30.01.06
13:23 Uhr

Mit den großen Hunden pinkeln ..

Mich hat die Geschichte mit dem E-Mail Pitch der dba unruhig gemacht. Und ich muss zugeben, die Headline „Wer mit Peanuts bezahlt, wird von Affen bedient“ hat was, hat auch bei mir erstmal den „Beißreflex“ ausgelöst.

Jetzt hab ich mir das aber mal näher angeschaut und auch ein paar Gedanken dazu gemacht. Für wen bedeutet dieses Vorgehen eigentlich einen Affront, und was könnte die dba sich dabei gedacht haben?

Zuerst die Fakten: Von der bisherigen Agentur hat man sich getrennt. Man braucht eine neue Kampagne. Das Budget wird aufgestockt.

Diese Informationen von einer Airline in den Markt gekippt, passiert folgendes: Die üblichen Verdächtigen – aka tolle Agenturen – melden sich. Kleine Agenturen, Freelancer usw. sehen wahrscheinlich sehr wenig Chancen, an diesen Etat ranzukommen – winken ab. Ist es nicht so?

Und vielleicht hat man bei der dba gedacht: Wir haben uns gerade von der „tollen Agentur“ getrennt, weil von der nicht das kommt, was wir wirklich brauchen. Wir könnten sie natürlich durch eine andere „tolle Agentur“ ersetzen, wir könnten aber auch mal was anderes probieren.

Eine Definition von Schwachköpfigkeit ist ja: Immer das gleiche tun und dabei auf andere Ergebnisse hoffen.

Und was hat die dba jetzt anders gemacht?

Alles läuft via e-Mail. Der Rock-Star Agentur-Chef kann zum Beispiel nicht an die Front geschickt werden.

Der Abgabe-Termin ist sehr knapp bemessen. Wer jetzt erstmal seine Art-Directors aus dem Ski-Urlaub zusammen trommeln muss, ist nicht „heiß“ genug auf den Auftrag.

Es gibt auch kein Geld für den Pitch. Das bedeutet, es kommt nicht auf die teure Show an, sondern auf die Kreativität des Vorschlags. Und das bedeutet nichts anderes, als dass der „Zwischenhandel“ ausgeschaltet wird, sprich: Die „Praktikanten“ und Sub-Contractors, die normalerweise an der „tollen Agentur“ hängen und sonst die Peanuts bekommen, können direkt mit einem Auftraggeber ins Geschäft kommen – via E-Mail!!

Okay, vielleicht zahlt die dba später nicht das gleiche Honorar wie die Lufthansa, aber die zahlen wahrscheinlich gut für gute Arbeit. Und dabei interessiert die offenbar weniger, ob die Geschäftspartner im Armani-Anzug rumlaufen, sondern eher „funktioniert das, was wir kriegen?“.

Irgendwie gefällt mir nicht, dass mir da einer sagt, es gehe um „Peanuts“ und „Affen“. Es geht hier eher um „Reviere“ und „Fleischtöpfe“. Und so wie es aussieht, hat die dba einfach die Fleischtöpfe etwas niedriger gehängt. Nicht das schlechteste, wenn es denn so ist, oder nicht?

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29 Kommentare

  1. Stefan

    Die große Frage, die bei allen Spekulationen noch offen ist bleibt doch die, ob die kleinen wirklich eine Chance haben, oder ob man dort lieber einen großen haben will, nur zum Preis des kleinen.
    Die Antwort bekommen wir wohl erst, wenn feststeht, wer den Etat bekommt.

  2. bjoernhasse

    Gerold, ich weiß nicht so recht. Wer hat denn die Standard-Creds-Präsentation schon halbfertig auf dem Laufwerk liegen, lässt noch mal schnell den Grafiker darüber sehen, die dba-Logos einsetzen, kalkuliert parallel durch, erstellt Timing und Projektplan, holt Vorschläge aus dem Netzwerk ein (wenn 1.000 brainstormen geht es schneller + “hatte nicht Irland mal einen ähnlichen Case?”), errechnet, wie man wo am günstigsten durchkommt (Trainee statt Senior)…
    Neben dem Tagesgeschäft können sich diesen Huddel – so denke ich – nur die Big Fishes leisten. Für die dba eben so ein netter Name auf der Liste ist, dass man dafür auch mal Streichungen und Stress hinnimmt.

    @Stefan: Richtig, lassen wir uns überraschen.

