20.08.05
08:24 Uhr

Löschantrag für Chad Kroski

Zum Eintrag Chad Kroski auf Wikipedia (siehe hier und bei Companice) gibt es einen Löschantrag. Ich bin für löschen. Meine Begründung:

Das Problem ist nicht, ob fiktive oder reale Person. Das Problem ist, dass Wikipedia hier von Werbern offensichtlich ganz bewusst als Teil einer viralen Werbestrategie instrumentalisiert wird. Von mir aus mag es Artikel über fiktive Werbeikonen wie Lurchi, den Melitta Mann oder Frau Tilli geben. Diese haben ihren Platz in der Werbegeschichte. Im Fall Chad Kroski wurde der Wikipedia-Artikel fast gleichzeitig mit dem Start der Kampagne angelegt. Ich persönlich möchte nicht, dass die To-do-Liste von Werbern demnächst so aussieht:

1. Kampagne ausdenken
2. Kampagne dem Kunden verkaufen
3. PR-Meldung an “Werben und Verkaufen” schicken
4. Wikipedia-Eintrag über unseren tollen Spot verfassen.

Macht euch klar, dass es ein Präzedenzfall ist.

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16 Kommentare

  1. Mathias Schindler

    Der von dir beschriebene Automatismus klappt so nicht und es gibt noch ein 5., 6., 7.,

    Im Falle mangelnder Relevanz ist eine Löschung sicherlich anzuraten.

  2. Andreas (gerade nicht eingelogt)

    Ich beschreibe keinen “Automatismus”. Die Kollegen bei Saatchi und T-Mobile haben sich das clever ausgedacht und konsequent durchgezogen. Das war harte, handwerklich gut gemachte Arbeit. Dafür übrigens durchaus mein Kompliment. Ist nicht so, dass ich hier mit Schaum vor dem Mund sitze. Wie ich in meinem ersten Beitrag schrieb, finde ich, es ein großer Erfolg für eine Kampagne, wenn sie ein derart hohes Involvement erreicht, dass sich jede Menge Leute damit beschäftigen, in ihrer Freizeit Blogeinträge verfassen, die Biografie eines fiktiven Autors ersinnen und und und… An dem einen Punkt Wikipedia-Eintrag finde ich die Aktion allerdings über die Etikette hinausgeschossen. That’s all.

    Häuptling Mathias, ich sage euch: Noch ehe der Mond fünf Dutzend Mal auf- und untergegangen ist, werden mehr Bleichgesichter kommen, die die Wikipedia in ihre viralen Strategien einbauen. Dann wird ein großes Weheklagen einsetzen in den Zelten der Wikepedianer, und ihr werdet euch bitter grämen, dass ihr nicht früher zu den Waffen gegriffen und Skalpe gemacht habt!

    Hugh, ich habe gesprochen.

  3. NY

    Ich sehe da ehrlich gesagt keinen Unterschied, so dass der Melitta Mann in Wikipedia gelistet werden darf, und Chad nicht. Es nur an dem Zeitpunkt festzumachen halte ich für ungünstig. Wer sagt mir dann, ab welchem Zeitpunkt ein Eintrag einer “Werbefigur” genehm ist?

    Sicher, das ganze ist höchstwahrscheinlich aktiv geplant worden. Ja und?

    Ich bin gegen jede Art von Zensur – stört es irgendjemanden? Verletzt es jemanden?

  4. TomK32

    @NY: Der Unterschied zum Melitta-Mann ist dass auch Teetrinker ihn kennen ;-)
    Ne im Ernst, der Melitta-Mann ist eine etablierte Werbefigur während Chad Dingsbum nur ein aktueller Möchtegern-Hype ist. Wenn er aber in einem Jahr immer noch präsent ist darf er sein Schloss mit Seeblick in der Wikipedia beziehen.

    Im IRC meinte gestern Abend einer ich sollte nicht einen Löschantrag stellen sondern den Shit gleich ganz löschen, hat schon vor ner Woche jemand so gemacht.

