22:49 Uhr
Ja, und was hat es zu bedeuten?
Heute (Dienstag) gegen halb zwölf (unsere Serverzeit geht derzeit zwei Stunden vor) hinterließ ein H.Morgenthau mit der sprechenden Mailalias gegenalles@… bei uns einen Link auf dieses Bild.
Ich habe nicht darauf reagiert, weil ich finde, dass in den Kommentaren zu diesem Eintrag schon reichlich Schwachsinn am Rande des Justiziablen steht.
Um 16.43 Uhr können wir beim Spreeblick lesen, dass das Bild auch dort angekommen ist. Sehr sachlich noch. Und dann überschlagen sich dort die Kommentare.
An alle, die schon öfter hier in den Kommentaren Parallelen zwischen dem Claim “Du bist Deutschland” und Naziparolen gezogen haben und an alle, die sich nach dem Spreeblick-Artikel feixend die Hände reiben: Seid Ihr ganz sicher, dass ihr Lesen gelernt habt? Unter Lesen verstehe ich: den Sinn einer Aussage begreifen.
Die “Du bist Deutschland”-Kampagne transportiert (ich habe das an anderer Stelle schon mal darzulegen versucht) einen zugegebenermaßen ziemlich verschwiemelten Neoliberalismus des “Wenn jeder sein Bestes gibt, packen wir das schon”. Den kann man reichlich ätzend finden, stimmt. Und man kann drüber lästern, ob diese ewig gleichen Testimonial-Gesichter von Jauch & Co. eine zwingende Umsetzung sind. (Komischerweise finden viele Leute den Teamgedanken und die Umsetzung als Testimonial nicht ätzend, wenn das gleiche inhaltliche Konzept in einer Sportwerbung zum Beispiel so umgesetzt wird.)
Ob die Kampagne überzeugt oder nicht – ihre Grundaussage bleibt Neoliberalismus und ist kein Nationalsozialismus. Und wer das eine mit dem anderen gleichsetzt, handelt nicht nur fahrlässig, er verharmlost auch den schlimmsten Teil der deutschen Geschichte.
So es denn eine Aussage “Du bist Deutschland” auf einem Nazi-Plakat gegeben hat, dürfen wir doch wohl davon ausgehen, dass sie etwas anderes meinte: Nämlich einen Gemeinschaftsgedanken, der sich eben nicht durch Integration definierte, sondern durch Ausgrenzung. (Wobei zu den bewährten Methoden der Ausgrenzung übrigens auch der Rufmord gehörte.)
Es ist also möglich, dass das Bild eine Photoshop-Arbeit ist. Es kann aber auch echt sein. Und wenn es das ist, könnte die Debatte um die „Du bist Deutschland“-Kampagne um eine Facette reicher sein.
Ja, und die Facette lautet: Was das Volk laut auf der Straße schreit, muss nicht unbedingt ein Ausbund von Klugheit sein. Sorry, aber was da gerade durch viele Blogkommentare schwappt, kommt mir vor wie Spießer Alfons auf Dope…
Edit, the day after:
Johnny hat seinem Artikel gestern Abend noch ein lesenswertes Edit hinzugefügt. Ich zitiere nur zwei Sätze:
Sicherlich ein Zeichen für die weiter steigende Popularität von Blogs, was zwar prima ist, aber zumindest für mich auch ein Zeichen dafür, wie schnell die Blogosphäre zu instrumentalisieren sein könnte – egal von welcher „Seite“. Die Mechanismen scheinen, und das ärgert mich, zu leicht durchschaubar zu sein.
Genau so sehe ich das auch, schön dass wir uns in diesen Punkt einig sind!
Pflichtlektüre zum Thema sind auch der Blogeintrag von meinem Namensvetter Andreas, der sich die Mühe gemacht hat a) zu recherchieren und b) ohne Hähme zu werten, und das Posting von Mario Sixtus.
28 Kommentare
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- Dewey: Hi there! This is kind of off topic but I need some help from an established blog. Is it very difficult to set up your own blog? I’m...
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Am 23. November 2005 um 00:39 Uhr
Nun ja, ich denke nicht, dass Jonny eine direkte Verbindung zur NS zeihen wollte. Aber die Tatsache, dass es überhaupt so markante Parallelen gibt, ist doch schon bezeichnend genug. Jedenfalls entlarvt dieses Bild die Kampagne als das was es ist: Billige Propaganda. Zwar keine NS-Propaganda, soweit will wohl niemand gehen, aber dennoch …
Am 23. November 2005 um 01:27 Uhr
Propaganda ist do ein negatives Wort.