  3. Gerold Braun

    Stefan & Björn “.. lassen wir uns überraschen.”. Wir könnten auch wetten, das macht die Zeit dazwischen kurzweiliger :-)

    An Euree Skepsis ist was dran. Und die erste Überschrift für dieses Posting, die ich nach einigem Zögern wieder verworfen habe, war: “Hat die dba wirklich Eier?”

    Nach Heisenberg verändert ja ein beobachtetes Objekt sein Verhalten durch die Beobachtung. Und bisher gab es ja nur Schläge für das dba-Ansinnen. Vielleicht, aber nur vielleicht, brauchen die Verantwortlichen bei der dba ja ein bißchen positive Beobachtung .. ;-)

  4. bjoernhasse

    Wetten ist gut. Nur bin ich ja null, gar nicht, überhaupt kein Werber, und könnte die Zwergpinscher nicht von den Megariesentöhlen unterscheiden. Aber so einer, der wird’s. ;-)

  5. Andreas Rodenheber

    Skepsis auch von mir.

    Ich bin prinzipiell immer dafür zu haben, Agenturarbeit nicht als Kreativvodoo geheimnisumwitterter Stars zu sehen. Aber die Alternative dazu ist nicht das Instant-Konzept von der Festplatte mit ausgetauschten Logos (das sehe ich genau wie Björn). Die Alternative ist harte konzeptionelle Arbeit und gute Beratung, Markenführung. Und so sehr ich eMail in meinem täglichen Arbeitsprozedere schätze – ich glaube, das funktioniert so auf der ebene “Pitch” einfach nicht.

    Was da am Ende im Idealfall als genial einfache Idee auf der Doppelseite im Stern prangt, ist doch oft genug das Ergebnis harter Überzeugungsarbeit. Hinterher, wenn die Kampagne funktioniert, will natürlich jeder der Kindsvater sein. Aber vorher braucht es oft Engelszungengeduldsarbeit, “den Kunden” auf eine mutige Kampagne zu heben. Deshalb habe ich so einen Heidenrespekt vor Leuten, die wirklich präsentieren (nicht im Sinne von manipulieren und um jeden Preis verkaufen, sondern im Sinne von “den tieferen Sinn eines Konzepts aufzeigen”) können.

    Wie gesagt: Die Frontline ist m.E. nicht “Kreativitätsgurus vs. Entzauberung”, sondern “harte Arbeit vs. Kann-doch-eh-jeder-Depp”.

    Und ich bestehe nach wie vor auf der Einschätzung, dass sehr. sehr viele Werber ihr Brot sehr redlich im Schweiße ihres Angesichts verdienen ;-)

  6. Gerold Braun

    Oha, jetzt steht es schon 3:1 gegen mich.

    Andreas, dein “.. (e-Mail) funktioniert so auf der ebene “Pitch” einfach nicht.” sehe ich auch so.

    Ich glaube auch nicht, dass der Pitch letztendlich via E-Mail läuft. Es kann dba dabei ernsthaft nur darum gehen, zu schauen, ob da nicht auch mal “was Neues, was Anderes” kommt.

    AM Ende des Tages wird das schon noch eine “normale” Präsentation. Ich jedenfalls glaube an das “Gute”, solange bis ich das Gegenteil sehe. Und deshalb gebe ich Euch 3en einen aus, wenn das “Böse” siegt.

  7. bjoernhasse

    Hui! Es gibt was zu Trinken! :-))

    Gerold, ich denke, es geht sogar noch einen Schritt weiter “ins Böse hinein”:
    Leider wird es fast zum Alltäglichen, dass nicht mehr die top-kreative Idee gewinnt (außer sie haut eben alle um – und, richtig, Andreas, dafür braucht es die Live-Präsentation), sondern dass vielmehr der Einkauf zusammen mit dem Controlling eine Liste der abzuarbeitenden Tasks erstellt, aus den Angeboten bzw. aus der bisherigen Arbeit Kosten für diese Punkte ableitet, per Maske entsprechend die ausstreicht, die sich angemessen (?) bezahlen lassen, oder einfach eine Anforderungsliste per Mail schickt.
    Klar, wenn man Kreativität und Herangehensweise in Normen und Ziffern packt, kann man leicht per Mail pitchen.
    “Schreiben Sie uns bitte, was Sie für die Tätigkeiten 1.0 bis 5.9 berechnen.” aber “Seien Sie möglichst kreativ.”