  5. Andreas Rodenheber

    Oh nein, jetzt hab ich die Marketing-Brains von T-Mobile gerade für ihr Viralkonzept gelobt, und dann das! Bernd Röthlingshöfer schreibt eben:

    “Laut Wikipedia droht T-Mobile nun Weblogbetreiber, die über Chad Kroski schreiben gerichtliche Schritte an. Das ist doof. Von T-Mobile. Da landet ihr einen größten Knaller in der deutschen Geschichte des Viral Marketing und könnt nicht damit umgehen.”

    Eine super virale Kampagne hinlegen und es dann selbst nicht kapieren. Wie schade!

  6. Andreas Rodenheber

    Ergänzung:
    Die Passage “Mittlerweile fordert T-Mobile einzelne Betreiber dieser Websites unter Androhung gerichtlicher Massnahmen zur Unterlassung auf”, die Bernd erwähnt, wurde (wenn ich es richtig sehe) in der Version vom 20. Aug 2005 um 11:46 Uhr reingenommen (Link). War vorher nicht drin und wurde anschließend alsbald auch wieder rausgenommen (weil ohne Beleg). Das Ganze wird langsam aber sicher zum Wikipedia-Lehrstück…

  7. ami

    vielleicht einfach mal bei t-mo nachfragen, was da dran ist. schon etwas merkwürdig: zuerst legen sie einen artikel bei der wikipedia an, und dann wollen sie gegen diejenigen vorgehen, die den ball angenommen haben..?

    und mal ehrlich: es war doch klar, dass irgendwer die wikipedia in dieser form nutzen würde, und nun haben sowohl bbc als auch t-mo den pr effekt (ob positiv oder negativ lass ich mal dahingestellt).

    ich bin generell auch gegen zensur, deshalb hab ich auf den löschantrag auch noch nicht reagiert. einerseits finde ich es einen “mißbrauch” der regeln (nicht nur aus fragen der RELEVANZ, sondern auch aus fragen des verstosses gegen WERBUNG, weil der eintrag von DTAG selbst kam!) andererseits gibt es vlt. leute, die es wirklich interessiert was kroski für ne figur ist. von daher kann ich auch mathias´ argument gegen mythenbildung nachvollziehen.

    sicher ist: wenn der job eines werbers in zukunft wirklich so aussieht wie von dir beschrieben (und von mir ja auch vermutet), dann verliert sich das “pr potential” irgendwann — und zwar relativ schnell. nur werden die wikipedianer dann seehr häufig noch den werbeschmutz wegmachen und korrigieren müssen.(z.b. die beschreibung der “handlung des spots”)

  8. cpier

    Ich sehe das durchaus als Problem. Denn nun könnte sich praktisch jede Firma eintragen und jede Handlung eines Werbespots (Radio/TV/Kino) in der Wikipedia beschrieben sein und würde so mit dieser Kategorie die Anzahl der Übrigen Beiträge weit übersteigen.
    So schauts in einem klassischen Lexikon ja auch nicht aus. Und das ist ja nun mal die Intention der Wikipedia.

  9. Andreas (gerade nicht eingeloggt)

    In der aktuellen Form ist ein Absatz “Kritik” hinzugekommen:

    “Kritiker beklagen bei dieser Form des viralen Marketings einen Missbrauch von vorgefundenen, unkommerziellen, öffentlichen Plattformen und Strukturen z.B. des Webs (etwa Blogs oder Wikipedia) zum Zwecke des Profits eines Aktienunternehmens und seiner Investoren: Wer werben wolle, solle auch dafür bezahlen (z.B. Spenden).”

    Wenn man das Wort “Blogs” streicht (die Blogs machen das schließlich freiwillig) und den unnötigen Absatz mit der Handlung des Spots streicht, könnte ich mit dem Artikel (nach einer weiteren Nacht drüber schlafen) leben ;-)

    Aber das ist nur eine Momentaufnahme, der Artikel wird sicherlich noch einen längeren Edit War nach sich ziehen.

    Das Stück zeigt mal wieder, warum viele Unternehmen (mit einigem Recht) Muffensausen vor viralen Aktionen haben: Weil sie sich ab einem gewissen Punkt nicht mehr in klassicher Weise vom Werbetreibenden steuern lassen… Deshalb ausdrücklich noch mal ein Verweis auf den Artikel von Bernd Röthlingshöfer (Link siehe in einem meiner Kommentare oben).

