22.05.05
09:55 Uhr

Wir haben nicht mal Schätzungen

Arbeitsamt-Logo, zweite Runde: Spiegel Online schreibt, was jeder, der mit Werbung zu tun hat, längst ahnte, die wenigsten aber zu sagen wagten (man will ja nicht immer als Spielverderber dastehen):

Die eigentlichen Kosten entstünden erst nach der Entwicklung. In 880 Regionaldirektionen, Agenturen und Geschäftsstellen müssen Fassadenbeschriftungen, Tischaufsteller, Klingel- und Namensschilder erneuert werden, dazu kämen neue Wegeleitsysteme, Prospekte und die Anpassung des Internetauftritts.

Davon solle man schon mal gehört haben, wenn man im Marketdings, oder wie das heißt, arbeitet. Jetzt kommt aber der Hammer:

Eine konkrete Schätzung der so genannten Umstellungskosten durch die BA gibt es laut “WamS” nicht. “Diese Kosten trägt jede einzelne Agentur für sich”, sagte ein BA-Sprecher dem Blatt auf Anfrage.

Wenn Spiegel und WamS orakelen, die tatsächlichen Kosten für die Einführung des neuen Designs seien um ein Hundertfaches höher, sollte man ruhig mal nach der Kostenbremse suchen. Und da man von einem Rückzieher des Projekts ja wohl nur träumen darf, kann das nur eines heißen: Keine komplette Designumstellung zu einem festen Tag x, sondern peu à peu beim Austausch vorhandener Werbemittel. Schließlich hat die Bahn seinzeit auch nicht alle Loks gleichzeitig in die Betriebswerke geordert, um ihnen das neue DB-Logo aufzupappen. Geändert wurde, sobald die Maschine ohnehin zum Neuanstrich fällig war. So wird man auch dem A-Regionalleiter xy doch wohl zumuten können, dass er seine Visitenkarten mit dem neuen Logo erst dann erhält, wenn die alten ohnehin aufgebraucht sind.

Natürlich werden von der Bundesagentur jährlich Mio.-Beträge in gedrucktes Informaterial investiert. Und wenn dafür ein neues Farbleitsystem entwickelt wurde, dann werden nun aus reinen Nachdruck-Jobs auf einmal Design-Jobs. Was aber wiederum nicht heißt, das man jede Broschüre, die nun ohnehin nachproduziert werden muss, komplett auf den Etat des neuen Erscheinungsbilds setzen könnte. Eine Überschlagsrechnung sollte man allerdings schon mal gemacht haben, bevor man sich auf so etwas einlässt. Statt dessen regiert mal wieder komminkatives Schulterzucken. “Waas net, kann mer net saaache, muss mer mal gucke”:

“Die operative Einführung des neuen Arbeitsamt-Logos mit einer Umstellung bis Ende des Jahres kann real geschätzt bis zu zehn Millionen Euro, aber auch mehr kosten”, sagte Hans Meier-Kortwig, Manager bei der Beratungsfirma Marketing Partner.

Schwaches Bild. Das Controlling ist vermutlich im Urlaub.

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2 Kommentare

  1. Mr. H

    Du sagst es, großer Häuptling. Es ist fraglich, inwieweit das Logo überhaupt vonnöten ist. Aber die hochgespielten “Sparpotential” durch die Kampfpresse sind alles andere als gerechtfertigt.

    Was mich hingegen wirklich wundert sind die Entwicklungskosten für das neue Logo.

  2. Thorsten Schulte

    Das ist wirklich ein politisches und marketingtechnisches Eigentor für die Bundesagentur für Arbeit. Da kann man nur mit dem Kopf schüttel. Gibt es in Deutschland nichts wichtigeres anzupacken, als für die BAfA ein neues Logo einzuführen. Gute Nacht!

    Man sollte wirklich eine Initiative ins Leben rufen und der “Agentur für Geldvernichtung” mal zeigen, wie man effektives Marketing betreibt.

    Wir vom Guerilla Marketing Portal steuern hierzu gerne kostenlos Know-How zur Verfügung.

    Gruß
    T. Schulte

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  • Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
  • ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
  • sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
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