  8. Gerold Braun

    “Hui! Es gibt was zu Trinken! :-))” Ein Spiel dauert 90 Minuten, Björn. ;-)

    Jetzt wäre es interessant mal zu sehen, was in dem e-Mail Pitch gefordert wird, oder nicht? Die Frist ist zwar abgelaufen, aber ich will mal schauen, ob ich die “Anforderungen” irgendwo finde.

  9. bjoernhasse

    Stimmt, aber das Ball ist rund und elf Freunde müsst Ihr sein (fallen da nicht kleine Agenturen eh raus??).

    Bin auf die Anforderungen gespannt!

  10. lvgwinner

    Also mal ehrlich. Kommunikation ist Arbeit. Ob Werbung, Markenstrategien oder was auch immer. Ich sehe einfach nicht ein warum Kreativ-Leistung umsonst sein sollte. Ein erstes Beratungsgespräch, das Zeigen von Arbeitsbeispielen, das Entwickeln von ersten Ideen oder Suchrichtungen beim ersten Kontakt – das sind alles Dinge die man umsonst machen kann. Aber eine ernstgemeinte Pitchteilnahme kostet Zeit und d.h. Geld. Wer Ideen gegen einen warmen Händedruck abliefert wird nie kommunizieren können das gute Kreationen und Konzepte nicht im vorrübergehen entstehen können.

  11. bjoernhasse

    Ivgwinner, eben das ist das Problem, das auf jene (Affen?) Agenturen zukommt, die für (Peanuts) lau arbeiten.
    Wenn es doch möglich ist, mal eben in ein paar Tagen ein Konzept umsonst zu entwickeln, dann sehe ich als Kunde doch nicht ein, später für das Gleiche Geld zu bezahlen. Warum auch!?

  12. lvgwinner

    @bjoernhase: Das ist der Punkt. Und es fällt mir wirklich sehr schwer die von Gerold Braun ausgemachte Chance für Freie oder kleine Büros darin zu entdecken. “Sich ausbeuten lassen” ist kein Wettbewerbsvorteil. Das Pitch-Gebahren von der dba ist einfach nur unseriös. Leider wird es genung “Affen” geben die sich drauf einlassen.

  13. Olli

    Papier kann zwar viel zeigen, aber der Gedanke resp. der kreative Ansatz der hinter einer entwickelten Kampagne steht, sollte meines Erachtens doch lieber persönlich präsentiert werden; der Präsentierende muss ja auch nicht der Rock-Star Agentur-Chef sein

  14. Gerold Braun

    Oha – gebt’s mir! ;-))

    Nur nochmal, damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich halte überhaupt nichts davon, Leistung zu erbringen und dann nicht angemessen dafür zu kassieren. Ich weiß auch: Kreativ-Arbeit ist harte Arbeit. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass es hier einen E-Mail-Pitch gibt, der zum Auftrag führt.

    Was ich sage, ist: Wenn ich Auftraggeber wäre, und mit dem was ich üblicherweise als Dienstleistung (hier Kreativarbeit) bekomme nicht zufrieden wäre, dann würde ich genau das machen, was die dba macht. Nämlich die Bedingungen dramatisch ändern, zu denen ich normalerweise Aufträge vergebe.

    Warten wir ab, was ich an Info über die Anforderungen an die Agenturen bekomme. Was war da gefordert, in welchem Rahmen. Ich bin da dran. Und wenn ich diese Info kriege, dann können wir unsere Ansichten informierter diskutieren. Bisher ist es ja eigentlich “Kaffeesatzlesen”, was wir tun, oder?

    Und dann beobachten wir, wer den Etat bekommt. Einverstanden?

  15. Bernd Röthlingshöfer,

    Wie man sich Agenturideen präsentieren lässtGar nicht. Die Fluggesellschaft dba sucht eine neue Agentur und verzichtet auf die übliche Präsentation. Die Agenturvorschläge sollen per E-Mail eingereicht werden. Und außerdem werden die Vorschläge nicht bezahlt. Der Sieger bekommt alles, die Ve…

  16. Tim Keil

    Eine email Präsentation finde ich grundsätzlich mal interessant. Da muss dann wirklich die Idee für sich sprechen. Kann man probieren.
    Und vielleicht haben kleinere Agenturen / Freelancer wirklich eine bessere Chance.

