13:47 Uhr
Der böse Onkel auf dem Schulhof
Ich bin Nichtraucher. Schon immer. Dennoch halte ich zum Beispiel Aufkleber auf Zigarettenschachteln mit mehr oder weniger deutlichen Hinweisen zur Haltbarkeit eines Menschenlebens (“Mit Fluppen werden Sie höchstens 50″) für daneben. Und meinetwegen könnte auch der Marlboro Cowboy abends gerne durchs Wohnzimmer reiten.
Dies nur als Vorrede, damit mich keiner für einen verklemmten Spinner hält.
Aber was uns der sonst sehr geschätzte Burkhard Schneider gerade im M-E-X Blog als tolle Geschäftsidee verkaufen will, halte ich schlichtweg für eine Schweinerei: Ein Wasserspender für Schulen mit integrierter Entertainment-Station und dickem Sponsoring drumherum. Lieber in der Wüste verdursten als so etwas auf deutschen Schulhöfen!
Ehrlich gesagt habe ich im Moment keine Ahnung von der entsprechenden Gesetzeslage. Aber ich wünsche mir schlicht und einfach, dass das, was in den Medienstaatsverträgen steht, generell auch auf der “Werbfläche Schule” umgesetzt wird:
(1) Werbung, die sich auch an Kinder oder Jugendliche richtet oder bei der Kinder oder Jugendliche eingesetzt werden, darf nicht ihren Interessen schaden oder ihre Unerfahrenheit ausnutzen.
(2) Werbung muß als solche klar erkennbar und vom übrigen Inhalt der Angebote eindeutig getrennt sein. In der Werbung dürfen keine unterschwelligen Techniken eingesetzt werden.
Vielen Dank für das Kid-U-Tainment Konzept! Auf Wunsch wird auch Hirn in drei verschiedenen Geschmacksrichtungen mitgeliefert!
Und eins noch: Das Denglish täuscht – es handelt sich tatsächlich um ein Angebot für deutsche Schulen!
16 Kommentare
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- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
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Am 26. Januar 2005 um 14:20 Uhr
Dann gehts ja nicht nur mir so – mein erster Gedanke war: Haben die kein Leitungswasser mehr auf dem Schulklo?
Gruesse, Dorothea
Am 26. Januar 2005 um 14:24 Uhr
Puh, bring jetzt bloß keinen Gründer auf eine tolle Geschäftsidee: gesponsortes Klopapier – die ADC-Rolle fürs Schulklo…
Am 26. Januar 2005 um 16:49 Uhr
Hallo Andreas,
da bin ich ja froh, noch nicht auf folgende Geschäftsidee hingewiesen zu haben: Agentur für Schulsponsoring. Gilt als heisser Tipp bei Norman Rentrop. Da sich aber in Hinblick auf die WM 2006 alle auf das Sportsponsoring schmeissen, gibt es eine gute Chance, dass sich die meisten Sponsoringagenturen darauf konzentrieren. Also durchatmen :-)
Am 26. Januar 2005 um 17:07 Uhr
Burkhard, es ist ja nicht so, dass ich Schulsponsoring als ein generelles No-go sehe. Sinnvoll können zum Beispiel Aktionen sein, bei denen konkret benötigte Ausrüstung für Schulen zur Verfügung gestellt wird. Zum Besipiel die berühmten 10 Compis für den IT Kurs, gesponsort meinetwegen von HP. Oder Tische und Bänke vom lokal ansässigen Möbelkonzern.
In der Regel läuft die Gegenleistung dann aber über eine lobende Erwähnung in der Presse und nicht so, dass auf dem Bidschirm nach dem Start erst mal die 10 wichtigsten Werbebotschaften von HP aufblinken.
Geben und Nehmen in einem vernüftigen Kontext ist o.k. Aber man muss sich doch nur mal dieses ganze gestelzte “Unsere Kinder trinken zu wenig Wasser” Geblubber durchlesen, um zu merken, dass es hier klemmt, weil jemand eine feiste Wasserblase aus künstlich hochgepäppelten Benefits produziert. Und dann noch das schicke Feigenblättchen mit den Lernmaterialien zu Mediennutzung. Wird dort das Geschäftsmodell der Schoolwatersuperbrains erläutert? Ich freu mich drauf!
