19.01.06
21:05 Uhr

Unser Erleuchter: Jean-Remy von Matt

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Ich möchte Herrn von Matt von Herzen danken. Durch sein Statement hat er uns endlich die so lang ersehnte Klarheit verschafft. Wir brauchen nun keine uralten Führer-Bildchen oder aufgebrachte Autoanzünder mehr, die uns sagen, was an der Du-bist-Deutschland-Kampagne nicht stimmt.

Wir brauchten dazu nur ganz alleine Sie, lieber Herr von Matt. Durch Ihre einzelne Stimme haben sie wahrhaftig einen Taifun ausgelöst. Mit Ihrer gesamten Kraft haben sie das eingefette Papier weggepustet, durch das wir bisher nur die Silhouetten von Kritikpunkten erspähen konnten. Wie Schemen, die uns während langen Diskussionen einfach nicht deutlicher erschienen. Jetzt, da der Vorhang gefallen ist, können wir alle aufatmen, denn der Zauber ist nun endgültig vorbei. „Wieso?“, fragen sie? Die Antwort ist ganz einfach, sie haben die Menschen nicht verstanden, ihre Kampagne hat die Menschen nicht verstanden. Sie haben es selber zugegeben. Wer die Menschen nicht versteht, kann die Deutschen allemal nicht begreifen. Wer die Deutschen nicht begreift, kann auch nicht mit ihnen kommunizieren, sie nicht wachrütteln.

Sie reden von Höflichkeit und von Erziehung. Gute Erziehung, bei der man lächelnd Geschenke annimmt, die einem gar nicht gefallen.
Ich interpretiere darin allerdings einen Akt der Lüge. Unklare und unwahre Kommunikation. Immer schön schlucken und sich nicht wehren oder gar zucken.

Sie reden von Miesepetrigkeit bei ihren Kritikern.
Ich höre aber auch nur Ihr Bellen nach dem Biss, der durchaus als Miesepetrigkeit interpretiert werden könnte.

Sie sprechen von Randgruppen, von denen man sowieso nichts erwarten kann.
Ich sehe Menschen, die sich ernsthaft mit der Kampagne und dem Leben auseinandergesetzt haben, die in die Tiefe gegangen sind und nicht jede Dynamitstange runterschlucken, die aussieht wie ein Deutschländerwürstchen.

Sie reden von neidischen Kollegen aus der Branche, die ungerechtfertigt ihre kreative Arbeit in Frage stellen.
Ich sehe kompetente Fachleute mit Leidenschaft in ihrem Job, die jenseits von Glamour und Bohei sich auf das Wesentliche konzentrieren wollen, nämlich auf ihren Job: Die Kommunikation.

Sie reden von Hetzern und Wandbeschmierern, die ungerechtfertig ihre Meinung kundtun.
Ich sehe Menschen, Netzwerke und Märkte von Morgen sowie Führungskräfte der Zukunft. Ich sehe Menschen, die einfach nur eine Meinung haben. Ich sehe auch in Ihnen einen Menschen und das obwohl sie sehr wohl auch mich beleidigen und eben nicht meine Meinung teilen.

Sie reden von zu verkopften Journalisten die für ihre zu verkopften Leser schreiben und nur deshalb diese Kampagne in Frage stellen, damit sie überhaupt etwas zum kritisieren haben.
Ich sehe engagierte Journalisten, die für interessierte Leser Artikel jenseits von Klatsch & Tratsch verfassen. Für Menschen, die sich nicht nur mit 3 Zeilen und 3 Bildern zufriedengeben.

Sie reden von fehlendem Bauchgefühl der anderen.
Ich verspüre Ihr Bauchgefühl sehr wohl. Es drückt Vorurteile, gekränkte Eitelkeit und jede Menge Feindseligkeit aus. Alles das was ihre Kampagne hinwegfegen wollte.

All diese von Ihnen angesprochenen Dinge, fast jede Zeile ihrer e-mail sehe ich als fundamentalen Gegensatz zu allem was mit dieser Kampagne kommuniziert werden sollte. Deshalb ist diese Kampagne durchgefallen. Sie richtet sich von oben herab auf die Menschen, wie eine Maschine, die Gefühle nach Hollywood-Rezeptur auf uns herabschüttet. Ein bißchen Pathos, ein bißchen rührendes Geklimper, einige leere, philosophische Wortfetzen. Natürlich hat der Spot eine Wirkung, beinahe wie eine Droge, allerdings auch mit den gleichen anschließenden Nebenwirkungen: Unendliche Leere, einen dicken Kopf und der Drang nach mehr.

