11:12 Uhr
Rechtschreiben ähnelt immer mehr Recht sprechen
Die deutsche Rechtschreibung kommt der Rechtsprechung immer näher. Vor Gericht bekommt man ja nicht Recht, sondern ein Urteil. Und wenn einer schreibt, dann kommt es zukünftig auf sein Ermessen an, auf seine Erfahrung und sein Gefühl. Es gibt keine Sicherheit mehr. Jedenfalls keine, die unanfechtbar wäre, a la: “So steht’s im Duden!” Das war einmal.
Und heute schreibt die Süddeutsche Zeitung:
Der schönste Satz in der Verlautbarung zur deutschen Rechtschreibung, mit der die deutschen Kultusminister am gestrigen Freitag an die Öffentlichkeit gegangen sind, ist dieser: „Der aktuelle Stand des Regelwerks und das Wörterverzeichnis ist im Internet zugänglich.“ Ganz abgesehen davon, dass ein grammatikalischer Fehler in ihm steckt – das doppelte Subjekt müsste ein „sind“ nach sich ziehen –, enthält er ein schlimmes Geständnis: Denn was ist hier mit „aktuell“ gemeint?
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16 Kommentare
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- Vroni: Ralph :-)
- ralf schwartz: @Vroni Das war ein zustimmendes Lächeln, wie Du es auch sehen würdest in meinem Gesicht würden wir uns gegenübersitzen. Nicht immer...
- Vroni: Was issn jetz schon wieder. Klar macht es einen Unterschied, wie man optisch und von der textlichen Ansprache an die Leut angeht. So gehts...
- ralf schwartz: @Vroni :)
- Vroni: Kann ja alles sein, geschenkt. Ich meinte, dass das grottenschlecht und wenig ansprechend UMGESETZT war. Wie wenn ein BWL-er unter...
- ralf schwartz: @Vroni Und eine Website dahinterzulegen, auf der die User hätten voten können … Aber die Kosten, Print geht es gar nicht gut,...
- Vroni: Hrhr, die W&V mal wieder. Leeres Schulheft-Papierkaro und eine Flipchart-Schrift. Kriegt man sofort die beiden Krankheiten Horror Karo-i...
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Am 6. Juni 2005 um 14:45 Uhr
wobei ich als Fan von “kann”-Regeln begrüße, dass viele der Regeln keine zwingenden Regeln mehr nach dem Muster “richtig” und “falsch” sind. Das ermöglicht, auch in der Schriftsprache das, was man schreibt nuancierter an das, was man meint zu kriegen.
Ich habe mich da vor einem Jahr, als B*LD und Spiegel sich nach Jahren plötzlich als Retter der deutschen Sprache gerieren wollten, schon amüsiert – gerade diese “Uneindeutigkeit” war der Punkt, der von beiden Blättchen als “untragbar” erachtet wurde. Aber über zuviel Regeln, Vorschriften u.ä. jammern, an anderen Stellen :-D
Nenee, wenn das mit dem Getrennt- und Zusammenschreiben nun auch auf “kann” gelockert wird (denn das war wirklich ein ziemlicher Unfug) halte ich diese Reform für eine durchaus brauchbare Sache.
Am 7. Juni 2005 um 10:16 Uhr
Stimmt, so kann man es auch sehen. Und so weit habe ich noch gar nicht gedacht.
Ich meine, das Ziel war ja am Anfang, dass es neue feste Regeln gibt. Wenn jetzt dabei rauskommt – und es sieht ja so aus -, dass jeder “kann” wie er will, dann ist das ein sagenhaftes Ergebnis.
Vielleicht war das sogar die heimliche Absicht der Kultusministerkonferenz? Nicht auszudenken, wenn ..
Am 7. Juni 2005 um 11:10 Uhr
Aber gerade der “Kann-Kompromomiss” gefärdet doch die Verständlichkeit.
Zusammen kommen oder zusammenkommen?
Und wie ging noch der alte Setzerwitz?
“Hängen, nicht begnadigen.
Hängen nicht, begnadigen. ”
Das mag zwar keine betroffene Regel sein, aber ihr versteht schon, was ich meine. Zumal ich auf der Stelle einen Besen fresse, wenn es in Deutschland mehr als 20 Leute gibt, die wirklich wissen, was denn überhaupt “kann”-Regel ist und was nicht.
Am 7. Juni 2005 um 11:12 Uhr
Kompromomiss ist natürlich auch wieder schön …
Am 7. Juni 2005 um 12:05 Uhr
Na, aber doch eben nicht: ich kann zusammenkommen nun so schreiben, dass die Bedeutung dabei heraus kommt, die dafür sorgt, dass das Ergebnis auch so verstanden wird (und in Aspekt und Betonung so fokusiert ist) wie ich das auch gemeint habe.
Verständlichkeit ist damit nicht mehr abhängig von Regelbeherrschung (egal, ob ich sie beherrsche oder sie mich) sondern von der eigenen Sprachkompetenz ;-))
Am 7. Juni 2005 um 12:27 Uhr
Nach der Rechtschreibreform heißt es nur noch “zusammen kommen”. Früher hieß es “zusammen kommen” wenn man gemeinsam kommt – wie auch immer ;-) “Zusammenkommen” hingegen bedeutete, zwei Menschen gehen eine Beziehung ein. Das war klar abgegrenzt. Wenn es jetzt wieder heißt: Ich kann das so schreiben wie ich will, kann es entweder das eine heißen oder das andere. Aus der Schreibweise heraus ist es nicht mehr ersichtlich, da es ja mir überlassen ist, ob ich das was ich meine zusammen oder getrennt schreibe.