Ach, was reg ich mich auf. Der ganz normale Vandalismus an deutschen Schulen wird diesem Kid-U-Tainment-Gespenst sowieso schnell den Garaus machen. Mein Tipp: Nicht kaufen – abstoßen. Sofort ;-)
Am 26. Januar 2005 um 19:18 Uhr
Mein erster Gedanke war auch, dass die Kids das ganze Teil nach einer Woche ruiniert haben … oder sich nachts den Bildschirm ausbauen. Alles schon vorgekommen.
Am 26. Januar 2005 um 22:09 Uhr
Nur kurz zum rechtlichen Thema: Ich habe vor gut einem Jahr für ein Unternehmen eine Werbekampagne mitgeplant, bei der es darum ging, Schulen in Berlin in ein Event-Konzept einzubinden. Agenturchef und Kunde waren damals stolz wie Oskar, dass es auf diesem Wege geglückt war, Werbebotschaften in die Schulen zu tragen, obwohl das eigentlich verboten war. Wenige Tage nachdem der Deal geschlossen war, kam die Pressemeldung, dass in Berlin nun auch Werbung an den Schulen erlaubt ist (mit Einschränkungen etc.). Also: in Berlin ist sowas wohl erlaubt…
Am 29. Januar 2005 um 15:07 Uhr
Ich stimme dir in allen Punkten zu: es gibt Bereiche, in denen Werbung, in dieser direkten Form, nichts zu suchen hat – es ist schon schwer genug, den Kids Medienkompetenz im Bereich Fernsehen beizubiegen, wenn man morgens am WE mal ausschlafen will machen die natürlich mal um 8 Uhr morgens die Glotze an und ziehn sich die diversen Privaten rein mit ihrem Bonbon-Kinderprogramm. Die Werbeblöcke sind kaum mehr vom normalen Programm zu unterscheiden.
Zum Glück zappen meine inzwischen doch meistens weg oder schaun gleich KiKa ohne Werbung, aber das war ein hartes Stück Arbeit.
Ich habe keine Lust, die Kinder in die Schule zu schicken mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass sie dort nun auch mit Werbung berieselt werden – der normale Markenwahnsinn dort reicht völlig aus.
PR-Aktionen mit Schulen ist OK. Werbung in Schulen “schmuggeln”, da krieg ich nur das Kotzen.
Am 28. April 2005 um 15:01 Uhr
Schoolwateranlage …so ein schönes Wort!
Am 16. November 2005 um 00:40 Uhr
Naja also ich finde wenn schon so ein Teil dann soll doch bitte die Farbe des Wassers an das Corp. Design des Werbenden Unternehmens angepasst werden… Naja grünes Wasser und Becks Werbung wären doch mal was ;)
Nein mal im ernst, ich finde das Konzept in der Art absolut verwerflich. Wasserspender ok meinetwegen auch mit einem gesponsort von:… Schild dran aber nicht als Werbeträger…
Ich finde es aber sehr lustig wie der Entwickler versucht ein gesundheitliches Engagement dahinter vorzuspiegeln…
Wenn jemand das ganze wirklich umsetzt sollte er auch gleich eine Videoüberwachung “sponsoren” ansonsten wird das ganze ein Fass ohne Boden…
Am 24. Januar 2006 um 15:01 Uhr
Mit Interesse habe ich alle Kommentare gelesen und muss feststellen das die Wortwahl manchmal ein wenig derb ausfällt. Auch wir vertreiben Wasserspender in Krankenhäusern und für die Industrie – auch wir haben ein Konzept für Schule entwickelt mit dem Claim: Mit Wasser gute Schule machen! Wir haben das Ziel, kostenloses Trinkwasser für die Schüler anzubieten da oft 0,5 Liter nicht ausreichen, gerade nach den Pausen oder nach dem Sport sind die Schüler dafür dankbar. Also stellen auch wir einen Wasserautomaten dort auf der direkt an die Wasserleitung angeschlossen wird und der frisches Tafelwasser auf Knopfdruck liefert. Da aber die Schulen meistens nicht das Budget für solch einen Wasserspender haben und somit diese Idee zum Scheitern verurteilt ist, haben auch wir ein Sponsoringkonzept entwickelt. Dieses Konzept basiert folgendermaßen:
- nur ortsansässige Firmen oder ein Förderverein der Schule
Beispiel Firmen oder Unternehmen, die auch eine Beziehung zu der Schule haben (Bäckerei, Stadtwerke usw.) Somit werden die Kosten refinanziert, die Schüler können den ganzen Tag kostenlos Tafelwasser trinken. Das fördert die Gesundheit, spart den Geldbeutel und alle Kinder können gleichberechtigt trinken. Hier geht es nicht darum Profit zu machen, sondern den Schulen, die Möglichkeit bieten, durch Refinanzierung dieses Projekt umzusetzen. Generell sind wir auch gegen eine Werbeüberflutung in Schulen aber gegen ein kleines Schild am Wasserautomaten von einer ortsansässigen Firma, also keine großen Marken, ist glaube ich nichts auszusetzen. Wie gesagt hier geht es nicht um Werbung sondern nur allein darum das die Schüler umsonst Tafelwasser trinken können. Gerade auch in der Disskussion mit Ganztageschulen sind diese Wasserautomaten eine sinnvolle Ergänzung.