Zum Abschluss bitte ich Sie und all die Dinosaurier da draußen eindringlich, sich das Cluetrain-Manifest zu Gemüte zu führen. Lernen Sie endlich mit Menschen zu kommunizieren, hören Sie auf uns wie Maschinen zu behandeln. Lernen Sie Menschen zu akzeptieren und zu respektieren. Hören Sie endlich damit auf uns für dumm zu verkaufen.

Wir haben wirkliche Macht, und wir wissen das. Wenn ihr das nicht erkennt, wird jemand anders daherkommen, jemand aufmerksameres, jemand interessanteres, jemand, mit dem es mehr Spaß macht zu spielen.

Nutzen Sie die Chance: Lernen Sie. Verzeihen Sie. Bereuen Sie.
Vielen Dank!

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62 Kommentare

  1. Patrick Breitenbach

    @Rene:

    Das sind sogenannte Trackbacks. Den vollständigen Kommentar findet man bei der jeweiligen angegebenen Website. Ein anderes Blog schreibt einen Beitrag und verlinkt diesen quasi in unser Kommentarbereich. Hoffe ich konnte helfen!

  2. René

    Ja, hat weitergeholfen. Danke. :-)

  3. Zielpublikum

    Auch bekommen?

    Offener Brief von Jean-Remy von Matt

    Heute erreichte mich eine E-Mail von Jean-Remy von Matt, so stand es jedenfalls im Absender. Ein Kommentar von Jean-Remy von Matt zur Klowand-Diskussion und betitelt mit Liebe Blogger.

    endl.de/newsletter/w...

  4. Silkester erzählt

    Die Entschuldigung

  5. Gedankenstücke

    Angepisst?Die Sau durchs Dorf treiben?Da beschwert sich so ein schweizer Marketing- und Werbefritze zugegebenermaßen schlecht gelaunt über die bösen Blogger und schon fällt die deutsche Blogger-Gemeinschaft über sie her. Klar, der Typ hat eine schlechte Kampag

  6. eliZZZa

    absolut deppensichere anleitung zur kommunikation mit klowänden:
    deppensicher.blogspo...
    by eliZZZa

  7. K.

    was für ein peinlicher, selbstgefälliger artikel. naja, der peergroup gefällts, also viel spaß noch.

  8. Andreas Rodenheber

    Was für eine peinliche Art, in Weblogs zu kommentieren: Ohne Namen. Ohne Gesicht. Nur mit einem Initial. Naja, wenn’s gefällt. Also, viel Spaß noch!

  9. yamb - mein notizblog

    Beschmierte Klowände: Jean-Remy von Matt kotzt sich aus.Mehr noch als eine Leberwurst. Schreibt Jens Scholz, der eine nun nicht mehr ganz so interne Mail an Tanja und Anja in seinem Blog veröffentlicht hat. Wenn’s kein Fake ist (und es ist wohl keiner), ein grandioses Eigentor, brilliant kommuniz…

  10. CH Internet Szene

    Jean Remy „Klowand“ von Matt: der gute Ruf ist nachhaltig zur Sauvon Fredy Künzler

    Jean Remy von Matt ist einer der angesehensten Werber (gewesen). Doch innert wenigen Tagen und Wochen hat er selber sein Ruf versaut – wegen Blogs, den Klowänden des Internets.

    Die Geschichte kurz zusammengefasst: Jean Remy von Ma

  11. Jealous

    mein gott… ist ja sooo tragisch. schreibt ein buch darüber. material ist ja anscheinend gut da. ab geht’s!

  12. Sprottenblog » Du bist Deutschland - Die 2.

    […] Herr Jean-Remy auch mal die erste Seite der Google Bildersuche zu diesem Thema reinziehn. Oder mal hier […]

Eure Kommentare

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  • Tom: Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ein guter Texter oder auch Grafiker meistens besser verdienen als bei gehalt.de geschrieben....
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