16.12.05
09:49 Uhr

Wir Dynamitfischer

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Vorab: Der Dynamitfischer handelt nicht aus Bosheit. Nicht einmal Faulheit sollte man ihm unterstellen (es sei denn Denkfaulheit). Der Dynamitfischer fühlt sich mit dem Rücken zur Wand. Jeden Morgen fährt er aus, um seine Netze auszulegen. Und abends kommt er mit immer geringerem Fang nach Hause. Wenn er draußen auf dem Meer ist, hört er es nebenan manchmal krachen. Ah, der Nachbar fischt schon mit der neuen Methode, da wird man wohl auch umsteigen müssen. Die Zeiten sind hart, und der Erfolg heiligt die Mittel.

Was der einzelne Dynamitfischer nicht sieht, während die Fische kieloben in seinen Käscher treiben: Viele Fischfanggebiete (…) wurden dadurch auf Jahre hinaus stark zerstört, bis hin zum Totalschaden. (#)

Totalschaden. Der Surfer installiert einen Adblocker. Der Fernsehzuschauer geht in der Werbepause Bier holen oder kauft sich einen Festplattenrecorder. Jetzt endlich beginnt das Hirn des Dynamitfischers zu arbeiten. Panisch. Und in Panik kann man nicht klar denken.

Dann versuchen wir eben Layer-Ads zu schalten, die der Adblocker nicht erkennt. Und im TV werben wir per Split-Screen. Während Klose im Länderspiel frei vor dem gegnerischen Kasten auftaucht, lassen wir oben rechts die Bit-Kellnerin mit hüpfendem Busen den Gerstensaft servieren. Oder wir investieren gleich ins Product Placement. Wäre doch gelacht, wenn der Silberförster bei der Fahrt in den dunklen Tannenwald nicht die Vorzüge seines neuen Touareg loben dürfte!

Wir werden euch unser Dynamit schon irgendwie unterjubeln. Im Briefkasten. In der Mailbox. Im Browser. Beim Fernsehabend. Wie bitte, ihr bekommt einen Hals auf uns und unsere Brachialmethoden? Ach kommt, habt euch nicht so, ihr seid doch nur Kunden. Ihr sollt doch nur kaufen. Haltet die Klappe und schluckt weiter.

Zu negativ? Keine Lösungsansätze? Hey, Leute, ich kann hier nicht jeden Freitag das Evangelium runterbeten!

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9 Kommentare

  1. Storyblogger

    Rette sich wer kann Ein aktueller Beitrag im Werbeblogger bringt es auf den Punkt: Der Verbraucher kann sich wehren wie er will – die Werbung wird ihn schon irgendwie platt machen. Auch wenn er sich Wege sucht, um der Werbung zu entgehen. Er hat eigentlich keine Chance,…

  2. Marketingplaner in Ausbildung

    Wieso so trübsinnig? Ich war, bin und werde wohl immer Optimist sein. Für mich sehen die gleichen Fakten einfach gar nicht so schlecht aus wie für andere. Der Werbeblogger beklagt sich das wir der Werbung nie entgehen werden. Installieren wir einen Popup-Blocker ballern…

  3. bjoernhasse

    Mit Dynamit ins WochenendeMit Dynamit ins Wochenende
    Andreas zum Dynamitfischer Werbung:
    Die Methoden werden brachialer, die Fangerträge dennoch geringer. Jeder kopiert methodisch jeden, um nicht den Anschluss zu verlieren. Sicherlich ohne die dabei notwendige Ruhe in der En…

  4. 500beine

    ein schöner vergleich, nur: wir sind alle dynamit
    fischer.

  5. Andreas Rodenheber

    @ 500beine
    Deshalb schrieb ich ja in der Überschrift „Wir Dynamitfischer“. Ich weiß, dass ich im Glashaus sitze. Ich kriege von Zeit zu Zeit auch die Scherben ab…

  6. CountZero

    mal so ne anmerkung von einem, nach dem ihr mit eurem dynamit fischt: ihr kriegt mich nicht. die onlinewerbung die ich nicht mit adblock oder spätestens RIP endgültig und dauerhaft blocken konnte habe ich noch nicht gefunden, und websites, die mir mehr als einmal durch derart penetrantes auf-den-sack-steigen negativ auffallen, wandern unverzüglich in meine persönliche visit-never-again-blacklist – und zumindest in blogger-kreisen und bei den besser informierten pc-anwendern und it-freaks schreitet ähnliches gebahren voran – letztendlich fischt ihr also mit eurem dynamit nicht nur im trüben, sondern kackt in die hand die euch füttert.

