01.04.06
10:02 Uhr

Mein Einstand in Hamburg

Ich stehe also heute morgen überpünktlich auf der Matte meines neuen Arbeitgebers in Hamburg-City an der Elbe. Man hatte mich extra zu einem kleinen Willkommenstreffen mit Lachsschnittchen und Proseccochen eingeladen. So wollte man mich gleich heute dem Kreativteam, aber vor allem dem leicht bissigen Agenturterrier “Pappe” (“Pappe” ist der Hund) vertraut machen. Frisch frisiert, in einem neuen Bangkok-Anzug gehüllt, stand ich nun also vor der, mir von der Headhunterin angegebenen, Geschäftsadresse. Ein wunderschöner Altbau, mitten in Hamburgs bester Lage:

Hamburg City

Cool, dachte ich. Das passt ja perfekt! Und ein Grünstreifen war auch gleich in unmittelbarer Nähe. Man sagte mir zwar schon vorher, dass ich mit meinem neuen Aufgabengebiet, aufgrund der guten Auftragslage, so gut wie kein Tageslicht zu sehen bekommen werde, dennoch empfand ich den angrenzenden Park, mit seinen hübsch verzierten und gut sortierten Trinkbüdchen, als äußerst angenehme Rahmenumgebung für meine neue berufliche Zukunft.

Ich wollte keine Zeit verlieren und so lief ich schnurstracks auf die Eingangstür zu. Mein sorgsam ausgeklügelter Begrüßungsspruch, der zum einen das Eis, zum anderen meine eigene Nervösität brechen sollte, läuft noch einmal bei mir im Hinterstübchen ab. Ich habe bestimmt 3 Tage damit zugebracht, nur um mir diesen einen Spruch zurechtzulegen. (3 weitere Tage habe ich die dramaturgisch optimalste Vortragsart vor dem Spiegel geübt, bis er dann endlich richtig gesessen hat. Der erste Eindruck ist eben äußerst entscheidend.) Natürlich irgendwas mit Hamburg musste es sein. Zuerst dachte ich, mach doch einen friesisch-derben Spruch, sowas wie: “Hey, ich hab gehört Hollywood plant einen neuen Spionage-Thriller über Osama bin Laden. *kurze aber keine künstliche Pause* Dann kommt ja in einem Hollywood-Film endlich auch mal Hamburg drin vor!”. Nein, über Terror macht man keine Witze. Jedenfalls nicht gleich am ersten Tag.

Dann doch vielleicht etwas zotiger. So wie diese Website vom Autoverleiher. Ja genau, das kommt gut, sowas wie “Hab ja gehört, dass die Reeperbahn jetzt Kulturdenkmal geworden ist *dramaturgische Pause, um eventuelle, fragende Blicke einzusammeln* – Denkmal für die deutsche Gleitkultur!” Anschliessendes Baden im Gelächter. Nein. Geht nicht. Viel zu subtil!

Ich musste das Ganze irgendwie mit etwas Nützlichem verbinden. Da fiel mir ein, dass ich noch nicht so richtig über das Gehalt gesprochen habe. Hey, schliesslich darf ich für SuM arbeiten. Und schon schoss mir der dazu passende Spruch in den Kopf. Doch zuerst musste ich natürlich so eine lästige Begrüßungsfloskel voranstellen. In Hamburg sagt man ja nicht einfach so “Einen wunderschönen guten Tag” sondern ganz schlicht & ergreifend “Moin!”. Da ich mich aber in eine aufstrebende Kreativ-Agentur begeben will, war mir das eindeutig zu platt. So entschied ich mich letztendlich für das wesentlich lässigere “Moinsen!”.

Also. Den Spruch: “Moinsen! Echt schön habt ihrs hier! Hab ja gehört, dass Hamburg das höchste Einkommen pro Fischkopf hat. A propos, wie sieht es denn nun mit meinem Gehalt aus?” auf den Lippen, greife ich zur Türklinke und stelle fest, die Tür ist zu. Wo ist denn die verdammte Klingel? Keine Klingel? Na klar, ist ja Altbau, da muss man bestimmt klopfen. Nachdem ich mir ungefähr 15 Minuten die Fingergelenke wundgeklopft habe, begegnet mir ein waschechter Eingeborener. Wenigstens denke ich, dass es einer war, denn er war Fips Asmussen wie aus dem Gesicht geschnitten. “Moin! Wo lett to?” fragte der komische kleine Mann, der sich erschreckenderweise auch haargenau wie Fips Asmussen anhörte. Also eindeutig ein Eingeborener und damit – viel wichtiger – ein Insider. “Moinsen!” erwiderte ich höflich. “Ich habe sie zwar nicht verstanden, aber ich suche die Agentur Singvogel & Muchovsky.” “Bidde?” fragte Fips, der etwas säuerlich aus dem Mund roch. “Na Singvogel & Muchovsky, sie wissen schon DIE Agentur, machen Werbung, na Reklooome halt” sagte ich schon wesentlich gereizter. Wie konnte ein Hamburger nur diese Agentur nicht kennen? “Wat? Rekloome?” musterte er mich strinrunzelnd, warf einen Blick auf das Agenturgebäude, dann wieder auf mich. Dann plötzlich, fing er schallend an zu lachen “Da het dich een jetarrt!” rief er und lief mit einem Lachen wie Machinengewehrsalven weiter. “Arschloch!” dachte ich mir, “Fips Asmussen konnte ich als Kind schon nicht ausstehen!”

