lasst es bitte einfach sein.
3. Spart euch das Geld für Image-Spots und “Wir sind”-Kampagnen, lasst zur Abwechslung mal echte Menschen zu Wort kommen.
4. Präsentiert eure Stärken, sprecht aber auch offen über eure Schwächen und sagt, wie ihr die in Zukunft verändern wollt.
5. Kommt endlich auf den Punkt: Nicht jeder mag den Umweg über Fußball oder Musik.
6. Kommt raus aus euren Elfenbeintürmen, sprecht auch mal ruhig mit uns, bevor ihr mit Entscheidungsträgern redet. Wir sind das Schiff, ihr nur unsere Kapitäne.
7. Nehmt euch und uns nicht so bierernst. Ein Schmunzeln hat schon so manche Brücke gebaut.
Ich bin ganz bestimmt kein Genie, aber ich bin ein mitdenkender Bewohner dieses Landes. Wer weiß, vielleicht schaut ja mal einer aus seinem Elfenbeinturmfenster zu uns herab, entdeckt diese Botschaft und lässt sein Haar herunter. Sehr gerne würde ich nämlich einen Dialog zu diesem Thema in Gang setzen (Leider hat das “Land der Ideen” noch keine Trackback-Funktion). Mal sehen, wie innovativ man mit solchen Dingen heute schon umgehen kann.
Update:
Die Diskussion wird auch bei Bjoern weitergeführt.
17 Kommentare
Einen Kommentar schreiben
- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...

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Am 21. Mai 2006 um 23:16 Uhr
Die Punkte 1-7 unterschreibe ich gerne! Bin mal gespannt, ob ein “Rapunzel” antwortet…
Am 22. Mai 2006 um 08:53 Uhr
[...] [Inzwischen hat sich auch Patrick der Initiative angenommen. Lesenswert!] verwandte Artikel: Günter Netzer und Klaus EckWarum ist Dialog so schwierig?Ich bin doch (nicht?) blöd!Nette Eintagsfliegen alle Artikel zu: InvestmentRichard EdelmanWerbung [...]
Am 22. Mai 2006 um 09:04 Uhr
Off topic: Wow, Design gefällt, auch wenn es noch nicht 1A läuft, aber automatische Trackbacks, hier!? Grandios.
Topic: Ich frage mich, wann man sich endlich einmal traut, “echte Menschen” nach ihrer Meinung zu fragen, wie sie ihr Land darstellen würden, was sie für relevant halten, wo sie Stärken und Schwächen sehen. Würde ich nach Deutschland gefragt, was hier für Investoren, Einwanderer, whomever interessant sein könnte, ich würde doch nicht mit den Dichtern und Denkern argumentieren! Genausowenig würde ich darüber philosophieren, dass bei uns der Schraubstollenfußballschuh und die Spalttablette erfunden wurden. Ein wenig mehr “Jetzt” und “Hier” würde da gut tun.
Am 22. Mai 2006 um 13:01 Uhr
“(…) a “mittelstandtâ€? company, with interviews in English with the team leaders on the projects?” Yeah, Mr Edelmann, that would be really an interesting and innovative approach. Das würde unser Land erst direkt in die Köpfer der Entscheider und dann auf das Treppchen in Cannes bringen. Nicht, dass ich eine Bach-CD jetzt für herausragend halte, aber ein Interview mit einem deutschen Mittelständler ist definitv nicht interessanter.
Am 22. Mai 2006 um 13:48 Uhr
@IB: Was wäre dann deiner Meinung nach interessanter?
Am 22. Mai 2006 um 16:27 Uhr
[...] [geht doch] [...]
Am 22. Mai 2006 um 17:27 Uhr
Lieber Patrick,
Da du ja in der Werbung arbeitest, weißt du doch, dass Kreation (oder die Ideenfindung) genau so nicht funktioniert. Dass man mal eben so sagt, wie man das machen würde. Und auch wenn ich jetzt mit keiner Antwort dienen kann, bin ich mir ziemlich sicher, dass ein Interview mit einem deutschen Mittelständler keinen Investitionssturm auf Deutschland auslösen würde (von Hedgefonds vielleicht mal abgesehen).
Am 22. Mai 2006 um 18:44 Uhr
IB, “dass man mal eben so sagt”, natürlich, da hast Du Recht. Aber hier sagt ein CEO – ein definitives Mitglied der “Zielgruppe” – wie er es gerne hätte. Er würde gerne lesen, was andere bewegt hat, hier zu investieren, wo der technische Fortschritt steht, welche Leistungen wie von wem vollbracht werden, etc. Und zumindest das sollte man eingestehen: es kann nicht schaden, auf die zu hören, die man letztlich erreichen möchte, oder? ;-)
Am 22. Mai 2006 um 19:03 Uhr
Da hast du völlig Recht. Trotzdem kann man ja all das, was du da aufzählst, ja auf ca. 1.000.000 Arten darstellen und eben nicht 1zu1 (Eigentlich unnötig, die Baden-Würtenberg-Kampagne zu erwähnen, oder?). Die Frage ist vermutlich eher, ob man CEO´s überhaupt mit Werbung oder Mailings erreicht – insbesondere, wenn es um Standortwerbung geht.
