12:19 Uhr
Atmen durch das kleine Ding
Manchmal schafft es hier ein Kommentar, der Anfang eines neues Eintrags zu werden. Nicht jeder Kommentator ist davon begeistert. Aber bei Lutsche hab ich ein gutes Gefühl ;-)
Er schreibt über Webwatching:
Zu welchem Zweck ist das denn? Journalisten, die sich über “Netzkultur” auslassen – speziell im Hinblick auf Blogs? Kam mir alles sehr nervig vor und hat mich an die Dotcomtod-Eierfeilen erinnert. Also schau ich nochmal genau auf die Interviewpartner und ZACK! Rainer Meyer (Don Alphonso) der als unsäglicher Irgendwas dauernd über Blogs, Web2.0 und sich selbst als Geschenk Gottes an die Menschheit lamentiert. Das passt! Leider.
Lutsche, ich versteh dich. Es geht mir selbst oft genug so, dass mich diese ganze Blogs-Thematisiererei (Selbstreferenzialität ist ein viel zu schickes Wort dafür) wochenlang einfach anödet. Aber dann finde ich in Publikationen wie Webwatching eine Preziose wie die von
und schon ist mein Tag fast gerettet. Dann sehe ich wenig später, dass Spiegel Online das Interview übernommen hat. Spätestens da ahne ich was, und ich lese endlich mal so richtig rein:
Wenn zum Beispiel jemand einen Film über die homosexuelle Szene und das Barebacking, also das bewusste Spiel mit dem HIV-Risiko, machen möchte, dann kann er über Blogs möglicherweise mit Leuten, die risikoreich Sex haben, in Kontakt kommen. Blogs sind potentiell hilfreich, um in Milieus vorzudringen, zu denen man normalerweise keinen Zugang hat. Sie sind ein Reservat für Authentizität.
Und wenn ich dann noch lese, dass diesem Autor als Beispiel für ein qualitativ hochwertiges Blog mal eben grade das Bildblog einfällt, dann weiß ich wieder, dass es geil ist, ein Blogger zu sein. Einfach ignorieren, das ganze Ballyhoo? Sorry, dazu fehlt mir als selbstverliebter Egozentriker jegliche sittliche Reife!
Und weil heute Freitag ist: Wie gestaltet sich das typische Gespräch zwischen Journalist und Blogger?
Sagt der Elefant zum nackten Mann: Wie atmest du nur durch das kleine Ding!?
18 Kommentare
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- Vroni: Ralph :-)
- ralf schwartz: @Vroni Das war ein zustimmendes Lächeln, wie Du es auch sehen würdest in meinem Gesicht würden wir uns gegenübersitzen. Nicht immer...
- Vroni: Was issn jetz schon wieder. Klar macht es einen Unterschied, wie man optisch und von der textlichen Ansprache an die Leut angeht. So gehts...
- ralf schwartz: @Vroni :)
- Vroni: Kann ja alles sein, geschenkt. Ich meinte, dass das grottenschlecht und wenig ansprechend UMGESETZT war. Wie wenn ein BWL-er unter...
- ralf schwartz: @Vroni Und eine Website dahinterzulegen, auf der die User hätten voten können … Aber die Kosten, Print geht es gar nicht gut,...
- Vroni: Hrhr, die W&V mal wieder. Leeres Schulheft-Papierkaro und eine Flipchart-Schrift. Kriegt man sofort die beiden Krankheiten Horror Karo-i...
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Am 3. Februar 2006 um 13:58 Uhr
Stimmt, bin begeistert :)
Am 3. Februar 2006 um 13:58 Uhr
Spiegel Online. Ausgerechnet. Stichwort: Recherche. War da nicht mal was mit Wikipedia? Apfel+a, Apfel+c, Apfel+v?
Ansonsten versteh ich einfach nicht, warum immer alle Leute die Blogs am konventionellen Journalismus messen müssen. Ich will gar nicht objektiv berichten, sondern subjektiv polemisieren. Dass es da ein, zwei Unterschiede zu Spon & Co gibt, ist mir klar. Die sind aber gewollt. Und wenn die Unterhaltungs-Ego-Sonstwas-Blogs gar nicht meinen, dann sollen sie es sagen.
Am 3. Februar 2006 um 14:22 Uhr
Thomas Leif:
“Alle beteiligten Parteien anzuhören, ist unter anderem ein entscheidendes Charakteristikum von professionellem Journalismus. Daran muss man Weblogs messen.”
Ebenso gut kann ich behaupten:
“Vier Räder zu haben, ist unter anderem ein entscheidendes Charakteristikum eines Autos. Daran muss man Motorräder messen.”