Am 24. Januar 2006 um 15:12 Uhr
@ Torsten
Ich glaube, ich kann für unser gesamtes Team sprechen: Eines sind wir bestimmt NICHT – nämlich Prinzipienreiter. Das sollte spätestens aus meinem längeren Kommentar (dem vierten von oben in der Kommentarliste) klar geworden sein. So wie du euer Konzept verkaufst, klingt es, als könnte man damit leben. Und solange ich es nicht gesehen hab, werde ich darübver kein Urteil fällen.
Gesehen habe ich aber einzig und allein die Präsentation der o.g. Firma. Und diese Präsentation ist dazu geeignet, mir den ganz intensiven Eindruck zu vermitteln, dass es in diesem konkreten Fall eben nicht um Wasser, sondern um massive Werbung geht. Aber wahrscheinlich sind wir uns in diesem Punkt sowieso einig.
Am 26. Januar 2006 um 14:20 Uhr
das stimmt da gebe ich dir recht, das scheint mir auch so,dass hier die Werbung bzw. der Profit im Fordergrund steht. Insgemein habe ich geschmunzelt als ich diesen Blog von dieser Präsentation lass. Das bestätigt uns, das wir zwar Mitbewerber haben, aber wir ein anderes Ziel verfolgen und das oft die Aussendarstellung, respektive die Ehrlichkeit siegt. Allgemein habe ich aber den Eindruck gehabt, dass alle Kommentare ein wenig Neid versprühten, das konnte man in den Kommentaren bzw. zwischen den Zeilen herauslesen – aber vielleicht habe ich mich auch nur getäuscht und wenn es so ist, jeder hat seine Meinung und diese kann man ja auch öffentlich kundtun, sonst gäbe es ja auch keine Weblog´s
weiterhin viel Erfolg
Am 6. November 2006 um 21:22 Uhr
Heftig. Wo soll das noch hinführen.
“Die Mathestunde wird Ihnen gesponsort von…”
Am 10. Dezember 2006 um 14:51 Uhr
ich bin ein schüler und wir haben in kunst unseren eigenen wasserspender gebaut. (ohne werbung)
Am 8. April 2007 um 10:59 Uhr
Hallo zusammen,
wer Schülern etwas Gutes tut ist schlecht. So ähnlich klingen viele der hier geschriebenen Botschaften. Dass eine Firma, die Wasserspender baut, damit auch Geld verdienen will ist wohl klar. Unterrichtet der Lehrer kostenlos, weil er so ein guter Mensch ist? Werden die Fenster in den Schulen vom Lieferanten mit Werbung beklebt? Das machen höchstens die Schüler. Was spricht dagegen, einen – werbefreien – Wasserspender mit Festanschluss im Schulgebäude aufzustellen? Fördermöglichkeiten (ohne Werbung)gibt es doch genügend. Geben Sie einfach bei Google den Begriff “Wasserspender” und “Schulen” oder “Festanschluss” ein. Es finden sich jede Menge guter Ideen. Anscheinend ist wirklich was dran, dass in Deutschland auch dann noch gemeckert wird, wenn eine gute Absicht dahinter steht. Eines ist jedenfalls klar: Die Schüler trinken zu wenig Wasser!
Grüße von Peter (für einen Hersteller von Aquaspendern !)
Am 1. Januar 2009 um 09:35 Uhr
Moin, da muß ich meinen Vorredner wohl Recht geben.
Wir führen den oben abgebildeten Wasserautomaten oder auch Tafelwasseranlage genannt auch ohne Werbung. Schauen Sie hier: tafelwasseranlagen.i...