15:10 Uhr
Entschuldigung von Jean-Remy von Matt
Jean-Remy von Matt fasst sich ein Herz und entschuldigt sich:
“Liebe Blogger,
meine Mutter hat mir noch mehr beigebracht.
Zum Beispiel: Wer einen Fehler macht, sollte sich entschuldigen. Oder auch: Wer austeilt muss auch einstecken können.Aber zunächst zu mir und meiner Entschuldigung:
Es ist mir sowohl klar, dass es das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung gibt, als auch, wie wichtig dieses Recht ist. Es ist mir insbesondere klar, wie viel die Weblogs für die Verwirklichung dieses Rechts tun – vor allem in Ländern, wo Meinungsfreiheit nicht selbstverständlich ist.
Insofern tut es mir leid, dass ich dieses Recht unbedacht in Frage gestellt habe.Ich hatte mich halt aufgeregt! Und eine Mail an meine Mitarbeiter geschrieben, die durch die berechtigte oder unberechtigte Kritik an einer Kampagne, an der sie monatelang hart gearbeitet haben, verunsichert waren und Zuspruch verdient hatten.
Vielleicht klang auch etwas Neid auf Euch durch, da die Form von Meinungsäußerung, die ich als Werbetexter seit über 30 Jahren betreibe, alles andere als frei ist: Jedes Wort wird vor der Veröffentlichung lange abgewogen, mit Auftraggebern verhandelt und dann noch repräsentativ auf seine Wirkung getestet.
Aber! Auch wenn die meiste Kritik an meinem Text konstruktiv und ernsthaft war, empfinde ich es als kommunikativen Hausfriedensbruch, dass eine interne Mail wie eine Sau durchs Dorf „Kleinbloggersheim“ getrieben wird.Sollte es neben der Freiheit, eine Meinung zu verbreiten, nicht auch die Freiheit geben, eine Meinung nicht verbreitet zu wissen? Gilt beim Artikel fünf des Grundgesetzes nur Absatz eins, der das Recht auf Meinungsfreiheit definiert, und nicht Absatz zwei, der dieses Recht einschränkt, wenn die persönliche Ehre verletzt wird?
Kennt die Blogosphäre etwa keine Privatsphäre?Viele von Euch schreiben, ich hätte mit meiner Mail ein Eigentor geschossen. Okay, eins vielleicht. Aber wie viele Eigentore schießt ihr gerade, indem Ihr mein Schlagwort „Klowände des Internets“ teils empört, teils genüsslich aufgreift im Sinne eines Agenda Setting verbreitet? Bei Technorati.com war der Suchbegriff zeitweise auf Platz 3!
Die Klowand-Debatte erinnert mich übrigens an Münteferings Heuschrecken-Debatte: In beiden Fällen gab es Kritik, dass ein Sachverhalt mit einem plakativen Bild unzulässig verallgemeinert wurde.
Die Heuschrecken waren ein Symbol für das Abgrasen und Weiterziehen. Die Klowände sind ein Symbol für das Anpinkeln und Verpissen – für Meinungsäußerung im Schutz der Anonymität.
Natürlich haben viele Investoren ethisch einwandfreie Ziele. Und natürlich haben viele Weblogs einen ernsthaften Ansatz. So haben mich die meisten Eurer Beiträge sehr inspiriert und mir die virale Kraft dieser Medienform bewusst gemacht.
Vergesst aber nicht, dass auch die Kommentare den Content eines Weblogs bestimmen. Und vor allem dort habe ich einiges gefunden, was meinem Vorurteil neuen Schub gab: Leute, das war teilweise unterste Klowand!Aber wie sagte noch mal meine Mutter: Wer austeilt, muss auch einstecken können.
Euer Jean-Remy von Matt”
Ich lasse das zunächst erstmal unkommentiert zu eurer Information stehen.
Die Mail wurde an Thomas Knüwer vom Handelsblatt geschickt, bei ihm gibt es auch den Beitrag dazu.