Am 3. Februar 2006 um 15:41 Uhr
Blog sei Danke bestimmt sicher nicht Herr Leif, woran man Webblogs messen muss, das bestimmen die Blogger und die Besucher selber. Woher kommt eigentlich dieses Anspruchsdenken!
In der der Tat, es werden immer dieselben Blogger, immer dieselben Weblogs zitiert, vorgestellt und jetzt auch langsam aber sicher in den Olymp der Netzkultur erhoben! Da scheint unter Journalisten ne Liste rumzugehen, da ist doch ne Verschwörung im Gange!
Und wie wärs denn mal mit Recherchen in der Blogosphäre? Es gibt da so gewisse Suchmaschinen …
Am 3. Februar 2006 um 15:53 Uhr
Ralph, vielleicht ist es ja keine Verschwörung, sondern einfach nur “die Bequemlichkeitsfalle bei der Recherche”?
Am 3. Februar 2006 um 16:18 Uhr
Das ist einfach die festgefahrene Denkweise: “Da informiert jemand im Internet über seine Tage als Pudelzüchter? Der träumt doch nur von (m)einer Karriere als Super-Journalist! Na, dann wollen wir diesen Traum mal etwas genauer unter die Lupe nehmen.” Und zack! Musste dich an Henry-Nannen-Schulkriterien messen lassen. Eigentlich zum Lachen. Da gab es vor einiger Zeit schon mal einen ZDF-Bericht, zu dem ich auch schon meinen Senf abgegeben habe.
Am 3. Februar 2006 um 16:20 Uhr
Dazu passen auch wunderbar die Ausführungen von Alex Rühle in der Süddeutschen von heute, der da anfängt mit:
Hinterfragt: Web 2.0
Ritter der Schwafelrunde
Ein anschwellender Blogsgesang: Von wegen “Weisheit der Vielen” – Nur weil es jetzt viele kleine Häufchen im Netz gibt, ist es noch lange kein großer. Macht also endlich Schluss mit dem mystischen Erlösungsgerede über das Internet!
sueddeutsche.de/kult.../
Am 3. Februar 2006 um 16:45 Uhr
@ Siegfried
Den Beitrag von Alex Rühle in der SZ muss man in einer großen Tradition sehen. Da arbeitet jemand hartnäckig an der Titelverteidigung als Pons-Preisträger für kreative Wortschöpfung: Vichywaschi. Für so was hab ich immer Verständnis.
Am 3. Februar 2006 um 16:58 Uhr
“Warum aber soll ein Leser noch einem Medium trauen, dessen Produkte immer häufiger voreingenommen und Fehler behaftet sind – und sie nicht mal die Urheber dieser Geschichten kennen? Dann doch lieber subjektive, Fehler behaftete Weblog-Artikel von Personen, die man einschätzen kann (eben weil sie mehr von sich Preis geben) – und die noch dazu unterhalten.”
Thomas Knüwer auf Indiskretion Ehrensache
Am 3. Februar 2006 um 19:51 Uhr
Das mit dem Rüssel ist stark, Andreas.
Und wiel ich gerade dabei bin: Da fand ich den Herrn von Matt mit seinen “Klowände des Internet” um Längen besser als den Herrn Leif.
Am 3. Februar 2006 um 21:00 Uhr
Lazerte, die Verschwörung war natürlich ne Übertreibung, ich hatte den Sarkasmussmiley vergessen ;-) – Schöne Frage übrenz von Thomas Knüwer.
Am 3. Februar 2006 um 22:00 Uhr
@ Ralph
Scho klar, bei mir brauchst du keinen Sarkasmussmiley. Aber man weiß ja nie, wer sonst noch mitliest auf diesen komischen Blogs ;-)
Am 4. Februar 2006 um 00:43 Uhr
Thomas Leif macht den Fehler, seine Vorstellung von Journalismus (die völlig korrekt ist) auf Blogs zu übertragen (was Quatsch ist). Natürlich gibt es Watchblogs wie das BILDblog, und die kann man mit journalistischen Maßstäben messen. Aber was ist mit den literarischen, protokollierenden, tagebuchartigen, tausenderlei anderen Blogs?
Ich bin selbst Journalist UND Blogger. Und ich genieße es, im Blog die Freiheit zu haben, all das tun zu können, was tagtäglich in der Redaktion NICHT geht.
Am 4. Februar 2006 um 11:45 Uhr
Ich denke, das Problem ist eher, dass Leif und viele andere eine historisch kontingente Ausprägung von Journalismus absolut setzen. Das ist einfach nur albern.