Kann man das eigentlich hierauf anwenden? Sicherlich sind politische Regime wie die Nazis für Propaganda bekannt, wozu auch das Plakat zählt, doch die neue Kampagne würde ich als Werbung gezeichnen, vorallem weil sie nicht von einer der Partein allein ausgeht und eher als Mutmacher fungiert.
Am 23. November 2005 um 01:35 Uhr
Ich sehe es als Montage an, in der Vergrößerung erkenne ich auf dem Transparent einige sehr auffällige unscharfe Stellen, die auf eine schlechte Retusche bestehender Schrift hinweisen. Somit wohl ein sehr heftiger Fehlgriff, bei dem Versuch eine suboptimale ;-) Kampagne in den Dreck ziehen zu wollen. Mal schauen, wann das Original auftaucht.
Am 23. November 2005 um 02:13 Uhr
“Du bist Deutschland” bekommt Aufwind “Du bist Deutschland”-Kampagne bekommt neuen Aufwind durch die Blogosphere und einem Bild von 1953.
…
Am 23. November 2005 um 02:33 Uhr
Gut gebrüllt! seh’ ich auch so!
Und wer bitte liest schon Spree ..was?
Am 23. November 2005 um 08:44 Uhr
Du bist Deutschland Die Kampagne zur Aufbesserung des Images der Bundesrepublik Deutschland dürfte ja mittlerweile jedem bekannt sein. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nichtmal, dass ich auch Franz Beckenbauer bin – nur Tore schieße ich immer noch nicht. Ich wus…
Am 23. November 2005 um 09:26 Uhr
Eins sollte ich vielleicht noch mal klar sagen: Die Kampagne ist gescheitert. Das Geld (auch wenn es “nur” gespendetes, virtuelles Geld war) ist zum Fenster rausgeworfen. Schlimmer noch. Die Kampage hat Deutschland nicht vereint, sondern gespalten. Um anderes zu behaupten, müsste man ein Narr oder Kundenberater aus einer der beteiligten Agenturen sein.
Aber ich bleibe dabei – zweimal dieselben Wörter aneinander gereiht, zwei völlig verschiedene Aussagen:
“Du bist Deutschland” in der Naziideologie heißt:
Du bist die kleine, unbedeutende Ameise, deren Lebensrecht sich nur im Hinblick auf das große Ganze, dein Volk ergibt (“Du bist nichts, dein Volk ist alles”).
“Du bist Deutschland” in der Kampagne heißt für jeden, der nicht völlig verblendet ist, klar erkennbar:
Zieh dein Ding durch, sei mutig, steh zu dir selbst, krieg den Arsch hoch, versuche dein Glück zu machen (Es gibt übrigens eine große Nation, die hat genau dies als “pursuit of happiness” in ihrer Verfassung festgeschrieben). Und wenn jeder versucht, mit ganzer Kraft so zu sein, wie er ist, aus seinen Talenten das Beste zu machen, dann kommt Deutschland ein gutes Stück weiter. (Btw. würde ich gerne mal sehen, welche Rolle beispielsweise einem Gerald Asamoah in einem Leni-Riefenstahl-Film zugedacht gewesen wäre.)
Auch Variante 2 kann man meinetewegen gerne eine Ideologie nennen. Aber Variante 1 und 2 auch nur andeutungsweise einfach gleichzusetzen, ist in meinen Augen grob fahrlässig.
Ob es dieses Nazi-Plakat jemals gegeben hat, mag für Histroiker interessant sein. Über die ideologischen Inhalte und Qualität der aktuellen Kampagne sagt es nichts aus.
Am 23. November 2005 um 09:50 Uhr
Wir sind ein Völkchen!In Anbetracht der derzeitigen Diskussion um unseren halbschnurrbärtigen Über-Trauma-Vater möchte ich meine bescheidenen, hobbypsychologischen Gedanken zu diesem Thema beitragen.
Ich finde es immer wieder faszinierend wie sehr es dieser kleine, irre…
Am 23. November 2005 um 10:06 Uhr
Das hat keiner gewollt …Wenn das wirklich ein authentisches Bild ist, hat die Kampagne Du bist Deutschland im Moment nicht zu lachen.
Dass ich mit der Kampagne nicht so viel anfangen kann, habe ich bereits hier und hier geschrieben.
Trotzdem hat die Aktion eine gänzlich an
Am 23. November 2005 um 13:24 Uhr
Das (un)kommentierte Zitat III“Denn Du bist Deutschland.”
– Um 1935: NS-Kundgebung auf dem Ludwigsplatz.