Am 7. Juni 2005 um 12:32 Uhr
PS: Das mag ja nach Erbsenzählerei klingen, aber es geht halt ein entscheidendes Merkmal der Unterscheidungsmöglichkeit flöten – da es durch Beliebigkeit und persönliche Vorlieben ersetzt werden würde.
Am 7. Juni 2005 um 12:55 Uhr
Gab es da, mit dem zusammen kommen, nicht schon immer ein Dilemma?
Ich meine die Vergangenheitsform, z.B.: Die Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen kamen zusammen.
Am 7. Juni 2005 um 12:57 Uhr
Ja eben. Und diese Zusammen-/Getrenntschreibung wird nun endlich diskutiert und wie ich hoffe revidiert – eben hin zu einer “kann” Regel, und nicht, wie bislang, zu einer unsinnigen und zu Missverständnissen führenden “muss”-Regel.
Kann das sein, dass wir grade aneinander vorbeiredeten? Ich habe mit “bisher” die aktuelle neue Rechtschreibung gemeint und sprach davon, das mit der Diskussion darüber, diese in Teilen nochmal zu überdenken, hoffentlich diese Reform von dem befreit wird, was sie “angreifbar” machte, da ich ansonsten nämlich ganz zufrieden damit bin. Von der “ganz alten” habe ich überhaupt nicht geredet :-)
Am 7. Juni 2005 um 13:00 Uhr
:-) ja, gegen dieses Problem der Vergangenheitsform wird es wohl noch lange keine orthographische Lösung geben – aber das ist dann ja auch wieder das Schöne, nämlich, dass Sprache nicht ohne deren Sprecher “funktioniert”
Am 7. Juni 2005 um 13:01 Uhr
P.S.@ramses: die einen sagen “Beliebigkeit”, die anderen “Freiheit” ;-)
Am 7. Juni 2005 um 13:07 Uhr
P.P.S.: und ich schreibe ja dann auch “zusammenkommen” oder “zusammen kommen” so, dass das, was ich sagen will auch damit ausgedrückt wird. Den Punkt “Ich kann das so schreiben wie ich will, kann es entweder das eine heißen oder das andere” verstehe ich deshalb nicht: natürlich schreibe ich das so, wie es für das was ich sagen will auch am sinnvollsten ist??? Nur, weil ich das so oder so schreiben kann, kann das nicht auch so oder so heißen. Jedenfalls nicht, wenn ich dabei berücksichtigen möchte, dass mein Empfänger auch das so verstehen soll wie ich das “meine” was ich an ihn sende…
Am 7. Juni 2005 um 13:21 Uhr
@Gerold Braun: Stimmt schon. Aber jetzt mach es doch bitte nicht noch komplizierter als es schon ist ;-)
@Sven: Wir haben in der Tat in Teilen aneinander vorbei geredet. Was den “Ich kann das so schreiben wie ich will …” Punkt angeht, meine ich nur, dass mit einer neueren Regelung (die kann-Regelung) nur eine vermeintliche Besserung – nämlich nur ein vermeintlicher Schritt zur alten Rechtschreibung zurück erfolgen würde (kein konsequenter nämlich). Natürlich würde ich es auch eher so schreiben, dass es “sinnvoll” ist. Aber es wird auch Leute geben, die es so schreiben, wie es für sie, sagen wir, “besser aussieht” – egal, ob der Leser es so versteht, wie es eigentlich gemeint war. Es gibt schließlich auch Leute, die kaufen weiße Autos – da muss man mit allem rechnen ;-)
Säße ich in der Kommission, wäre das Thema übrigens längst vom Tisch: Die neue ss/ß-Regelung wird übernommen, alles andere wird verworfen – und feddich ist die Laube.
Am 7. Juni 2005 um 13:29 Uhr
“Säße ich in der Kommission, wäre das Thema übrigens längst vom Tisch..”
Da wär ich mir nicht so sicher. Wenn man sich vorstellt, man wird mit A16 oder C3 oder so was besoldet, und das einzige was man dafür tun muss ist, die Leute durcheinander bringen ..
Da würden noch ganz andere schwach werden :-))
Am 7. Juni 2005 um 16:28 Uhr
weiße Autos? Quatsch, sowas gibts nicht, veräppel mich hier nicht, OK? (könnt’ ja jeder kommen – nachher erzählt noch wer, man könnte Grafiken für Handydisplays, die jeder sich eigentlich problemlos selber machen kann, auch verkaufen, und das auch noch mehrmals… also ein bisschen Realitätssinn, bitte…)
OT: Freilich gibt es immer Leute, die “nicht schreiben können” – aber die können das auch nicht, wenn ihnen eine Regel sagt, was rein formal “richtig” oder “falsch” ist, vor allem, wenn “richtig” je nach Kontext mal verständlich, mal missverständlich ist – wie gesagt: die einen sagen “beliebig”, die anderen sehen es als Freiheit in den Möglichkeiten und damit als Bereicherung in den Ausdrucksmöglichkeiten mit dem Vorteil, auch “formal” korrekt zu sein ;-))
Am 7. Juni 2005 um 16:31 Uhr
P.S.: peinlich genug allerdings, dass jene Komission für die Erkenntnis fünf Jahre gebraucht hat – allerding fünf Jahre C3 oder C4-Bezüge, da kann man sich auch schon mal Zeit lassen *ggg*