14:14 Uhr
Annahme verweigert
Ralph Segert ist Webdesigner. Ich habe seine Arbeiten schon bewundert, als wir alle noch mit 14,4 Kbit/s-Modems im Netz unterwegs waren und Werbeagenturen noch meinten, man könnte Webseiten stumpf mit Broschürenlayouts umsetzen. Er gehört zu den Netzveteranen, die ihr Wissen gerne anderen zur Verfügung stellen, ohne gleich nach einem Geschäftsmodell zu fragen – erinnert sei an sein deutschsprachiges Firefox-Tutorial. Und seitdem ich bei einem Kundenprojekt mit ihm zusammenarbeiten durfte, kann ich mit Fug und Recht sagen: Ralph ist einfach ein feiner Kerl.
Was könnte es für einen Grund geben, die Annahme eines Einschreibens von diesem netten Menschen abzulehnen? Nun, vor einigen Tagen hat Ralph festgestellt, dass ein Layout, das segert.net (in diesem Fall die “Pixelchefin” Verena Segert) für einen Kunden entwickelt hat, schlichtweg 1:1 kopiert wurde. Über künstlerische Freiheiten, Geschmack und Gestaltungshöhe brauchen wir in diesem Fall gar nicht diskutieren, denn der Täter war so clever, per drag & drop auch gleich die Copyright-Hinweise mitzukopieren. Pikantes Detail: Bei der Website, für die Verenas Arbeit kopiert wurde, handelt es sich um den Internetauftritt einer Unternehmens- und Rechtsberatung.
Da ich für meinen unerschütterlichen Glauben in das Gute im Menschen geradezu berüchtigt bin, habe ich (wie einige andere auch) Ralph geraten, erst mal einen freundlichen Brief mit der Bitte um Stellungnahme an „Beratungshaus-MV“ zu schicken, um die Sache aufzuklären. Man weiß ja nicht, wie das genau zugegangen ist, ob sich ein „professioneller“ Webdesigner seine Arbeit besonders leicht gemacht hat, oder ob es sich um eine Kupferstecherei mit den Bordmitteln des Chef-Notebooks handelt.
Dieses Einschreiben kam zurück. Annahme verweigert.
Ich muss euch nicht sagen, dass wir hier mit „Annahme verweigert“ unsere eigenen Erfahrungen haben. Menschen, die Kommunikation verweigern, machen mich zornig. Aber Wut ist ein schlechter Ratgeber. Fundierter, guter Rat ist gefragt. Am besten direkt bei Ralph in den Kommentaren zu diesem Eintrag. Schließlich kann so etwas schon morgen jedem Freiberufler/ Selbstständigen unter uns auch passieren.
6 Kommentare
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- Vroni: Ralph :-)
- ralf schwartz: @Vroni Das war ein zustimmendes Lächeln, wie Du es auch sehen würdest in meinem Gesicht würden wir uns gegenübersitzen. Nicht immer...
- Vroni: Was issn jetz schon wieder. Klar macht es einen Unterschied, wie man optisch und von der textlichen Ansprache an die Leut angeht. So gehts...
- ralf schwartz: @Vroni :)
- Vroni: Kann ja alles sein, geschenkt. Ich meinte, dass das grottenschlecht und wenig ansprechend UMGESETZT war. Wie wenn ein BWL-er unter...
- ralf schwartz: @Vroni Und eine Website dahinterzulegen, auf der die User hätten voten können … Aber die Kosten, Print geht es gar nicht gut,...
- Vroni: Hrhr, die W&V mal wieder. Leeres Schulheft-Papierkaro und eine Flipchart-Schrift. Kriegt man sofort die beiden Krankheiten Horror Karo-i...
- Daniela über die Arbeitszeit: Mit dem Alter werde ich immer tagaktiver… Während ich in meiner Schulzeit zwischen 8 und 16.00 (Schule) in...

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Am 10. März 2006 um 15:11 Uhr
Unglaublich! Wie frech sind einige Leute eigentlich? Ich wundere mich immer wieder…
Ich würde jetzt unverzüglich rechtliche Schritte einleiten (obwohl ich eigentlich auch ein friedliebender Mensch bin). Dies geht eindeutig zu weit.
Bitte weiter berichten über diesen Fall.
Am 10. März 2006 um 17:09 Uhr
Man kann ein Schreiben auch durch einen Gerichtsvollzieher zustellen lassen. das kostet zwar etwas mehr als eine Briefmarke, aber das haben sie dann bekommen. Hundertprozentig.
Am 10. März 2006 um 17:26 Uhr
wende dich doch mal ans law blog, vielleicht weiß der weiter? wir müssen ja zusammenhalten :)
Am 10. März 2006 um 21:32 Uhr
nun, die verweigerung der annahme des einschreibens dürfte wahrscheinlich im zweifelsfall jeden richter überzeugen, daß hier vorsatz vorgelegen hat – ich würde da nun keine weitere sekunde mehr zögern und das ganze den juristischen weg gehen lassen.
aber nu – wie man sich perfekt selbst die knie wegschießen kann, das hat uns anfang januar papa klum ja hinreichend konkret schon bewiesen, gell? ;)
Am 11. März 2006 um 13:33 Uhr
Oh mann. Verfolgt man die Kommentare des Eintrags bei segert.net, dann liest man sich eine Gänsehaut an. Ein Unglaubliches Urteil nach dem anderen scheint das dreiste Kopieren von ganzen Homepages sogar unter direkten Konkurrenten zu erlauben …
Herrliche Aussichten. Und ich versuche, die Dinger zu verkaufen. Ich hätte doch zum Bau gehen sollen.
Am 15. März 2006 um 08:46 Uhr
Rechtsfragen 2: Plagiate und TransparenzRalph Segert berichtete Ende Februar über einen eigenartigen Fund (siehe auch segert.net/weblog):
Heute möchte ich eine Firma vorstellen, die anscheinend das Plagiieren von Websites aus dem FF bescherrscht und die Rechtsberatung gleich im Haus hat. G…