21.10.05
12:15 Uhr

Definitionsversuch am Freitag

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Woran man ein Business-Blog erkennt? Am Redaktionsplan, an Abstimmungsmeetings, an der strategischen Planung des Authentischen .

Woran man dagegen ein Nicht-Business-Blog erkennt? An Einträgen wie diesem: Kein Bock heute, meine Benchmarks zu erreichen. Der Job auf dem Schreibtisch ödet mich an. Meine Sekretärin ist eine stumpfsinnige Tippse ohne Hirn. Vor allem aber habe ich keine Ahnung, warum sie mir diese neue Pfeife vor die Nase gesetzt haben und ich nur stellvertretender Leiter der Schadensabteilung geworden bin.

Ich nenne es einfach mal Stromberg-Bloggen…

Oder ernsthaft: Der Unterschied zwischen jemand wie dem Shopblogger und dem Frosta-Blog liegt nicht darin, dass man in einem Supermarkt per Definition mehr Bloggenswertes erleben würde. Der Unterschied ist die Unternehmenskultur: Björn ist sein eigener Chef, er bloggt in jeder Hinsicht auf eigene Rechnung. Wenn in seinem Lager ein Sack Reis umfällt, macht er einen spannenden Blogeintrag daraus. Ohne Hierarchien. Ohne Rücksichten. Ohne Rückfrage bei EDEKA Deutschland. Ohne Netz und doppelten Boden. Und ohne bei Gegenwind kalte Füße zu bekommen.

Das Business-Blog eines größeren Unternehmens dagegen muss auf Dienstwege Rücksicht nehmen, Freigaben, Zuständigkeiten, internes Ausdiskutieren. Und was dann zur Veröffentlichung übrig bleibt, mag in vielen Fällen durchaus noch interessant sein wirklich spannend ist es dagegen selten. Weil die Ecken fehlen, die Kanten, das Unausgegorene. All das, was Blogleser gerne lesen. Kurzum: weil es PR wird. Und PR (von mir aus schlagt mich, ihr PR-Fuzzis da draußen) liest niemand wirklich gerne.

(Wobei man übrigens zugeben muss, dass sich das Frosta-Blog unter diesem Aspekt durchaus sehr tapfer hält).

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20 Kommentare

  1. Gerrit

    Danke für diese nette Zusammenfassung! Ich denke auch, dass es einfach Firmen gibt, die niemals ein funktionierendes Weblog im eigentlichen Sinne haben können. Man höre sich zu diesem Thema den Vortrag von Johnny Häusler im ZKM an. Mein Lieblings-Business-Podcast ist mit Sicherheit der Fontblog. So macht man das. Authentisch und dennoch firmentreu. Aber echt, ey.

  2. Marcel vom Parteibuch

    In der Politik redet man dabei von inszenierter Authentizität, einem Widerspruch in sich.

  3. Thomas Wanhoff

    Wie wäre es mit:
    Business-Blogs reden im allgemeinen übers Business, Corporate Blogs über Unternehmen und kommerzielle Weblogs wollen konkret verkaufen. Ja, Grenzen sind fließend. Ein Podcastbeispiel: arktis.de, ein Computerhändler, der übers Podcast sein Zeug anpreist (durchaus unterhaltsam). Ist ein guter kommerzieller Podcast. Geht aber weiter als der Shopblogger. Den würde ich als privat kennzeichnen.

  4. Andreas Rodenheber

    Thomas, mit deiner Differenzierung kann ich sehr gut leben!

    Wobei es mir (entgegen der leicht ironisch gemeinten Artikelüberschrift) eigentlich weniger um eine Definition oder die Komponente “Business, Corporate und kommerziell” geht, sondern viel mehr um die Komponente BLOG. Was also macht ein Business/Corporate/Kommerz-BLOG aus?

    Ich meine, um zu BLOGGEN muss man eigentlich alles vergessen, was man in der PR gelernt hat. Man muss schnell, spontan, direkt sein, mit einer eigenen, ungeschönten Stimme reden. Sich auch mal ohne große Strategie um Kopf und Kragen reden. Und nicht souverän abklären, moderieren, das neue Produkt in den höchsten Tönen loben und die alten Flops schönreden.

