11:46 Uhr
FIFA gegen Medien oder “Wenn zwei sich streiten…”
Normalerweise greift das Prinzip des Nehmens und des Gebens. Betrachtet man derzeit jedoch das angeknackste freundschaftliche Verhältnis zwischen dem Sport-Journalismus und der Königsdisziplin des Sports, so muss man sich ernsthaft fragen, inwieweit es noch ausgleichende Gerechtigkeit in einer fast schon ehelichen Beziehung wie dieser gibt. Es ist die alte Huhn-Ei-Frage: Was war zuerst da? Der Massensport oder die Berichterstattung? Die neue Frage wird lauten: Kann das Huhn ohne auch ohne das Ei langfristig überleben?
Klare Vorteile dürfte derzeit die FIFA besitzen. Ihr Großevent, mit dem Namen, der ausschliesslich “FIFA Fußball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006″ lauten darf, steht vor der Tür und die Regelgurte sind bereits so festgezurrt, dass der Sportjournalismus unter erheblicher Atemnot leidet. Wie berichtet man als ordentlicher Zeitungs-Journalist von einer heimatlichen WM, wenn ein Spiel schlimmstenfalls erst weit nach Mitternacht endet und die Druckerpressen bereits am frühen Abend warm laufen? Wie berichtet man als gestandener Online-Journalist wenn man nur äußerst zeitverzögert von den jeweiligen Spielen schreiben darf? Die FIFA schreibt vor wie der Journalist Bilder korrekt einzusetzen hat und auch der markenrechtlich geschütze Name darf laut dem Weltverband des Ballspiels nicht eigenmächtig umgemodelt werden. Da lässt ja selbst der derzeitige IrakkriegTM eine intensivere Berichterstattung zu. Auf embedded journalism müssen wir also bei unserer Lieblings-WM völlig verzichten?
Und schon werden schlafende deutsche Weblogs wach und wittern die Chance eine gewisse Guerillastellung einzunehmen. Doch inwieweit sind diese an solche FIFA-Auflagen gebunden? Darf unser WM-Blog noch weniger berichten als die Netzeitung? Dürfen wir dann keinerlei Bildmaterial mehr verwenden? Sollten Weblogs also eher über im TV gesehene Spiele berichten dürfen, werden sie dann zu einer ernsthaften Gefahr für etablierte Onlinemagazine, zumindestens was die Aktualität betrifft?
Davor warne ich wirklich eindringlich, selbst wenn dies für den WM-Blogger ordentliche Leserzahlen bescheren könnte. Für mich gehören Weblogs nun einmal nicht zur Kategorie Journalismus. Weblogs sind auschliesslich Kommunikationsmittel, Stammtische, Diskussionsrunden oder Redepulte und eben keine professionellen, journalistischen Container. Man sollte sich also davor hüten, die bekannten Ausnahmen gleich zu einer festen Richtlinie zu erklären. Dieser Vergleich hinkt in etwa so, wie mein Lieblings-Libero, der durch eine Blutgrätsche einen Kreuzbandriss erleidet.
Also liebe FIFA, macht es den Journalisten nicht unnötig schwer, erspart euch eine anrollende Trackbackwelle, gebt der Professionalität den Vorrang. Tut euch und euren Sponsoren einen Gefallen und lasst die konventionellen Medien von eurem Ereignis berichten, so wie sie es für richtig halten. Hört auf die Krümel der bereits angeschnittenen Torte gierig in euch aufzusaugen, ihr werdet ganz sicher auch so schon satt genug werden!
3 Kommentare
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- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...

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Am 4. Februar 2006 um 13:47 Uhr
Ich hab langsam große Lust, diesen Affenzirkus, genannt FIFA Fußballl WM 2006 Trademark, für mich persönlich ganz einfach ausfallen zu lassen. Wenn sie so großen Wert darauf legen, unter sich zu bleiben, sollen sie doch!
Du hast übrigens oben bei dem ganzen Kategorienwust die IMHO wichtigste Kategorie vergessen: Branding.
Jeder vernünftige Markeninhaber freut sich, wenn seine Marke so oft wie möglich in positivem Kontext genannt wird, und er schaut dann auch gnädig drüber weg, wenn hinter Coca Cola mal das [TM] fehlt. Nur die FIFA Fußballl WM 2006 Trademark braucht natürlich ein Pflichtenheft, das jedes DIN-Normblatt in den Schatten stellt.
Und was das Unverständlichste für mich ist: Wolfgang Niersbach ist doch gelernter Journalist, der kann doch nicht wirklich so weit der Realität entrückt sein, dass er an all das glaubt, was er da in der Öffentlichkeit an Forderungen vertreten muss.
Am 4. Februar 2006 um 13:57 Uhr
Andreas, es heißt richtig:
FIFA Fußball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006
;-)
Am 4. Februar 2006 um 14:03 Uhr
Pardon, so viel Zeit mauss eigentlich sein!