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29 Kommentare
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Am 23. Januar 2006 um 15:48 Uhr
Hmm… er kann scheinbar besser mit der Situation umgehen, als Herr Graf. :)
Am 23. Januar 2006 um 15:49 Uhr
Nööt… Herrn Klum meine ich natürlich. Peinlich. *schäm*
Am 23. Januar 2006 um 15:53 Uhr
Toll was man mit einer Blog-Diskussion so erreichen kann.
Da fällt mir gerade etwas ein, das mein Vater immer zu sagen pflegte: Einsicht ist der erste Schritt auf dem Weg zur Bessserung.
In diesem Sinne: Chapeau JvM!
Am 23. Januar 2006 um 15:56 Uhr
Kann ich bestätigen, die Mail von JvM bekam ich auch:
endl.de/newsletter/w...
Am 23. Januar 2006 um 16:01 Uhr
ein offener brief an die lieben blogger es ist natürlich einfach, sich über die blogosphäre aufzuregen, wer allerdings einsicht zeigt und fehler eingesteht, verdient dafür respekt!
…
Am 23. Januar 2006 um 16:04 Uhr
So leicht lassen sich Dinge aus der Welt schaffen. Selbst wenn sie teilweise schon arg hochgeschaukelt worden sind. Aber mein Klowand-Button behalte ich. Der Vergleich hat mir nämlich außerordentlich gut gefallen :-)
@Herr Klum: Lektion verstanden?
Am 23. Januar 2006 um 16:17 Uhr
Na also, die Wogen glätten sich und wir alle haben uns wieder lieb. Oder so ähnlich. Die jetzt angebrachte Definition der Klowand finde ich jedoch ein wenig anrüchig, ich hätte den Begriff undefiniert ein wenig schöner gefunden. Denn Klowände sind doch durchaus ein Kommunikationsmedium, das über das Anpissen hinaus geht. Aber seis drum, jetzt ist wieder alles gut und bei Jung van Matt wird man jetzt wahrscheinlich für eines Sorge tragen, dass die Fenster zur Strasse geschlossen sind, wenn man mal rumbrüllt.
:-)
Am 23. Januar 2006 um 16:20 Uhr
Mir hat meine Mama aber beigebracht, daß wenn man sich wirklich entschuldigen will auf keinen Fall:
“Entschuldigumg…, aber…”
sagen soll.
Nagut, also hat man sich eher erklärt als entschuldigt. Mir solls Recht sein, ich denke der richtige Ton ist dennoch auf jeden Fall getroffen.
Am 23. Januar 2006 um 16:27 Uhr
Ich hatte keine andere Reaktion von Jean-Remy erwartet.
Wer dort steht, wo er steht, kommt nicht dahin wenn er nicht aus Fehlern lernen oder einsicht zeigen kann bzw. wenn er nicht die Stärke besitzt vor sich (und/oder anderen) Fehler einzugestehen.
Und das verdient in der Tat Respekt.
Die Gegenkritik die in seinem Entschuldigungsschreiben steckt, die müßt ihr euch gefallen lassen. Denn da hat er recht.
Und wie ich sehe, der Pups verfliegt so schnell das ich mir tatsächlich nicht die Nase rümpfen muß.
grüße,
René
Am 23. Januar 2006 um 16:34 Uhr
Schön, dass jemand seine Fehler öffentlich eingesteht. Noch schöner: es wird auf einem normalen Niveau kommuniziert. Was ja unser all alltäglich Bizz ist
Am 23. Januar 2006 um 17:12 Uhr
Erst mal: Chapeau für die Entschuldigung!
Falls dieses Schreiben der Einstieg zu einer intensiveren Beschäftigung oder gar zu einem Dialog mit der Blogosphäre sein soll, möchte ich gerne diesen Satz herausgreifen:
> Die Klowände sind ein Symbol für das
> Anpinkeln und Verpissen – für
> Meinungsäußerung im Schutz der
> Anonymität.