    “Alles vergessen, was man gehört hat” – das erinnert mich (auch wenn’s jetzt ein verwegener Schlenker sein mag) an die herrliche Präsentation von Dick Hardt zu Identity 2.0, die in den letzten Wochen begeistert durch viele Blogs gereicht wurde.

    Was ist das Geheimnis dieser mitreissenden Präsentation? Ganz einfach: Dick hat alles vergessen, was mediokre Coaches über Präsentationen lehren (sprechen Sie langsam, überfordern Sie Ihre Zuhörer nicht, machen Sie Pausen, trinken Sie ein Glas Wasser, bevor Sie zum Höhepunkt kommen). Statt dessen pflegt er furios seinen eigenen Stil. Und das sind nicht nur formale Tricks – er kommt dabei immer wieder ganz pointiert auf den Punkt. Sagt genau, was Sache ist.

    Im übertragenen Sinn: That’s Blogging. Scher dich einen Sch..dreck um PR-Konventionen (nie etwas Böses oder auch nur Einschränkendes über das eigene Produkt sagen, immer nur Superlative für sich reklamieren etc. pp.) und sag, was dir unter den Nägeln brennt. In diesem Moment bloggst du. Alles andere ist Missbrauch von Blogsoftware als billiges Content Management System zur Verbreitung von PR-Meldung :-)

    Ergänzung: und natürlich ist Dick Hardt ein leidenschaftlicher Blogger.

  5. Jay

    du sprichst mir aus der seele! genau das ist es was ich auch im frosta-blog kommentiert habe: es fehlt das spontane, das unausgegorene, das was den charme eines blogs ausmacht.

    das fehlt beim frosta-blog einfach…die beiträge klingen ein bisschen steif. und es sind nicht die kleinen sack-reis geschichten drin.

  6. Orakel-Blog

    Echte Corporate Blogs Der Werbeblogger hat den Nagel auf den Kopf getroffen (wenn er die betreffenden Organe auch einfach Business Blogs nennt): Es gibt zwei Sorten von Corporate Blogs, die beide per definitionem den Kontakt zwischen einem Unternehmen und dem Rest der Welt…

  7. blog.50hz.de

    FRoSTA, Shopblogger… Was soll die Maulerei? Ich kann ja verstehen, dass die Liste von Klaus Eck und Ketchum bei einigen von Euch zu Irritation, vielleicht sogar zu Verärgerung geführt hat. Und auch die daran anknüpfende Diskussion, was denn nun ein Business-Blog, ein Corporate-Blog oder ein …

  8. bjoernhasse

    “Ecken und Kanten machen den Blog authentisch” – wenn es so einfach ist, danke ich (als “PR-Fuzzi da draußen”) für dieses todsichere Rezept. Ist mir noch nicht ausgereift genug. Und generiert Horrorvorstellungen, wenn die Geschäftsleitung der Klodeckelwerke Müller demnächst fordert: “Ach, und bitte ein Webblog, ganz authentisch, mit Ecken und Kanten!”

  9. Andreas Rodenheber

    @ bjoernhasse: Nix für ungut, aber man kann sich auch dümmer stellen, als man ist ;-) Natürlich sind Ecken und Kanten nicht das einzige Ingredienz für ein Blog, das in der Blogosphäre auch als solches aufgenommen wird. Da muss dann noch ein bisschen mehr dazu kommen. Aber ich dachte, darin wären wir uns einig…

    Und warum brauchen die Klodeckelwerke Müller eigentlich demnächst ein Blog? Eine Website mit Newsbereich würde für die Klobrillen-PR doch völlig genügen, oder? Und dafür eine Blogsoft als Content Management System einsetzen? – Bitteschön, warum nicht…

