18:44 Uhr
Kein Grund zur Aufregung
Ich wollte ja öfter mal die eine oder andere S** auslassen, die durchs Bloggerdorf braust. Nun aber doch was zur viel diskutierten Studie von Fittkau & Maaß.
Zuerst mal: Fittkau & Maaß machen ihren Job schon eine Weile. Ich geh davon aus, dass die Studie mit der nötigen Sorgfalt aufgesetzt wurde und die Ergebnisse leidlich repräsentativ sind.
Was sich viele, die die Studie (Zusammenfssung als PDF-Download) auf dem vorverdauten Weg über Golem oder n-tv auf ihren Bildschirm bekommen haben, nicht klar machen: Wenn Fittkau & Maaß was misst und interpretiert, dann reden sie schon mal davon, wie oft so ein Weblog aktualisiert wird und wie oft ein Senffass umfällt. Aber in erster Linie geht es um Reichweite. Reichweite ist der Fetisch der herkömmlichen Mediaplanung. Reichweite ist eine Frage der erzielbaren Quantität bei der Ansprache einer (wenn man allerdings klug ist, durchaus qualitativ umrissenen) Zielgruppe. Und bei einer ganz global definierten Reichweite („Gesamtheit der deutschsprachigen Internet-User“) machen Blogs, wenn sie nicht gerade Bildblog oder Spreeblick heißen, nach wie vor nicht viel her. Da soll man sich besser nix vormachen.*
Nach den bekannten Regeln des Schäfchen-Zählens fallen Weblogs also nach wie vor durch den Rost. Niemand, der täglich noch so fleißig sein Blog füttert, sollte in absehbarer Zeit damit rechnen, dass eine große Mediaagentur auf ihn zukommt und ihm anbietet, für einen dicken Sack Geld ein paar Skyscraper des bekannten Werbekunden xy zu schalten.
Harter Stoff für alle, die meinen mit einem Weblog den schnellen Euro machen zu können. Aber ist das für Blogger, die schon ein paar Tage ohne Businessplan und Venture Capital unterwegs sind, eine neue Erkenntnis? Nein. Lohnt es sich, sich darüber aufzuregen? Nein.
Darf man Weblogs als Marketer also abschreiben? Auch nein, wenn man erst mal kapiert hat, wie die Sache den Multiplikatoren funktioniert. Aber schließlich muss jeder selbst wissen, ob er sich auch weiterhin auf die Trampelpfade klassischer Mediaplanung verlässt, auf denen er sich nun mal auskennt. Soll mich nicht jucken.
Worüber man sich allerdings nach meinem unwürdigen Ermessen durchaus mokieren sollte, ist die Dabbischkeit (hessischer Fachterminus, mit Dummheit zu unzweideutig ins Hochdeutsche übersetzt) von Nachrichtenredakteuren, die nicht kapieren, dass da die ganze Zeit von Marketing und von Werbeplatzierungen die Rede war. Und die dann so erbärmlichen Killefit schreiben (oder von Agenturen Getipptes) übernehmen wie n-tv:
Will mal so sagen: Über dem n-tv-Newsbeitrag liegt aktuell ein Layer-Ad, das ich mit meinem Camino auf dem Mac auch mit härtestem Mauseinsatz nicht weggeklickt bekomme. Freut euch über diese Form von Werbeplatzierungen auf eurem Portal. Ihr dürft sie behalten!
–
* Auch wenn in der Studie übrigens ein krasser Denkfehler vorkommt, den Silke Schümann in einem Kommentar bei Robert schön auf den Punkt gebracht hat: 73 % der User benutzen Suchmaschinen. Und in den Suchmaschinenergebnissen sind Blogs bei vielen Begriffen ganz oben gelistet. So landet so mancher, der in der Studie nach bestem Wissen und Gewissen angekreuzt hat, dass ihm Blogs am A… vorbeigehen, inzwischen mit schöner Regelmäßigkeit ohne es geplant zu haben und ohne es sich klar zu machen in der Blogosphäre. Aber das nur am Rande.
6 Kommentare
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- Vroni: Ralph :-)
- ralf schwartz: @Vroni Das war ein zustimmendes Lächeln, wie Du es auch sehen würdest in meinem Gesicht würden wir uns gegenübersitzen. Nicht immer...
- Vroni: Was issn jetz schon wieder. Klar macht es einen Unterschied, wie man optisch und von der textlichen Ansprache an die Leut angeht. So gehts...
- ralf schwartz: @Vroni :)
- Vroni: Kann ja alles sein, geschenkt. Ich meinte, dass das grottenschlecht und wenig ansprechend UMGESETZT war. Wie wenn ein BWL-er unter...