    Trotzdem glaube ich auch, dass zu einer Kampagne mehr gehört als nur eine email Idee. Die Chemie muss stimmen. Und in einer email Präsentation kann die auch schenll falsch interpretiert werden. Kann man auch lösen, wenn man sich dann nach der email Präsentation mal kennenlernt.

    Was nicht geht ist folgendes:
    Mehr oder wenig beliebig viele Agenturen zu Pitch einladen. Und das auch noch für lau. Gerade kleine Agenturen können es sich nicht unbedingt erlauben einfach mal ein Team für ein paar Tage einfach so kostenlos drauflosarbeiten zu lassen. Geschweige den Freelancer.

    Und ich glaube auch nicht, dass es etwas bringt wenn man einfach mal zum Pitch aufruft. Und genau das war glaube ich auch der Grund für die email Präsentation. Man wollte einfach nicht ewig viele Präsentationen über sich ergehen lassen. Falls ich das richtig erinnert habe. So etwas würde ich nämlich unprfessionell von Seiten des Unternehmens finden. Auch das Unternehmen sollte sich vorab mal umsehen, welche Agenturen interessant sind. Und zwar möglichst unterschiedliche und nicht nur sämtliche Hotshops der Republik.

    Neue Präsentationsformen gerne. Kurzfristig meinetwegen. Aber kostenlos darf es nicht sein.

  17. Gerold Braun

    Ich habe bei der dba gefragt, was von Agenturen gefordert wurde.

    Cord Schellenberg, verantworlich für dba-pr antwortet darauf per e-Mail (auf die zentralen Aussagen von mir gekürzt):

    “wir haben das Briefing bewußt allgemein gehalten um “freie” Präsentationen zu erhalten. Wir haben die Erfahrung in der Vergangenheit mit Briefings gemacht, dass sich die Agenturen zu sehr an alten Strategien orientiert haben. Wir wollen hingegen frische Ideen und Ansätze haben ..

    In unserer Ausschreibung haben wir die Kernzielgruppen der dba erläutert .. und das Ziel vorgegeben: Die dba, zur Zeit die zweitgrößte innerdeutsche Fluggesellschaft, will zur Nummer Eins werden. Das war es dann schon mit dem Rahmen ..”

    Ende des Zitats.

    Das finde ich gar nicht schlecht. Und ich könnte mir wirklich vorstellen, dass da 1 Seite PDF (das sollte man schon kostenlos hinkriegen) von einer ganz kleinen Agentur wirklich was bewirken kann.

  18. Mastblau

    Grundsätzlich muss ich sagen, dass eine Emailpräsentation gar nicht einmal so schlecht ist. Wer grosse Agenturen kennt, weiss, dass diese oftmals nach dem gleichen Schema ihre Präsentation abhalten, und dann die grosse Überzeugungsarbeit folgt.

    Wenn sich die Emailpräsentation in kleinem Rahmen hält und nur schemenhaft aufzeigt, wie was ablaufen könnte, kann man sich auch vorstellen dies kostenlos zu machen, obwohl ich kein Freund von so etwas bin.

    Übrigens bin ich der festen Überzeugung, dass heutzutage mit den technischen Mitteln, eine jede Agentur, egal welcher Grösse (selbst 1 Mann Betriebe) bei einer Präsentation mitmachen und etwas vernünftiges vorlegen kann.

    Die Frage ist nur, ob diese dann auch den Arbeitsumfang im falle einer Zusage bewältigen kann. Aber das wäre wieder ein anderes Thema.

  19. Andreas Rodenheber

    > “das Briefing bewußt allgemein
    > gehalten um “freie” Präsentationen zu
    > erhalten. Wir haben die Erfahrung in
    > der Vergangenheit mit Briefings
    > gemacht, dass sich die Agenturen zu
    > sehr an alten Strategien orientiert
    > haben. Wir wollen hingegen frische
    > Ideen und Ansätze haben

    Sorry, das ist ja ganz anders, als ich oben dachte! Endlich mal ein Kunde, der die Agentur nicht durch kleingeistige Vorgaben wie Kommunikationsziele auf ihrem psychedelischen Trip einschränken will! Hochprofessionell!

    Gerold, sorry für den Sarkasmus, aber je mehr ich darüber lese, desto grotesker wird für mich das Bild. Klingt nicht nur nach Geiz, sondern auch, als wär man beim Kunden zu faul, seine Hausaufgaben zu machen.