  10. bjoernhasse

    Gerade das “Blogsoft” werde ich asap vorschlagen! Herr Müller himself steht unglaublich auf die neuen deckel mit softer Oberfläche, da glaubt er mir direkt, dass wir das richtige Tool für ihn einsetzen werden.
    Spaß beiseite: Ich freue mich darauf, dass – hoffentlich bald – erkannt wird, dass Bloggen ein sinnvolles Werkzeug (oder Spielzeug) sein kann, aber kein Allheilmittel ist. Werbung und PR halten noch so herrliche Alternativen bereit. Da gebe ich Dir ununwunden Recht. :-))

  11. Andreas Rodenheber

    Bjoern, was ich immer wieder penetrant penetrieren möchte: Wenn man einem Kunden die Idee “Blog” verkauft, sollte man sich klar machen, dass das nicht nur ein technisches Gimmick ist, sondern auch eine bestimmte, sehr sehr anspruchsvolle und hierzulande nicht gerade weit verbreitete Form der “Offenheit” und Kommunikationskultur (intern und gegenüber dem Kunden) erfordert.

    Ein Bestandteil ist dabei ein souveräner Umgang mit der Kommentarfunktion, also die Einladung an den Kunden zum echten Dialog mit offenem Visier (das macht Frosta m.E. übrigens ziemlich gut).

    Ein anderer Bestandteil ist nach meinem persönlichen Empfinden darüber hinaus die Bereitschaft, es in einem Blog auch mal menscheln zu lassen und nicht immer nur High-Priority-Meldung rauszuhauen, sondern eben auch mal was über den Sack Reis zu schreiben, der im Lager umgefallen ist. Das sagt oft mehr über den Absender als all die sorgfältig vorbereiteten Posts.

    Oder wie gesagt lieber gleich eine bescheidene Alternative wählen: Einsatz der Blogsoft für die Newsseite – das dann aber als herkömmliche “Einwegkommunikation” vom Sender (Unternehmen) zum Empfänger (B2B Partner oder Endkunde). Das ist dann zwar keine Medienrevolution, aber dürfte wenigstens frustfrei funktionieren :-)

  12. bjoernhasse

    Top. Perfekt. Ich schließe mich an. Und setze Deinen Text demnächst als freistehendes Zitat bei mir ein. Warum?
    Weil mich im Endeffekt die “Top 100-Liste” und das, was sie mit Sicherheit hervorrufen soll (vielleicht oder hoffentlich nicht wird…) stört: Der implizite Aufruf, den Anschluss nicht zu verlieren und selbst fix ein Blog in die Welt zu setzen.
    Was Du schreibst, ist obligatorisch: “dass das nicht nur ein technisches Gimmick ist”, gilt es sich und den Kunden klarzumachen.

  13. der haltungsturner

    Hmmm. Gerade deine Gegenüberstellung macht mich stutzig. Ich bin, das weißt du, auch eher zurückhaltend mit Corporate Blogs und empfehle meinen Kunden das frühestens nach einer langen Kennenlernphase und einem klaren Bekenntnis zu – jetzt sehr holzschnittartig – Cluetrain.

    ABER: Bei alles Kritik im Einzelnen (die sich eher auf das “rote Auto Phänomen” bezieht) trifft deine Kritik das Frosta-Blog teilweise gar nicht. Gerade das oft etwas hölzerne gefällt mir. Und als neulich der Vorstand eine Warnmeldung zu einer Bedienungsanleitung eines Produktes bloggte, habe ich doch anerkennend genickt. Oder?

  14. Andreas Rodenheber

    @ Haltungsturner
    Wie gesagt: Frosta sehe ich auch auf einem sehr, sehr guten Weg! Das würde ich nie bestreiten. Aber ich glaube, viele, die jetzt meinen “das können wir auch”, haben noch gar nicht kapiert, wie mutig die Frostas da agieren, und einige werden es erst schmerzhaft merken, wenn sie selbst mit der Bloggerei anfangen (sprach der Prophet ;-) )

    Aber was die Agenda betrifft, sind wir sowieso auf einer Linie:

    TOP 1: Einschwörung auf Cluetrain
    TOP 2: Und jetzt erst erklärt Ihnen unser Blogwart, welche Blogsysteme es gibt, wie ein Trackback funktioniert und was der Webspace im Monat kostet…
    TOP 3: Sie laufen mit unserem Mentaltrainer gemeinsam über Kohlen oder Glasscherben, um sich schon mal auf die Schmerzen vorzubereiten, die offene Kommunikation bereiten kann ;-)

  15. bjoernhasse

    FRoSTA ist für alle da! [Nachtrag]In den Kommentaren zu seinem Artikel kommt er zu einem Schluss, den ich einfach nur unterstützen kann und deshalb 1 : 1 übernehme:
    Was ich immer wieder penetrant penetrieren möchte: Wenn man einem Kunden die Idee “Blog” verkauft, sollte man sich klar…

  16. Djure Meinen

    Schön, dass ich mit meinen Zwischenruf zumindest die Mutigen bei FRoSTA etwas rehabilitieren konnte.
    Aber noch ein Wort zum Thema “Menscheln”. Ist es wirklich so, dass es in einem guten Blog menscheln muss? Viele in meiner Umgebung reagieren eher irritiert auf allzu viel Menschlichkeit aus der Feder eines Apple-, Beoing- oder sonstwas-CEO. Auch ein höchst sachliches Weblog kann an der richtigen Stelle eingesetzt richtig gewinnbringend sein.

  17. der haltungsturner

    Genau deshalb ist ein CEO-Blog in meiner Sicht auch meistens Oberquark.

    Ein CEO ist ein Niemand – außer in seiner Funktion als CEO. Was interessiert einen Kunden, jetzt mal ehrlich, wo er angeln war und was er gefangen hat? Übrigens ein weiterer Punkt, der für Frosta spricht.

    Andreas:
    Nach TOP 1 kommt, denke ich, noch
    TOP 1a: Jetzt lernen wir mal gemeinsam kennen, was so abgeht in Klein-Bloggersdorf, wie die da reden, was die so diskutieren, wie schnell da was die Runde macht und warum.
    Und dann weiter wie du schreibst…

    OK, das war jetzt ein bisschen pro domo :-) Mache ich aber gute Erfahrungen mit….

  18. Andreas Rodenheber

    O.k., ich hatte übrigens noch 2a vergessen: Pause bei Schnittchen und Schampus :-)

  19. Torsten (taxiblog.de)

    Ein Blog macht für mich eben genau die “Menschelei” aus. Grandios formulierte Mitteilungen ohne Kommentar-Möglichkeit kann ich auch ohne Blogs lesen. In diesem Sinne ist z.B. Bildblog für mich auch nicht wirklich ein Blog, sondern eine tolle, aber normale Website, die sich einer Blogsoftware bedient. Aber kein Blog.

    Eine Firma, die mir das Gefühl vermittelt, daß da “echte Menschen” mit “echten Problemen” und “echten Gefühlen” sitzen hat bei mir eindeutig auch einen Vertrauensvorschuß. Frosta und Björn haben das IMHO bisher prima vermittelt. Leider wohne ich in NRW und kaufe seltenst TK-Produkte. Aber wenn! Ich würd nur noch bei Björn meine Frosta-Tüten holen!

    Allerdings: Wenn man sich soweit aus dem Fenster lehnt, muß man auch die kommunizierte Qualität liefern! Würde ich bei Björn schlecht behandelt oder gäbe es an Frosta-Dingsbums ein Qualitätsproblem, wäre mein Vertrauen am Boden zerstört. Das wäre nicht durchs Bloggen wiedergutzumachen… No chance!

    Damit ist ein Business-Blog auch wirklich nur für wenige Firmen geeignet. Nämlich denjenigen, die echte Qualität liefern. Der Versuch, damit billigen Dreck unter die Leute zu bringe, wird in Kleinbloggersdorf gnadenlos (und zu recht!) abgestraft. Geschäftemacher sollten sich da nicht reinwagen, es wird sich fürchterlich rächen!

  20. Golfschläger

    Ich sag nur it is all about money and revenue

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