19:45 Uhr
Ich habe einen Traum
Ich freue mich, heute mit euch zusammen an einem Ereignis teilzunehmen, das als die größte Demonstration für die Freiheit in die Geschichte unserer Weblogs eingehen wird.
Vor einigen Stunden unterzeichnete ein großer Schweizer, in dessen symbolischen Schatten wir heute stehen, ein Entschuldigungsschreiben an die Blogger. Dieses bedeutsame Schreiben kam als ein großes Leuchtfeuer der Hoffnung zu Millionen von Webloglesern und -autoren, die versengt waren unter den Flammen einer – schon welkenden – Ungerechtigkeit. Er kam wie ein freudiger Tagesanbruch nach der langen Nacht ihrer Verletztheit.
Lasset uns deshalb nicht aus dem Kelch der Bitterkeit und des Hasses trinken, um unseren Durst nach endgültiger Meinungsfreiheit zu stillen. Wir müssen unseren Kampf stets auf der hohen Ebene der Würde und Disziplin führen. Wir dürfen unseren schöpferischen Protest nicht zu verbaler Gewalt herabsinken lassen. Immer wieder müssen wir uns zu jener majestätischen Höhe erheben, auf der wir verbaler Gewalt mit der Kraft der Kreativität entgegentreten.
Ich sage euch: trotz der Schwierigkeiten, die sich heute und auch morgen vor uns türmen, habe ich noch einen Traum. Ich habe den Traum, dass sich diese Blogosphäre eines Tages erhebt, dass sie den wahren Sinn ihres Credo verwirklichen wird, das Credo, das da lautet: “Wir halten es für selbstverständlich, dass alle Menschen ihre Meinung frei kundtun dürfen”.
Ich habe den Traum, dass eines Tages die Söhne der früheren Weblogger und die Söhne der früheren sogenannten Weblogopfer bereit sein werden, sich gemeinsam am Tisch der Brüderlichkeit niederzulassen.
Ich habe den Traum, dass meine vier, noch nicht gezeugten Kinder, eines Tages in einer Welt leben, in der sie nicht nach der Art des von ihnen gewählten Mediums, sondern nach dem Gehalt ihrer Aussagen beurteilt werden. Ich habe diesen Traum heute!
Das ist unsere Hoffnung. Mit diesem Glauben kehre ich in mein nichtvirtuelles Leben zurück. Mit diesem Glauben sind wir imstande, aus den Bergen der Verzweiflung den Stein der Hoffnung zu hauen. Mit diesem Glauben werden wir fähig sein, die schrillen Missklänge in unserer Blogosphäre in eine wunderbare Symphonie der Brüderlichkeit zu verwandeln.
Mit diesem Glauben werden wir fähig sein, zusammen zu bloggen, zusammen zu kritisieren, zusammen zu kämpfen, zusammen in Abmahnungsverfahren zu gehen, zusammen für die Meinungsfreiheit aufzustehen – in dem Wissen, dass wir Blogger eines Tages frei sein werden.
Wenn wir Meinungsfreiheit in jedem Weblog und jedem Kommentarfeld, an jede Klowand und in jedem RSS-Feed, erschallen lassen, dann werden wir den Anbruch des Tages beschleunigen können, an dem alle Blogger – freche und liebe, zynische und humanistische, derbe und feingeistige – sich die Trackbacks reichen und die Worte des alten Webloggers singen: “Endlich frei! Endlich frei! Großer allmächtiger Google, wir sind endlich frei!”
Inspiriert durch Dr. Martin Luther King
NACHTRAG: Hmm, niemand außer meiner Frau und mir scheint das Original zu kennen, denn sonst hätte man den augenzwinkernden Beitrag wohl eher verstanden.
11 Kommentare
Einen Kommentar schreiben
- Vroni: Ralph :-)
- ralf schwartz: @Vroni Das war ein zustimmendes Lächeln, wie Du es auch sehen würdest in meinem Gesicht würden wir uns gegenübersitzen. Nicht immer...