Sorry, voll daneben! Statt vieler eigener Worte will ich ein Zitat von Mario Sixtus aus der ZEIT dagegen stellen, das IMHO genau auf den Punkt ist:
Ein dichtes Geflecht von Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten, die den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen, wächst da heran – sozusagen ein Netz im Netz. Menschen teilen darin Faktenwissen und Expertentipps ebenso wie ihre Fotosammlungen und Musikvorlieben. Und im Unterschied zu früher versteckt sich hier keiner mehr hinter Decknamen, niemand hantiert mehr folgenlos im luftleeren Raum, die virtuelle Welt ist realer geworden. Die Akteure treten auf wie im echten Leben, lernen einander kennen, knüpfen private und berufliche Kontakte. Sie bahnen Geschäfte an, planen Projekte oder schachern sich gegenseitig Arbeitsplätze zu.
Wem daran gelegen ist, Blogs zu verstehen – bitte lesen!
Am 23. Januar 2006 um 17:20 Uhr
Da wir schon die Beleidigung nicht angenommen haben, verweigern wir auch die Entgegennahme der Entschuldigung.
Am 23. Januar 2006 um 19:13 Uhr
Jean-Remy von Matt rudert zurückund entschuldigt sich bei einigen handverlesenen Bloggern per Email.
Aber natürlich habe ich, nörgelig wie ich so bin, auch hieran wieder was zu nörgeln.
Vielleicht klang auch etwas Neid auf Euch durch, da die Form von Meinungsäußerung, die ich al
Am 23. Januar 2006 um 19:21 Uhr
Immerhin ein Versuch Ein Nachtrag zu dem leidigen Griff ins Klo: Herr von Matt schreibt uns Bloggern und allen mit einer eigenen Meinung eine, naja, sowas wie eine Entschuldigung.
Zwar schafft er es, klarzumachen, dass er die Meinungsfreiheit achtet. Ist ja schon was. …
Am 23. Januar 2006 um 19:49 Uhr
Du bist eine Klowand
Ja, da ging ein Ruck durch Deutschland. Ich habe ihn gespürt, denn ich bin ja Deutschland. Und dazu noch Blogger. Denn ehrlich gesagt ging dieser Ruck mehr durch das bloggende Deutschland und veranlasste sehr viele Blogs zu der Überschrift, die ich hier
Am 23. Januar 2006 um 20:15 Uhr
Tss. Blogger fordern, Blogger bekommen. Und nölen trotzdem noch rum. Was hätte er denn anders machen sollen? Ich find’s gut. Und auch inhaltlich richtig.
Am 23. Januar 2006 um 21:09 Uhr
Nett. Da verbindet Herr vM die mehr als fällige Entschuldigung bei Leuten, die nichts anderes machen, als sich (auch kritisch) mit der DbD-Kampagne – die hier mal nicht weiter gewertet werden soll – zu beschäftigen, mit weiterer Kritik.
Auch ist diese Kritik nicht übermäßig dumm gemacht, denn anstelle sich mit den bekannten Verantwortlichen auseinanderzusetzen, also Menschen von denen er wohl gemerkt hat, dass sie ihm diskurstechnisch mindestens gewachsen sind, wendet er sich eine Ebene tiefer – an die bösen Kommentatoren.
Die dürften Blogbetreibern auch eher egal sein als ein persönlicher Angriff auf sie selbst. Es kann also mehr oder weniger schadlos weitergeholzt werden.
Und vor allem – selbstverständlich sind da auch “fiese” Angriffe unter den Kommentaren. Aber für mich kann ich sagen, dass ich mich lieber zigmal als [selbstzensiert] betiteln lassen würde, als das Recht, meine Meinung frei zu äußern aberkannt zu bekommen. Somit halte ich Verbalinjurien selbst in ihrer scharfen Form für weniger kritisch als den Versuch, Menschen ein Grundrecht abzusprechen.
Oder, anders gesagt: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.