    Kommt ein Mann zum Malermeister: “Kleben sie mir mal im Wohnzimmer Tapete. Aber Muster müssen sie wissen. Ich hab auch allen ihren Mitbewerbern hier in der Region den Auftrag erteilt. Die schönste Tapete bleibt hängen. Und natürlich alles für lau, is ja klar. Geld verdienen können sie dann, wenn wir mal in ein paar jahren den Flur machen…”

  20. bjoernhasse

    Richtig. Hat was vom guten alten (lesenswerten, und natürlich auch anno dazumal im Werbeblogger kommentierten) “Können Sie auch Altweiß?” – werbeblogger.de/inde...

    Erinnert mich auch an das, was im Briefing mal an Kollegen herangetragen wurde. Speiseeis-Kunde. Frage im Re-Briefing: “Können Sie die Zielgruppe ‘alle’ bitte einschränken?” Antwort: “Oh, natürlich, vergessen: Alle die Eis mögen.”

    Ein Briefing: Ja, wir sind Nummer 2, wollen jetzt Nummer 1 werden – gut, das lässt nicht so viel kreativen Spielraum, hm?

  21. Andreas Rodenheber

    Noch mal zum Mitschreiben:
    Vorgaben sind keine böse Einschränkung.
    Vorgaben sind eine nützliche Navigationshilfe.
    Vorgaben sind Basis für die Erfolgskontrolle.
    Vorgaben sind das Gegenteil von Beliebigkeit.
    Beliebigkeit macht abhängig von Geschmäcklerischem.
    Beliebigkeit macht unglücklich. Beide Seiten!
    Beliebigkeit ist unprofessionell.

  22. Gerold Braun

    Okay, der Malermeister. Das ist ein Handwerker, und ich würde niemals einen Malermeister meine Tapeten aussuchen lassen. Schließlich will ich gerne nach Hause kommen :-).

    Als ich vor 3 Jahren mein Haus umgebaut habe, habe ich einen Architekten gesucht. Ich habe als Laie in groben Zügen ein paar Vorgaben gemacht. Dann habe ich nacheinander 3 Architekten “abgearbeitet”. D.h. Ich habe gefragt: Was können Sie daraus machen? Erst der 3. hatte Vorschläge, die mir gefallen haben. Der hat den Auftrag bekommen, und ich habe seine Rechnungen anstandslos bezahlt. Aber ich hätte auch noch einen 4. 5. und 6. kontaktiert, wenn es nötig gewesen wäre.

    Jetzt noch mal zu der e-Mail Geschichte und zum “für lau”.

    Dieses E-Mail kann natürlich kein endgültiger Pitch sein, sondern eher eine Art Bewerbung, um in die engere Auswahl zu kommen. Ich halte das für eine dramatische Erweiterung des Wettbewerbs und zwar zugunsten solcher Agenturen, die normalerweise gar nicht auf die Idee kämen, bei einem solchen Etat mitzumischen. Und jetzt geht es. Mit einer “no-frills-Bewerbung” per E-Mail.

    Und mal angenommen, die kleine Agentur aus der umgebauten Fabriketage in Ludwigshafen-Mundenheim hat den passenden Vorschlag skizziert, dann geht es darum, dass sie mit der dba verhandeln: “Euch, dba, gefällt unsere Skizze? Wir arbeiten das gerne aus, aber nicht für umsonst.” Dann wird man weiter sehen.

  23. Andreas Rodenheber

    Gerold, du hast endlich Beistand bekommen:
    berndroethlingshoefe...

  24. Gerold Braun

    Hehe, und man sieht auch sofort, wer hier beim Werbeblogger der Rock-Star ist: Ich leiere mir den Mund wässrig und Du wirfst einen andersmeinenden Kommentar ein.
    Und was passiert daraufhin?
    Bernd Röthlingshöfer schreibt: Kollege Rodenheber sieht es anders.

  25. bjoernhasse

    Soso, Ihr Kollegen. Um das Prozedere für die Zukunft zu vereinfachen: Wie wäre der Pitch per Online-Formular?
    Dort können dann Felder á la “Beschreiben Sie mit max. 100 Zeichen die kreative Idee Ihres Ansatzes” oder “Bitte kreuzen Sie Zutreffendes an: a) Wir sind kreativ. b) Wir sind kreativer als ___________. c) Wir sind nicht kreativ.” genutzt werden, um ein klares Bild des Bewerbers abzugeben.
    Wichtig fände ich zusätzlich ein Block: “Warum wir unbedingt (notfalls für lau) für Sie arbeiten möchten.”