Als Fips dann auch noch mit so anderen lokalkolorierten Typen am gegenüberliegenden Kiezeck anfing rumzuschnacken und sie mich alle anschließend rhythmisch auslachten, wurde es mir wirklich zu blöd. Da muss es doch bestimmt noch einen anderen Eingang geben. Kann ja gar nicht sein. Als ich bereits leicht um die Hausecke bog, fiel es mir dann wie Schuppen von den Augen:

Ach du Scheisse! Bitte nicht!

Indessen feixte Fips und seine Meute wie von Sinnen: “April, April – deit jümmers, wat he will!” Na warte, wenn ich die blöde Tussi erwische, die mich reingelegt hat, dann… dann werd ich die mal ordentlich abmahnen!

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13 Kommentare

  1. Jeremy Abbett

    Wilkommen in Hamburg! When its not raining it acutally quite nice.

  2. marketing-blog.biz

    Sehr geehrter Herr Breitenbach,

    mittlerweile ist wohl die gesamte Blogospäre des Abmahnens müde, dennoch haben wir vom Besserwerberblog uns nach einer langen Nacht der Diskussionen, des Abwägens des Für und Wider, letztlich – nach Überprüfung Ihrer persönlichen Vermögenswerte durch eine geignete Wirtschaftsauskunft – im gesamten Team, dazu entschlossen SIE und Ihr unverantwortliches Tun mal so richtig kräftig abzumahnen.

    Ihr durch und durch unlauteres Verhalten stellt nach unserer Überzeugung eine Behinderung und die gezielte Irreführung von Bloglesern im Sinne des § 4 Abs. 27, Zeile 17 des UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) dar.

    In Absprache mit unserem Sponsor, Herrn Heinrich Haffenloher aus Kleinweilersdorf, haben wir daher Bendini, Lambert & Locke mit der Einleitung anwaltschaftlicher, gerichtlicher und natürlich entsprechend gewinnträchtiger Schritte beauftragt, die sich mit Schadenersatzforderungen an Sie wenden werden.

    Hochachtungsvoll

    Der Besserwerberblog (der Vergleichbares niemals tun würde)

  3. Patrick Breitenbach

    Das ist doch nur die Rache dafür, dass ich vergessen habe, mich bei euch für die tolle Postkarte zu bedanken! :-)

    Außerdem scheint ihr keine vernünftige Wirtschaftsauskunft eingeholt zu haben, oder wissen die am Ende mehr als ich?

    Übrigens wird sich Andreas denken können, warum ich das mit der Postkarte völlig vergessen habe.

  4. marketing-blog.biz

    Sehr geehrter Herr Breitenbach,

    rumschleimen nutzt jetzt auch nicht mehr. B,L&L haben Witterung aufgenommen und sind bereits tätig geworden.
    Sie müssen sich aber keine allzu großen Sorgen machen. Sobald die Herrschaften mit Ihnen fertig sind, dürfen Sie evtl. bei uns in der Abteilung “Spam Kharma” arbeiten…

  5. Björn Hasse

    Oh ja! Feste drauf! B,L&L? Das sind doch die mit dem ganz harten Dingens, oder? Patrick, nimm Dich in acht! Die sind aber sowas von!
    Andererseits: dat wird noch was werden, Du!!

  6. Patrick Breitenbach

    Als ob man einem nackten Mann in die Taschen greifen könnte. ts Ts TS!

    Brenzliger wird es allerdings, wenn Bjoern mit einem aufgebrachten Pöbel, der mit Mistgabeln und Fackeln bewaffnet ist, vor meiner Haustür steht um mich in unsere hiesige Dorfmühle treiben zu wollen! ;-)

  7. Björn Hasse

    Von wegen, mit ein paar Mistgabelpieksern und Fackelbrandverletzungen kommst Du doch nicht davon!! Pah!
    Als gestern der EIntrag von Andreas kam, hab’ ich mir eines vorgenommen: SOLLTE es Aprilscherz sein, dann lass ich solange nicht locker, bis Du einfach zu JvM musst. Oder denkst Du, die News bekommen wir nicht in die HORIZONT, W&V und CO.?? ;-)

  8. Patrick Breitenbach

    Wer sagt denn eigentlich, dass ich zu denen will?