Abgesehen davon kann Herr von Matt wohl kaum die Blogosphäre dafür verantwortlich machen, wenn sein Rundbrief veröffentlicht wird – immerhin muss dieser Brief ja erst einmal aus der internen Liste zum Blogbetreiber kommen. Die Indiskretion ist also jemand anderem, näher am Werber Sitzenden, anzulasten.
Allerdings befindet sich Herr vM auch hier in bester Gesellschaft: Wie oft wurde in letzter Zeit bei Enthüllungsberichten in den Medien politikerseits nicht so reagiert, alles zu versuchen um die aufgezeigten Missstände abzuschaffen, sondern im Gegenteil den Informanten zu finden und zu bestrafen (und so vom eigentlichen Problem abzulenken)? Man denke nur an Herrn Schily – der auch ein leicht gestörtes Verhältnis zu Grundrechten hat.
Im Ganzen reiht sich somit mit der “Entschuldigung” ‘Es tut mir leid, ABER…” der belgisch-schweizerische Herr von Matt in die Unzahl derer, die Deutschland sind, ein. Denn wie hieß es vor längerer Zeit so schön in der SZ: Einer der Nationalsports der Deutschen heißt “ich habe nichts gegen Ausländer, aber…”
Und zuletzt – “kommunikativer Hausfriedensbruch”, weil sich ein paar Klowän^H^H^H^H^H^HBlogs mit dem Thema beschäftigen?
Wie, bitte, soll man dann die ubiquitäre akustische und visuelle Vergewaltigung durch Werbebotschaften an denen die Agentur JvM nicht nur maßgeblichen Anteil, sondern wovon sie auch erheblich profitiert hat, nennen?
Also ich finde es nach wie vor sehr schön, dass Jean-Remy vM mal eine Kostprobe seiner eigenen Medizin bekommen hat.
Am 23. Januar 2006 um 21:44 Uhr
Wie, bitte, soll man dann die ubiquitäre akustische und visuelle Vergewaltigung durch Werbebotschaften an denen die Agentur JvM nicht nur maßgeblichen Anteil, sondern wovon sie auch erheblich profitiert hat, nennen?
Dann buddel doch den Ché aus, der richtet das schon. Obwohl – so ganz ohne Werbung geht auch das nicht ganz. Und nun?
Wer sich von Werbung vergewaltigt fühlt, der sollte sich vielleicht mal tatsächlich ungewollt ficken lassen! Sorry für die drastischen Worte, aber irgendwann ist auchmal gut. Tanz nur weiter auf dem Rücken wirklicher Opfer.
Kritik ist ja ok. Aber es sollte doch immer auch ein kleines Bisschen Verhältnismäßigkeit dabei mitschwingen. Ist das denn so viel verlangt?
Am 23. Januar 2006 um 21:58 Uhr
Ich wünsche mir glatt mehr von solchen guten Müttern. ;-)
Am 23. Januar 2006 um 22:16 Uhr
Kommt auf die Auffassung von Verhältnismäßigkeit an. Im Kontext zu zitieren scheint allerdings auf jeden Fall zu viel verlangt zu sein:
Die Äußerung, die Du bemängelst, bezieht sich klar auf von Matts “Hausfriedensbruch”, was ebenso überzogen ist, und resultiert eben aus diesem Missverhältnis (daher auch: “wie soll man _dann_”). Es dürfte für den Leser nicht schwer sein, sie entsprechend zu relativieren.
Abgesehen davon, dass ich gerade die Leute kritisiere, die ihr Geld mit derartigen Überspitzungen, Verfälschungen, oder auch euphemistischer “Präzisierungen”, verdienen.
Aber dich stört offenbar die fast ununterbrochene Massenberieselung nicht, Du genießt jeden “Geiz ist geil”, “Du bist Deutschland”, etc. -Spot, jede Annonce und dergleichen mehr?
Naja, bei Menschen, die anderen Leuten eine reale Vergewaltigung wünschen, weil ihnen deren Wortwahl nicht gefällt, ist auch das denkbar…
Am 24. Januar 2006 um 00:49 Uhr
Wie kann man sich eigentlich durch die Medien vergewaltigt fühlen, wenn man immer noch selbst die Wahl der Medien hat derer man ich bedient? Und jetzt sage niemand es gäbe keine angemessenen Medien mehr (abgesehen von der “Bloggospähre”).