  26. Martin Oetting

    Auch auf die Gefahr hin, dass ich wiederhole, was andere schon gesagt haben: Aus meiner Erfahrung in Agenturen, die ums Verrecken nach neuen Kunden lechzen (und welche tut das nicht?), ist für mich eindeutig, dass auch an dem per E-Mail verschickten Pitch-Material wie wahnsinnig gearbeitet wird. Da werden Filme gedreht und als mpegs per Link ins Netz gestellt, da werden Leute nächtelang an Quark-PDF-Booklets sitzen. Und das überall im gesamten Land, für nichts und wieder nichts. Ich lege noch einen drauf: Meiner Ansicht nach ist das schädlich für’s Bruttosozialprodukt. ;-)

    Außerdem: strategisch wird die Werbebranche sich dahin entwickeln müssen, kreativen Content im weitesten Wortsinne zu entwickeln (zeit.de/2005/30/Medi...). Wenn wir also nicht bald damit anfangen durchzusetzen, dass Kreativität Geld wert ist, fährt hier noch einiges vor dir Wand…

    An kreativen neuen Ansätzen zu Pitches ist dagegen nichts auszusetzen. Im Gegenteil. Wenn die dba gesagt hätte, wir recherchieren sorgfältig (Hausaufgaben 1, professionell erledigt) und suchen uns 5 Kandidaten aus, denen wir ein interessantes Briefing geben (Hausaufgaben 2, professionell erledigt), und die – für eine angemessene Summe – genau 5 Tage Zeit haben, um per E-Mail etwas einzureichen, wäre das sehr sehr cool.

  27. Daniel Drueke

    Das Pitchverhalten der dba ist mehr als unprofessionell! Nachdem die erste Runde nicht den gewünschten Erfolg gebracht hatte, öffnete man in eine zweite Runde. Bis zum 13.02.06 sollten die Agenturen Vorschläge abgeben, am 14.02.06 sollte bekannt gegeben werden, wer dann am 16.02.06 präsentieren darf. Bis heute hat keine Agentur eine Zu- oder Absage erhalten, die Mailbox der Pitchleiterin ist voll und Sie ist nicht erreichbar. Das Maß ist voll :-(

  28. Gerold Braun

    @Daniel – Ahh, endlich einer, der bei der Sache selbst Erfahrungen macht, wenn auch offenbar schlechte.

    Gibt es noch andere “da draußen”, die am Pitch teilnehmen, oder gar auf der anderen Seite sitzen und uns schlauer machen können?

  29. Nik Preis

    interessanter weise war zu hören das wohl einige der ganz großen hamburger schniefnasen sich den arsch aufriss um an diesen job zu kommen. das wird dem gwa nicht gefallen und so halten sich einige große aus dieser mafia zurück, da ihr eigenes pferd ganz vorne mitreiten möchte.

    fakt ist, die sache ist von der dba vielleicht unterschätzt und sogar unprofessionell angenommen worden. ich könnte mir vorstellen, dass die nicht mit dem boomerang gerechnet haben.

    fakt ist auch, dass wohl nur noch 2 oder 3 agenturen im rennen sind die nochmal eine chance zum nachbessern bekommen haben.

    und mal ehrlich @daniel, wer glaubt denn, dass bei einem pitch der so fett in der presse diskutiert wird nur die gaaaanz großen bei der pitchleiterin anrufen. da würde ich auch meine mailbox voll laufen lassen (mich selbst wo möglich auch, wenn ich merke dass ich mich wohl ein wenig verkalkuliert habe) und nur auf emails antworten.

    fazit: die sache ging wohl gründlich schief, hat aber dennoch was gebracht. sie zeigt dass wir alle kleine nutten sind, die mittlerweile egal ob groß oder klein auf einer stufen angekommen sind. denn wenn ein großer name schreit, will jeder gefickt werden. mittlerweile sogar um sonst, in der hoffnung von dem geliebten freier geheiratet zu werden. traurig aber wahr.

    ich persönlich hoffe das die ganz großen alle noch ein wenig auf ihrem hohen ross weiter reiten und somit sich kleinere und engagiertere agenturen durch beissen können, die werden es wohl eh nicht mehr schaffen so groß zu werden wie ihre teilweise falschen vorbilder.

    ich hoffe ich konnte hier zu weiterem heissen gesprächsstoff anheitzen und mit fundiertem wissen (waren auch am pitch beteiligt) ein wenig licht ins dunkel bringe.

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