    magazine, bei denen die relation inhalt/werbung in immer schlechteres verhältnis abrutscht, werden abbestellt bzw. nicht mehr gekauft, und wer mir trotz aufkleber am briefkasten mit seinem scheiss auf den zeiger geht, darf sich regelmäßig über unfrankierte post mit dem vermerk „gebühr bezahlt empfänger“ von mir freuen.

    es tut mir ja eventuell ein ganz kleines bisschen leid für eure zunft, aber die meisten von euch habens leider nicht anders verdient als mit dieser form von missachtung gestraft zu werden. macht euren kunden klar, daß die devise nicht „marketing um jeden preis“ lauten muss, sondern ich als kunde durch optimale serviceleistungen umsorgt werden möchte, statt mit werbung zubombardiert zu werden, die ich auch noch durch die produktpreise finanzieren soll, und dann braucht ihr auch kein dynamit zum fischen mehr.

  7. Sepita

    Mein Gott,

    und wenn da ein paar Dynamitfischer dabei sind…ja und…!

    Der Dynamit Fischer kann trotz seiner Methode Fische erwirtschaften, der Marketer jedoch braucht Kreativitaet und Innovativitaet um bleibende & positive Aufmerksamkeit zu erlangen. Das schafft man doch nicht durch Nerven und Kopieren. Schaut euch doch best practises von Unternehmen an, wie da branding betrieben worden ist mit innovativen Werbeformen/ -kanaelen/ -formaten. Da koennen noch so viele mit Dynamit arbeiten…die werden niemals erfolgreich sein und verschwinden auf lang von der Bildflaeche, da muss man doch jetzt nicht die Pferde scheu machen und alles schwarz anmalen.

    Dynamische Werbung gehoert zur gesellschaftlichen Evolution und das ist auch gut so! (Die meisten kennen ja noch nicht mal die Vorteile von Werbung – Countzero – stehen in jedem Marketing Glossar!!
    Einfach nachlesen – es geht aber auch wenn man ganz stark nachdenkt…!

  8. Mikrokampagnen | Werbeblogger - Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Mikrokampagnen

    […] reine Banner-Placements geweckt. Der natürliche Werbefilter der Web-Nutzer ist selbst ohne technische Hilfsmittel sehr wirksam geworden und verstärkt sich in seiner Effizienz in dem Maße, in welchem […]

  9. In Social Medias Res! Oder was ist schon ein Cluetrain ohne Fahrgäste? - Brainblogger - Denken, Zukunft, Gehirn, Kultur, Evolution

    […] Wer meint Social Media sei einfach nur die schickere Touchscreen-Litfaßsäule, die man sich einfach mal bei jeder Party auf den Rücken schnallt um mit möglichst vielen Leuten in Kontakt zu treten ohne ihnen zuzuhören und sie gleichzeitig über das eigene Produkt zuzuquasseln ist einfach nicht an meinem, u.a. vom Cluetrain inspirierten, Mindset dran. Wer 100.000 mal “Hallo” oder “Like” sagen besser findet als EINEN einzigen spannenden Kontakt am Abend, der den Geist durch einen langen und intensiven Dialog mal so richtig auf Touren bringt, ist schlichtweg ein Ignorant, Pedant oder ganz einfach nur ein Dynamitfischer. […]

Eure Kommentare

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  • Tom: Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ein guter Texter oder auch Grafiker meistens besser verdienen als bei gehalt.de geschrieben....
  • WERBOU: Ich denke es ist in der Werbebranche sehr unterschiedlich. Gerade was in Sachen Grafik geht, wird meistens der Preis ziemlich gedrückt, was...
  • Thomas Beichel: Wirklich geschmackvoll ist der Werbebanner wirklich nicht, aber jede Werbeagentur wird ihnen recht geben, denn die Werbung erfüllt...
  • Sebastian: Was ich nie verstehen werde warum die nicht wirkliche Kulanz walten lassen. 10€ Guthaben tun dem Anbieter nicht weh.. für ihn bedeutet...
  • Roland Kühl-v.Puttkamer: Nein, tot nicht, wir leben und arbeiten ja alle und auch der Werbeblogger ist online ;-). Für die nähere Zukunft der...
  • Tina: Ist der Blog tot? Wäre echt schade
  • Gatzetec flashlights for friends: Wir denken der Auftrag wurde erfüllt. Gute Werbung für das Produkt und man schaut zweimal hin :-) Gibt es...
  • Detlef Arndt: Als Marketing Experte müsste man auch wissen, warum das so ist. Angebot und Nachfrage sind hier nicht im Einklag. Klare Sache. Daher...
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