12.01.06
07:24 Uhr

Die Schöne und der Blogger

“Meine Schöne und das Biest” wäre wohl eher die Headline benannt worden, hätte eine alteingesessene Familie aus Bergisch-Gladbach den Artikel der aktuellen HORIZONT verfasst. Das Werbefachmagazin benennt in ihrer heutigen Ausgabe allerdings ihren Artikel mit “Absurder Streit um die Schöne und den Blogger”, Subheadline: “Heidi Klum verdirbt es sich mit der Blogger-Szene/Vater verursacht Posse um die Namensrechte/Werbepartner gelassen”.

Wir finden in dem Artikel zunächst keine neuen Informationen, woher auch? Schweigen und in juristischen Nebelschwaden verstecken, heißt die derzeitige Devise. Das interessante an dem Beitrag war jedoch die erstmalige Befragung eines Werbepartners der Heidi Klum GmbH. Heiner Wolters, Marketingchef von Katjes, meldet sich darin äußerst entspannt zu Wort. Er sehe im “derzeitigen Treiben im Netz” überhaupt keinen Grund zur Aufregung. Weiterhin sieht er keinen direkten Zusammenhang zwischen den Berichten in Weblogs/Medien und der Bedeutung des Werbeverhältnisses mit der Firma Heidi Klum GmbH. Es gibt keinerlei Auswirkungen auf die Marke Katjes.

Oliver Wagner (agenturblog.de) mahnt jedoch vor einem leichtfertigen Umgang mit dem Thema. “Die deutsche Blogosphäre kann zu der online verfügbaren Identität einer Marke einen viel größeren Beitrag leisten, als es Markeninhabern, PR-Beratern und Werbern lieb ist.” meint Wagner und fügt hinzu “Aussitzen funktioniert nicht.”

Zur ausführlicheren Information gebe ich hier das Interview mit der HORIZONT in vollem Umfang wieder. Aus redaktionellen Gründen, konnte dessen Inhalt nicht 1:1 übernommen werden:

HORIZONT: Inwiefern zeigt der Fall die Lebendigkeit und Effizienz der deutschen Bloggerszene? Gewinnt diese an Selbstbewusstsein?

Breitenbach: Also was die deutsche Bloggerszene zunächst gezeigt hat, war eine schnelle, aktive und intensive Solidarität. Dies drückt sicherlich bereits schon die Aspekte Lebendigkeit und Effizienz aus. Weblogs gewinnen auch im Zuge dieser Diskussion an Selbstbewusstsein, denn der Verlauf und das daraus hoffentlich bald resultierende Ergebnis dieser kleinen Affäre ist unheimlich spannend für die Gemeinschaft der Blogautoren. Schließlich entscheidet sich daraus, ob ich als Weblogautor in Zukunft juristisch ungestraft meine Meinung über Personen und Marken äußern darf oder nicht. Ich denke dies ist auch mit ein Grund, wieso das Thema auch auf internationaler Ebene so eifrig diskutiert wird.

HORIZONT: Zeigt die deutsche Bloggerwelt damit nun endgültig, dass sie so – auch durch die Weiterbreitung selbst gesetzter Themen in Print – das Image von Personen und Marken beeinflussen kann?

Breitenbach: Ich denke die Weblogwelt sollte als Spiegel der Konsumenten begriffen werden. Mittlerweile kann sich jeder innerhalb von Minuten durch diese Medienform theoretisch Gehör verschaffen. Die dazugehörige Vernetzung funtkioniert im Bedarfsfall ja rasend schnell. Dies kann man allerdings nicht unbedingt planen oder kontrollieren. Aber wenn so etwas einmal in Gang gesetzt wurde, dann hat das sicherlich auch Einfluss auf das Image und wie im Fall vom Werbeblogger, auf die Markenführung. Denn die Person bzw. die Marke Heidi Klum wird ja bisher direkt nicht kritisiert. Also grundsätzlich sollten Markenstrategen genauso achtsam mit Weblogs umgehen, wie sie es sowieso schon mit ihren potentiellen Kunden oder Konsumenten tun sollten.

HORIZONT: Ist der Vorgang nur für Klum ein PR-Debakel oder kann er sich auch negativ für die Werbepartner auswirken?

Breitenbach: Zunächst einmal möchte ich zum Ausdruck bringen, dass wir dies auf keinen Fall wollen. Sollte aber vor allem in den USA die Diskussion verbreitet und fortgeführt werden, so könnte ich mir vorstellen, dass der eine oder andere Sponsor hellhörig wird. Allerdings sollte man wirklich beachten, dass momentan die Marke selbst ja nicht unter Beschuss steht, sondern eher deren Führung. Dies macht das Thema ja gerade auch für größere amerikanische Markenstrategen wie Marc Babej (being-reasonable.com) so interessant.

Im Gegenzug versuche ich, durch den offenen Brief an Frau Heidi Klum, gerade der Marke die Möglichkeit zu geben, sich ganz klar zu den Vorfällen zu äußern und bei Bedarf auch zu distanzieren. Vor allem war lange Zeit ja auch nicht klar, dass es sich wirklich um einen offiziellen Vertreter der Marke Heidi Klum handelte. Ob nun die öffentliche Person Heidi Klum die Chance wahrnimmt oder wahrnehmen darf, um eventuell einen drohenden langfristigen Imageschaden abzuwenden, bleibt derzeit wohl noch offen.

NACHTRAG:
Das vollständige Interview (auch mit den Antworten von Oliver Wagner) findet man nun auch bei horizont.net.

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5 Kommentare

  1. bjoernhasse

    Artikel und Interview sind top.

  2. problematik.net

    wir haben uns für nichts zu entschuldigen Bergisch Gladbach – Bürgermeister Klaus Orth nutzte den Neujahrsempfang, um das heiße Eisen anzufassen: das Verhältnis der Stadt Bergisch Gladbach zum Super-Model und vor allem zu ihrem Vater, Günther Klum. Der Bürgermei…

  3. Alex

    Solidarität von einem Würzburger Blogger mit einem Würzburger Blogger. Absurd!

  4. thorstenulmer.twoday.net

    Katjes und ihr ModelDer Rechtsstreit Klum vs. Werbeblogger wird von der HORIZONT um eine

  5. www.liveh8.de » Blog Archive » Interessant

    [...] Klingt wie ein schlechter Scherz, ist aber keiner. Auch wenn das Thema schon ein paar Tage alt ist: Es kann doch nicht sein, dass jemand die Markenrechte an einem Namen verletzt sieht, weil dieser in einem Beitrag im Internet genannt wird. Darf jetzt kein Blogger der Welt mehr über eine weltbekannte Person schreiben? Das kann auch nicht im Sinne von Frau Siel (Name aus juristisch ungeklärten Gründen geändert) und deren Vater sein. Vor allem – wem tut das weh? Müssen Gerichte mit solchen Kleinigkeiten beschäftigt werden? Offensichtlich. Vor allem von Menschen, die für weniger Bürokratie eintreten! [...]

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