Ich hatte die Freude, im letzten Frühsommer bei einer Tagung des Netzwerks auf ihn zu treffen – und schon da war die gleiche Aggressivität. Er fühlte sich persönlich beleidigt, dass nicht nur ich Blogs in ihrer Gesamtheit (nicht jedes einzelne) für Journalismus halte – im Wortsinne und in einer historisch etwas größeren Perspektive als nur die letzten 100 Jahre, die er mit seiner Definition im Blick hat. Aber das ist sein Problem und nicht unseres.
Lustige Anekdote am Rande: Einer aus dem engsten Kreis des Netzwerks ist inzwischen Lohnblogger…
Am 4. Februar 2006 um 13:07 Uhr
3 Monate Bloggende Regionalzeitung Letzten Montag war ich zum ersten Mal im neuen Jahr beim Trierischen Volksfreund (TV) und habe mich im kleinen Kreise mit den Verantwortlichen des Weblog-Projekts über die Erfahrungen aus den vergangenen 3 Monaten ausgetauscht. Interessant fand i…
Am 5. Februar 2006 um 18:07 Uhr
Ist ja nicht so, als ob niemand aus der Schar der Netzwerk-Recherche-Mitglieder nicht unter den Bloggern wäre. Jaaa, ich bekenne: ich bin Teil dieses Netzwerks.
Dieser Umstand muss wohl besonders betont werden, damit nicht der Eindruck entsteht, das Netzwerk Recherche hätte keine Ahnung, worüber es redet, wenn sein Vorsitzender über die Blogosphäre sinniert.
Ich für meinen Teil weiß es zu schätzen, in meinem Blog subjektiv sein zu dürfen. Derartige subjektive Beiträge in einem “journalistischen Prinzipien folgenden Medium” hingegen sind regelmäßig dem Chefredakteur oder Ressortleiter vorbehalten.
Freien Journalisten – also Leuten wie mir – hingegen wird das Vergnügen, einen Leitartikel oder Kommentar verfassen zu dürfen, nur in höchst seltenen Fällen zuteil.
Mit anderen Worten: Ein Blog ist in vielen Fällen allenfalls ein Ausschnitt dessen, was in Zeitungen und dergleichen zu finden ist. In puncto Subjektivität sind Blogs einem Meinungsbeitrag in der Zeitung vergleichbar.
Das Blog-Posting “Frau Holst! War es so?” ( 37sechsblog.de/?p=19... )hingegen liefert eine Analyse, die auch bei Spiegel-Online vorstellbar wäre.
Was aber in den “alten Medien” nur ausnahmsweise zu finden ist, sind besondere Formen wie Satire oder fiktive Texte.
Dass diese beiden Texttypen in Verbindung mit der unstreitig gestatteten – ja sogar erwarteten – Parteilichkeit der Bloggerinnen und Blogger den besonderen Reiz der Blogosphäre ausmachen, wird kaum jemand ernsthaft bestreiten.
Auch Thomas Leif wird dies nicht bestreiten.
Eine klare Trennung zwischen Journalismus und Blogs ist m.E. dann geboten, wenn es auf die Verarbeitung unbearbeiteten Primär-Materials wie Informanten-Aussagen, offiziellen Verlautbarungen und Akteninhalten (Dokumenten) sowie eigene sinnliche Wahrnehmungen vor Ort geht.
Dass hierbei auch die “andere Seite” anzuhören ist (audiatur et altera pars), ist eine journalistische Pflicht.
Wer aber die Parteitagsblogs der Websozis Revue passieren lässt, wird zugeben müssen, dass dieser Grundsatz nun wirklich nicht beachtet worden ist.
Keinesfalls scharf zu trennen sind Blogs vom Journalismus dann nicht mehr, wenn es um die Kundgabe von Meinungen geht. Allerdings auch dies nur dann, wenn die Meinung des Bloggers auf Grundlage der vorzufindenden Faktenlage einigermaßen nachvollziehbar (vertretbar) ist.
Nichts anders habe ich die Ausführungen von Thomas Leif verstanden.
Am 12. Februar 2006 um 01:44 Uhr
Spielarten der BloggerbeschimpfungAuf der Suche nach Vorurteilen über Weblogs bin ich auf Mentalpsychologie-Netz gelandet. Dort übt Stefan Krempl sich in übelster Bloggerbeschimpfung. Dagegen hören sich die Ausführungen des Herrn Leif geradezu harmlos an, die er in einem Interview…
Am 27. Januar 2011 um 11:39 Uhr
[...] Nachtrag: Der Werbeblogger bringt es sehr schön auf den Punkt… [...]