    Oder MUSS ich am Ende sogar? Das wäre doch mal ne schöne “Win-Win-Situation”.

  9. marketing-blog.biz

    ich glaube ja, dass JvM auch eine Heinrich-Haffenloher-Unternehmnung ist, somit gibt´s wohl keine Wahl. Schon alleine wg. unserer Forderungen…

  10. Björn Hasse

    Richtig, Du MUSST am Ende einfach, JvM lässt sich das doch nicht entgehen, oder? Naja… ;-)

    Mein Outing – warum konnte ich es sogar ein bisschen glauben? Weil ich es a) durchaus JvM zugetraut habe, endlich etwas in diese Richtung zu unternehmen, und dass sie dann einen Werber(-blogger) und keinen XYZ-Blogger suchen, war und ist eigentlich sehr sinnvoll, und b) weil ich es Dir zugetraut hätte. Schließlich geht’s hier um JvM, eine Liga á la BBDO und Co. Unglaubwürdig wäre da doch eher, wenn Du mit Günther K. ‘ne Modellagentur aufgemacht hättest. Wäre so, als ob ich “Ich wechsele zu PR-Blogger K….” poste. ;-)

  11. Patrick Breitenbach

    Da sieht man mal, wie man Andreas hervorragende Ironie einfach von vornherein durchfiltert.

    Witzig fand ich, dass wir nirgendwo erwähnt haben (na gut eigentlich durch die Verlinkung auf die Klogeschichten), dass es sich um JvM handelt. Dann war es natürlich auch ein Tag zu früh, ganz klar unser Faux-Pas. Aber wie bekanntlich jeder weiß, schläft die Werbebloggersphäre da schon. (gelesen wird schließlich auf Arbeit)

    Desweiteren wäre es für mich glaube ich nicht wirklich ein Traum bei JvM zu arbeiten. Oh Gott, ich rede mich schon wieder um Kopf und Kragen. Am Ende sitze ich tatsächlich einem der Brüder auf dem Podcastday in Köln gegenüber.

    Zutrauen schmeichelt mir natürlich sehr! Dazu müsste ich mir aber zunächste eine anständige Legende á la Viktor Vogel basteln: “Ach du warst der, der in London für Heineken diese coole Kampagne gemacht hat?”

    Nee lass mal lieber. Ich glaube ja immer noch an meinen Traum: Als Blogger irgendwo unterkommen, wo man einen Blogger mit Ideen auch ernst nehmen kann.

    Wie war das doch gleich: Was JvM für Werbung ist, ist Edelman…
    Wenn ich also der deutsche Rubel…

    Lassen wir das! ;-)

  12. Werbeblogger

    April Fool’s day for DummiesSchuldig! Auch wir hätten uns die Definition genauer durchlesen sollen.

    Aber bevor ich jetzt weitere Glückwunschkarten und Trauerkränze bekomme: Die Geschichte mit SuM stimmt natürlich nicht. Weder das ICQ-Interview mit Andreas ist echt, noch mein…

  13. Frank

    Du hättest auch mit einem kleinen Lied auf den Lippen deinen Einstand feiern können: tinyurl.com/hckpa

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Eure Kommentare

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  • Vroni: Ralph :-)
  • ralf schwartz: @Vroni Das war ein zustimmendes Lächeln, wie Du es auch sehen würdest in meinem Gesicht würden wir uns gegenübersitzen. Nicht immer...
  • Vroni: Was issn jetz schon wieder. Klar macht es einen Unterschied, wie man optisch und von der textlichen Ansprache an die Leut angeht. So gehts...
  • ralf schwartz: @Vroni :)
  • Vroni: Kann ja alles sein, geschenkt. Ich meinte, dass das grottenschlecht und wenig ansprechend UMGESETZT war. Wie wenn ein BWL-er unter...
  • ralf schwartz: @Vroni Und eine Website dahinterzulegen, auf der die User hätten voten können … Aber die Kosten, Print geht es gar nicht gut,...
  • Vroni: Hrhr, die W&V mal wieder. Leeres Schulheft-Papierkaro und eine Flipchart-Schrift. Kriegt man sofort die beiden Krankheiten Horror Karo-i...
  • Daniela über die Arbeitszeit: Mit dem Alter werde ich immer tagaktiver… Während ich in meiner Schulzeit zwischen 8 und 16.00 (Schule) in...
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