- Vroni: Was issn jetz schon wieder. Klar macht es einen Unterschied, wie man optisch und von der textlichen Ansprache an die Leut angeht. So gehts...
- ralf schwartz: @Vroni :)
- Vroni: Kann ja alles sein, geschenkt. Ich meinte, dass das grottenschlecht und wenig ansprechend UMGESETZT war. Wie wenn ein BWL-er unter...
- ralf schwartz: @Vroni Und eine Website dahinterzulegen, auf der die User hätten voten können … Aber die Kosten, Print geht es gar nicht gut,...
- Vroni: Hrhr, die W&V mal wieder. Leeres Schulheft-Papierkaro und eine Flipchart-Schrift. Kriegt man sofort die beiden Krankheiten Horror Karo-i...
- Daniela über die Arbeitszeit: Mit dem Alter werde ich immer tagaktiver… Während ich in meiner Schulzeit zwischen 8 und 16.00 (Schule) in...

Deutsche Werbe-/Medienblogs
- Agenturblog
- Aisberg
- Automobil Blog
- basd-art.de
- Beers and Ideas
- Bernd Röthlingshöfer
- Blindtext Blog
- Blog von Gwinner
- Cem Basman
- Clap-Club
- Clickpunkt 7
- Connected Marketing
- Creating Tomorrow
- Customer of Hell
- Datenschmutz
- Datenvandalen
- Digital Conversation
- Ferryblog
- Filmjournalisten.de
- Fischmarkt
- Flussaufwärts
- Fontblog
- Fridaynite
- Geistesblitz
- Guerilla Marketing Blog
- i-fekt Blog
- Ingo Kaestner
- Jenriks24phoetry
- JvM/Neckar
- Kreisrot Rundschreiben
- LPMDESIGN Weblog
- MADVERTISING
- Markentechnik Blog
- Marketing Oase
- Massenpublikum
- Medienvirus
- Mobile Zeitgeist
- Neukunden-Magnet
- Nico Zorn
- Nino Worldwide
- Off the record
- OnetoBlog
- Out of office
- Pimp my brain
- Pixelsebi
- praegnanz
- reine Formsache
- Reklame
- seoFM
- Sichelputzer
- Sloganmaker
- SOS SEO
- The missing Link Agenturblog
- Tischthema TV
- VisualBlog
- Werbewahn
- Werbewunderland
- Zielpublikum
- Zorno
- Zweieintel
Englische Werbe-/Medienblogs
Evergreens (teilweise Off-Topic)
Web 2.0 Blogs
Werbeblogger Autorenlinks



Am 23. Januar 2006 um 20:20 Uhr
Bitte nicht böse sein, aber wie lange willst du auf der Klostory noch rumreiten? Passiert doch genug anderes da draussen …
Am 23. Januar 2006 um 20:27 Uhr
So lange, wie ich meine darüber schreiben zu wollen.
Am 23. Januar 2006 um 20:30 Uhr
das ist natürlich dein gutes recht!
Am 23. Januar 2006 um 20:38 Uhr
Nein ernsthaft, solange mich das Thema interessiert, why not? Es ist ja wirklich nicht so, dass ich wieder mit dem Vorschlaghammer draufdresche!
Und versprochen: Das war mein persönlicher Abschluss mit dem Thema! ;-)
Am 23. Januar 2006 um 20:39 Uhr
hm ne, aber das fand ich jetzt irgendwie unnötig… ich finde die ganze story wird größer gemacht, als sie in wirklichkeit ist… da war jemand ein wneig sauer, hat ne doofe mail geschrieben. ok, dumme sache. aber dann hat er eingesehen, dass das vielleicht nicht die englische art war und hat sich entschuldigt. fertig, aus, sache erledigt. für mich irgendwie nichts großartig weltbewegendes…
Am 23. Januar 2006 um 20:50 Uhr
@kacper: Exakt! Thema durch. Der Punkt ist doch, dass es in den letzten Wochen einen so unglaublichen Unterschied gegeben hat zwischen zwei Leuten, die “irgendwie in die Blogosphäre reingerasselt sind”.
Vadder Klum und Jean-Rémy von Matt.