Das grenzt ja vielmehr an Selbstgeißelung denn an Vergewaltigung.
Am 24. Januar 2006 um 01:00 Uhr
Klowände, Meinungsfreiheit und viel heiße LuftJean-Remy von Matt, Werbeprofi und Teilhaber der bekannten Agentur Jung von Matt, war nach all der Kritik an seiner Gute-Laune-Kampagne gar nicht mehr gut drauf und ließ seinem Frust über die bösen Kritiker im firmeninternen Newsletter freien Lauf:
…
Am 24. Januar 2006 um 01:47 Uhr
Manueller Trackback zum Beitrag „Die matte Entschuldigung“: mattwagner.de/2006/0...
Am 24. Januar 2006 um 07:57 Uhr
Ich finde es gut (und ich benutzte hier bewusst diese subjektiv-wachsweiche Formulierung), ich finde es also gut, wenn weiter “darüber” diskutiert wird.
Es gibt doch zwei Funktionen, die eine Entschuldigung haben kann:
1. Schwamm drüber, reden wir um Gottes Willen nicht mehr drüber. Aus der Welt geschafft. Bloß kein Sterbenswörtchen mehr davon – wie peinlich! Auch nicht drüber nachdenken, wer was falsch gemacht haben könnte. Wir schütteln uns wie der Hund, der aus dem Wasser kommt, und weiter wie gewohnt.
2. Schade um das Missverständnsis, lass uns drüber reden, damit wir wechselseitig kapieren, warum wir aneinander vorbeigeredet haben.
Ich halte Herrn von Matt für Manns genug, dass er mit seiner Entschuldigung Variante 2 meint. Und wenn in den nächsten Tagen/ Wochen statt einer Diskussion von Bloggern ÜBER Werber eine von Bloggern MIT Werbern zustande käme, dann empfände ich das erfreulich, und nicht als “Nachtreten”, “die Skandalstory auskosten” etc.
Am 24. Januar 2006 um 09:41 Uhr
Kommt auf die Auffassung von Verhältnismäßigkeit an. Im Kontext zu zitieren scheint allerdings auf jeden Fall zu viel verlangt zu sein:
Ich habe die Stelle zitiert, die mir sauer aufgestoßen ist – da rettet auch der Kontext nichts.
Die Äußerung, die Du bemängelst, bezieht sich klar auf von Matts “Hausfriedensbruch”, was ebenso überzogen ist, und resultiert eben aus diesem Missverhältnis (daher auch: “wie soll man _dann_”).
Das ist mir schon klar. Und die Frage nach dem _dann_ kannst du beantworten, wie du lustig bist. An eine Vergewaltigung kommt es aber nicht ganz ran.
Es dürfte für den Leser nicht schwer sein, sie entsprechend zu relativieren.
Das einzige was relativiert wird, ist die Vergewaltigung.
Abgesehen davon, dass ich gerade die Leute kritisiere, die ihr Geld mit derartigen Überspitzungen, Verfälschungen, oder auch euphemistischer “Präzisierungen”, verdienen.
Und das macht es besser, sich der gleichen Überspitzungen zu bedienen?
Aber dich stört offenbar die fast ununterbrochene Massenberieselung nicht, Du genießt jeden “Geiz ist geil”, “Du bist Deutschland”, etc. -Spot, jede Annonce und dergleichen mehr?
Im Gegenteil. Aber was hat das eine mit dem anderen zu tun?
Naja, bei Menschen, die anderen Leuten eine reale Vergewaltigung wünschen, weil ihnen deren Wortwahl nicht gefällt, ist auch das denkbar…
Ich wünsche niemandem eine Vergewaltigung. Ich wünschte mir nur etwas mehr Bedacht bei der Wahl von Vergleichen.
