26.10.05
07:25 Uhr

We will, we will, shock you!

So wie ich derzeit meine 15 Tassen Espresso am Tag benötige, um einigermaßen noch 13 Stunden in den TFT-Monitor glotzen zu können, brauchen alle unsere abgestumpften Nervenbahnen von Zeit zu Zeit einen kleinen Stromstoß in visueller Form.

Mit Schockerwerbung wurden schon so manche Kampagne gefahren und der Sinn oder Unsinn eines solchen Nervenkitzlers ist bis heute noch nicht vollständig erörtert worden. Interessant ist vor allem die Tatsache, dass wir Werber die Konsumenten eher dazu bringen ein schwachsinniges Produkt zu kaufen, als Menschen vor der Selbstzerstörung oder der Vernichtung unseres Planeten zu bewahren. Nachfolgend also wieder der Versuch zweier neuer Gehirn-Defilibratoren:

Warum Drogen unser Gehirn schädigen zeigt man uns äußerst anschaulich hier (da bleib ich doch lieber bei Espresso):

Drogen Schocker

gefunden bei popcorn

Einwandfreie und ästhetische Umsetzung, die Botschaft kommt klar rüber, Ekelfaktor ist nahezu unübertrefflich.

Folgende Printmotive möchten auf Mißstände im Bereich des Tierschutzes hinweisen. Im Gegensatz zu manch schlampiger PETA-Kommunikation trifft die Bildsprache von TBWA Paris auch hier ins Schwarze.

Tierschutz extrem

Tierschutz extrem

ebenfalls gefunden bei popcorn

Ästhetischer Ekel – sind wir etwa so noch zu knacken?

Keine Tags vorhanden

4 Kommentare

  1. Vroni Gräbel

    Finde den Popcorn-Ansatz und die TBWA-Sachen tausendmal besser als die Du bist D pseudo-Schmuse-NLP-Kampagne.

    Der Popcorn-Film war sehr gut. Bin reflexartig vom Monitor weggezuckt. Der Ekel muss nach meiner Sicht gar nicht so ästhetisch sein.

    Ob wir mit Provokation zu knacken sind? Hm, gute Frage. In den 70ern wurden in Schulen Anti-Raucher-Aktionen so gemacht, das man in echt zur Abschreckung präparierte verfärbte, schwarzfleckige Lungen zeigte. Das war damals ein sehr hoher Ekelfaktor (heute braucht es wohl stärkeren Kitzel, d’accord. Wo ist das Ende der Fahnenstange, wenn wir immer mehr Thrill brauchen, um kurze Aufmerksamkeit zu generieren). Mir ist aber leider kein Schüler bekannt, der nach diesem Anblick das Rauchen aufhörte.

    Mit der Suchtproblematik habe ich mich ein wenig beschäftigt, seit ich in einer Pharma-Agentur arbeitete. Affinität zu Drogen, egal ob Zigaretten, Medikamente, Alk oder Kokain: genetisch bedingt oder/und steckt in der Biografie. Bei Alkies ist bekannt, das sie von Geburt an? eine Genveränderung/anderes Gen haben. So oder so sind Menschen mit fernen Appellen an die Ratio oder emotionaler Werbung schwer davon abzubringen, sich selbst zu zerstören; Das ist eher wenig Vorurteil, sondern tägliche Erfahrung von Ärzten und Psychologen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Schaffen das oft nicht einmal die nächsten Angehörigen, denn diese sind systemisch gesehen selbst Teil eines fiesen Systems, das zusätzlichb zur genetischen Veranlaguhng der Kranken auch das psychologische Moment des “Retters”, “Mahners”, und des “Geretteten” braucht, um zu reibungslos zu funktionieren; das ist Bedingung. Wichtig wäre, aus diesem “System” auszusteigen, anzuerkennen, dass es sich um eine Krankheit handelt, weniger um eine Charakterschwäche oder um mangelnde Aufgeklärtheit, und d-a-r-ü-b-e-r in der Öffentlichkeit zu diskutieren und Bewusstsein zu schaffen. Im gesamtgesellschaftlichen System haben oft Medien und Social Advertising die Rolle des “Mahners”. “Aufklärers” und oft die Ärzte die undankbare Rolle des “Retters”. Suchtkranke unterliegen einem speziellen Muster, das schwer zu knacken ist. Mit Werbung schon gar nicht. Es ist wirklich nicht eine Frage von Charakterschwäche und der mangelnden kognitive Einsicht, aufzuhören. Die haben sie sogar oft.

    OK, Ekel ist wenigstens stark emotional statt rational. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass er Widerstand/Abwehr bei bereits Betroffenen erzeugt und damit wenig zum Ziel führt, zumal deren Gehirn nach einiger Zeit bereits neurologisch verändert sei (Rigidität, Sturheit, Demenz, die oft nur teilreversibel ist).
    Nur starke persönliche existenzielle Erschütterungen können angeblich eine Wende herbeiführen. Bei Alkis ist es das Korsakov-Syndrom, bei Heroin/Crack/Kokain gibt es ähnliche Hirnveränderungen. Je länger einer in der Droge hängt, deso rigider und eineinsichtiger wird er daher; das ist nicht der Charakter, sondern die charakterverändernden neurologischen Einflüsse der Droge *dozier, Selbstkritik üb’*.

    Vielleicht kann eine gut gemachte öffentliche Ekelinszenierung zumindest “Interessierte” oder Gefährdete davon abhalten oder ein besseres allgemeines Bewusstsein schaffen. Mir wär aber lieber, wenn eine Kampagne mal systemisch klug das System aufdeckt, in dem wir da alle stecken, s.o. Unser schändlicher Umgang mit Tieren und Ressourcen gehört da auch dazu. An aktuellen Studien über die Wirkung des provokativen Ekel-Werbeansatzes wäre ich dennoch sehr interessiert.

    Sorry für den Vortrag und den langen Text, aber es ist ein Thema, das mich eben stark interessiert hat. Ich möchte aber gern mein schmales Wissen darüber beisteuern.

  2. Gelbe Gurke

    Der Link zum Film funktioniert leider nicht mehr.

  3. Hongkong - Hong Kong

    Schockerwerbung für den abgestumpften ZuschauerWährend meines Studiums habe ich auch einiges über Schockerwerbung gehört und gelernt… zu zweifelhaftem Ruhm kam diese Form der Werbekommunikation…

  4. Clap

    Irgendeine Idee, wo der Anti-Drogen-Spot noch zu sehen sein könnte? Wie Gelbe Gurke schon sagte: Der Link funktioniert leider nicht (mehr)!

Einen Kommentar schreiben

Eure Kommentare

Feed
  • Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
  • ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
  • sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
  • iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
  • ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
  • Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
  • Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
  • InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...
Adscene: The Kaiser Report
Werbeblogger Late Night Podcast
Werbeblogger Podcast auf iTunes abonnieren



Wordpress-Blogsoftware
blogoscoop