- ralf schwartz: @Vroni Und eine Website dahinterzulegen, auf der die User hätten voten können … Aber die Kosten, Print geht es gar nicht gut,...
- Vroni: Hrhr, die W&V mal wieder. Leeres Schulheft-Papierkaro und eine Flipchart-Schrift. Kriegt man sofort die beiden Krankheiten Horror Karo-i...
- Daniela über die Arbeitszeit: Mit dem Alter werde ich immer tagaktiver… Während ich in meiner Schulzeit zwischen 8 und 16.00 (Schule) in...

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Am 6. Dezember 2005 um 19:16 Uhr
hm irgendwie ist das ganze doch nicht wirklich überraschend. ich meine, man sehe das mal so: wieviele von uns kennen sagen wir das konsolenspielmagazin xy (um mal neutral zu bleiben)? gut, bestimmt fast jder hats mal im kiosk gesehen oder die werbung im tv. und wieviele der leser hier besitzen nur eine ausgabe davon? genau, keiner. mit den blogs ist das doch fast genauso, es gibt unheimlich viele interessante fachblogs (wie etwa diesen hier) die sich an ein bestimmtes kleinte (wie schrebt man das? :D) richten, aber eben nur aus dem bereich internet, marketing und ähnliche, nicht aus bereichen, die die masse itneresseren. ein mtv-blog wäre sicher der renner ;)
insofern würde ich nicht sagen, dass blogs uninteressant sind, sondern, dass es zu wenig blogs gibt, die sich mit massenverdaulichen thematiken befassen.
Am 7. Dezember 2005 um 08:19 Uhr
Nochmal Fittkau & Maas Nun haben sich auch die Leute vom Werbeblogger zur vieldiskutierten Studio von Fittkau & Maas geäussert und ich fühl mich endlich bestätigt. Das Ding ist keine Überraschung aber auch nicht so schlimm wie sich das anhört. Ein bisschen Mut mü…
Am 7. Dezember 2005 um 18:14 Uhr
tja, die redakteure und journalisten sind oft eben keine blogger (eh ein ambivalentes verhältnis, auf das in der blogosphäre schon oft genug eingegangen wurde), d.h. entweder verstehen sie das universum “blogs” einfach nicht und hauen mit den oben genannten vorgekauten platituden um sich oder sehen eine chance den “bösen” bloggern mal wieder eins auszuwischen – diesen pseudo-privat-journalisten (obwohl ich letzteres den wenigsten unterstelle).
ich interessiere mich für das geschehen meiner branche und lese gerne entsprechende fachblogs, um auf dem laufenden zu bleiben. und wer lieber etwas über kochen oder aikido lesen möchte, findet sicher auch da entsprechende themenblogs.
dies sind aber alles relativ kleine zielgruppen mit einer speziellen leserschaft. bestimmte themenbezogene blogs erreichen somit vielleicht nicht die großen massen (stichwort “reichweite”), jedoch eine für das thema sehr relevante zielgruppe (stichwort “multiplikatoren”). dies sollte bei der betrachtung der “wichtigkeit” von blogs sicher nicht außer acht gelassen werden.
und im endeffekt geht es in der werbung/marketing doch um nichts anderes – relevante zielgruppen zu erreichen.
wenn mich handbemalte porzellan-clowns einen sch*** interessieren, nützt den werbern auch die größte reichweite ihrer kampagne nichts.
das schöne sind doch die handverlesenen relevanten beiträge, ich will gar keine massentauglichen blogs, die über alles und jeden schreiben, informationsüberflutung haben wir doch schon genug.
@kacper: ich glaube, du meintest “klientel”.
Am 7. Dezember 2005 um 19:36 Uhr
naja, immerhin nur einen buchstaben vergessen, hihi…
ps: oh, jetzt muss man hier zum kommentieren ja so doofe zahlen eingeben :(
Am 7. Dezember 2005 um 20:12 Uhr
Äpfel und Birnen: Fittkau & Maaß Weblogstudie.Was bisher geschah:
Fittkau & Maaß haben ne Studie über Weblogs gemacht.
Weil Weblogs ja irgendwie Marketing sind, hat man bei der Studie die gute alte Reichweite untersucht.
Dabei schnitten die Weblogs erwartungsgemäß ziemlich schlecht ab…
Am 10. Dezember 2005 um 08:47 Uhr
Weblogs – Was sind eigentlich überschätzte Phänomene? Blogger werden häufig ignoriert, unterschätzt oder einfach abgestempelt. Bisweilen stellt sich jedoch erst praktisch im Vergleich heraus, warum das unter Umständen auch noch so sein kann. Erlebnisse, die mir zu denken geben. Weblogs: ei…