  10. Jörn

    Also mal ganz ehrlich, das ganze ist doch einfach nur Schmarn oder. Weder die Jungs mit dem großen T, noch diejenigen die auf dieses Pferd gesetzt haben wussten/wissen es richtig zu nutzen.

    Naja ich kümmer mich da lieber um die wichtigen Dinge im leben.

  11. Andreas Rodenheber

    Mal eine Frage am Rande: Ist es eigentlich technisch nötig und üblich, dass man Websites mitten im Hype voerübergehend außer Betrieb nimmt? Mal gespannt, ob uns da morgen früh ein Relaunch erwartet…

  12. Andreas Rodenheber

    Update:
    Unter chadkroski.de/
    war bisher eine kleine Flash-Site abzurufen, die den Mythos “Chad Kroski” schüren sollte.

    Inzwischen findet sich unter der Adresse eine Spiegelung der “ganz normalen” web’n walk Produktseite von T-Mobile.

    Parallel versucht ein Wikipedia-User, der aus der gleichen IP-Range wie der Erstverfasser des Artikels kommt, verzweifelt den inzwischen eingefügten Absatz “Kritik” aus dem Wikipedia-Artikel zu löschen. Gut, dass es Reverts gibt…

    Vielleicht möchte jemand seine Diplomarbeit über diesen Krimi schreiben? ;-)

    Ich klink mich jetzt aus, habe ein paar harte Wochen vor mir…

  13. Work in Progress

    Chad Kroski: Lehrstückchen Also, irgendwie ging da recht viel an mir vorbei. Offenbar hat T-Mobile eine Werbekampagne für ein Angebot aus eigenem Hause gestartet. Telefone im weitesten Sinne und so.
    Dazu hat man zwei Dinge erfunden, nämlich einen Bruder von Wladimir Kiminer …

  14. Andreas Rodenheber

    Einen hab ich noch:

    Und nein, derzeit gibt es keine Hinweise darauf, daß T-Online Leute abmahnt oder auch nur böse anschaut, die das Wort Chad Kroski in den Mund nehmen. (von Mathias Schindler)

    Sehe ich auch so. Habe den Vormittag im Netz verbracht und bisher keinen Hinweis gefunden, der diese Legende erhärtet. Aber alles andere ist wahrlich spannend genug…

  15. Filesharing News - P2P MP3 Games DSL VoIP

    T-Mobile mahnt Chad Kroski-Domain abWer ist Chad Kroski?

    Die Deutsche Telekom mahnt mal wieder ab. Diesmal hat es den Betreiber der Domain chadkroski.com erwischt.

    Aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie:

    “Chad Kroski (eigentlich Charaijev Alexander Kroski) ist ein fiktiver Best…

  16. Kalle

    Ich bin gegen die Löschung. Als Wenig-Fernseher habe ich von C.Kroski erst aus dem Web erfahren und die ganze Story gleich in Wikipedia nachgelesen. Ich vertraue der selbstreinigen Kraft der Wikipediastruktur.

    Mittlerweile gibt es übrigens schon Rezensionen von Kroskis angeblichen Büchern… (ferrannosnotizblog.b...) tzzzzz

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  • Petar: Für uns wirken die japanischen Spots ja immer etwas grotesk. Ob es umgekehrt wohl auch so ist?
  • Roland Kühl-v.Puttkamer: @Nico. Ja klar. Bin grad zurück und hier nun die Auflösung: Audiobooks from dig2go.com http://adsoftheworld.com/me...
  • Fabian: Über die großartige Idee möchte ich gar nicht streiten, aber an der Umsetzung wurde meiner Meinung nach gespart. Lassen Sie sich nicht von...
  • Nico Düsing: Löst das noch jemand auf?
  • J. Martin: @hobbystatistiker Dein Kommentar in Youtube-Qualität — und unter Mißachtung all dessen, was Roland und ich bereits zum Thema...
  • hobbystatistiker: Allmählich ist das ein Gadget-und I-irgendwas-Blog und ihr solltet euch Gadgetblogger nennen. Statt Werbeblogger. Das Geplänkel...
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