Am 22. Mai 2006 um 20:01 Uhr
[...] – björn hasse, der hatte sowieso keine wahl, war ja alles bei ihm zu hause – björn eichstädt-storyblogger – patrick breitenbach- rainer helmes – sebastian (kam ein bisschen spät ;-) ) – und meine wenigkeit [...]
Am 23. Mai 2006 um 08:58 Uhr
The Björns et al.: bessere-zukunft-blog.de…
Da sage noch mal einer, Blogger seien (nur) destruktive Nörgler. Seit gestern wird für Deutschland gebloggt.
Die Initiativen zur Rettung Deutschlands vor dem demographischen Untergang (Du bist Deutschland, Land der Ideen, Invest in Germany) h…
Am 23. Mai 2006 um 11:32 Uhr
Hallo Patrick,
die Anregungen zur Kommunikation für Deutschland sind gut! Aber wie bringen wir diesen blog und den “Elfenbeinturm” zusammen, so dass ein Dialog mit denen stattfinden kann, die sich um’s Deutschland-Marketing kümmern? Wissen die überhaupt, dass dieses geschrieben wurde? Vernetzen auch über die geschlossenen Kreise der üblichen Verdächtigen hinaus, das ist meines Erachtens die große Herausforderung, damit die Blogosphäre auch in Deutschland größer und bedeutender wird. Wer die Antwort hat…. die Idee ist gold wert.
Gruß
Cornelia
Am 23. Mai 2006 um 11:45 Uhr
Hallo Cornelia,
diese Idee ist tatsächlich Gold wert, aber leider nicht über das Knie zu brechen. Wir benötigen dazu noch die Aufmerksamkeit der klassischen Medien, diese sind derzeit dazu in der Lage in den Elfenbeinturm hineinzusenden. Das tun sie ja auch bereits. Bis dahin muss die Blogosphäre gesund wachsen, sie muss auch durch wertvolle Beiträge auffallen und nicht nur durch Motz- und Trebjagden. Dies ist allerdings ein langwieriger Prozess, wobei wir aber gerade in diesem Moment daran teilnehmen. Das Konzept, welches z.B. gerade bei Björn entsteht, ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Es geht noch nicht einmal darum was dann letztendlich dabei herauskommt, sondern um den Prozess an sich. Zu zeigen, dass Blogs soziale Netze knüpfen, über räumliche Distanzen hinaus. Das spannende Potenzial ist also vorhanden, andere Länder leben uns das bereits lange vor. Wir müssen einfach offensiver werden, allerdings ohne den Menschen etwas aufzudrängen, das können “die Klassischen” nämlich sehr viel besser! Viel Geduld, viele wertvolle Gespräche und positive Impulse können die abgeschlossenen Netze überwinden. Da bin ich mir ganz sicher!
Am 23. Mai 2006 um 12:02 Uhr
Am 23. Mai 2006 um 16:43 Uhr
Prozess, Bewegung, der vielbeschriebene Ruck, aber langsam. Ein Long-Tail-Ruck sozusagen. Wir sollten nichts übertreiben, aber Dialog ist der richtige Schritt. Und zwar, wie Fr. Kunze beschreibt, nicht nur Blog zu Blog, sondern jeweils auch Blogger zu Nicht-Blogger. Das tolle am Blognetzwerk ist ja, dass Beziehungen daraus erwachsen, die es im reinen Offline-Leben sonst nie gegeben hat. Und wenn viele Leute mitmachen, von denen jeder den einen oder anderen kennt, kann sich der Ruck, meinetwegen auch “positive Stimmung”, wobei man mE nicht zu pathetisch da ran gehen sollte, langsam und gesund verbreiten. Soweit, bis die jeden morgen wieder negativ eingetunten Bild-Leser in der Minderheit sind.
Am 24. Mai 2006 um 00:17 Uhr
Deutschland soll seine Kultur wieder entdecken.
Am 30. März 2007 um 11:26 Uhr
Hab es mal bei mir mit aufgenommen.
Ziemlich dürftig das ganze. Und die Aktion war, wenn Sie den Geld gekostet hat, bestimmt teuer. Und bei den Entwicklern als “kreativ” eingetragen.
Manche Leute sind leider so kreativ das Sie keiner mehr versteht.
squaredancer.de/blog...