Eigentlich wollte ich nichts zu diesem mittel-schwerwiegenden Fauxpas der Initiatoren der “Du bist Deutschland” Kampagne schreiben. Nachdem ich mir nun aber einige Kommentare…
Am 23. November 2005 um 14:12 Uhr
Du warst auch mal Deutschland “Du bist Deutschland” 1935: Ein Volk. Ein Führer. Eine Kampagne.
…
Am 23. November 2005 um 14:16 Uhr
damals: du bist und bleibst deutschland gab es da auch schon: du bist deutschland? mal bei spreeblick und sixtus, andreas oder dem werbeblogger schauen
…
Am 24. November 2005 um 03:14 Uhr
Du bist Deutschland
heißt
das ich es nicht bin.
Am 24. November 2005 um 04:22 Uhr
Du bist Nationalist Folgendes Bild kursiert seit einigen Tagen im deutschen Internet.
Dies ist angesichts der aktuellen Medien-Kampagne „Du bist Deutschland“ durchaus ganz unterhaltsam. Und das Bild ist keine Montage! Allerdings kam in diesem Zusammenhang auch wiede…
Am 24. November 2005 um 07:56 Uhr
wie hitler die blogosphäre aufrollt, eine chronologie nachdem die nazis deutschland und andere teile der welt in schutt und asche gelegt haben, können wir nun eine reflexartige reaktion auf einen höchst pikaten fotofund aus dem jahr 1935 in der blogwelt beobachten, bevor es in andere medien hinüberschwap…
Am 24. November 2005 um 11:13 Uhr
“Du bist Deutschland” Du-bist-Deutschland-Kampgne mit Verbindung ins 3. Reich?
…
Am 24. November 2005 um 16:05 Uhr
endlich ein gescheiter text in dieser sache. als nich deutsche kann ich die aufregung nich verstehen..
Am 24. November 2005 um 17:14 Uhr
Sagte ich doch: Mutmacher-Kampagnen haben Tradition in Deutschland
Auch wenn ich die folgende Kampagne von 1935 nicht kannte:
Eine unschöne und auch peinliche Parallele. Die halte ich persönlich zwar nicht gerade für lapidar, finde aber auch, dass man auf dem Teppich bleiben sollte und dass allein die Veröffent…
Am 25. November 2005 um 00:28 Uhr
Germany's Country Marketing Campaign Stirs Up Ghosts from the PastGermany's Du Bist Deutschland Country Marketing Campaign: To raise morale amidst economic, political and social malaise, German publishers and TV channels have recently formed an initiative and launched an ad campaign, with the theme Du bist Deuts…
Am 25. November 2005 um 05:57 Uhr
Ob jedwede, gedanklich gerade nach Publizierung des NS-Banners fast automatisch zu vollziehende, gedankliche verbindung der aktuellen kampagne mit faschistischem gedankengut so dermaßen an den haaren herbeigezogen ist, wie vom home-autor dieses blogs gemeint, sei mal dahingestellt.
lassen wir die copies der offiziellen anzeigen und die mehr als bemühten texte des TV-Spots mal beiseite, offenbart sich für mich immer noch ein zentraler, durch den claim “du bist deutschland” aufs klarste manifestierter grundgedanke: “hey du, vergiss, was du bist. vergiss, was in deinem leben passiert, was dich vielleicht aus der bahn geworfen hat – oder auch nicht; vergiss, was du als der, der du bist, leisten willst oder kannst. vergiss es einfach. es geht nicht um dich. es geht um deutschland. besinn dich auf das, was möglich wäre (wenn alle rahmenbedingungen aus heiterem himmel so perfekt wären, wie sie sich ein dagobert duck oder ein florian illies nur wünschen könnten). Nicht auf das, was in deiner realen Lebenssituation eine Rolle spielt. denk nicht über das nach, was dein Leben vielleicht weniger gut macht. denk über das nach, was du für dein land tun kannst. denn du bist nicht DU. du bist DEUTSCHLAND. es geht am ende nicht darum, ob DU glücklich bist. sondern ob es dem theoretischen konstrukt eines LANDES, in dem du nun mal zufällig geboren wurdest oder lebst, eines STAATES, einer von anderen abgegrenzten Menschenmasse gut geht. Das siehst du nicht so? Du Deutschland-Verräter du, pfui.”
Hmm. Polemisch? Ja, schon klar. Ungefähr so polemisch wie die durch die Kampagne erzwungene Vereinigung von mir und meinen Freunden mit (z.B.) irgendwelchen Dumpfbacken-National-Befreiten-Spacken in Sachsen, mit denen ich aber garantiert weniger gemein habe als mit jedem x-beliebigen anderen Menschen auf der Welt, egal, ob er nun “Deutschland” ist oder nicht.