Der eine hat es falsch gemacht, der andere richtig. Das ist ein Unterschied, der gefälligst auch mal gewürdigt werden sollte.
Natürlich kann und soll man weiter drauf rumreiten, damit es endlich gelernt wird. Aber diese “es reicht mir nicht”-Nummer, wie sie in einigen Kommentaren rüberkam, die kann es doch echt nicht sein.
Von Matt hat 100%ig so reagiert, wie man es hat erwarten können. Nämlich souverän.
So geht man mit Weblogs um. Souverän.
Am 23. Januar 2006 um 21:36 Uhr
Nein, das Thema ist zwar ermüdend, aber nicht durch. Und wer die heutige Nachtret-Mail von JRvM als Entschuldigung oder Dialogbereitschaft oder souveränen Umgang mit Blogs missversteht, sollte sich das nochmal in Ruhe durchlesen. Googelt mal nach Kleinbloggersheim. Hat der Mann irgendwas gecheckt? Abgesehen davon kann man das auch Kleinblogger-Heim lesen (kleine Blogger ab ins Heim!). Da ist wohl der Freud mit ihm durchgegangen.
Am 23. Januar 2006 um 21:48 Uhr
Ok. Dann sag mir: Wie hätte er reagieren sollen? Ich bin gespannt.
Am 24. Januar 2006 um 04:04 Uhr
Wenn ich Jean Remy von Matt wäre, hätte ich meine Entschuldigung nicht in zwei Sätzen abgehandelt und mindestens 3 Tropfen Herzblut in die Waagschale geworfen. Ich hätte keinen Text verfasst, der die Verunglimpfung von Menschen, die ihre Meinung sagen, weiter perpetuiert. Ich hätte mein ganzes Sprachkönnen eingesetzt, eine Nachlässigkeit in meinem Denken zu reflektieren. Und dem ersten Insult nicht noch weitere folgen lassen (die von der Textmenge gesehen den Entschuldigungsteil bei weitem überwiegen).
Aber zu allererst hätte ich mich bei Jens im Blog gemeldet und – so ich dieser festen Überzeugung bin – ihm klar erklärt, warum die Veröffentlichung der Klowand-Mail gegen das Recht oder die Moral verstößt und nicht nur einfach behauptet, meine Ehre sei verletzt worden.
Ich hätte fürderhin keine schiefen Sprachbilder benutzt, namentlich hätte ich mich nicht einer Wortspielerei befleißigt, die aus dem von mir unverstandenen Kleinbloggersdorf eine Anstalt für kleine Blogger macht: ich hätte ihnen Honig um’s Maul geschmiert und ihre Welt zur Kleinstadt aufgewertet ohne eine Sau durch sie zu treiben.
Ich hätte darauf verzichtet, durch die Spiegelung der Anfangssequenz meines Briefes (Wer austeilt, muß auch einstecken können) im letzten Satz, meine Leser zum Einstecken aufzufordern, ohne Ort und Zeitpunkt des nächsten Waffenganges zu nennen: so bleibt es nur die Zuweisung in ein Herrschaftsverhältnis. “Jetzt teile ich aus – und Ihr müßt einstecken”.
Generell hätte ich meiner Mutter nicht die Schande bereitet, ihre Erziehung auf die Benimmregeln einer Kleinbürgerfamilie zu reduzieren.
Mehr Stil, mehr aus Zerknirschung gewonnene Erkenntis, mehr dialektische Anschauung, daß man in der Position des Jean Remy von Matt die Hosen nicht ganz runterlassen kann, mehr Verve, meinetwegen auch 3 Tropfen Herzblut (welches für die DbD-Kampagne ja so reichlich geflossen ist).
Das hätte ein Anfang sein können.
Am 24. Januar 2006 um 07:59 Uhr
Ich wiederhole mich einfach mal.
Am 24. Januar 2006 um 12:28 Uhr
@loglog
schön… – aber ist es das, was Du ausgerechnet vom DbD-Gehirn resp. seiner Aufrag(!)-geber tatsächlich erwartest?
Ach komm ;-)