14.06.05
09:48 Uhr

Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit

“Meine Damen und Herren, ich kann hier keine Schönwetter-Rede halten. Sie wissen es alle. Sie kennen die Zahlen.” So beginnt am Donnerstag die Rede eines Vertriebsvorstands, und ich hab sie geschrieben. Oder besser gesagt, beim Formulieren geholfen. Und enden wird die Rede mit “Weiter so!”

Was dazwischen liegt, ist ein paar Gedanken wert.

Im ersten Meeting (Top-Dog, sein Assistent und ich) herrschte schon fast verzweifelte Stimmung: “Wenn wir das Ruder nicht rumreißen, dann sinkt das Schiff.” Und dann wurde schonungslos Punkt für Punkt offengelegt. All das muss angesprochen werden. Nur so kriegen wir die Leute dazu, dass sie sich “den Arsch aufreißen”.

Gestern haben wir die dritte Überarbeitung besprochen. Es ist von all dem nichts mehr drin. Es heißt jetzt: “Wir sind die Guten. Die Wirtschaftskrise (die Regierung) ist schuld.” Und – ich fass es noch gar nicht – der Mann, der die Rede halten wird, glaubt es jetzt selber.

Ich habe den Eindruck, so läuft es zur Zeit überall bei uns, in Wirtschaft und Politik: “Ihr müsst nur – so wie ich – feste dran glauben, dann wird das schon.” Wo soll denn da Orientierung, Zuversicht herkommen?

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6 Kommentare

  1. Joewe

    Die Wirtschaftskrise ist schuld? Wer ist denn die Wirtschaft? Doch wohl jedes einzelne Unternehmen mit.
    Und wenn ich dann noch heute in der Zeitung lese, dass das Realeinkommen bei uns seit 1995 um 0,9% gesunken ist, im (Alt-)EU-Schnitt um 7,4% gestiegen, in Schweden und GB sogar um 25% – die können leicht ihre Binnenkonjunktur ankurbeln…

  2. Andreas Rodenheber

    Gerold, ich mach jetzt mal einen kühnen Schlenker: Das was du da beschreibst, ist exakt der Grund, warum ich nicht ans Business-Bloggen im großen Stil glaube.

    Sicher, es mag hier und da ein paar Leute geben, die den Schneid haben, mit offenem Visier zu reden und zu schreiben (grundsätzlich kann man das natürlich eher von “Inhabern” als von angestellten Managern erwarten.) Aber wenn es darum geht, Tacheles zu reden, verschanzen sich die meisten lieber hinter Allgemeinplätzen, Beschönigungen, Halbwahrheiten. Diese Art der Kommunikation ist einfach traurig – und am traurigsten ist, dass man das gemeinhin für “professionell” hält.

  3. ramses101

    Ich will jetzt gar nicht von “typisch deutsch” anfangen. Aber es fällt mir nur auf (tritt ja auch nicht besonders subtil zutage), dass in allen Schichten dieses Landes entweder schöngeredet oder Schöngeredetes bevorzugt wird. “Einschnitte ja – aber nicht bei mir. Gibt es irgend jemanden, der mir das verspricht? Alles klar: Gewählt!”

    Bestes Beispiel ist der (mittlerweile) unsägliche Lafontaine, der sich tatsächlich erdreistet, Reformschritte zu verurteilen, weil die Leute so etwas nicht hören (!!!) wollen. Wo sind wir eigentlich? In der Märchenerzählerrepublik Deutschland? Ich begreif es nicht. Gut, als Werber ist man geneigt, sich einen schönen Aspekt einer Sache heraus zu picken und den vielleicht noch einen Tick auszuschmücken. Aber einen absurden Produktvorteil zu erfinden? Das mach ich exakt einmal, dann wird das Produkt nicht mehr gekauft. Nebenwirkungen verschweigen, weil die Leute das nicht hören (!!!) wollen? Undenkbar. Nur nicht in der Politik. Und die Leute fahren drauf ab und fallen drauf rein.

  4. Gerold Braun

    Das Problem ist, dass die meisten Entscheider kurzfristig denken. In der Politik steht die nächste Landtagswahl im Weg, in der Wirtschaft sind es die Zahlen des nächsten Monats-, Quartalsberichts. Es wird nichts riskiert, Aufruhr in der Belegschaft beispielsweise oder bei den Parteigängern, sondern auf den Fehler der anderen gehofft. Im Zweifel wegducken.

    Da fällt mir Napoleon ein. Der hatte die gegensätzliche Anweisung für seine Offiziere: Im Zweifel galoppieren! – Beides wahrscheinlich nicht ideal. Da gefällt mir einer gut, der Abwägt und entscheidet: Porschechef Wiedeking

  5. Hiwelt

    Tja, wer glaubt, dass Geschäftsführer Geschäfte führen, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitonen falten.
    Besonders bei uns in Deutschland!

  6. Pierre Braun

    floppen.info

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Eure Kommentare

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  • Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
  • ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
  • sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
  • iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
  • ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
  • Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
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