Um auf den Punkt zu kommen: mir (und, falls das jetzt nicht zu anmaßend klingt, JEDEM normal denkenden Menschen) geht es um MICH, um meine Freunde, meine Familie, um die Leute, die ich interessant finde. Aber mir geht es bestimmt nicht um irgendein “Deutschland”. Das ist ein Konstrukt, das spätestens seit 1945 nun mal wirklich passé sein sollte. Aber gut, ist es offenbar nicht. Was sagt uns “Du bist Deutschland” dann also? Du bist ein Teil eines Ganzen. Du siehst keine Parteien mehr, nur noch Deutsche. Na, super. Du bist am Ende nichts, dein Land ist das, was zählt. Ja, wunderbar. Und jetzt sage mir immer noch jemand, es sei ein zufall, dass die NSDAP genau diesen Satz ebenfalls verwendete…!
Was nun JvM und KemperTrautmann natürlich keinesfalls bewußt faschistisches Denken unterstellen soll. Nein. Lediglich ein (in unserer Branche nunmal traurig tief verankertes) Denken, das im Endeffekt jenem unfreiwillig (?) aber doch sehr nahe kommt: es geht nicht um dich. Es geht um das “große Ganze”. Auch “das Ergebnis” genannt. Und mit ein bißchen Hinterfragen und Überlegen… passt das dann schon wieder alles recht gut. Kreativität ist nichts. Deutschland ist alles. Amen.
Am 25. November 2005 um 10:26 Uhr
> lassen wir die copies der offiziellen
> anzeigen und die mehr als bemühten
> texte des TV-Spots mal beiseite
Es ist ein außerordentlich origineller hermeneutischer Ansatz, einen Gegenstand zu interpretieren, indem man den Gegenstand selbst völlig ausblendet…
Abgesehen davon kann ich viele deiner Argumente (und du gehörst wenigstens zu denen, die überhaupt Argumente bringen) nachvollziehen.
Am 25. November 2005 um 10:49 Uhr
@ Being Reasonable Trackback:
Danke, Marc, für deinen Blick von jenseits des großen Teiches auf unsere wohl niemals endende deutsche Vergangenheitsbewältigung.
Wunderschön finde ich deine Bemerkung am Rande:
“Outright odd: that TV spots for a country with such a profound musical legacy should feature, of all things, the theme from Forrest Gump.”
Ich glaube über diese naheliegende Frage hat sich hier noch keiner Gedanken gemacht ;-)
Am 25. November 2005 um 16:07 Uhr
damals: du bist und bleibst deutschland (II) Das im Internet aufgetauchte Foto, das belegt, dass der Spruch “Denn Du bist Deutschland” auch von Nazis benutzt wurde, ist authentisch. Historiker sagen jedoch, dass der Slogan im Dritten Reich nicht gängig war. [n24]
…
Am 25. November 2005 um 18:25 Uhr
Du bist die Demontage Dass Weblogs einen Effekt haben und eine bedeutende Rolle in der Medienlandschaft spielen, wollen viele ja noch immer nicht glauben. Dabei gibt es inzwischen einige Beispiele, die zeigen, dass eine Blogosphärendiskussion auch ganz schnell auf die tra…
Am 26. November 2005 um 14:35 Uhr
(Denn) Du bist DeutschlandDie Kampagne "Du bis Deutschland" ist im Web – gelinde gesagt – reichlich umstritten. Schlecht oder gut? Bullshit?
Ich
Am 26. November 2005 um 19:04 Uhr
“Du bist Deutschland” und der Nazi-SloganDie Werbekampagne mag jeder verschieden betrachten. Der eine ist eher skeptisch, für den anderen ist das Ganze nur dumm, wiederum andere finden gefallen daran und finden es gut, dass auch Unternehmen versuchen, ein wenig mehr für positives Denken und S…
Am 28. November 2005 um 21:06 Uhr
Das hat uns gerade noch gefehlt!!!Eigentlich haben wir an dieser Stelle schon alles zum Thema “Du bist Deutschland” gesagt, aber nun sind wir wirklich begeistert. Die Kampagne soll es angeblich schon gegeben haben, wobei als Beweis dieses Foto seit Wochen versandt wird:
Aber da hil
Am 3. Februar 2006 um 15:53 Uhr
Bist du Deutschland?Äh …echt ? Wollte ich eigentlich nie sein. Aber nun ja. Wohin die Presse einen noch treibt außer zum Kiosk… *seufz*
Spiegel Online, das ist die Online-Seite die mehr Fehler macht als „Bild“ in einem Monat. Aber ab und an erf&#…