Am 24. Januar 2006 um 19:23 Uhr
Ist dies eine Klowand? So Herr Jean-Remy von Matt. Der Mann hinter der “Du bist Deutschland”-Kampagne. In einer internen Mail an seine Mitarbeiter hat er seinen Frust abgelassen. Darüber, dass seine tolle Motivations-Kampagne nicht angekommen ist. Im Abschnitt …
Am 24. Januar 2006 um 20:45 Uhr
Die “Entschuldigung” folgt dem altbewährten Muster der selbsternannten Herren (in diesem Fall der Meinungshoheit) über ihre Untertanen, wenn diese rebellieren. Man sucht sich die Wortführer (in diesem Fall die meistverlinkten blogs) heraus und und lullt sie mit ein bisschen Geschwätz ein. Zum Schluß kommt dann: “Geht wieder schön an eure Drecksarbeit und ich, der gnädige Herr, vergesse die Sache und trage euch nichts nach.”
Werbeprofi hin oder her – diese “Entschuldigung” ist ein Hohn. Allzu offensichtlich ist der Versuch, sich damit als Opfer darzustellen und die bösen Blogger als die eigentlichen Dümmlinge, zwischen den Zeilen deutlich durchschimmernd: “Ich hatte ja doch recht mit den Klowänden.” Angenehmer Nebeneffekt: man ist wieder im Gespräch. Und da ist immer noch die Abmahnung gegen “wieder-deutschland”, die keineswegs im “Affekt”, weil man seinem Ärger spontan Luft machen wollte, angeleiert wurde.
Nee, Herr Matt. Echtes Bedauern ist da nirgends und auch keine Revision der eigenen Einstellung zur Wertigkeit von Mitmenschen, die sich “erlauben” ihre Meinung ohne höchste Genehmigung zu äußern. Egal ob ich persönlich diese “Entschuldigung” erhalte (wohl eher nicht, bin ja keiner der “ausgesuchten” Blogger) – ich bleibe “Klowand” in Ihren Augen – wie auch die, die sie mit Ihrer persönlichen mail als Wortführer und “Multiplikatoren” zu beschwichtigen versuchen.
Indes bleibt der Auslöser der ganzen “Affäre” sowieso von Ihnen unangetastet. Wie verhält es sich eigentlich mit der Nähe der Initiative zur sogenannten “INSMW”, dem neoliberalen think tank aus Wirtschafts- und Poltit”führern”, die die Teilung in elitäres (wir hier oben) und minderwertiges (ihr da unten) Leben endgültig zementieren wollen? Was sagen Sie zu dem Argument, dass sich der eine oder andere aus dem wachsenden Heer der Armen (Sozialhilfe-/ALG2-Bezieher), die nicht einmal die Möglichkeit zur Meinungsäußerung im Internet haben, vielleicht verhöhnt vorkommt, wenn ihm Promis und Multimillionäre grinsend befehlen, “Deutschland zu sein” oder behaupten, “jeder” könne erfolgreich oder ein “Star” werden? In diesem Lande?
Nein, Herr von Matt – Sie bereuen GAR nichts und Sie halten das gemeine (auch das bloggende) Volk nach wie vor für minderwertigen Dreck!
Am 24. Januar 2006 um 23:38 Uhr
JRs EntschuldigungDer “Du bist eine Klowand/Deutschland”-Macher von Matt entschuldigt sich – wie ich lese – bei einigen Bloggern. Indiskretion Ehrensache schreibt dazu eine passende Glosse. Martin Röll bleibt sachlich analytisch (grafische Darstellung der Begriffshäuf…
Am 26. Januar 2006 um 14:05 Uhr
Klowand als Krise oder als Chance zur Professionalisierung? Jean Rémy von Matt und die Blogosphäre.
Sucht man per Suchmaschine nach dem Begriff “Klowand”, findet man mehr als hundert Blogeinträge, die sich an der Kritik des Werbemachers Jean-Rémy von Matt (Jung v. Matt) an Weblogs abarbeiten….